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Tansanias unentdeckter Süden

Tansanias unentdeckter Süden

Ruaha Nationalpark und Selous Wildschutzgebiet

Ruaha Nationalpark

Ruaha ist, seit der Erweiterung um das Usangu Game Reserve im Jahre 2008, mit 20.226 km² der größte Nationalpark des Landes. Er ist abgelegen und zählt nur wenige Besucher. Der Park bietet großartige Landschaften und Tierarten, die man in den anderen Parks nicht zu sehen bekommt. 

Die großartigen Landschaften reichen von halbwüstenartigem Buschland (typisch für Zentraltansania) über ausgedehnten Miombo Wäldern, riesige Ebenen und von Flussläufen durchzogen, die in der Trockenzeit nur noch einzelne, kleine Wasserstellen in den lieblichen, von Sand und Felsen durchzogenen Flussauen bilden – gerade groß genug, um den Durst der vielen Tiere zu stillen. Der Große Ostafrikanische Grabenbruch zieht sich mit zum Teil starke Abbruchkanten von 50 bis 300 m durch den Ruaha, in denen in der Regenzeit Bäche hinunterschießen. 

Mit über 1.400 Pflanzenarten hat der Ruaha Nationalpark auch mehr als doppelt so viel verschiedene Pflanzenarten, wie z.B. die Serengeti.

Während der Regenzeit  (Hauptregenzeit zwischen ca. Januar und April) fließt der Ruaha Fluss für ca. 160 km durch den Park und verzaubert den Park in ein blühendes, grünes Feuchtgebiet. Auch die Flüsse Mdonya, Wagusi und Jongomero führen dann Wasser. Bis 1993 führte der Ruaha Fluss ganzjährig Wasser. Heutzutage trocknet der Fluss immer mehr aus. Es ist anzunehmen, dass der extensive und bewässerungsintensive Reisanbau flussaufwärts sowie die Zunahme der Viehbestände (insbesondere Rinderhaltung im Usangu-Feuchtgebiet, welcher den Ruaha speist) die Ursachen hierfür sind. 

Im gesamten Park gibt es natürliche Quellen, die in der Trockenzeit für die Wildtiere sehr wichtig sind.

Das Hochplateau im Norden des Parks, das bis zu 1.800 m hoch liegt, bietet eine malerische Kulisse.

In der Trockenzeit kann es vermehrt Tsetsefliegen geben, die nach dem ersten Regen im November allerdings fast nicht mehr existent sind. 

Die Akaziensavannen nehmen einen sofort gefangen, riesige Feigenbäume sieht man häufig, aber mehr noch wirken die bizarren und allgegenwärtigen Baobab Bäume, die sich spektakulär sowohl bei Sonnenaufgang als auch im goldenen Abendsonne Licht fotografieren lassen.

Dieser Park ist wild und ursprünglich und man teilt ihn nur mit wenigen anderen Touristen. Es gibt auch keine großen Hotels hier, sondern nur kleine, gemütliche und authentische Camps. 
Man kann hier leicht verstehen, warum selbst Afrikaner und versierte Afrikareisende den Park als „Lieblingspark“ bezeichnen. Es gibt hier auch eine Besonderheit, die ich Ihnen nicht verschweigen möchte: Hier treffen die Tiere des südlichen Afrikas auf die Tiere des östlichen Afrikas. Es kann also leicht passieren, dass Sie sowohl Impalas (Schwarzfersenantilopen) als auch Gazellen (es ist das südlichste Verbreitungsgebiet der Grand Gazellen) friedlich nebeneinander grasen sehen. 

Schon auf der Fahrt von der Landepiste zum Camp sehen wir immer wieder Impalas, Wasserböcke, Zebras und jede Menge Giraffen. Dazu kommen noch Große Kudus und – etwas Glück gehört dazu, und das war uns in diesem Falle hold - Kleine Kudus. Manch einer fragt sich sicherlich, was denn an Großen und Kleinen Kudus so besonders ist: Das Große Kudu wiegt bis 250 kg und hat eine Schulterhöhe von bis zu 1,40 m. Es hat ca. 6-10 (meistens 8) weiße Streifen. Es kommt in fast allen Wildgebieten Afrikas vor. Das Kleine Kudu hat eine Schulterhöhe von bis zu 1m und wiegt nur bis zu 100 kg und es hat bis zu 15 weiße Streifen (also eher wie ein Nyala). Außerdem wirken die Beine fast orange. Es kommt nur in bestimmten Gebieten, wie z.B. in diesem Park oder in ein paar Gegenden in Kenia, Somalia und Äthiopien vor.

Unser kleines, gemütliches Camp liegt unterhalb eines Hügels und bietet herrliche Aussicht über das kleine Flussbett des Ifuguru Sand Rivers. Es ist ein nostalgisches Camp wie aus unseren ursprünglichen Safarizeiten. Die nur 6 Zelte bieten aber jeden Komfort und wir fühlen uns hier sofort wohl. Da es – wie sollte es im heißesten Monat Oktober anders sein – sehr heiß ist, freue ich mich auf meine Außendusche.

Plötzlich höre ich draußen die Blätter rascheln. Es wird doch nicht einer der Campassistant sein und noch mehr Wasser bringen? Und ich habe kein Handtuch mit in die Außendusche genommen. Doch dann taucht unvermittelt ein grauer Rüssel und gleich danach ein riesiger, grauer Kopf über meiner Strohtrennwand auf. Zugegebenermaßen weiß ich nicht, über was ich mehr erschrocken wäre, über den Campassistant oder über den riesigen Elefantenkopf. Ich weiche etwas zurück – der Elefantenbulle ebenfalls. Scheint so, als wären wir beide über den Anblick unseres Gegenübers erschrocken….

Ich gehe ins Zelt und suche meine Kamera – immer noch nackt, worüber sich Mike sehr amüsiert. Doch dann greift er auch zu seiner Videokamera, denn der Elefantenbulle kommt direkt vor unser Zelt und schaut nach innen. Als er sieht, dass von unserer Seite keine Gefahr droht, frisst er in einer Gemütsruhe an den Büschen vor unserem Zelt. Gute Gelegenheit zum Filmen und Fotografieren. Als er dann jedoch weitergeht und gedankenversunken seinen linken Vorderfuß genüsslich an eine der Zeltspannungsseile reibt, wackelt das ganze Zelt. Er wird doch nicht….?!!!!??! Doch, er lehnt sich dann auch noch gegen die Zeltwand und jetzt hängt das Zelt völlig schief. 

Mike lässt einen lauten „Heeeey!“ Brüller los und dann zieht er ein paar Sträucher weiter. 

Essenszeit. 

Unser Elefant hat sich es bei uns bequem gemacht und kaut immer noch an den Büschen vor unserem Zelt. 

Ich bin inzwischen fertig und wir überlegen uns, wie wir jetzt zum Speisezelt kommen…. 

Mike hat die glorreiche Idee: „Wir folgen ihm einfach ganz langsam…. Der kommt ja öfters hier ins Camp und ist Menschen gewöhnt.“

„Keine gute Idee!“, meine ich. Doch da hat er schon den Reißverschluss vom Zeltausgang in der Hand und ist draußen. Ich folge nach draußen, bleibe aber mal vor der offenen Zelttür stehen. Der Elefant geht langsam den sandigen Weg entlang in Richtung Speisezelt – dicht gefolgt von Mike. Der fängt inzwischen an, beruhigend auf den Elefanten einzureden, fast so, wie ein Elefantenflüsterer und verschwindet mit ihm um eine Kurve. Ich überlege kurz, ob ich folgen soll, doch just in dem Moment zerreißt ein ohrenbetäubendes Trompeten die Stille und ich sehe Mike auf einmal im fliegenden Tempo an mir vorbeirennen und mit einem Satz ist er im Zelt. Den Elefanten sehe ich nicht…. Ich muss herzhaft lachen, bis mir schon der Bauch weh tut. 

Dann kommt unser Guide aus seiner wohlverdienten Mittagssiesta und fragt, was passiert ist. Ich erkläre ihm die Situation und lachend begleitet er uns auf einem anderen Weg zum Speisezelt. Kaum dort angekommen, taucht auch schon „One“ (eben dieser Elefant, der nur ein Stoßzahn hat und daher vom Camppersonal One genannt wird) auf und macht es sich am Baum vor dem Hauptweg zum Speisezelt bequem. 

„Der wartet auf die Zitronen von der Bar“, sage ich. 

„Ja,“ meint der Manager, „ich glaube, er hat schon mal welche bekommen….“.

Mittagessen gibt es heute auf jeden Fall 30 Minuten später, erst, als One den Weg von der Küche zum Speisezelt frei gibt.

Am Nachmittag machen wir eine Wildbeobachtungsfahrt und freuen uns über die vielen Baobabbäume. Wir beobachten eine Herde Elefanten mit vielen Jungtieren, die im trockenen Flussbett nach Wasser graben.

„Das ist auch eine  Besonderheit des Parks,“ meint unser Guide, „die Elefanten graben hier ständig nach dem frischen Wasser. Sie mögen nicht aus den noch verbleibenden Wassertümpeln trinken“. 
Im Park soll es ca. 10.000 Elefanten geben, also eine große Population.

Ein wenig später sehen wir eine riesige Büffelherde mit bestimmt 300 Tieren, die in Richtung eines Wasserloches ziehen. Beeindruckend. 

Auch die Vogelbeobachtung hier ist hervorragend. Mit über 570 Vogelarten, darunter bekannte Zugvögelarten, gilt als eines der besten tansanischen Vogelparadiese. Vor allem in der Regensaison kann man die Vögel bestens in der grünen, üppigen und wildblumenreichen Landschaft beobachten. Das Schwarzköpfchen (Papageienart) und vor allem die Hauben-Bartvogel, die wir vielfach sehen, ist hier die Freude jedes Vogelliebhabers. Außerdem kommen viele Rotschnabeltokos, Perlhühner, Grauglanzstar, als auch interessante Raritäten, wie z.B. Glockenreiher, Afrikanische Zwerggans, Graukopf-Buschwürger und andere vor.

Am nächsten Morgen erwartet uns ein Rudel Löwen, das sich gerade über ein in der Nacht gerissenes Zebra hermacht. Fünf Weibchen und zwei Halbwüchsige lassen sich das Zebrafleisch im Schatten mächtiger Borassus Palmen schmecken. Ein wenig Abseits sehen wir eine Tüpfelhyäne, die wohl wartet, ob etwas vom Zebra übrig bleibt. Wie wir von unserem Guide erfahren, gibt es hier im Park auch Streifenhyänen; also noch eine Besonderheit des Parks. 

Wir fahren einen Teil des trockenen Flussbettes an und entdecken am anderen Ufer eine Leopardin. Schön liegt sie da. Wir folgen ihr, als sie sich im Flussbett vorwärts bewegt, bis sie wieder im Dicklicht verschwindet. Vielen Dank für das schöne Motiv!

Giraffen sind hier sehr zahlreich vertreten und irgendwie auch gar nicht scheu. Wir beobachten viele Giraffengruppen und auch Einzelgänger. Die Anmut dieser großen Tiere ist einfach gigantisch. 

Etwas weiter finden wir ein Paar Löffelhunde, die es sich unter einem Strauch in der Sonne bequem gemacht haben. 

Von den faszinierenden Landschaften, den Farben und Formen können wir gar nicht genug bekommen und so fotografieren wir am Nachmittag die zahlreichen Palmen und vor allem die schon fast kitschig wirkenden Baobab Kulissen bei fantastischem Licht und zum Sonnenuntergang. Nach unserem obligatorischen Sundowner machen wir uns auf dem Rückweg und im Schein der Autolampen sehen wir Schakale und Hyänen sowie Elefanten.

Plötzlich brüllt es und dann finden wir ihn: Den König der Tiere. Mit seiner prächtigen Mähne schreitet er langsam vor uns auf dem Weg. Wir folgen ihm ca. 5 Minuten, dann geht das Brüllen wieder los. Obwohl ich das nun schon so oft erlebt habe, läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Einfach grandios!

Am anderen Tag fahren wir am Ufer des Ruaha entlang. In einem herrlichen Stück Flussbett fließt noch ein wenig Wasser und hinterlässt eine grüne, saftige Wiese. Hier grasen Impalas, Gazellen, Zebras, Kudus und Wasserböcke. Auch Paviane spielen dort. Wir bleiben eine ganze Weile und beobachten diese idyllische Szenerie. Ein Pavian will auf die andere Uferseite und hüpft auf zwei Beinen schnell durch das flache Wasser. Kurz darauf springt ein weiteres Pavianmännchen ein Weibchen am Ufer von hinten an und paart sich mit ihr, seine Hinterbeine dabei in die Kniekehlen des Weibchens drückend. Das scheint der Dame gar nicht zu gefallen und sie macht sich ebenfalls mit 3 gekonnten Sätzen auf 2 Beinen durch das flache Wasser auf die andere Uferseite. Zurück bleibt ein – meiner Meinung nach – etwas dämlich dreinschauendes Männchen.  Diese lustige Szenerie habe ich tatsächlich auf Video festhalten können, obwohl das ganze nur Sekunden dauerte.

Wir halten mitten im Busch und machen Picknick. Ich liebe Busch-Picknicks. Plötzlich kommt ein kleines Baumhörnchen vom Baum und schaut, was wir machen. 

„Das ist bestimmt zutraulich, weil hier öfters gehalten wird“, sage ich. 

„Quatsch!“ brummt Mike, der nichts von „Schmusetieren“ mitten im Busch hält.

Aus dem Müsli, das der Guide auftischt, fische ich ein paar Nüsse und gehe vor dem Busch, in dem das Hörnchen nun sitzt, in die Hocke. Den Arm weit nach vorn auf den Boden gestreckt und mit typischen Hörnchen-Geräuschen versuche ich das Baumhörnchen zum Herunterkommen zu bewegen. Es wippt aufgeregt mit dem Schwanz. 

„Ja, so eine Nuss, das wäre schon was, hm? Na komm…“

Und schwupps, mit einem Satz ist es vom Baum unten, klaut mir die Nuss in Sekundenbruchteile aus meiner Hand und verschwindet wieder auf dem Busch, wo es sich genüsslich über die Nuss hermacht. 

„Ich hab noch mehr“, sage ich, ihm eine neue Nuss entgegenstreckend. Und tatsächlich holt es sich die Nächste. Nach der dritten Nuss scheint er – und es ist eindeutig ein ER - keinen Hunger mehr zu haben, nimmt die Nüsse aber dennoch und verbuddelt sie an verschiedenen Stellen im Sand. 

Entweder war der Hunger sehr groß oder es hat einmal jemand verdammt viel Geduld gehabt, dem kleinen Hörnchen das so beizubringen. Ich bin auf jeden Fall überglücklich. Und auch, über die Fotos, die Pino dabei gemacht hat…..

Wir feiern am Abend den Geburtstag von Nicole, unserer Schweizer Mitarbeiterin, die wir auf diese Reise mitgenommen haben. Unter einem riesigen Jackalberrybaum wird das Dinner im Freien serviert. Kurz vor dem Dessert raschelt es im Busch und zum Vorschein kommt: One! Als ob er es ahnt, dass wir Geburtstag feiern und es gleich Nachtisch gibt, erscheint er zum richtigen Augenblick. 

Ich sehe im Augenwinkel die Kellner, die gerade den Nachtisch bringen, hinter der ca. 20 m entfernten Bar verharren. Wir bleiben ebenfalls bewegungslos sitzen. Ich sehe Nicole an, dass ihr nicht so ganz wohl in ihrer Haut ist. Doch One läuft gemütlich direkt an unserem Tisch vorbei (hätte ich meinen Arm ausgestreckt, hätte ich ihn berühren können) und beachtet uns keines Blickes, so, als wären wir überhaupt nicht da. Ein Akazienbaum weiter entfernt hat es ihm angetan und dort verharrt er mampfend ein Weilchen, bevor er im dunklen Grau so plötzlich verschwindet, wie er gekommen ist. 
Zum Abschluss gibt es einen Überraschungs-Geburtstagskuchen mit Gesang der Campangestellten. Wir freuen uns alle sehr darüber. Es war ein gelungener Abschluss eines schönen Geburtstages mitten im afrikanischen Busch.

Die raue und ungezähmte Wildnis des Ruaha Nationalpark hat uns wieder einmal sehr beeindruckt und wir haben die Zeit sehr genossen. Ganz bestimmt werden wir zurückkommen – und vermutlich schon bald.

Selous Wildschutzgebiet

Wir fliegen weiter in das größte Wildschutzgebiet Afrikas: Das Selous Wildschutzgebiet. Mit über 54.600 km² ist es noch ein wenig größer als mein Lieblingsgebiet, das Central Kalahari Wildschutzgebiet in Botswana (ca. 52.800 km²). Allerdings ist hier im Selous nur ein kleiner Teil für den fotografischen Tourismus zugänglich. Dieser Teil bietet dafür eine enorme Vielfalt an Landschaften und Tieren.  Hier gibt es große, grüne Überflutungsebenen, Galeriewälder, die typische, afrikanische Akaziensavanne, verschiedene Palmenarten, wie z.B. die Doumpalme und die großen Borassus Palmen.

Der Rufiji Fluss, auf dem wasserstandsabhängig Bootsfahrten unternommen werden, bietet allen Tieren die perfekte Lebensader. 

Es gibt hier den größten Bestand Afrikas der gefährdeten Wildhunde (ca. 1.300 Tiere, Stand vom Jahr 1999), sowie den größten Bestand Afrikas an Kaffernbüffel (ca. 110.000 Tiere). Außerdem halten sich hier ca. 13.000 Elefanten auf (der Bestand ist leider seit 1977 mit über 80.000 Tieren dramatisch gefallen). Löwen sind zahlreich vertreten, ebenso Leoparden. Geparde sieht man nur selten. Giraffen, Flusspferde und viele Herdentiere sind zahlreich vorhanden. Zu den Affenarten zählen neben den allgegenwärtigen Pavianen und Meerkatzen auch die seltenen Sanje-Mangabe, der Udzungwa Stummelaffe und der Bärenstummelaffe.

Mit über 2.000 Pflanzenarten ist dies hier wie ein großer Botanischer Garten. Und mit über 350 Vogelarten kommen auch Vogelliebhaber auf ihre Kosten. Vor allem die Eisvögel und Nektarvögel haben es mir angetan.

Neben Wildbeobachtungsfahrten ist der Park vor allem für Bootsfahrten und Buschwanderungen bekannt. Bei mehrtägigen Buschwanderungen kann man auch in einem sogenannten Flycamp (ein mobiles Camp, welches vom Personal inmitten der Wildnis errichtet wird) übernachten.

Wir unternehmen eine Pirschfahrt entlang des Rufiji Flusses. Durch das herrliche Grün geht es, wie durch einen tropischen Regenwald. Ich höre einen Glanzhaubenturako und frage unseren Guide, ob das auch dieser seltene Vogel ist. 

„Ja,“ meint er. „Du brauchst aber viel Glück, um ihn so gut zu sehen, dass Du ihn fotografieren kannst“. 

„Oder eine gute App“, sage ich und rufe den schönen Vogel mit meiner Vogel-App. Und tatsächlich – es funktioniert. Das ist ja genial. Mit mir freuen sich auch Mike, Nicole und Pino (Nicole´s Mann). Auch der Guide ist sichtlich angetan davon, dass wir den Vogel so nah sehen können, wenngleich er auch nie still hält und in den Bäumen aufgeregt umher hüpft.

Etwas weiter kommen wir  an eine liebliche Lichtung und sehen eine Gruppe wunderschöner Giraffen mit teilweise sehr dunkler Zeichnung im Sand stehen. Wir fahren näher hin und schauen, wo die Giraffen alle hinsehen. Und dann entdecken wir sie: Außer Atem hechelt eine Löwin nach Luft. Sie liegt auf freier Fläche im Sandüberflutungsgebiet des Rufiji Flusses, allerdings dennoch gut getarnt, denn mit ihrem Fell unterscheidet sie sich kaum von dem gleichfarbigen Sand und dem vielen Treibholz, das hier überall umherliegt. 

„Sie hat bestimmt versucht, auf eine der Giraffen Jagd zu machen“, meint unser Guide. „Und vielleicht sind die anderen ebenfalls in der Nähe“. 

Aber wir finden nur die eine Löwin, die die Giraffen nicht aus den Augen lässt; und die Giraffen beobachten die Löwin ebenfalls weiterhin. 

Die Sonne geht malerisch hinter der Löwin über dem palmenumsäumten Fluss unter und die Giraffen ziehen unbehelligt davon. 

In dem hervorragenden Sand River Selous Camp, welches direkt am Rufiji Fluss einmalig schön liegt, erwartet uns ein hervorragendes Abendessen. Am nächsten Morgen versammeln wir uns wieder auf dem Holzdeck der Lounge, bevor wir abfahren. Die Nektarvögel haben in den blühenden Büschen entlang des Ufers bereits ihre Nester. 

Wir unternehmen eine Bootsfahrt in Richtung Stiegler´s Gorge, einem malerischen Canyon, der eine bis zu 100 m tiefe und bis zu 100 m weite Schlucht gebildet hat. Wir kommen an vielen Flusspferden und unzähligen Krokodilen, die vor unserem Boot lautlos ins Wasser gleiten, vorbei. Doch plötzlich ziehen dicke Regenwolken über uns hinweg. Erst fängt es an zu tröpfeln, doch gleich kommen sintflutartige Regenfälle aus dem Himmel. Trotz Regencapes werden wir klatschnass.

Keine 15 Minuten später, als wir gerade beschließen wollten, wieder umzudrehen, hört der Regen genauso abrupt auf, wie er gekommen ist und die Sonne kommt zum Vorschein. Also setzen wir unsere Fahrt durch die malerische, palmenumsäumte Uferlandschaft fort. Die Stiegler´s Schlucht ist ca. 8 km lang und soll ihren Namen nach einem Schweizer Großwildjäger erhalten haben, der hier 1907 von einem Elefanten getötet wurde. 

Wir legen mit dem Boot an den Granitfelsen vor den Stromschnellen an und genießen unser mitgebrachtes Frühstück unter den Augen, der hoch in den Baumgipfeln oberhalb der Schlucht sitzenden Bärenstummelaffen. Auch ein Schreikopfseeadlerpaar nistet in den Bäumen. Die Sonne trocknet unsere nassen Kleider schnell und wir wärmen uns gerne wieder auf.

Auf der Rückkehr sehen wir am sandigen Ufer ein paar Krokodileier, die gerade an der Abbruchkante an der Uferböschung ins Wasser rutschen. Da hier der Sand vor allem durch vorbeifahrende Boote öfters abbricht, beschließen wir, den Krokodilnachwuchs etwas Hilfestellung zu gewähren und sammeln die Eier, die so groß wie Hühnereier sind, vorsichtig ein. Mike steigt aus dem Boot und gräbt auf der Sandbank, etwas 7m vom Ufer entfernt, ein Loch, um die Eier dort wieder vorsichtig zu platzieren.

„Bitte nicht zu tief“, sagt unser Guide, „ansonsten hört die Krokodilmutter nicht, wenn die Jungen schlüpfen und nach Hilfe rufen“. Also werden sie nur leicht mit Sand bedeckt und den Rest überlassen wir Mutter Natur.

Als wir fast wieder im Camp sind, zieht ein riesiger Schwarm Pelikane über uns hinweg. Ein phantastisches Bild, wie sie immer und immer wieder über uns kreisen und dann Richtung See verschwinden. Pelikane sind schon etwas ganz Besonderes.

Während der Mittagspause im Camp bekomme ich Besuch von einem Baumhörnchen. Kopfüber klettert es vom Dach meines Chalets zum offenen Badezimmer und versucht, aus dem Wasserhahn des Waschbeckens noch ein paar Tröpfchen zu finden. Das ist ein trolliges Bild. 

Am Nachmittag sehen wir ein Pack Wildhunde. Sie scheinen auf der Jagd zu sein, denn sie bewegen sich äußerst schnell durch die Büsche. Leider können wir ihnen durch das dichte Unterholz nicht folgen. Wir nehmen einen Weg außenherum, doch dort tauchen sie nicht auf. Es scheint so, als hätten sie ihre Route geändert. Naja, man kann nicht immer Glück haben….
Wir kommen an den vielen Seen vorbei in eine wundervolle Landschaft. 

Unser Guide hört einen Funkspruch vom Camppersonal, welches gerade für andere Kunden ein sogenanntes Flycamp aufbaut – ein einfaches, mobiles Camp, welches mitten im Busch unter dem phantastischen Sternenhimmel errichtet wird und dass man nach einer Wanderung erreichen kann. Löwen auf der anderen Seite des Sees und sie laufen in unsere Richtung. Unser Guide fährt in Richtung Dickicht – nichts.

Wir fahren zurück und dann sieht er die frischen Löwenspuren. Ein Männchen und zwei Weibchen. Wir fahren, nein, wir rasen, über Stock und Stein, den Löwenspuren folgend. Wir halten uns gut fest, denn es holpert ganz nett. Dann finden wir sie. Wir folgen ihnen für etwa 5 Minuten, dann verschwinden sie erneut im Dickicht – und wir, wir können nicht folgen. Zu dicht ist der Busch.

Am nächsten Tag bringt uns ein kurzer Flug zum Azura Selous Camp, in einem anderen Teil des riesigen Camps. Das, was wir mit dem Fahrzeug in holprigen ca. 6 Stunden überbrückt hätten, hat mit dem Flugzeug nur ca. 7 Minuten gedauert! Der Flieger hält nur kurz, denn er ist in Richtung Ruaha unterwegs. Wir sind die einzigen Passagiere, die aussteigen – und: wir werden schon erwartet. Was für ein stilvoller Empfang erwartet uns hier. Ein schön dekorierter Tisch ist nur für uns auf der Landepiste aufgebaut, ein Butler sowie der Campchef lächeln uns an, es gibt feuchte Tücher und einen sehr guten Cocktail. Die Passagiere, die weiterfliegen, drücken sich die Nasen an den Fenstern platt, so dass ich über den Anblick lachen muss. 

„Welcome to Azura Selous“, sagt der Campmanager, ein sympathischer Mann mit einem netten Lächeln. 

„Wie weit ist es zum Camp?“ fragt Mike, der es kaum erwarten kann.

„Oh, wir müssen noch zusammenpacken, dann fahren wir über den Berg, den Du dort in der Ferne siehst, und von dort aus sind es nur noch ca. 40 Minuten.“

Mike fällt das Gesicht herunter. 

„Dann muss ich wohl noch hier in den Busch“, meint er und marschiert in Richtung Dickicht.

„Halt!“ ruft der Campmanager, „das war nur Spaß. Es sind nur ca. 5 Minuten von hier.“

Ich muss herzhaft lachen, denn endlich hat mal jemand Mike auf den Arm genommen. Normal ist es immer andersherum.

Das Azura Selous ist traumhaft schön. Kaum vorzustellen, dass so ein luxuriöses Camp mitten in der Wildnis errichtet wurde. Vom riesigen Infinity Swimmingpool vor dem Hauptdeck überblickt man den Ruaha Fluss. Das Hauptdeck lädt zum Verweilen ein, aber dann kann man das eigene Chalet nicht genießen. Das eigene, großzügige Chalet mit Klimaanlange verfügt über eine große Veranda mit Blick über den Fluss, einer Innen- und einer genialen Außenregendusche.  

Wir unternehmen eine Pirschfahrt. Nach ca. 1 Stunde Fahrt über holprige Pisten erreichen wir ein Flussbett mit Felsen und entdecken zwei stattliche Löwenmännchen mit prächtiger Mähne auf den Felsen unter einem kleinen Strauch.

„Die meisten Tiere sieht man hier zwischen Juni und Anfang November“, erzählt uns unser Guide. Und tatsächlich ist die Landschaft hier am Ende der Trockenzeit karger, als in der Gegend um den Rufiji Fluss. Dennoch ist das Camp spektakulär. Meiner Meinung nach ein perfekter Ort zum Entspannen, z.B. nach einem Aufenthalt im Sand River Selous Camp – das ist die perfekte Kombination....

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