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WARUM IST BOTSWANA SO HOCHPREISIG?

WARUM IST BOTSWANA SO HOCHPREISIG?

EIN INTERVIEW MIT UNSEREM EXPERTEN SEBASTIAN EDDELING

Für eine knapp zweiwöchige Reise nach Botswana mit festen Safaricamps und -lodges zahlt man in der Hochsaison mit Flügen ja schnell 5.000,- bis 6.000,- Euro pro Person. Warum liegen die Preise so hoch?

S.E.: Botswanas Regierung bemüht sich schon seit langem um einen besonders nachhaltigen und naturfreundlichen Tourismus. So sind die Übernachtungsmöglichkeiten innerhalb der Schutzgebiete stark begrenzt und es gibt strenge Auflagen für Safariunternehmen, speziell auch für den Bau und Betrieb von Unterkünften. Gleichzeitig ist Botswana ein (wie wir finden zu Recht) sehr beliebtes Reiseziel. Das verhältnismäßig geringe und exklusive Angebot und die große Nachfrage ergeben dann hohe Preise.

Was heißt das konkret? Was macht zum Beispiel eine Unterkunft im Okavango Delta so teuer?

S.E.: Zunächst muss eine der Konzessionen im Delta zu hohen Gebühren gepachtet werden. Viele dieser Konzessionen haben eine Größe von 200 bis 600 km², einige sind über 2.000 km² groß. Erlaubt wird dann jedoch nur der Bau von vielleicht zwei oder drei kleinen Unterkünften mit nur wenigen Gästen (oftmals nur 10 – 16 Reisende). 

Zum Vergleich: das berühmte Sabi Sands Reservat am Krüger Nationalpark in Südafrika ist ca. 650 km² groß und dort gibt es über 30 Unterkünfte, die in der Regel auch noch mehr Gäste beherbergen. Im Okavango Delta zu Gast sein heißt auch, für den Natur- und Tierschutz sowie eine unglaublich weite Wildnis völlig abseits jeglicher Zivilisation zu bezahlen. 

Zudem ist der Betrieb einer Unterkunft in einem riesigen Delta-Gebiet praktisch ohne jegliche Infrastruktur auch logistisch eine Herausforderung. Manche Unterkünfte werden gelegentlich von Allrad-Safaritrucks versorgt, die teilweise über Tage durch schwierigstes Terrain fahren. Oftmals werden aber nicht nur die Gäste, sondern auch Lebensmittel, Ersatzmaterial, Angestellte und vieles weitere per Sportflugzeug eingeflogen. Da keine der Unterkünfte an ein Stromnetz angeschlossen ist und Botswana den Verbrauch von fossilen Brennstoffen soweit es geht reduzieren will, wird Strom oft durch Solaranlagen erzeugt. Das alles verursacht natürlich auch enorme Kosten. 

Dafür bekommt man dann aber auch immer absoluten Luxus, oder?

S.E.: Die gerade genannten Gründe für ein grundsätzlich recht hohes Preisniveau sind ja erst einmal unabhängig vom Standard einer Unterkunft. Diese Kosten entstehen auch, wenn man eine eher rustikale Unterkunft betreibt. Hinzu kommen die vielen Inklusivleistungen. Man hat immer Vollverpflegung, Getränke (auch den Gin Tonic zum Sundowner! :) ) und vor allem pro Tag zwei Mal mindestens 3-4 Stunden von professionellen Guides geführte Safaris inklusive. Stellen Sie sich einmal vor, Sie fahren hier in Europa 6-8 Stunden mit einem Taxi durch die Gegend…. Ich finde daher, dass selbst etwas einfachere Safaricamps (aber dennoch höherwertiger, als in vielen anderen Ländern) im Delta ein wirklich tolles Erlebnis bieten! Mehr Komfort oder gar Luxus kostet dann eben auch noch einmal ein bisschen mehr.

Könnte man nur mal kurz ins Okavango Delta fliegen und sonst andere Regionen besuchen? Dann müsste der Preis doch deutlich niedriger liegen?

S.E.: In der Umgebung von Kasane am Chobe Nationalpark und dem Chobe Fluss gibt es auch deutlich günstigere Unterkünfte. Hier gibt es eine sehr gute Infrastruktur (Supermärkte/Geschäfte, Stromnetz, internationaler Flughafen usw.). Das senkt die Preise drastisch, dafür ist dort aber auch recht viel los. In den meisten anderen Regionen in Botswana ist das Preisniveau oft nur geringfügig günstiger als im Okavango Delta. Das gilt vor allem für die Linyanti und Savuti Region, den Nxai Pan Nationalpark und das Central Kalahari Wildschutzgebiet. Möchte man also nicht wirklich an gutem Safari-Erlebnis einbüßen, kommt man um das höhere Preisniveau kaum herum.

Man muss ja vielleicht auch nicht unbedingt überall per Sportflugzeug hinfliegen. Wäre eine Gruppenreise mit Fahrer/Guide nicht eine gute und günstigere Alternative?

S.E.: Gerade im Großteil des Okavango Deltas und der Linyanti Region können viele Unterkünfte gar nicht per Fahrzeug erreicht werden. Dort, aber auch in den anderen, wildreichen Regionen liegen zudem fast ausschließlich sehr kleine, für Gruppen ungeeignete Safariunterkünfte. Diese kann man in der Regel nur mit „All Inclusive“ buchen. Man zahlt also die Safaris mit den dortigen Guides automatisch mit und würde mit einem eigenen Fahrer/Guide dann doppelt bezahlen. Gruppenreisen mit festen Unterkünften, die wirklich tief in die spannenden Regionen gehen, bieten sich daher in Botswana im Gegensatz zu vielen anderen Ländern nicht wirklich an.

Es gibt ja alternativ auch Zeltsafaris in kleinen Gruppen. Wenn man aber nicht unbedingt sein kleines Igluzelt selbst aufbauen und auf dem Boden schlafen will, scheinen auch diese nicht gerade günstig. Wie kommt das?

S.E.: Wenn man die tatsächliche Anzahl der Safaritage genau mit einer Flugsafari vergleicht, ergibt sich selbst bei sehr komfortablen Zeltsafaris, bei denen man in richtigen Betten schläft und sein eigenes „Buschbadezimmer“ hat, in aller Regel trotzdem ein deutlicher Preisvorteil. 

Die dennoch bestehenden Kosten sind vor allem durch eine sehr kleine Gruppengröße (meistens nur 6-8 Teilnehmer) und den hohen logistischen Aufwand bedingt. So ist die Gruppe meistens alleine mit dem Guide in einem Fahrzeug unterwegs und es gibt ein zweites Fahrzeug mit einer Crew von 2-4 Personen und dem gesamten Equipment. Die Zeltplätze befinden sich dann oft mitten in der Wildnis an einsamen Stellen, an denen es keinerlei Infrastruktur/Einrichtungen gibt. ALLES, was gebraucht wird, von Zelten über Stühle und Tische, WCs und Duschen bis hin zur Küche, wird mitgebracht. Belohnt wird man dann aber auch mit einem einmaligen, absolut intensiven Natur- und Wildnis-Erlebnis!

Haben Sie zum Abschluss noch besondere Tipps für Botswana-Reisende im Hinblick auf die Kosten?

S.E.: Sprechen Sie bei uns offen Ihre Wünsche und den preislichen Rahmen an! Uns ist absolut bewusst, dass gerade eine Botswana-Reise sehr preisintensiv und das Budget in aller Regel natürlich begrenzt ist. Wir beraten Sie dazu und wissen zum Beispiel, welche Camps und Lodges zu welcher Jahreszeit das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten.

Seien Sie offen für Reisen außerhalb der Hauptsaison. Gerade in Botswana sind die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Saisonzeiten besonders groß. Und wir sagen Ihnen, warum sich auch die Nebensaison lohnt!

Auch wenn Sie bisher auf Reisen noch nicht gezeltet haben, oder schon lange nicht mehr, werfen Sie trotzdem einen Blick auf die komfortablen Zeltsafaris! Die Unterbringung dort mit Betten, bequemen Matratzen, eigenem „Buschbadezimmer“ hat nichts mehr mit dem klassischen, einfachen Camping zu tun. Es ist ein wirklich tolles Erlebnis!

Man sollte auch nicht die Intensität einer Safari unterschätzen. Schon 6-8 Tage in Botswana bedeuten mindestens 40-50 Stunden Safari pur! Eine Kombination mit den Viktoria Fällen und zum Beispiel der wundervollen Kapregion in Südafrika bringt den Gesamtpreis deutlich nach unten und man ist schnell bei einer Reisedauer von 2-3 Wochen.

Am Ende bleibt nur zu sagen: ja, Botswana ist nicht günstig, dafür aber aus meiner persönlichen Erfahrung auch wirklich einzigartig im südlichen und östlichen Afrika! Für mich ist es die beste Safaridestination überhaupt!

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