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Wildes Tansania und exotisches Sansibar

Wildes Tansania und exotisches Sansibar

Für mich sollte es das zweite Mal in Ostafrika sein, aber das erste Mal so richtig auf Safari. Vor zwei Jahren war ich lediglich mal für drei Tage in Tsavo East und West, als ich an der kenianischen Küste zum Kitesurfen war. Doch diese drei Tage infizierten mich bereits mit dem „Afrika-Virus“ und ich sehnte mich nach mehr. Für Jochen (meinen Freund) war es das erste Mal in Afrika und er hatte keine Ahnung, was ihn erwartet.

Tag 1: Ankunft in Afrika – Karibu Sana

Nach etwa 12 Stunden und unzähligen Speisen und Getränken sind wir, d.h. mein Freund Jochen und ich endlich in Tansania gelandet. Nachdem wir die Einreiseformalitäten abgewickelt hatten, schnappten wir unser Gepäck und verließen ganz aufgeregt das kleine Flughafengebäude. Dort wartete bereits unser Guide mit einem Schild „Welcome Sharin“. Gemeinsam fuhren wir zu unserer Unterkunft, der African View Lodge, die sich etwas außerhalb von Arusha im Grünen befindet. Da es bereits dunkel war, haben wir nicht viel sehen können, aber dafür lernten wir schon einmal unseren Guide Steven kennen und ein paar wichtige Swahili-Wörter, wie z.B. karibu, habari gani, asante sana.
Nach etwa einer Stunde kamen wir in der Lodge an, genossen noch ein Kilimanjaro-Bier und fielen erschöpft ins Bett.
 

Tag 2: Erste Löwensichtung in Kenia

Erholt und gut ausgeschlafen machten wir uns nach dem köstlichen Frühstück auf den Weg zum Kambi Ya Tempo Tented Camp und machten Erfahrungen damit, was es heißt, wenn Afrikaner von „schlechten Straßen “ sprechen, die durch die starke Regenzeit teilweise vollständig weggespült wurden. Die „Straße“ führte genau durch die Ebenen des Mount Merus und Kilimanjaros, doch ein klarer Blick auf die berühmten Berge war uns dank der Wolken an diesem Tag nicht vergönnt. Trotz der teilweise provisorisch angelegten Ersatzwege hatte Steven alles im Griff und wir kamen nach etwa drei Stunden im Kambi Ya Tempo Tented Camp gut durchgeschüttelt, aber glücklich an. Hier wurden wir sehr herzlich vom Campmanager Sylvester und seinem Team empfangen und gleich mit einem köstlichen Mittagessen bei sagenhaftem Ausblick über das komplette Schutzgebiet versorgt. 

Nach der Stärkung und einer kleinen Verschnaufpause machten wir uns am Nachmittag mit unserem Guide Steven sowie einem ortskundigen Massai auf den Weg ins Schutzgebiet zu unserem ersten Game Drive. Da sich das Camp etwas abseits der bekannten Safari-Hotspots westlich des Kilimanjaros befindet, gingen wir ohne große Erwartungen an die Sache heran, kamen aber von den Eindrücken überwältigt zurück. Schon nach ein paar Minuten Fahrt sichteten wir die ersten Gazellen, Antilopen, Zebras und Giraffen, die im noch grünen Gras rasteten und herumtollten. Ein Vorteil bei Reisen in privaten Schutzgebieten (kein Nationalpark) ist die Möglichkeit, seine Safari auch abseits der angelegten Straßen „offroad“ fortzuführen. Diesen nutzen wir auch gleich, als wir in etwas größerer Entfernung einen großen Elefantenbullen zwischen den Sträuchern und Bäumen erblickten und uns vorsichtig an ihn heranpirschten.


Als die Sonne langsam unter ging, fuhren wir zur nahegelegenen Grenze zwischen Tansania und Kenia – ein Betonklotz mitten im Nirgendwo. In Sekundenschnelle funktionierte Steven die Motorhaube mit einer passenden Decke zum Picknicktisch um und stellte eine umfassende Auswahl an Bier, Wein und kleinen Snacks bereit. Mit der langsam untergehenden Sonne stießen wir auf die nächsten gemeinsamen Tage im Busch an.

Von einem freundlichen kenianischen Guide erfuhren wir, dass sich ein Löwenpärchen mit Jungen kurz hinter der Grenze auf der kenianischen Seite im Amboseli Nationalpark befinden sollte. Eigentlich ist ein Grenzübergang strikt verboten, aber es sollten keine Ranger unterwegs sein. So packten wir unser Picknick schnell wieder ein und machten uns auf den Weg. Tatsächlich hatten wir Glück und sahen unseren ersten Löwen bei unserer Tansania-Safari in Kenia. Ich konnte unser Glück kaum fassen. Ich erinnerte mich, wie schwer es im kenianischen Tsavo East und West Nationalpark war einen Löwen zu sichten. Und hier… an unserem ersten Tag in Tansania sahen wir Löwen aus nächster Nähe in Kenia, genial!

Nach der Wiederankunft im Camp, gingen wir nach dem Abendessen erschöpft und zufrieden mit Sylvesters Worten zu Bett:
„Good night. Tomorrow you will see the Kili.”
 

Tag 3: Arusha Nationalpark per Auto, Fuß und Boot

An diesem Morgen erwachten wir mit der aufgehenden Sonne und der Hoffnung endlich die schneebedeckte Krone des Kilimanjaros zu sehen. Sylvester behielt recht, der mächtige Fünftausender zeigte sich in seiner gesamten Fülle vor uns. Es erschien so unwirklich… ein so riesiger, mit schneebedeckter Berg in der ansonsten so platt erscheinenden, ostafrikanischen Landschaft. Sylvester zeigte uns auch eine besondere Stelle im Camp, von wo aus wir den Mount Meru und den Kilimanjaro - die beiden höchsten Berge Tansanias – gleichzeitig bewundern konnten. Wir beide waren begeistert. Auf dem Weg vom Kambi ya Tembo zum Arusha Nationalpark rief ich immer wieder Steven zu „Halt - von hier aus muss ich ein Foto vom Kili machen!“.

Angekommen im Arusha Nationalpark sind wir verwundert über das saftige, grüne Landschaftsbild, als wären wir plötzlich in einer anderen Welt. Die Zebras, Büffel, Warzenschweine und Antilopen grasten dort gemeinsam im hohen, grünen und saftigen Gras. Die starken Regenfälle sorgten also nicht nur für kaputte Straßen, sondern auch für blühende Landschaften.

Das Besondere am Arusha Nationalpark ist, dass man hier eine Walking Safari mit einem Ranger machen kann. Der Ranger führte uns durch die grüne, teils sumpfige Landschaft an den Hängen des Mount Merus, vorbei an einem versteckten, ca. 15 m hohen Wasserfall und erklärte uns viel über die Landschaft und die Tierwelt. Dank des wolkenlosen Himmels konnten wir stets den mächtigen Kilimanjaro sehen. 

Als wir eine Herde von Büffeln auf der anderen Seite eines kleinen Baches nur wenige Meter von uns entfernt sichteten, waren wir glücklich und von Respekt erfüllt. Es ist ein unglaublich spannendes Gefühl, wenn man nicht in einem schützenden Auto sitzt, sondern nur durch einen kleinen Bach von den Tieren getrennt ist.
Der Arusha Nationalpark hat aber noch mehr zu bieten. Am Momella-See stiegen wir mit zwei Guides in Kanus und entdeckten vom Wasser aus die vielen Tiere am Ufer. Doch nicht nur außerhalb des Wassers sahen wir Tiere. Die Exkremente, die das Territorium markierten, „Hippo-Poo“, führten uns direkt zu den Nilpferden, die uns mit ihren typischen Lauten gleich klar machten, wer in diesem See der Boss ist. Mit ausreichendem Sicherheitsabstand konnten wir sie dennoch bewundern, ehe wir uns im Kanu zurück zur Uferstelle machten.

Am Abend sind wir dann selbst noch ins Wasser gesprungen, aber in den Swimmingpool der African View Lodge, mit Blick auf den Mount Meru.

Tag 4: Rote Bananen – wo gibt es denn sowas?

Auf dem Weg von Arusha zum Lake Manyara Nationalpark passierten wir die kleine Stadt Mto wa Mbu, die berühmt ist für ihre roten Bananen, die es dort am Straßenrand zu kaufen gibt und natürlich auch von uns getestet werden mussten: köstlich! 

Der Lake Manyara Nationalpark​​​​​​​ ist durch die baumkletternden Löwen bekannt geworden, doch nachträglich können wir sagen, dass wir überall baumkletternde Löwen gesehen haben, außer dort. Stattdessen sahen wir dutzende baumkletternde Paviane, die sich auch nicht zu schade waren sich gegenseitig an pikanten Stellen zu „reinigen“ und durch den Wald wandernde Elefanten, die uns den Weg versperrten und sich in einem Schlammloch genüsslich suhlten.

Tag 5: Vögel bitte nicht füttern!

An diesem Morgen machten wir uns endlich auf den Weg in den berühmten Serengeti Nationalpark.

Zehn Minuten nach dem Eingang des Ngorongoro Wildschutzgebietes stiegen wir mit sommerlichen Klamotten aus dem Auto und sind wegen der kalten Luft erstarrt. Wir befanden uns auf ca. 2.600 m Höhe direkt an der Aussichtsplattform vom legendären Ngorongoro Krater. Wir hatten Glück, dass der Himmel wieder im schönsten Blau erstrahlte, so dass wir einen atemberaubenden Ausblick in den Krater hinein hatten. Wären wir nicht sowieso schon vor Kälte erstarrt, wären wir es spätestens bei diesem Ausblick. 

Nach etwa 2,5 Stunden durchfuhren wir die offiziell gesetzte Grenze zwischen dem Ngorongoro Wildschutzgebiet und dem Serengeti Nationalpark. Kaum waren wir in der berühmten Serengeti sahen wir unzählige Zebras, die in der Mittagshitze ihre Köpfe gegenseitig entspannt auf den Körper eines anderen Zebras legten. Zwischen den Zebras lagen immer wieder ein paar Gnus, die es sich graskauend in der Sonne gemütlich machten. Unser Guide erzählte uns, dass die Herden Teil der Großen Migration seien. Doch wer hätte die Herden im Juni in diesem Teil der Serengeti erwartet? Aufgrund der Regensaison, die schon lange nicht mehr so viel Wasser mit sich brachte wie dieses Jahr, verschob sich der gesamte Verlauf nach hinten.

Kurz vor dem Naabi Hill Gate sahen wir plötzlich mehrere Autos an einem Fleck stehen. Wir dachten schon, es sei ein Unfall, aber nein. Ein Löwenpärchen lag direkt am Straßenrand unter einem Baum: im Halbschlaf und nichts tuend genossen sie den spärlichen Schatten eines kleines Busches und ließen sich dabei in keinerlei Hinsicht von den brummenden Jeeps und den tuschelnden Menschen stören. 

Kurz darauf machten wir am Naabi Hill Gate eine Mittagspause. Eins kann ich vorab sagen: Man sollte auf Schilder achten! 

Direkt nachdem wir unsere prall gefüllte Lunchbox öffneten, kamen die neugierigen, glänzenden, bunten Dreifarben-Glanstare zu uns, um nach Futter zu betteln. Beim Essen fiel mir versehentlich ein kleines Stück vom Brot herunter, kurz darauf ein weiteres, bevor ich dann Sekunden später von einem wütenden Ranger auf Swahili zurechtgewiesen wurde. Ich verstand natürlich kein Wort und blickte erstaunt drein, während der Ranger sich immer mehr in Rage redete und sich zunehmend an Steven wandte, da auch er mitbekomme haben dürfte, dass ich nur „Bahnhof“ verstand. Ich konnte mir natürlich denken, worum es geht, und entschuldigte mich. Doch er schaute mich nicht einmal an. Steven konnte ihn etwas beruhigen, woraufhin der Ranger immer noch wütend abzischte. Anschließend erzählte Steven uns, dass es verboten sei, die Vögel zu füttern und der Ranger 50 USD deswegen von mir verlangte, doch Steven konnte mich aus dieser Situation retten. Als er sich dann um die Formalitäten am Gate kümmerte, und wir ein wenig rumgelaufen sind, sahen wir auch das Schild, das uns vor dem „Ärger“ bewahrt hätte: „Please do not feed the birds“. 

Doch wir waren nicht die Einzigen, die auf solch eine Idee kamen. Kurz darauf sahen wir am Nebentisch eine Gruppe Reisender, die ebenfalls die schönen Vögel fütterten, doch wir hatten Sie direkt gewarnt. 

Nach der Aufregung entspannten wir im Infinity Pool der Kubu Kubu Tented Lodge und genossen den wunderschönen Ausblick über die Weite der Serengeti.
 

Tag 6: Gnus in der Paarungszeit

Nach dem Frühstück mit unglaublichem Ausblick auf die Serengeti machten wir uns auf den Weg zum mobilen Serengeti Safari Camp, das zu der Zeit in der südlichen Zentralserengeti stationiert war.

Dort angekommen standen wir inmitten von Tausenden Gnus und Zebras. Die Kühe mit ihren Kälbern grasten ganz entspannt in der Nachmittagssonne, doch die männlichen Gnus rannten die ganze Zeit muhend umher und brachten sehr viel Unruhe in das Bild. Es wirkte, als hätten sie keinen Plan, was sie da gerade tun. Es war sehr amüsant dem Treiben zuzusehen, dass permanent von einem grölenden „möhhh, möhhh“ durchzogen war.
Am Abend saßen wir mit den anderen Camp-Gästen an einer langen Tafel, an der alle gemeinsam zu Abend gegessen haben und sich über ihre persönlichen Safari-Erfahrungen austauschten. 

Während die Gnus weiterhin muhend ihre Runden drehten, schliefen wir in unserem Zelt inmitten der Wildtiere ein.
 

Tag 7: Babyalarm

Heute ging es per Pirschfahrt in den nördlichen Teil der Zentralserengeti. Auf der Fahrt freuten wir uns wieder über unzählige Gnus, Elefanten, verschiedene Antilopen, perfekt getarnte Krokodile, Löwen und einen Leoparden (na gut, leider nur den Schwanz vom Leoparden, der sich in einer Baumkrone versteckte).

Doch unser heutiges Highlight erlebten wir am sogenannten Hippo Pool mit unzähligen Nilpferden. Da eine Picknickstelle direkt am Hippo Pool lag, war es uns erlaubt auszusteigen und bis auf zwei-drei Meter vom Flussbett entfernt die ca. 50 Hippos mit ihren wackelnden Ohren zu beobachten.

Wir wunderten uns über ein Nilpferd, das ein paar Meter abseits der Tiere im Wasser lag. Kurz darauf konnten wir es kaum glauben, aber da erschien plötzlich ein Baby Hippo, das nicht einmal so groß wie der Kopf seiner ausgewachsenen Mutter war. Wir spürten die Anspannung der Mutter, die durchgängig ihre Umgebung im Blick hatte, und rätselten wie alt ihr Kalb wohl sein könnte. Als es plötzlich Wasser spritzte und kurz darauf ein Krokodil mit etwas Schleimigen an die Oberfläche kam, wussten wir, dass das Baby erst frisch geboren wurde. Das Krokodil hatte sich die Fruchtblase geschnappt.

Als die Sonne langsam unterging, mussten wir uns nach fast zwei Stunden von den Hippos trennen. Im Sanctuary Kichakani Camp wurden wir sehr herzlich vom Team mit einem Sundowner am Lagerfeuer empfangen. 
 

Tag 8: Stevens Vorhersage

Diesen Morgen verließen wir das Sanctuary Kichakani Camp mit Stevens Worten „Heute werden wir Hyänen sehen“. Natürlich waren wir uns dessen bewusst, dass Steven ein hervorragender Guide ist, doch wer kann einem schon garantieren, dass die Tiere genau an der bestimmten Stelle sein werden?

Auf dem Weg gen Süden erfreuten wir uns wieder über unzählige Tiersichtungen und auch wieder über die sechs Löwinnen, die wir schon einen Tag vorher in einem anderen Baum gesichtet hatten. 

Nach etwa 3,5 Stunden waren wir in der Südserengeti an einem ausgetrockneten Flussbett angekommen, dort wo Steven uns die Hyänen versprach. Die Südserengeti wirkte im Gegensatz zur Zentralserengeti sehr ausgetrocknet und ausgestorben. Wir sahen vergleichsweise wenige Tiere wie z.B. Thomson Gazellen, Zebras, Kuhantilopen und Giraffen. Vielleicht konnten wir es gerade deswegen nicht wahrhaben, dass wir plötzlich acht dieser scheuen, aber neugierigen Tiere sahen. Die Hyänen suchten in dem ausgetrockneten Flussbett Schattenplätze und gruben ihre Höhlen. 

Mal wieder glücklich und zufrieden fuhren wir so langsam Richtung Camp. Doch auf dem Weg dorthin erlebten wir ein weiteres Highlight – eine Löwenfamilie mit Jungtieren auf einem der Kusini Kopjes.

Nach den spannenden Tiersichtungen machten wir es uns auf den Kopjes, um die das Sanctuary Kusini Camp gebaut ist, mit einem Drink und Snacks gemütlich und genossen von dort oben den atemberaubenden Sonnenuntergang. 
 

Tag 9: Ein Löwe am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Wie fast jeden Morgen wurden wir um 6:15 Uhr von einem Mitarbeiter des jeweiligen Camps mit Kaffee, Tee und Keksen geweckt. Wir ließen uns immer etwas früher wecken, damit wir die Getränke ganz entspannt vor unserem Zelt trinken konnten. Wir liebten diese Stille mit Tiergeräuschen mitten in der Wildnis. Doch an diesem Morgen war es nicht ganz so entspannt, zumindest für mich. Als wir rausgingen, sahen wir plötzlich eine Löwin etwa 40 - 50 m hinter schmalen Bäumen auf den Kopjes vor unserem Zelt liegen. Die Löwin schaute uns genau an, wie auch wir sie. Als ich nach links blickte, sah ich noch einen Löwen. Doch Jochen lachte nur, es war lediglich eine Impala. Anstatt ganz entspannt auf unseren gemütlichen Liegen zu sitzen, stand ich diesen Morgen lieber, um alles im Blick zu haben. Als wir zum Frühstück gingen, war die Löwin bereits verschwunden. 

Nach dem Frühstück verließen wir das Sanctuary Kusini Camp und fuhren in Richtung Ngorongoro Krater. Erste Station waren wieder die Kusini Kopjes, da wir hofften, die Löwenfamilie noch einmal zu sehen. Nachdem wir zwei Runden um den Felsen gefahren sind, entdeckte Jochen eine Löwin auf einem Felsen nebenan. Die Löwin fokussierte das hohe Gras vor sich und als sie brüllte, kamen plötzlich fünf kleine Löwenbabys nach und nach herausgesprungen und stolzierten noch etwas unbeholfen und quietschend mit der Löwin zum Felsen vom Vortag. 

Nach dem wir das morgendliche Treiben der Löwenfamilie etwa eine Stunde vollkommen ungestört beobachteten, mussten wir aufbrechen. Die südlichen Ebenen kamen uns erneut sehr verlassen vor, wir sahen weder viele Tiere noch andere Autos. Nachdem wir aber dreimal auf Löwen trafen, glaubte ich in der Ferne wieder welche gesehen zu haben. Steven hielt aber dagegen und glaubte, es seien Hyänen. Keiner hatte Recht, es waren Geparden – eine Mutter mit vier ausgewachsenen Jungen. Laut Steven handelte es sich um eine sehr gute Mutter, da es eher selten ist, dass eine Mutter vier Jungtiere durchbringen kann. 

Am Nachmittag sind wir im Entamanu Camp angekommen. Das Camp liegt am nordwestlichen Rand des legendären Ngorongoro Kraters und bietet einen fantastischen Blick in den Krater.

Diesen Abend verbrachten wir wieder in geselliger Runde mit den anderen Safari-Touristen und tauschten uns mit den anderen Reisenden über die bisherigen Erlebnisse aus.
 

Tag 10: Nashorn in Sicht

Diesen Morgen machten wir uns bereits um 5:45 Uhr auf den Weg in den legendären Ngorongoro Krater. Wir fuhren die steile Straße hinunter, währenddessen versuchte die aufgehende Sonne durch die morgendlichen Wolken hindurch zu strahlen.

Wie wahrscheinlich jeder Tourist hofften auch wir, ein Nashorn im Krater zu sichten. Da wir schon sehr früh im Krater waren, sei unsere Chance etwas höher, sagte unser Guide John, mit dem wir an diesem Tag unterwegs waren. Tatsächlich hatten wir wieder einmal Glück und sahen an dem Tag sogar zwei mächtige Nashörner. 

Ganz langsam fuhren wir über die Pisten des Ngorongoro Kraters, staunten über die Tierdichte und -vielfalt, als plötzlich zwei muhende, sich jagende Gnus auf uns zu rannten. Das eine Gnu hatte gerade noch ausweichen können, doch das andere rutschte aus, flog gegen unseren rechten Vorderreifen, stand direkt wieder auf und rannte muhend weiter. Wir waren kurz unter Schock bis unser Guide stumpf sagte: „Seht Ihr wie dumm diese Gnus sind?“. Lautes Gelächter schallte durch den Wagen, denn schon am Morgen zweifelten wir an ihrer Intelligenz, als sie nur wenige Meter ungestört neben hungrigen Löwen lagen.

Diese Nacht verbrachten wir im Sanctuary Crater Camp, das am nordöstlichen Kraterrand, mitten in einem Wald in der Nähe des Lemala Gates liegt.
 

Tag 11: Schmuck aus Abfall

Wir verließen das Ngorongoro Wildschutzgebiet und fuhren zum Eyasi-See, der auf nur sehr wenigen Touristenrouten liegt. Auf dem Weg dorthin passierten wir wieder den Krater-Aussichtspunkt, doch diesmal war von einer Aussicht keine Rede. Wir konnten es uns nicht nehmen, noch ein Foto bei dichter Wolkendecke zu machen. 

Auf der Fahrt zum Kisima Ngeda Camp machten wir zudem Halt bei den alteingesessenen Stämmen der Blacksmiths und der Datogas, die auch heute noch auf traditionelle Weise leben. Ein hiesiger Guide, der selbst vom Stamm der Datoga stammt, erklärte uns ihre Lebensweisen und Begrüßungsrituale, bevor wir selbst Kontakt mit Ihnen aufnahmen. Die Blacksmiths, eine Untergruppe der Datoga, begrüßten uns herzlich und führten uns in Ihr Zelt, in dem Sie aus Metallabfällen auf einfachste Weise kunstvollen Schmuck und Pfeile für die Jagd schmiedeten. Hiernach ging es zum polygam lebenden Hirtenvolk der Datoga. Auch hier nahmen uns zahlreiche Kinder und fünf Frauen freundlich in Empfang: Die Frauen waren alle mit dem gleichen Mann verheiratet und lebten friedlich in einer kleinen Lehmhütte zusammen. Sie luden uns in ihr zu Hause ein, wo wir gemeinsam auf traditionelle Weise Maismehl für Polenta herstellten und sie uns stammtypische Lieder vorsangen. Der Guide erklärte uns, dass ein Mann eine gewisse Anzahl an Kühen braucht, um Frauen und Kinder ernähren zu können. Nur wenn er genug Kühe hat, darf er eine weitere Frau ehelichen. Aufgrund dieser Erkenntnisse waren wir nicht verwundert, dass uns auf dem Weg zur unserer Unterkunft eine große Herde Kühe entgegenkam.

Wir fuhren zum Kisima Ngeda Camp, das direkt am Eyasi-See liegt und einen direkt entschleunigt. Als die Sonne langsam anfing unterzugehen, wanderten wir mit einem freundlichen Mitarbeiter vom Kisima Ngeda Camp den Felsen hinter dem Camp hoch und betrachteten den Sonnenuntergang über dem endloserscheinenden Eyasi-See. Kaum zu glauben, dass dieser in der Trockenzeit vollständig austrocknet.

Tag 12: Begegnung mit den Hadzabes

Wie heißt es so schön? „Der frühe Vogl fängt den Wurm“! Daher starteten wir noch bevor die Sonne aufging, denn an dem Tag sollte es mit den Hadzabes auf eine kleine Jagdtour gehen. Die Hadzabes sind die letzten ostafrikanischen Buschmänner, die noch heute vom Jagen und Sammeln leben. Nur einige Familienverbände haben sich dem Tourismus geöffnet, in dem sie ihnen einen Einblick in ihr traditionelles Leben verschaffen und sie mit auf die Jagd mit Pfeil und Bogen nehmen.

Nachdem wir uns gemeinsam mit ihnen am Lagerfeuer etwas aufgewärmt haben, nahmen uns drei junge Hadzabes mitsamt Pfeil und Bogen mit auf die Jagd. Sie waren sehr wachsam und hochkonzentriert. Sobald sie ein Tier sichteten, nahmen sie einen ihrer speziellen Pfeile und liefen schnell, aber beinahe geräuschlos. Doch leider hatten wir bzw. sie an diesem Tag nicht besonders viel Glück. Das Land war ausgetrocknet und es waren keine Tiere mehr zu sehen, außer ein paar kleinere Vögel. Für den Familienverband wurde es langsam Zeit weiterzuziehen. Wie auch die Tiere, so müssen auch die Hadzabes dorthin wandern, wo sie ausreichend Nahrung vorfinden.
Nach dem wir von der Jagd zurückkehrten durften wir selbst unser nicht vorhandenes Talent mit Pfeil und Bogen austesten. Plötzlich wurde mir klar, weshalb die Männer so gut trainiert sind. 

Wir hätten niemals gedacht, dass es tatsächlich so authentisch und nicht touristisch ist. Wir fühlten uns keineswegs unwohl in der Situation. Dagegen erfuhren wir sogar, dass die Hadzabes aufgrund der Touristen ein besseres Ansehen in der Bevölkerung bekommen haben, da auf diese Weise langsam Vorurteile gegenüber der aus unserer Sicht eigenwilligen Lebensart abgebaut werden können.

Nach unserer Begegnung mit den letzten ostafrikanischen Buschmännern fuhren wir zu unserer letzten Station, dem Tarangire Nationalpark
Hier übernachteten wir die erste Nacht im Kuro Camp mitten im Nationalpark. 
 

Tag 13: Überraschung

Als wir mit unserer Pirschfahrt starteten, fuhr Steven plötzlich sehr schnell und sagte nur, dass er eine Überraschung für uns hätte. Ich mag Überraschungen, aber noch lieber mag ich, über diese Bescheid zu wissen. Wir hofften, dass er das eine Tier meinte, von dem wir bisher nur einen Schwanz gesehen hatten. In der Ferne sahen wir schon zwei Safariautos und als wir näherkamen, sahen wir tatsächlich einen prächtigen Leoparden mitten auf der Straße. Er hatte sich bei der Jagd leicht verletzt und humpelte mehrere hundert Meter direkt neben uns die Straße entlang, eher er im hohen Gras verschwand, um seine Wunden zu lecken. Wieder einmal konnte ich unser Glück kaum fassen, wenngleich wir natürlich auch Mitleid mit dem verletzen Jäger hatten und hofften, dass er sich schnell wieder erholte. 

Letztendlich konnten wir auf unserer Safari wirklich alles erleben, was wir uns vorgestellt hatten, selbst den für Jochen so wichtigen Mistkäfer, der sein Tageswerk zufrieden nach Hause rollte. 

Am Nachmittag fuhren wir vollkommen glücklich zum Sanctuary Swala Camp, das ebenfalls mitten im Tarangire Nationalpark liegt, fernab von den Tourismusströmen. Hier ließen wir unseren letzte Abend im Busch ganz entspannt mit Blick auf die grasenden Wasserböcke und Impalas ausklingen.
 

Tag 14 - 15: Das verrückte Labyrinth

Nach zwei unvergesslichen, spannenden, tierreichen Wochen auf Safari ging es anschließend noch für eine Woche nach Sansibar. 

Die ersten zwei Tage verbrachten wir im Swahili House in der geschäftigen Altstadt Stone Town. Unser Hotel lag inmitten der engen, viel beschäftigten Gassen, unweit des alltäglichen Marktes, auf dem die Einheimischen sich mit allerlei Dingen versorgten. Es war sehr viel los, so dass wir uns durch das Gedränge kämpfen mussten und immer wieder von Verkäufern angesprochen wurden. Wir deckten uns mit verschiedenen Gewürzen und Sansibar-typischen Mischungen ein und entspannten beim Abendessen auf der schönen Dachterrasse des Swahili Houses

Am nächsten Morgen unternahmen wir einen typischen Ausflug auf Sansibar -Prison Island. Per Dhau fuhren wir ca. 20 Minuten zu der Insel, die man bereits von Stone Town sehen kann. Einst war Prison Island, wie der Name schon sagt, ein Gefängnis, später Quarantänestation und Krankenhaus. Heute dient die Insel als Touristenattraktion und bietet eine Hotelanlage, die allerdings eine Renovierung vertragen könnte. Seit 1919 leben auf der Insel Aldabra-Riesenschildkröten, die älteste ist 206 Jahre alt. 

Nach einer kleinen Schnorcheltour am Rande von Prison Island kamen wir wieder am sansibarischen Strand an und starteten auf eigene Faust unsere Erkundungstour – nicht empfehlenswert. Nach nur 10 Metern bereuten wir diese Entscheidung, da wir ziemlich oft von irgendwelchen Leuten angesprochen wurden, die uns irgendeine Tour oder andere Dinge verkaufen wollten. Wir irrten durch die engen, teilweise nur einen Meter breiten Gassen der Stadt, die wie ein Labyrinth wirkten und mit europäischen Straßen nichts gemein hatten. Nach längerem Hin und Her sowie der mehrfachen Durchquerung der gleichen Gassen, brachte uns ein Mitarbeiter eines anderen Hotels freundlicher Weise zum Swahili House, nach dem wir mehrere Male planlos an dem Mitarbeiter vorbeiliefen.
 

Tag 16 - 18: Keine Sonnenbrandgefahr

Wir kehrten dem Trubel der Altstadt unseren Rücken zu und verbrachten die darauffolgenden Tage an der Südostküste Sansibars – zwei Nächte im Breezes Beach Club und eine Nacht im Baraza Resort & Spa.

Schnellstmöglich wollten wir in den strahlend blauen Ozean springen. Zimmer bezogen, Badesachen übergeschmissen, so gerade noch an ein Handtuch gedacht, ab ins Meer. Endlich – es war herrlich!

An dieser Station hatten wir nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter und so zeigte sich die Sonne nicht ganz so häufig, wie man es sich für einen Badeaufenthalt wünscht, wenngleich die Temperaturen mit 25 °C sehr angenehm waren. Dennoch hat Sansibar, meiner Meinung nach, viel zu bieten, wenn es um Wassersport geht. Wenn schon nicht die Sonne mitspielte, spielte zumindest der Wind mit. Endlich konnte ich mich mal wieder dem Kitesurfen widmen und schnappte mir einen 10er und ein Brett und los ging es auf den leuchtenden Ozean. Es war der Wahnsinn – ich war die einzige am ganzen Spot. In der Ferne konnte ich dagegen mehrere Schirme an einer Stelle sehen – genau vor Paje, der Kite-Hochburg Sansibars. Nach etwa einer Stunde gesellte sich lediglich ein Windsurfer dazu.

Den nächsten Tag verbrachten wir weitestgehend faulenzend in unserer Suite mit eigenem Planschpool im Baraza Resort & Spa. Der Muskelkater in meinen Beinen schrie nach Erholung und so beugte ich mich. Schließlich saßen wir während der Safari zwei Wochen lang nur im Auto und plötzlich forderte ich wieder Leistung von meinem Körper ein.

Wir konnten aber nicht ganz still sitzen, schließlich bietet das Baraza Resort & Spa einen Kanuverleih und da der Mitarbeiter des Wassersportzentrums unsere Frage, ob es möglich sei bei dem Wetter Kanu zu fahren, nicht wirklich verneinte, mussten wir es natürlich versuchen. Auf dem Wasser hatte der Wind aber noch weitaus mehr Kraft als am Strand und so mussten wir nach nur 2 Minuten unser Vorhaben abbrechen. Naja, dann ging es halt in den großzügigen Pool, in dem wir zumindest noch ein paar Bahnen schwimmen konnten. 

Am Abend machten wir uns für das Sechs-Gänge-Menü zurecht und ließen den Abend bei angenehmer Live-Musik ausklingen.
 

Tag 19 - 20: Barfuß ist das Motto

Nach drei wunderschönen Nächten in den luxuriösen Unterkünften der Zanzibar Collection ging es für uns in die Fumba Beach Lodge an der Südwestküste.

Diese Lodge war im entspannten, offenen Robinson Crusoe-Stil gehalten, so dass wir endlich mal den ganzen Tag Barfuß laufen konnten und uns weniger Gedanken über unser Outfit machen mussten, als in den luxuriöser angelegten Unterkünften die Tage zuvor. Das Wetter spielte mittlerweile auch wieder mit und so konnten wir doch mal etwas für unsere Bräune tun. Allerdings hatte das Meer eine größere Anziehungskraft auf uns ausgeübt als der Strand mit der herrlichen Sonne. Daher meldeten wir uns zum Tauchen bei der hauseigenen Tauchstation an. Schließlich liegt die Fumba Beach Lodge direkt am Marineschutzgebiet Menai Bay, weshalb uns schon lange vor unserer Reise klar war, dass wir dort tauchen werden. Zusammen mit unserem Divemaster machten wir uns zu Fuß auf dem Weg zu den Booten, die wegen der Ebbe ca. 500 Meter von der Küste entfernt zu Wasser lagen und traten die ca. 40-minütige Fahrt zum nahegelegenen Korallenriff an. Bei zwei Tauchgängen à 45 Min entdeckten wir im glasklarem Wasser in bis zu 18 Meter Tiefe verschiedene Fische und Meerestiere, darunter Lion-Fische, Snapper und unterschiedliche bunte Korallen. Bei einer leichten Briese machten wir uns per Boot auf den Weg zurück zur Unterkunft und genossen den letzten Tag am Pool mit Ausblick auf das weite Meer.
 

Tag 21: Tag des Abschiedes

Nach dem letztmaligen Genuss des vortrefflichen Frühstücks im Hauptbereich der Lodge erwischten wir eine Gruppe von Affen spielend in unserem Badezimmer, welches sich direkt neben unserem Häuschen unter freiem Himmel befand. Besonderes Interesse hatten die Affen an unseren Spiegeln, hinter denen Sie vergeblich ihre Artgenossen suchten. Auch war die Hängematte des Nachbarn hervorragend geeignet um darin herumzutollen und mit den anderen eine Art Krieger-Tick-Spiel zu veranstalten. Natürlich ließen die Affen sich nicht wirklich von uns stören und so mussten wir aufpassen, dass wir beim Packen unserer Rucksäcke auch nichts vergessen, womit die Affen dann sekundenschnell in den Baumwipfeln hätten verschwinden können.

Am Mittag holte uns ein Fahrer ab und brachte uns zum Flughafen der Insel, von wo es über Daressalam und Amsterdam dann nach drei erlebnisreichen und unvergesslichen Wochen zurück nach Hause ging. Bei einem letzten Blick aus dem Flieger während des Sonnenuntergangs auf das Land, welches uns in den letzten drei Wochen einmalige Erfahrungen und Erlebnisse bescherte, kam nicht nur etwas Wehmut auf, sondern auch der Wunsch unbedingt einmal wiederzukommen.
 

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