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Mit Kind am Kap

Mit Kind am Kap

Vom Eastern Cape bis Kapstadt im Familientempo

Spannende Safaritage im wilden Buschland des Eastern Cape, Regenwald, Steilküsten und gigantische Dünen an der Gartenroute und traumhaft schöne Kulturlandschaften rund um die „Mutterstadt“ Südafrikas – ein besonderes Abenteuer, weil ich zum ersten Mal meinem fünfjährigen Sohn die Schönheit Afrikas zeigen möchte. 

Vorher die großen „Fragezeichen“ in meinem Kopf: Wie wird ihm der lange Flug gefallen? Safari mit einem kleinen Kind – ist es vielleicht noch zu früh, zu gefährlich und werden die Löwen ihn am Ende als kleinen Leckerbissen ansehen? Ist eine Rundreise mit dem Mietwagen oder – wie in unserem Fall – die Route von Port Elizabeth nach Kapstadt vielleicht zu unruhig und aufreibend für ein Kind, dessen Alltag und Horizont sich doch eigentlich auf den 500 Metern Luftlinie zwischen Zuhause und Kindergarten erstrecken? Und ganz allgemein: Wie wird er auf Afrika, seine Menschen und Verhältnisse reagieren? 

Die Antworten auf meine Fragezeichen bekomme ich nach und nach und schnell wird klar: Die Reise ist nahezu ideal als erste Afrika-Schnupperreise mit Kind und es ist ein Traum mit anzusehen wie ein Kind die Tiere erlebt, mit den fremden Menschen umgeht und sich versucht seinen Reim auf Schwarz und Weiß, Arm und Reich, verschiedene Sprachen und Menschen zu machen.

Auf insgesamt etwa 1.200 Kilometern - wir machen viele Umwege, weil ich mir Unterkünfte ansehen möchte - erleben wir eines der schönsten Enden der Welt. Wir beginnen mit einer zweitägigen Safari in der herrlichen Landschaft des privaten Wildschutzgebietes Amakhala, das eine gute Stunde von Port Elisabeth entfernt liegt.

Gut versorgt und behütet in den kinderfreundlichen Lodges des Gebiets erleben wir auf Wildbeobachtungsfahrten Zebras, Elefanten, Büffel, Giraffen, Löwen und erleben ein absolutes Highlight - zuerst ist aber auch eine Riesenportion Respekt dabei! - als sich drei ausgewachsene Nashörner in aller Seelenruhe zum grasen um unseren Jeep herum einfinden.

Zu meiner Erleichterung: Mein Sohnemann wird von den Löwen nicht einmal beachtet und hat unvergessliches Tiererlebnis, weil wir zum einen in Lodges wohnen, die auf Kinder eingestellt sind (auch die Guides!), zum anderen, weil wir uns ganz bewusst Zeit nehmen und nicht an jeder Wildbeobachtungsaktivität teilnehmen.

Weiter geht es auf einer dreistündigen Etappe durch den Tsitsikamma Küstenregenwald – einem Paradies für Wanderer, Reiter, Paddler und andere Aktive – nach Plettenberg Bay entlang der malerischen Gartenroute Südafrikas.

Wie für alle weiteren Stationen der Reise haben wir hier drei Tage eingeplant und es ist vor allem mein Junge, der mich antreibt, die unendlich vielen Aktivitäten der Region zumindest teilweise zu erleben. Wir besuchen das Monkeyland – ein Park in einem Teil des Regenwaldes in dem man unzählige Affen und Halbaffen hautnah erleben kann. Wichtige Lektion für mein Kind: Höre auf die Guides, denn die Totenkopfäffchen springen dir sonst auf den Kopf!

Ein weiteres Highlight ist der Besuch in dem nahen Elephant Sanctuary – einem Heim für Elefanten – in dem man nicht nur Elefanten füttern kann, sondern auch die Chance hat mit den Riesen (vor allem neben einem Zwerg) und ihren Pflegern spazieren zu gehen. 

Und am Ende ist es wieder die traumhaft schöne Landschaft, die einem ein ums andere Mal schier die Sprache verschlägt: Kleine Flüsse münden in sanften Lagunen, die zum Baden oder Kajaken einladen; Pittoreske Küstenstädtchen wie Plettenberg Bay, Wilderness oder – etwas größer und mondäner – Knysna laden zum Bummeln und Relaxen ein; die grünen Berge im Hinterland, die mit dem Mountainbike oder zu Fuß erkundet werden wollen – hier hätten wir wahrscheinlich Wochen verbringen können!

Wir fahren weiter nach Osten und nähern uns langsam der Kapregion. Die Küste an der Walkerbay ist berühmt für die Buckelwale aber auch Orcas und Delfine, die hier vor allem zwischen Juni und November nahezu garantiert gesehen werden können.

Da wir aber außerhalb der Saison sind haben wir uns einen ganz besonderen „Leckerbissen“ ausgesucht: Wir verbringen unseren Aufenthalt in dem privaten Naturschutzgebiet Grootbos, einem Paradies für Pflanzen, Tiere und Menschen, in dem die ursprüngliche Fynbos-Landschaft geschützt wird. 

Wir erkunden die Wälder und die Buschlandschaft zu Fuß, mit dem Pferd und im Allradfahrzeug und entdecken dabei die Wunder dieses einzigartigen Lebensraums mit den speziell für Kinder geschulten Guides. Den Sohnemann bekomme ich dabei kaum noch zu Gesicht, weil er im Kinderprogramm aus Hasen- und Hühnerfuettern, Eier und Muscheln sammeln, Bäume pflanzen und Schatzsuche verschwunden scheint.

Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis ist unser Besuch in dem nahen Township von Gansbaai, bei dem wir die sozialen Projekte von Grootbos aber vor allem auch die harte Lebensrealität vieler Südafrikaner kennenlernen und mein Sohn erfährt, dass die Badezimmer hier meist aus nicht mehr als einer Waschschüssel bestehen, die man am Gemeinschaftswasserhahn an der Straßenecke auffüllt.

Und dann geht es nach Kapstadt, der Mutterstadt des Landes und – wenn nicht die schönste Stadt Afrikas – auf jeden Fall aber die mit der herrlichsten Kulisse: Der tiefblaue Ozean, der Tafelberg, Lion’s Head, die Waterfront, die klare Luft und ein herrlicher sonniger Frühherbst erwarten uns hier. Unvergesslich sind die atemberaubend steile Fahrt in der Seilbahn auf den Tafelberg, der Nachmittag am Strand von Camps Bay, das Kap der Guten Hoffnung und – wahrscheinlich Urlaubs-Highlight meines Kleinen – Boulder’s Beach in Simon’s Town, den man sich mit der hier lebenden Pinguin Kolonie teilt. 

Mit Kind am Kap – das hat wunderbar geklappt und war noch viel schöner als erträumt. Tiere, Landschaften, Menschen und unendlich viele bunte Eindrücke haben wir mitgenommen und - egal wie ausführlich wir es zuhause erzählen – man muss es selber erlebt haben! Es ist ein Abenteuer und manchmal auch ein wenig anstrengend, aber es lohnt sich und wenn man ein paar Dinge bei der Planung beachtet wird es perfekt:

  • Einige besondere Stationen auswählen und ausreichend Zeit an den Stationen einplanen.
  • Kinderfreundliche Unterkünfte auswählen.
  • Fahrdistanzen nicht zu groß werden lassen.
  • Nicht zu viel Safari (pro Tag)! Wildbeobachtungsaktivitäten erfordern manchmal Geduld, es ist oft kühl (am frühen Morgen) oder heiß (wenn die Sonne da ist) und fast immer holprig. Es ist also spannend, abenteuerlich und gerade für einen kleinen Menschen anstrengend.
  • Den Guides, Mitarbeitern der Unterkünfte und Parks vertrauen. Südafrika ist – wenn man sich nicht unvernünftig verhält – nicht gefährlich.
  • Navigationssystem für das Fahrzeug (kostet sehr wenig – reduziert Stress deutlich), besonders bei allein reisenden Erwachsenen mit Kind(ern).
  • Fensterplatz im Flugzeug reservieren.
  • Genießen!

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