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Namibias grünes Paradies

Namibias grünes Paradies

Bis ans Ende der Welt und noch ein bisschen weiter...

Wir sitzen auf unserer Terrasse und lauschen dem Trillern und Pfeifen hunderter Vögel, ein angenehm kühlender Wind weht durch die Blätter der Bäume und wenn wir ganz genau hinhören, können wir sogar das Rauschen der nahen Popa Fälle hören. Jegliche Zivilisationsgeräusche, die uns ach so vertraut scheinen, sind mit einem Mal nicht mehr da. Nur die Natur und wir….einfach schön.

Wir befinden uns gerade auf der Terrasse der Divava Okavango Lodge im westlichen Teil des zu Namibia gehörenden Caprivizipfels. Vor uns fließt in gemächlichem Tempo der Okavango durch eine endlos scheinende Buschlandschaft. Kaum zu glauben, dass dieser Fluss jenseits der namibischen Grenzen einmal von der mächtigen Kalahariwüste in Botswana verschlungen wird.

Beinahe muss ich mich selbst in den Arm kneifen, um zu prüfen, ob ich wach bin oder träume. Bin ich wirklich noch in Namibia?

Namibia, das Land, das doch fast nur aus Wüste zu bestehen scheint und zu den wasserärmsten Ländern der Welt zählt. Davon ist hier im „grünen Norden“ rein gar nichts zu sehen. Und dass dem so ist, daran sind wir Deutschen nicht ganz unschuldig.

Südwestafrika, wie Namibia von 1884 bis 1918 geheißen hat, war eine von vier afrikanischen Kolonien unter deutscher Flagge. Der damalige Reichskanzler Leo Graf von Caprivi hat 1890, als einer seiner ersten Amthandlungen, seine Unterschrift unter ein Abkommen über einen Gebietsaustausch gesetzt. Im sog. Helgoland-Sansibar Vertrag trat Deutschland die Insel Sansibar an die Briten ab und erhielt im Gegenzug Helgoland – und den Caprivi gab es als „Schmankerl“ obendrauf.

Und ein „Schmankerl“ ist der Caprivi alle Mal. Wer in Namibia Tiere beobachten will, ist im Caprivi am besten aufgehoben. Nirgendwo ist das Land so grün, fruchtbar und üppig wie hier. Wie ein ausgestreckter Finger ragt der Caprivi ca. 400 km aus dem Umriss des beinahe rechteckigen Namibias heraus und ist dabei an der schmalsten Stelle nur 32 km breit.

Elefanten, Flusspferde, Zebras, Büffel, Warzenschweine, eine Vielzahl von Antilopen und nicht zu vergessen mehr als 400 verschiedene Vogelarten, machen den Caprivi zu einem einzigartigen Ökosystem.

Und wir sind mittendrin. Sie fragen sich jetzt sicher, wie wir hierher gekommen sind, oder? Das ist gar nicht so schwer. Ausgangspunkt von fast allen Reisen durch Namibia ist Windhoek. Von hier führte uns die Reise zunächst auf der Nationalstraße B1, der wichtigsten namibischen Nord-Süd-Achse, in Richtung Norden bis Otjiwarongo. Kurz vor der Stadt passiert man das mächtige Waterberg-Plateau.

Ein Abstecher lohnt sich für Naturfreunde aber auch für geschichtlich Interessierte, denn am Waterberg fand im Sommer 1904 die Entscheidungsschlacht zwischen den Herero und den deutschen Kolonialgruppen statt. Viele alte Friedhöfe und Gedenksteine zeugen von dieser Schlacht.

Wir legten unseren ersten Stopp in der schönen Frans Indongo Lodge ein. 

Auf der schönen Terrasse hatten wir einen wunderbaren Blick über das 170 km² große Farmgelände und sogen den Duft der Savannengräser und Akazien förmlich in uns auf. Ein kurzer Wanderweg, der sich durch die Buschsavanne schlängelte führte uns auf einem kleinen Berg, von welchem wir eine fantastische Aussicht hatten.

Unsere Reise führte uns weiter in den Norden, vorbei am Minenstädtchen Otavi Grootfontein. Danach ging es auf einer schier endlosen, kurvenlosen Straße durch ein Meer aus Sand und Busch in Richtung Rundu. Auf der Fahrt fällt schnell auf, dass die Hauptbevölkerung Namibias im Norden des Landes lebt. Immer kürzer werden die Abstände zwischen den einzelnen Dörfern und das emsige Treiben der Menschen auf und neben der Straße macht die lange Autofahrt bis in den Caprivi etwas abwechslungsreicher. Hin und wieder zwangen uns Ziegen- oder Kuhherden, die über die Straße getrieben wurden, zu einer kurzen Zwangspause.

Noch vor wenigen Jahren wären wir bestimmt, trotz ungewollter Zwangspausen, nicht so schnell vorangekommen, denn damals war die Fahrt durch den Caprivi langwierig und – vor allem während der Regenzeit – nicht ganz ungefährlich. Heute ist die Fahrt auf dem geteerten Trans-Caprivi-Highway von Rundu bis nach Katima Mulilo, der Provinzhaupstadt, kinderleicht.

So sind wir schließlich zur Divava Okavango Lodge an den Popa Fällen gekommen, wobei „ Fälle“ etwas übertrieben ist, hat man doch immer gleich die mächtigen Viktoria Fälle oder gar die Niagara Fälle im Hinterkopf.

Die Popa-Fälle sind jedoch vielmehr größere Stromschnellen mit einer Höhe von maximal 4 Metern, die man am besten auf einer Bootsfahrt erkunden kann. Vor allem in der Trockenzeit ist dies eine spannende Sache, weil dann der Felsriegel weitgehend frei liegt und man auf einer kleinen Sandinsel Halt machen und die Fälle teilweise zu Fuß bequem überqueren kann.

Wir stoßen sogar noch ein wenig weiter in den Caprivi vor und fahren bis nach Kongola zum Mudumu Nationalpark. Unser Ziel ist das Camp Kwando, eine gemütliche Lodge im afrikanischen Stil, deren Tented Chalets direkt am Flussufer gelegen sind.

Hier nehmen wir an einer Bootsfahrt durch die verschlungenen Wasserwege teil und können uns von neuem überzeugen, dass der Caprivi ein wahres Vogelparadies ist. Noch nie habe ich so viele verschiedene und kunterbunte Vögel gesehen wir hier. 

Selbstverständlich darf am Ende des Tages der obligatorische Sundowner nicht fehlen. Dieser ist ein weit verbreitetes und bei den Touristen sehr beliebtes Ritual auf Safari, die Sonne mit einem gekühlten Drink zu verabschieden, „Das garantiert, dass sie auch am nächsten Morgen wieder scheint“, so unser Guide. Und zumindest hier in Afrika hat das bisher immer geklappt. 

Serra Cafema - Bis ans Ende der Welt und noch ein bisschen weiter.

Bis an Ende der Welt und noch ein bisschen weiter – genauso kann man die Lage von Serra Cafema beschreiben. Schon allein der Name lässt einen anfangen zu träumen….

Doch es hat lange gedauert, bis ich schließlich in diesem kleinen Paradies im äußersten Nordwesten Namibias an der Grenze zu Angola angekommen bin. Es waren fast drei Stunden, um vom Etosha Nationalpark mit der kleinen Propellermaschine an die angolanische Grenze zu fliegen. Ein Glück, dass mir der Pilot vor dem Start noch zwei Ohropax-Gehörschutzstöpsel in die Hand gedrückt hat, mit den Worten: „Trust me, you will need them“. Und wie recht er hatte. Diese Propeller machen einen enormen Lärm. Mit dem Gehörschutz in den Ohren lehne ich mich zurück und genieße den Flug, lasse meinen Blick über die schier endlosen Weiten des rauen Kaokovelds gleiten.

Kaum zu glauben, dass hier jemand auf die Idee kam ein Luxuscamp zu errichten.

Ich gebe meine Idee schnell auf, diese faszinierende Weite mit meiner Kamera festhalten zu wollen. Es ist praktisch unmöglich, denn ein solches Weitwinkelobjektiv, wie man hierzu benötigen würde, gibt es gar nicht.

Schließlich verliert das Flugzeug langsam an Höhe und setzt zum Landeanflug an. Doch wo um alles in der Welt möchte der Pilot landen? 

„Da unten“, kommt es vom Piloten zurück. Vor mir eröffnet sich ein weites, flaches Tal – das berühmte Hartmannstal. Es ist der einzige Platz hier in der Gegend, der sich für eine Landebahn eignet, so der Pilot, „der Rest ist zu uneben“. Am Horizont mischt sich eine kleiner schwarzer Fleck in die sonst rotbraune und pastellfarbige Landschaft. Nach der Landung stellt sich dieser „Fleck“ als unser freundlicher Guide heraus, der an der Landebahn mit dem Safarifahrzeug auf uns gewartet hat.

Nachdem unser Gepäck sicher im Fahrzeug verstaut und unser Pilot sich wieder auf den Rückweg gemacht hat, begeben wir uns auf die etwa einstündige Fahrt ins Camp. Schon auf dem Weg dorthin stellen wir fest, dass dieser Ort einzigartig ist, ja fast etwas Magisches hat. 

Die Sonne lässt das Tal und die umgebenden Berge in einem warmen Licht erscheinen und ganz hinten am Horizont sieht man schon die gewaltigen Berge des nahen angolanischen Hochlands, die in den unterschiedlichsten Blautönen leuchten. 

Wie bestellt, stellt sich dann auch noch ein einzelnes Oryx auf den Kamm einer Düne und blickt zu uns herunter. Besser hätte die Begrüßung nicht sein können.

Kaum vorzustellen, dass diese karge Landschaft den Tieren der Region genügend Nahrung und Wasser bereithält. Sicherlich gibt es hier den Kunene, den großen Grenzluss zu Angola, doch der ist weit entfernt. Auf der Fahrt zeigt uns unser Guide immer wieder Oryxknochen, die uns zeigen, dass das Überleben für die Tiere in oft regelosen Zeiten nicht einfach ist. 

Noch ganz fasziniert von der endlosen Weite, merke ich wie sich das Landschaftsbild plötzlich verändert und wir aus dem Tal herausfahren in einen Pass zwischen zwei Hügelketten hinein. Von nun an sieht man immer auch wieder orangerote Sanddünen, die unseren Weg säumen.
 
Unser Guide fährt uns über einen letzten Hügel und vor uns eröffnet sich eine wahre Oase. Kaum zu glauben! Dort unten fließt der Kunene, der sich wie ein blaues Band durch die trockene Landschaft schlängelt. Links und rechst gesäumt von grüner, üppiger Vegetation. Und genau in dieser Oase liegt Serra Cafema.

Das luxuriöse Camp besteht aus 8 großzügigen Chalets und dem Hauptgebäude, die entlang des Flusses am mit Palmen, Sträuchern und Bäumen gesäumten Ufer erbaut wurden. So genannte „walkways“ aus Holz, die auf Stelzen errichtet sind, verbinden die Chalets mit dem Hauptgebäude.

Die großzügigen Suiten aus Naturmaterialien bieten jeglichen Luxus, den man sich nur vorstellen kann. Die Ausstattung, die Farben und Formgebung der Chalets sind der Landschaft und der Kultur dem hier lebenden Halbnomadenvolk der Himba nachempfunden. Die Flussseite der Chalets ist komplett verglast und führt durch mehrere Türen direkt auf die großzügige, private Terrasse zu.

Außendusche, Hängematte und eine gemütliche Lapa bieten vielfältige Möglichkeiten, die Magie dieses Ortes in sich aufzunehmen.

Nachdem wir vom Manager begrüßt wurden und uns ein wenig frisch machen konnten, steht als erste Aktivität eine Bootsfahrt auf dem Programm. 

Unser Guide lenkt das Boot geschickt durch den Fluss und erklärt uns, dass es zu dieser Jahreszeit gar nicht so einfach ist, den richtigen Weg durch die vielen Steine zu finden – denn der Kunene führt Ende Oktober recht wenig Wasser.

Gebannt beobachten wir das Ufer vom Boot aus und hoffen, dass jede Bewegung im Uferdickicht vielleicht ein Krokodil ist. Und wir haben Glück, schon nach 10 Minuten sehen wir unser erstes Krokodil, wie es auf einem Felsen inmitten des Flusses die letzten wärmenden Sonnenstrahlen in sich aufnimmt. Unser Guide zeigt uns auch immer wieder seltene Vögel, die am Ufer des Kunene hervorragende Nistplätze finden.

So langsam beginnt die Sonne unter zu gehen und unser Guide legt an einer kleinen Sandbank an und bereitet mit flinken Händen alles für den obligatorischen Sundowner zu. Wir vertreten uns solange auf der kleinen Sandbank unsere Beine. Die Sonne geht unter und wir genießen unseren Gin&Tonic. Gibt es einen besseren Abschluss für einen Tag „am Ende der Welt“?

Am nächsten Morgen machen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Weg zu den Himba, die in der Nähe des Camps Ihre kleine Siedlung haben.  

Ein Besuch der hier lebenden Halbnomaden gehört mit zu den spannenden Aktivitäten, die man in Serra Cafema unternehmen kann. Unser Guide erklärt uns, dass wir erst Fotos machen dürfen, wenn er uns den Himba vorgestellt hat. Unser Guide, der Sprache der Himba mächtig, fragt daher zunächst das Oberhaupt der Familie, ob ein Besuch heute in Ordnung ist. In der Regel wird dies gern gewährt, weil die Himba und das Camp seit Jahren eine gute Beziehung zueinander haben. Zudem arbeitet auch eine der Töchter im Camp. 

Wir stellen uns daher zunächst dem Oberhaut der Familie vor und anschließend den Frauen der Familie. Es ist sehr lustig, als wir und die Himba versuchen, die Namen des jeweils anderen auszusprechen. Unser Guide erklärt uns wie die Siedlung aufgebaut ist, wer mit wem eine Hütte teilt und wer welche Aufgaben übernimmt. 

Ich muss gestehen, dass ich vor dem Besuch ein leicht mulmiges Gefühl hatte, wie die Himba auf uns und wir auf sie reagieren würden und wie wir kommunizieren können, ohne der Sprache des anderen mächtig zu sein.

Dann habe ich wieder einmal gelernt, dass ein Lächeln zur rechten Zeit, manche Kommunikationsbrücke überwinden kann. Wir durften sogar in eine Hütte hineinschauen, um zu sehen, wie es dort aussieht. Die Bewohnerin der Hütte hat mich dann auch ermuntert Fotos zu machen, weil ich mich zuerst nicht getraut habe. Schließlich ist es schon ein seltsames Gefühl das Schlafzimmer von wildfremden Leuten zu fotografieren. Als ich dann aber auch ein Bild von ihr gemacht habe und es ihr anschließend gezeigt habe, hat sie sich sehr gefreut und zu unserem Guide gesagt, dass sie sich sehr schön findet. Dem konnte ich nur zustimmen.  

Nach einem kurzen Rundgang durch das Dorf haben wir uns wieder verabschiedet, schließlich wollten wir die Familie nicht von ihrer täglichen Arbeit abhalten.

Am Nachmittag stand dann das Quadbike-Fahren auf dem Programm, ein Erlebnis, das man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

Diese vierrädrigen Motorräder bieten sich geradezu hervorragend dazu an, die sandigen Wege und die nahen Dünen zu erkunden – und das Fahren macht dazu noch riesigen Spaß. Ich muss zugeben, am Anfang war ich keine geborene Quadbikefahrerin und hatte so meine Probleme die Kupplung am rechten Fuß, den Gashebel am Daumen und die Steuerung des ganzen Fahrzeugs zu koordinieren, doch nach ein paar Proberunden auf ebener Strecke, fühlte ich mich sicher genug und raste unserem Guide hinterher.

Natürlich bin ich auch ein paar Mal in den Dünen stecken geblieben und habe unseren armen Guide dazu genötigt, vier Mal die Dünen hoch und runter zu laufen, bis ich endlich das Quadbike und mich oben hatte. Immer wieder hat sich das Hinterrad aus mir völlig unerklärlichen Gründen (ok, zugegeben, laut unserem Guide, habe ich einfach zu wenig Gas gegeben) in den Sand eingegraben.

Dann ging es weiter Dünen rauf und runter, rauf und runter, rauf……und hier legten wir dann einen Stopp ein. Auf einem kleinen Berg, von dem aus wir einen fantastischen Blick über den Kunene Sea of Sand hatten, einem Gebiet das nur aus Sand zu bestehen schien – so weit das Auge reichte.

Auf der Rückfahrt ins Camp konnten wir uns dann in den Dünen so richtig austoben. Ich, inzwischen mit meinem Quadbike eins geworden, habe mich dann auch getraut, von einer hohen Düne ins Tal hinunter zu fahren. Nervenkitzel pur, wenn sich die Nase des Quadbikes langsam nach vorn neigt und man unmittelbar zu rutschen anfängt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Mit der Hand immer auf der Bremse geht es abwärts…unten angekommen muss man blitzschnell Umschalten und Gas geben, weil man sonst wieder stecken bleibt. Doch wir haben es geschafft.

Meiner Meinung nach viel zu früh, ich hätte noch stundenlang weiter durch die Dünen rasen können, ging es wieder zurück ins Camp. Doch die Sonne begann schon wieder unterzugehen.

Am nächsten Morgen hieß es dann leider schon wieder Abschied nehmen von diesem wunderbaren Ort. Auf dem Weg zurück zum Flugzeug haben wir noch einmal die Gelegenheit von Serra Cafema, von diesem wunderbaren Ort, Abschied zu nehmen.

Für drei Tage war ich einfach nur ganz weit weg vom Rest der Welt. 

Ich war am Ende der Welt und bin noch ein bisschen weiter gegangen.

Ihre Kathrin Heinisch

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