Zum Inhalt der Seite springen
Radio7 in Namibia - von Uli Kiesewetter

Radio7 in Namibia - von Uli Kiesewetter

Ein Land doppelt so groß wie Deutschland mit nur zwei Millionen Einwohnern, die älteste Wüste der Welt und ganz viel Natur mit Tieren, die echte Überlebenskünstler sind. Die Oryxantilope ist das Wappentier des Landes und wohl das beste Beispiel dafür. Sie ist stolz, zäh, mutig, wüstentauglich und wunderschön.

Namibia macht es Menschen und Tieren nicht leicht und kann auf den ersten Blick eine spröde Schönheit sein. Wer sich aber darauf einlässt, wird die Reduktion auf das Wesentliche erfahren. 

Von der Kalahari, über das deutsche Erbe in Lüderitz und Swakopmund, die Namib und weiter über das Damaraland sowie die Etosha-Pfanne bis hin zum Caprivizipfel, die Lichtspiele und die Anmut von Fauna und Flora machen selbst Weitgereiste sprachlos. Außerdem sind die Menschen in Namibia unglaublich freundlich.

Das ist keine Plattitüde. Sobald jemand auf einer Piste oder an der Straße im Wagen hält, fragen andere Autofahrer sofort nach, ob alles ok ist. Ein gutes Gefühl in einem Land, in dem die nächste Ansiedlung auch mal ein paar Stunden entfernt sein kann. Aber gerade diese Einsamkeit macht den großen Reiz Namibias aus. Und auch am Lagerfeuer (Boma) ist weniger meistens mehr. Kein Bezahlfernsehen, kein ständiges Handytippen, dafür aber Geschichten, die einem noch lange in Erinnerung bleiben. Wie zum Beispiel die „etwas andere Wiedervereinigung“ , die uns unser unglaublich kompetenter Guide Lloyd Ulrich erzählt hat. Sie passt perfekt zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls am 9. November. Zur gleichen Zeit haben die ersten freien Wahlen in der Geschichte Namibias stattgefunden. Vorher stand das Land unter südafrikanischer Aufsicht. UN-Mitarbeiter, unter ihnen Lloyd Ulrich, haben diese Wahl vorbereitet. Am 9. November 1989 sagte in der UN-Truppe ein polnischer Funker zu einem linientreuen DDR-Soldaten und einem genauso strammen Bundeswehr-Offizier „ihr solltet euch jetzt mal umarmen!“. Lange Gesichter, betretenes Schweigen. „Die Mauer ist gefallen!“. Eine etwas spröde Umarmung, aber eine Umarmung. Dann eine herzliche Umarmung. Und die Suche nach zwei Kästen Bier, denn normalerweise herrscht bei UN-Wahlvorbereitungen striktes Alkoholverbot. Nach vier Stunden war das Bier endlich da, aber leider warm. Lloyd hat mir trotzdem versichert, es war das beste Bier seines Lebens. Denn als Namibianer der fünften Generation mit deutschen Wurzeln hat er sich für uns mitgefreut. 

Und das war nur eine Geschichte, über das Land, seine Tiere und seine Menschen. Für die anderen ist noch viel Zeit, abends an der Boma. Manchmal ist weniger eben so viel mehr. (Noch viel mehr Geschichten aus Namibia ab Januar 2020 auf Radio 7...)