Zum Inhalt der Seite springen
Spektakuläres La Réunion

Spektakuläres La Réunion

Eine Welt aus Feuer und Wasser, Bergen und Meer

La Réunion – Eine Welt aus Feuer und Wasser, Bergen und Meer. Etwa 800 Kilometer östlich von Madagaskar und fast 10.000 Kilometer von dem französischen Mutterland entfernt liegt diese einzigartige Vulkaninsel mitten im Indischen Ozean und wartet darauf, neu entdeckt zu werden.

Für die Anreise nach La Réunion - streng genommen ein innereuropäischer Flug - brauchen wir nur unseren Personalausweis und ein Ticket der Air Austral (alternativ geht es auch mit Reisepass und Air France/Air Mauritius über Mauritius) sowie ca. 11 Stunden Geduld. Und dann sind wir in einer völlig anderen Welt, die wir für 14 Tage mit dem Auto und vor allem in Wanderschuhen erkunden wollen.

Beeindruckende Wanderung durch den Cirque de Mafate bis nach Hellbourg im Cirque de Salazie

Nach einer ersten Nacht in der Inselhauptstadt St. Denis starten wir unsere Tour. Mit unserem Mietwagen fahren wir durch verschiedene Vegetationszonen zu unserem Ausgangspunkt, Le Maido, auf 2.190 m Höhe, von wo sich uns ein spektakulärer Blick auf den Cirque de Mafate – einen der drei gigantischen Talkessel im Inselinneren - eröffnet. Nach einem dreistündigen, steilen Abstieg erreichen wir unseren ersten Übernachtungsort Roche Plate. Wir haben Zeit gemütlich durch den Ort zu bummeln und mit den Einheimischen einen Kaffee zu trinken.

Von Roche Plate aus wandern wir am nächsten Tag durch den Forêt Seche ins Flussbett des Rivière des Galets bis wir nach 3 Stunden Trois Roches erreichen. Eine Rast an diesem besonderen Ort bietet nicht nur ein grandioses Landschaftserlebnis, an dem der Fluss durch eine Spalte in die Tiefe stürzt. Es ist auch ein Platz, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Erholung pur, nachdem man gerade aus dem hektischen Europa angekommen ist. Über eine Sandebene erreichen wir schließlich La Nouvelle, den Hauptort des Cirque de Mafate. Diesen Ort kann man nur zu Fuß erreichen und die Einwohner werden per Helikopter versorgt. Den restlichen Tag wird diese Idylle dann auch durch kein Zivilisationsgeräusch mehr gestört. Von der Terrasse unseres Bungalows aus beobachten wir einen unvergesslichen Sonnenuntergang bei einem Glas Wein bzw. einem Dodo, dem sehr guten lokalen Bier.

Am nächsten Tag unternehmen wir frühmorgens eine kurze Wanderung rund um den Ort und treffen dabei auf den Bäcker, welcher auf einem Schubkarren das frische Baguette aus der Dorfbäckerei für das Frühstück anliefert. Die Sonne geht gerade auf und taucht die steile Felswand in ein besonderes Licht.

Nach dem Frühstück lernen wir wieder eine neue Facette der Insel kennen. Die Wanderung durch die Plaine des Tamarines beeindruckt vor allem durch die Baumfarne, den Ausblick auf die Berge und bis hinein in den Cirque de Salazie. Teilweise ist der gut befestigte Weg durch den Nieselregen etwas rutschig. Die hohen, knorrigen Tamarinden verbreiten eine fast mystische Stimmung und wir genießen die atemberaubenden Ausblicke auf die Berge und den üppig-grünen Talkessel zu unseren Füßen. 

Nachdem wir uns in unserer Unterkunft in Hellbourg einem alten kreolischen Städtchen im Cirque de Salazie etwas erfrischt haben, gehen wir auf Erkundungstour durch den Ort, der 1999 zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt wurde. Hier fällt uns zum ersten Mal die bunte Mischung der Völker und Religionen und das friedliche Miteinander auf. Auf dem Gemüsemarkt, welcher aus mehreren Ständen entlang der Straße besteht, bestaunen wir uns unbekannte Gemüsesorten, wie z.B. ChouChou, das fast überall auf der Insel gedeiht. Ein Spaziergang führt uns zu den alten Thermalquellen des malerischen Ortes. Am Abend genießen wir ein typisch kreolisches Essen in dem zu unserem Hotel gehörenden Restaurant und fallen müde und voller neuer Eindrücke ins Bett.

Piton de la Fournaise und die „Gartenroute“ von La Reunion

Am nächsten Tag stehen wir bereits vor Sonnenaufgang auf. Auf dem Programm des Tages steht der majestätische Piton de la Fournaise, der einzige aktive Vulkan La Réunions dessen über 2.600 Meter den gesamten Südosten der Insel dominieren. 

Unsere Wanderung führt bei klarem Himmel an den Kraterrand des Piton de la Fournaise, an dem wir einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben dürfen. Den Formica Leo - einen rötlich schimmernden kleinen Krater und ein Fotomotiv par excellence - bestaunten wir bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen von ca. 20 Grad. Da wir leider nicht in die eigentliche Caldera absteigen können - der Vulkan war gerade aktiv und der Weg daher gesperrt - wandern wir den Kraterrand entlang und bestaunen von dort aus die Vulkanlandschaft.

Am Nachmittag führte die Fahrt über die Plaine de Sable (Sandebene), die einer Mondlandschaft gleicht, und durch unzählige Kurven zurück an die Küste zu den erloschenen, aber stellenweise noch heißen Lavaströmen des letzten Vulkanausbruchs, die an der Ostküste in das Meer fließen. Eine bizarre Landschaft.

Wir probieren Vakoa-Herzen (Vakoa  - eine Palmenart), kommen bei Zuckerrohrverladestationen vorbei und besichtigen eine Vanilleplantage. Hier spüren wir die Macht, welche dieser Vulkan auch noch Jahre nach einem größeren Ausbruch ausübt, als wir auf den ausgeschilderten Wegen in die Lavafelder gehen. Auch noch nach zwei Jahren ist die Hitze der erkaltenden Lava so groß, dass ein vertrocknetes Palmblatt sofort Feuer fängt, als wir es über eine Erdspalte halten.

Wir fahren weiter an die Südküste nach St. Pierre, einem beschaulichen und auf den ersten Blick typisch französischen Hafenstädtchen im Süden der Insel. Hier bummeln wir zu dem Yachthafen, essen ein Eis im alten Bahnhof - das beste Eis der Insel - schlendern den Strand entlang und genießen vor dem Abendessen einen typischen Rhum Arrange - eine Spezialität der Insel - auf der Dachterrasse unseres Hotels.

Das La Réunion ein vollkommen friedlicher und harmonischer Schmelztiegel der Religionen und Kulturen ist, erleben wir nicht nur auf den bunten Märkten, sondern ganz deutlich auch am Stadtbild: Eine chinesische Pagode nur einige Schritte von einer Moschee entfernt, oder der Friedhof, auf dem sich Gräber von Christen, Moslems und Hindus in einem bunten Durcheinander aneinanderreihen.

Wanderung von Cirque de Cilaos auf den Piton de Neige

Wir verbringen eine „Erholungsphase“ an den schönen Sandstränden des Westens bei St. Leu und St. Gilles-les-Bains. Während St. Gilles – das „St. Tropez“ der Insel - gerade auch bei Nachtschwärmern beliebt ist, hat sich St. Leu seine ursprüngliche Ruhe und Entspanntheit bewahrt. Neben sehr schönen Badestränden bietet die Region auch die Möglichkeit zu vielfältigen Aktivitäten und so kann man bei verschiedenen Anbietern Tauch- oder Schnorchelausflüge, aber vor allem auch Helikopterflüge über die Insel buchen.

Anschließend fahren wir auf atemberaubenden Serpentinenstraßen in den Cirque de Cilaos, den Dritten und am schwersten zugänglichen Talkessel der Insel. Als absoluten Höhepunkt unserer Reise wollen wir das „Dach des Indischen Ozeans“, den über 3.000 Meter hohen Piton de Neige, besteigen. Über eine kurvenreiche Straße, von welcher aus wir immer wieder die faszinierenden Ausblicke in den Cirque de Cilaos genießen, erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt unserer zweitägigen Wandertour.

Der Aufstieg zur Hütte Caverne Dufour führt uns zunächst durch üppig-grüne Vegetation bis zu einem Rastplatz mit einer Schutzhütte und frischem Quellwasser, an dem wir uns bei einem Picknick stärken. Auf dem weiteren Weg lässt die immer spärlicher werdende Vegetation grandiose Ausblicke auf den Cirque de Cilaos mit dem gleichnamigen Hauptort zu. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir die Gite de la Caverne Dufour. Dort angekommen beschließen wir spontan, noch heute - statt wie ursprünglich geplant am nächsten Tag zum Sonnenaufgang - den Gipfel des Piton de Neige zu besteigen. 

Die Vegetation ist karg, nur mehr einige Heidebüsche wachsen noch am Anfang entlang der Aufstiegsroute. Das Vorwärtskommen über Geröll und Steine ist mühsam, doch nach ca. 2 Stunden haben wir es geschafft: Wir stehen auf dem Gipfel. Die Farbspiele von leuchtend rot bis schwarz zaubern eine ganz besondere Stimmung. Hier spürt man die Kräfte, die diesen Berg geformt haben. Wir genießen die fantastischen Ausblicke über Teile der Insel, sowie in die Weiten des Indischen Ozeans bevor wir noch vor Einbruch der Dunkelheit mit einem wehmütigen Blick zurück zur Hütte absteigen. Hier stärken wir uns mit einem Carri (eine Art deftiger Eintopf - typisch für La Réunion) sowie dem traditionellen Rhum Arrangé bevor wir müde in unsere Betten fallen.

Der Aufstiegsweg führt uns am nächsten Tag wieder zurück nach Cilaos, welches wir nach ca. 2,5 Stunden erreichen. Von unserer Unterkunft, dem Le Vieux Cep, aus genießen wir einen traumhaften Blick auf die Berge mit dem Piton de Neige. Nach einem hervorragenden Mittagessen mit typisch kreolischen Gerichten unternehmen wir einen Bummel durch den Ort mit seinen bunten kreolischen Häusern. Der Ort dient nicht nur als Ausgangspunkt interessanter Wander-, Kletter- und Mountainbiketouren sondern ist auch bekannt für seinen Wein- und Linsenanbau und war in vergangenen Zeiten ein Fluchtpunkt für viele von den Plantagen der Küste geflohene Sklaven.

Da unser Rückflug erst am späten Abend geplant ist, besuchen wir noch am Vormittag unseres Abreisetages den Markt von St. Paul, der immer freitags und samstags stattfindet und ein wichtiger Treffpunkt für Einheimische ist. Der Markt fasziniert durch seine ethnische Vielfalt und das friedliche Miteinander. Neben Obst, Gemüse und Gewürzen bieten einheimische Künstler ihre Werke an. Zur Erfrischung trinken wir frisch gepressten Zuckerrohrsaft und stärken uns mit Samoussas (Teigdreiecke mit Gemüse- und Hackfleischfüllung). Hier erstehen wir auch noch ein kulinarisches Souvenir: Vanilleschoten.

Am späten Nachmittag heißt es dann leider Abschied nehmen von der Insel aber wir sind uns sicher, wir kommen wieder.

Über den Autor

Kommentar verfassen