Zum Inhalt der Seite springen
15 Tipps für Selbstfahrer in Namibia

15 Tipps für Selbstfahrer in Namibia

in Namibia

Einst der südlichste Punkt Deutschlands, doch erinnert dort so wenig an unsere Heimat. Die gewaltige Natur, die Leere und stellenweise extreme Trockenheit, versetzen Sie in eine völlig andere Welt. Rückkehrer schwärmen von „unendlichen Weiten“. Tatsächlich kommt man sich manchmal so vor, wie der erste Mensch der seinen Fuß in diese unwirtliche, menschenleere Landschaft setzt. Umso wichtiger ist es sich gut auf eine Reise nach Namibia vorzubereiten - vor allem als Selbstfahrer sollte man einige Dinge beachten. Eine Rundreise als Selbstfahrer bedeutet absolute Freiheit, aber auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Wir geben Ihnen hilfreiche Tipps an die Hand, damit Sie sich bestens auf Ihren Roadtrip vorbereiten können.

1. Entscheiden Sie sich für eine Reisezeit!

Gar nicht so einfach, denn jede Saison hat ihre Reize. In Namibia herrscht Trockenzeit von Mitte Mai bis Oktober. Diese Zeit eignet sich bestens für schnelle und einfache Tierbeobachtung. Elefanten, Zebras, Antilopen, Giraffen… alle versammeln sich an den Wasserlöchern, um ihren Durst zu stillen – das macht diese natürlich auch zum Hotspot für Touristen. Da wir uns ja auf der südlichen Erdhalbkugel befinden, ist in dieser Zeit auch der namibische Winter. Nehmen Sie also auch wärmere Kleidungsstücke mit, diese werden Sie nachts und bei morgendlichen Safari-Ausfahrten brauchen. 

Die Regenzeit herrscht in Namibia im November (kleine Regenzeit, in der es allerdings oftmals auch gar nicht regnet) und von Jan/Feb. bis einschl. April. Mit dem Regen findet auch die Farbe Grün wieder Einzug ins Land. Die Herden verteilen sich wieder über die riesigen Flächen und mit ihnen die Raubtiere, was Tierbeobachtungen deutlich erschwert. Von Dezember bis März ist die beste Zeit für Jungtierbeobachtungen. Beobachten Sie die drolligen Tollpatsche, wie sie die ersten Schritte in die Wildnis wagen.

2. Wählen Sie Ihre perfekte Namibia-Route!

Von Lüderitz bis zum Caprivi-Zipfel gibt es Einiges zu entdecken.
Ihre Reise wird höchstwahrscheinlich in Namibias Hauptstadt Windhoek beginnen. Von dort aus stehen Ihnen alle Himmelsrichtungen offen.

Je nachdem, welche Regionen Sie bereisen möchten, müssen Sie weitere Eigenheiten beachten. Viele entscheiden sich dafür, einen Abstecher nach Südafrika oder Botswana zu unternehmen. In diesem Fall benötigen Sie unbedingt Cross Border Papiere, damit Sie ohne Probleme die Grenze überqueren können. Außerdem brauchen Sie ein 4x4 Allrad-Fahrzeug in Kgalagadi, Kaokoveld, in Caprivi/Sambesi Region und in Sossusvlei. Achten Sie zudem bei der Routenplanung auf „kurze“ Distanzen zwischen den Unterkünften. Die Strecken sind oft Schotterpisten, die keine hohen Geschwindigkeiten erlauben. Planen Sie dafür genügend Zeit ein, damit Sie nachher stressfrei ankommen.

Wir stellen Ihnen alle wichtigen Regionen kurz vor:

3. Bereiten Sie sich auf Namibias Straßen vor!

Bei Buchung erhalten Sie ausführliche Unterlagen zur Übernahme verschiedener Fahrzeuge und Tipps zum Allradfahren. Nahezu alle Strecken im südlichen Afrika sind wir bereits selbst gefahren. Schauen Sie sich dieses Video mit wichtigen Sicherheitstipps an.

Auf dieser Seite stellen wir auch die verschiedenen Fahrzeuge und Autovermieter vor: Weitere Informationen

4. Packen Sie richtig!

Als Selbstfahrer sollten Sie auf jeden Fall Ihren internationalen Führerschein mitbringen (den können Sie vor der Reise bei Ihrer Führerscheinstelle beantragen, dauert nur ca. 15 Minuten und kostet ca. 14€). Neben Reisepass (dieser sollte ab Ausreise noch mindestens 6 Monate lang gültig sein) und persönlichen Medikamenten ist es empfehlenswert, auch Kopien Ihrer Ausweisdokumente, Führerschein, Reiseversicherungsschein, Vouchers und Flugtickets dabei zu haben.

Außerdem benötigen Sie in Namibia Steckdosenadapter (in Namibia werden meist die Steckdosen Typ D und M verwendet, aber viele Unterkünfte haben deutsche Steckdosen). Wenn Sie sich für die Regenzeit entscheiden, sollten Sie Mückenspray und evtl. ein Moskitonetz mitbringen. Auch lange Kleidung (insbesondere z.B. Fjäll Raven G-1000 Material) hält Mücken sicher von Ihrer Haut fern. Schutz vor der teils starken Sonne bietet ein Hut und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50. Zu guter Letzt sei gesagt, dass es sicher von Vorteil ist, eine Kreditkarte dabei zu haben. In Namibia wird mit dem Namibia Dollar bezahlt, aber auch der Südafrikanische Rand wird akzeptiert. 

5. Angemessene Fahrweise

Die Hinweisschilder für Kurven unbedingt beachten: Bei einem gekrümmten Hinweispfeil sind maximal 60–70 km/h empfohlen, bei einem rechtwinkligen maximal 40–50 km/h. Das Gleiche gilt für die Hinweisschilder für Trockenflussbetten. Wenn es hier mal geregnet hat, verwandeln sich kleine Bäche in reißende Flüsse und sollten nie durchfahren werden. Ist der Fluss nur noch ein Rinnsal, läuft man vorher durch, um evtl. Untiefen zu entdecken. Einige Schotter-/Erdstraßen werden nach dem Regen glitschig wie eine Schlittschuhbahn. Bei einer Vollbremsung kommt das Fahrzeug sehr schnell in unkontrollierbares Rutschen.Fahren Sie niemals schneller als 120 km/h auf den Pisten. Eine gute Geschwindigkeit ist maximal zwischen 80-100 km/h.

Faustregel: Auf Schotterstraßen sollte wie auf einer schneebedeckten Bundesstraße sehr umsichtig gefahren werden.

Allgemeine Regeln:

  • Linksverkehr
  • Anschnallpflicht
  • Beide Hände ans Steuer
  • Vorfahrt
  • Geschwindigkeitsbeschränkung
  • Schilder beachten

6. Reifen kontrollieren

Bei der Übergabe des Fahrzeugs und auch bei jedem Tankstopp den Reifendruck laut Herstellerangabe kontrollieren und bei jedem Stopp visuell. Die scharfen Steine zerschneiden auch die besten Reifen, und ein geplatzter Reifen ist eine häufige Unfallursache. Ein zweiter Ersatzreifen (neben einem gefüllten Reservekanister und ggf. Werkzeug) ist sehr empfehlenswert.

7. Farmtore

Die Gatter auf den Straßen werden grundsätzlich so verlassen, wie man sie angetroffen hat. Ein verschlossenes Tor wird nach der Durchfahrt wieder verschlossen, ein offenes Tor bleibt offen. Rolltore (Viehroste) sollten mit Vorsicht (ca. 60 km/h) überfahren werden. Vor und hinter den Rolltoren können gefährliches Wellblech oder Stufen sein.

8. Auf den Straßen und Wegen bleiben!

Die endlos erscheinenden Flächen der Namib verlocken gerade die Allradfahrer, mal richtig offroad zu fahren. Abgesehen davon, dass man auch mit einem Allrad stecken bleiben kann, werden Insekten, Vogelnester, Flechten und andere Pflanzen zerstört. Die Fahrzeugspuren bleiben in diesem regenarmen Gebiet oft Jahrzehnte erhalten. Offroad-Fahren ist daher streng verboten! Auf den normalen Schotterstraßen sollte wegen der besseren Straßenlage immer mit eingeschaltetem Allrad (sind die Freilaufnarben eingeschaltet?) gefahren werden. 

9. Abgelegene Gebiete: Kaokoveld & Kaudom

An die Offroad-Gebiete im Kaokoveld und Kaudom sollte man sich nur mit einer kompletten Safari-Ausrüstung und einem zweiten Fahrzeug wagen. Im Kaudom und auch im Bwabwata Park im Caprivi sind zwei Allradfahrzeuge pro Kolonne sogar von der Parkverwaltung vorgeschrieben. Für ausgedehnte Touren in das Kaokoveld und auch in das Okavango Delta sind die Dienste eines lokalen Guides von unschätzbarem Wert, zum einen, was die Orientierung angeht, zum anderen was den Umgang mit der lokalen Bevölkerung betrifft. Und nicht zuletzt trifft auch hier das Sprichwort zu: Was man nicht weiß, sieht man nicht.

10. Wasser

Auch mit dem besten Fahrzeug ist eine Panne nicht auszuschließen. Deshalb sollte immer genügend Trinkwasser für mehrere Tage mitgeführt werden. Kann mit dem defekten Fahrzeug nicht mehr weitergefahren werden, bittet man Vorbeifahrende, beim Verleiher anzurufen und Hilfe zu holen. Lieber nimmt man ein paar Stunden Wartezeit in Kauf, als stundenlang in der Hitze umherzuirren. Besonders in abgelegenen Gebieten sollte man nie einfach darauf los laufen. Neben Wasser empfiehlt es sich natürlich auch ein wenig Proviant wie Kekse, Trockenfrüchte, Nüsse etc. mitzunehmen.

11. Fahrzeiten

Faustregel: Für 100 km Schotterstraße braucht man 2 Stunden. 500 km Tagesziel sollten die äußerste Grenze sein.

Nur bei Tageslicht fahren! In der Dämmerung blendet die tief stehende Sonne. Die Tiere sind um diese Tageszeit besonders aktiv. Fahren in der Dunkelheit ist unbedingt zu vermeiden. Wegunebenheiten sind schlecht zu erkennen, Hindernisse nicht einzuschätzen und die Tiere am Wegesrand übersieht man unter Umständen komplett.

12. Unbeaufsichtigtes Fahrzeug

Nie sollte man irgendwelche Dinge, die einem lieb sind, in einem unbeaufsichtigten Fahrzeug liegen lassen – sie könnten anschließend verschwunden sein. In den Städten gibt es auf fast allen öffentlichen Parkplätzen Parkwächter. Die meist jungen Männer sind erkennbar an einer orangefarbenen oder auch blauen Weste, auf der „car watch“, „car guard“, „donation vehicle protection“ o.Ä. steht. Mitunter fehlt diese Weste aber auch. Die Frage, ob sie auf das Fahrzeug aufpassen und dafür nachher ein Trinkgeld erwarten dürfen, wird mangels Englischkenntnissen oft auf Afrikaans gestellt ("Kan ek die kar oppas?" oder nur "oppas?").

Dadurch fühlen sich viele Reisende bedrängt, weil sie einfach nicht verstehen, was die jungen Männer von ihnen wollen. Hier kann man also die Frage getrost bejahen. Obwohl manch ein Einheimischer die Effektivität der Parkwächter anzweifelt, halten sie mögliche Einbrecher schon allein durch ihre Präsenz in Schach. Die jungen Männer haben eine Aufgabe und verdienen etwas, müssen sich also nicht andere Wege zur Geldbeschaffung suchen.

13. Grenzübergänge

Grenzübergänge sind besonders für Neulinge eine spannende und herausfordernde Angelegenheit. In der Regel erklärt man Ihnen vor Ort noch, was alles zu tun ist, aber wir möchten Sie hier schon einmal auf die wesentlichen Punkte aufmerksam machen:

  • Sie benötigen von Ihrem Vermieter die Grenzpapiere, die Ihnen die Erlaubnis der Ausreise mit dem Fahrzeug gestatten. Bitte fragen Sie bei der Abholung Ihres Fahrzeuges nach dem Dokument (meistens nur ein Brief)
  • Cross Border Letter (CBL, Grenzübergangspapier) erhalten Sie meistens in dem Ort vor der Grenze. Fragen Sie Ihren Vermieter, wo das offizielle Büro für den von Ihnen gewählten Grenzübergang liegt. Den CBL müssen Sie bei Ein-/und Ausreise erwerben für ca. 15€.
  • Die Einreise in die benachbarten Länder ist in sich unterschiedlich aber dennoch in ihrer Art immer gleich. Nach Klärung Ihrer persönlichen Einreisedokumente („Immigration“) sind meistens für das Fahrzeug noch folgende Formalitäten (Ein- und Ausreise) zu erledigen:
    • Abschluss lokaler Versicherung (Haftpflichtversicherung) in z.B. Zambia, Zimbabwe oder Botswana. Diese ist vor Ort zu bezahlen und notwendig. Dies kann nicht vom Autovermieter übernommen werden. Der Betrag liegt meistens bei ca. Euro 15- 25,- pro Fahrzeug und ist für 1 Monat bis zu einem Jahr gültig. (Nur bei Einreise)
    • Road Levy (Straßenbenutzungsgebühr, nur bei Einreise)
    • Eintrag ins Zollbuch (meistens eine schwarze Kladde auf der Theke bei der Zollabfertigung bei Ein- und Ausreise)
    • Registrierung im Polizeibuch (Ein- und Ausreise)

Alle gemachten Angaben vorbehaltlich Änderung der lokalen Behörden. Bitte informieren Sie sich bei dem lokalen Autovermieter.

14. Sprache

Amtssprache ist Englisch. Gleichwohl spricht ein Großteil der Bevölkerung als Zweitsprache Afrikaans. Weit verbreitet ist zudem Oshivambo, eine Bantu-Sprache. Unter der weißen Bevölkerung wird noch von ca. 32% deutsch gesprochen. Englisch wird in der Regel (speziell in den touristischen Regionen) immer gesprochen.

15. Reisen Sie umweltbewusst!

Namibias Natur, so schroff sie auch erscheinen mag, ist ein sensibles Ökosystem, in dem jeder Pflanze und jedem Tier eine essentielle Rolle zuteil wird. Als Tourist tragen Sie Mitverantwortung, die Natur zu bewahren. Achten Sie besonders auf umweltfreundliche Unterkünfte. Abendsonne Afrika hilft Ihnen gerne bei der Planung einer ökofreundlichen Reise. Unsere besonders nachhaltigen Unterkünfte erkennen Sie am Baobab-Symbol. Selbstverständlich ist natürlich der Verzicht auf den Kauf von tierischen Souvenirs, wie z.B. Elfenbein, Nashornhorn, oder irgendetwas, das den Verdacht auf Wilderei aufkommen lässt. Unterstützen Sie lieber die lokale Handwerkskunst durch den Kauf von Holzschnitzereien und traditionellem Schmuck.

Außerdem: Wenn ein Chamäleon Ihren Weg kreuzt, helfen Sie ihm ruhig über die Straße. Falls Sie jedoch einer Schildkröte begegnen, heben Sie sie auf keinen Fall auf! Die Schildkröte würde in dieser Stresssituation anfangen zu urinieren und damit ihren gesamten Wasserhaushalt aufgeben, was den Tod für die Schildkröte bedeutet, wenn sie keine Gelegenheit mehr zur Wasseraufnahme hat.

 

Eine gute Reise wünscht Ihnen Ihre Abendsonne Afrika!

Über den Autor

Kommentar verfassen