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Namibia, ich komme!

Namibia, ich komme!

Meine lang ersehnte Reise

Ein Schritt und endlich spüre ich wieder afrikanischen Boden unter meinen Füßen. Der lang ersehnte Tag ist gekommen, ich bin zurück in Afrika, ich bin in Namibia

Nach der Mietwagenübernahme, muss ich mich kurz wieder an den Linksverkehr gewöhnen. Unsere – bei diesem Afrika-Aufenthalt habe ich meine Schwerster als Reisebegleitung im Gepäck -  erste Station ist Windhoek, die Hauptstadt Namibia´s. Das schöne Olive Grove ist unser erstes Zuhause in der Ferne. Unseren Abend  verbringen wir im legendären Joe´s Beerhouse. Es ist eine Institution in Windhoek – urig, gemütlich und rustikal. Es bietet seinen Gästen eine wohlige Atmosphäre und die besten Fleischgerichte. 

Nach einer erholsamen Nacht beginnt unsere dreiwöchige Selbstfahrerrundreise in Namibia. Zunächst erkunden wir den Süden, die erste Station ist die Wellness-Lodge Goche Ganas. Nachdem wir unser Chalet bezogen haben, sitze ich mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse, vor mir die weite Ebene. In mitten der Buschlandschaft sehe ich einige Giraffen an einem kleinen Wasserloch.

Am Nachmittag erleben wir unsere erste Wildbeobachtungfahrt. Neben zahlreichen Antilopen, Springböcken und Gnus sehen wir auch Giraffen, Strauße und Zebras. In der Ferne genießen ein paar Breitmaulnashörner die untergehende Sonne. Auch wir erleben unseren ersten Sundowner vor atemberaubender Kulisse: rechts von uns grasen einige Springböcke, links nähert sich eine Herde Gnus und vor uns versinkt die Sonne rötlich leuchtend am Horizont. 

Nach einer erholsamen Massage am Morgen fahren wir weiter in Richtung Kalahari. Ich durchquere das Khomas-Hochland und die etwas verschlafenen Städtchen Rehoboth und Kalkrand. Im Osten tauchen langsam die Dünenrücken der Kalahari auf. Kilometerweit verlaufen die rötlichen Dünen zur Straßen. Die bequeme Teerstraße führt mich von Mariental bis nach Maltahöhe.

Am Ende des kleinen, doch sehr lebhaften Örtchens bricht die Straße förmlich ab… das Abenteuer Schotterpiste beginnt!

Erst mal sehen, was mein SUV so alles kann, ich gebe Gas und merke schnell, dass mein Heck ausbricht und ich zu schlittern beginne. Ich werde langsamer und merke, wie ich in jede Bodenwelle des Wellblechs „falle“. Schnell ist klar: Ich muss mein Fahrverhalten an die typisch namibische Pad anpassen.

Ich finde eine Geschwindigkeit, bei der ich quasi über das Wellblech fliege, ohne jedoch die Fahrsicherheit zu verlieren. Nicht nur die Straße, auch die Landschaft verändert sich. Die Landschaft fällt ab und die Fahrt führt mich durch ein, mit zahlreichen „Rivieren“(Trockenflussbetten) durchzogenes Land. 

Nach Ankunft in der schönen Kulala Desert Lodge und einer kurzen Erfrischung, begeben wir uns gemeinsam mit unserem Guide auf eine Naturfahrt des privaten Schutzgebiets der Kulala-Konzession.

Unser Guide Amstrong bringt uns die Flora und Fauna näher – bspw. den „Stinky-Busch“ welcher schon aus einigen Metern Entfernung unangenehm riecht. Verreibt man dessen Blätter in den Finger stinkt es umso mehr – wohl auch aus diesem Grund bietet er keine Nahrung für die Tiere der Umgebung. So langsam beginnt die Sonne unterzugehen, wir fahren einen letzten Sandhügel hinauf. Unser Guide bereitet mit flinken Händen alles für den obligatorischen Sundowner vor. Am Horizont schimmern die Dünen in der Abendsonne Afrikas…. 

Ich erwache auf dem Dach meines Chalets – die Mitarbeiter der Kulala Desert Lodge haben mir hier mein Nachtlager aufgebacht. In der Weite höre ich die Vögel zwitschern, über mir erstreckt sich ein Meer aus Sternen. Die klare Nacht erlaubt mir einen atemberaubenden Blick auf tausende Sterne am Himmel. Im Morgengrauen erkenne ich der Weite die Umrisse der Dünen. Noch vor Sonnenaufgang machen wir uns auf den Weg zum Sossusvlei. 

Wir passieren den Eingang zur Wüste Namib und kurz darauf erstrecken sich die majestätischen Dünen nebeneinander. Endlich ist sichtbar, was von weitem nur zu erahnen war. Die unglaublich Höhe, die scharfen, vom Winde verwehten Kämme, die Gipfel – faszinierende Schattenspiele.

In der aufgehenden Sonne erlebe ich die Dünen in einem unglaublichen Farbspiel. Ihre Farbe wechselt von rostrot zu orange zu beige und goldgelb strahlen sie in der Sonne. 

Unser heutiges Ziel ist der „Big Daddy“ - zumindest dessen Auslauf, der sog. Arm – die wohl massivste Düne, direkt am Dead Vlei, einer trockenen Tonpfanne mit uralten, verdorrten Kameldornbäumen. 

Am Fuße der Düne sehe ich nach oben und frage mich, ob dies überhaupt machbar ist. Vom Ehrgeiz getrieben kämpfe ich mich am schmalen Kamm der Düne langsam nach oben. Ein Schritt nach vorne, gleichzeitig mindestens ein halber zurück. Bei Gegenverkehr eine Schritt zur Seite, zwei nach unten.

Je langsamer wir werden, desto tiefer sinken wir in den Sand. Also wird das Tempo wieder etwas angekurbelt… den Gipfel im Auge kämpfe ich mich schnaufend noch oben … geschafft! Ich werde mit einem atemberaubenden Blick belohnt: Ein Meer aus Sterndünen erstreckt sich soweit mein Auge reicht, über uns der tiefblaue Himmel, das Dead Vlei am Fuße der Düne.

Ich versuche, dieses unbeschreibliche Panorama auf einigen Bildern festzuhalten. Die Kamera sicher im Rucksack verstaut, es geht wieder nach unten, diesmal nicht am Dünenkamm entlang. Ich hole Luft … und springe in die Tiefe, seitwerts die Düne hinab … ich werde immer schneller, renne, springe … taumle etwas, werde langsamer. Um nicht im Sand zu versinken, springe ich wieder und fühle mich frei!

Am Fuße angekommen überlege ich kurz, das Ganze zu wiederholen, jedoch ist mir der Aufstieg doch etwas zu schweißtreibend und ich entscheide mich, das Dead Vlei zu erkunden. Die verdorrten Kameldornbäume des Vleis bestehen seit Langem im Windschatten der Dünen. 

Durch das schmale, sandige Rivier fahren wir zum Sossusvlei. Die vom Schilf gesäumte Tonpfanne umgeben bis zu 200m hohe Sandberge. Unter einem schattenspendenden Kameldornbaum genießen wir ein Picknick, welches unser Guide vorbereitet hat. Am Nachmittag besuchen wir den Sesriem Canyon, welcher ca. 5km südlich des Nationalparkeingangs liegt.

Der Abstieg in den Canyon bietet eine willkommene Abkühlung an diesem heißen, trockenen Tag. Unten im Canyon erkennt man an den Schluchtwänden die verschiedenen Gesteinsschichten, welche sich über Millionen von Jahren durch den Tsauchab-Fluss gebildet haben. Führte dieser viel Wasser, brachte er viel Geröll mit sich, in den Trockenphasen lagerte sich eher feiner Sand ab, da der Fluss nur wenig Wasser führte. 

Wir folgen der C14 über den Gaub-Pass und den aussichtsreichen Kuiseb-Pass bis in die Zentral-Namib. Wir lassen die Dünen-Landschaft hinter uns und finden uns in einer flachen aus Kies und Schotterebenen bestehenden Weite wieder. Eine unendliche, kerzengerade Straße führt uns an den Atlantik, je näher wir kommen, desto weiter sinkt die Temperatur.

Unser heutiges Ziel ist das koloniale, altdeutsche Städtchen Swakopmund, direkt am Atlantik gelegen. Ich bin etwas verblüfft von dem enormen Temperatur-Unterschied zum Landesinneren und der Namib-Wüste im Süden – es ist nur noch 15 Grad warm. Trotz der niedrigen Temperatur und steifen Briese beschließe ich, Füße in den Atlantik tauchen muss sein! Nach einer kurzen Abkühlung schlüpfe ich wieder in meine Schuhe und erkunde die Stadt zu Fuß. 

Am nächsten Morgen finde ich mich auf dem Mond wieder  … zumindest liegt vor mir eine beeindruckende, gräulich schimmernde „Mondlandschaft“.

Etwas unheimlich wirkt das schwarz zerklüftete Tal, welches in der Vergangenheit vom Wasser des Swakop in die weichen Gesteine „hineingefressen“ wurde. Das „Moon Valley“ liegt nur ca. 18km östlich von Swakopmund, etwas abseits der Hauptstraße, welche in Richtung Usakos führt. Nördlich von Uskos beginnt das Erongo-Gebirge. Aus der flachen Ebene türmt sich langsam eine wunderschöne Gebirgslandschaft. Die wild-romantische Szenerie lädt zu Wanderungen ein! Heute übernachte ich in der Erongo Wilderness Lodge, welche malerisch in einem „Gebirgskessel“ liegt. 

Mein Chalet ist perfekt in die Umgebung eingebaut, mein überdachtes „Freiluft- Badezimmer“ besteht aus den Felsen des Erongogebirges.

Den obligatorischen Sundowner muss ich mir heute etwas erarbeiten. Ich werde nicht zu einem tollen Aussichtspunkt gefahren, heute wird gewandert. Ein kurzer Wanderweg, welcher sich durch das Gebirge und seine bizarren Felsformationen schlängelt, führt uns hinauf. Oben angekommen bietet sich uns eine fantastische Aussicht. Mit einem kühlen Getränk in der Hand genieße ich hoch oben einen unbeschreiblichen Sonnenuntergang. 

Eine sehr unbequeme und stark in Mitleidenschaft gezogene Schotterpiste führt uns vom Erongogebirge vorbei am Brandberg bis ins Damaraland. Die weite Ebene ist in Farmen unterteilt, viele Ziegen und Kuhherden begegnen uns am Straßenrand. Ich besuche das UNESCO-Weltkulturerbe von Twyfelfontein. Im zerklüfteten Felsmassiv finde ich eine Bildergalerie auf Fels.

Die Felsgravuren zeigen Elefanten, Antilopen, Giraffen, Rinder, Nashörner, Zebras, Löwen und sogar Pinguine. Unweit der Felszeichnungen finde ich weitere Attraktionen dieser Gegend hierzu zählen der Verbrannte Berg, die Orgelpfeifen und der versteinerte Wald.

In den trockenen Flussbetten des Damaralandes leben die seltenen Wüstenelefanten. Sie sind gräulich und kleiner als normale Elefanten, da sie sich an die harsche Umgebung des Damaralandes gewöhnt haben. Leider haben sich die faszinierenden Dickhäuter heute sehr gut versteckt - das einzige was ich von ihnen sehen darf sind ihre Spuren im Sand…!
 

Am nächsten Tag verlassen wir das südliche Damaraland in Richtung Palmwag, welches an der Grenze zwischen dem nördlichen Damaraland und dem Kaokoveld liegt. Wir fahren in die Palmwag Konzession hinein und werden am Veterinärszaun bereits von unserem Fahrer erwartet.

Der „Transfer“ zum Desert Rhino Camp ist ein Game Drive durch vielen Riviere hindurch zur Lodge, nach   2 Stunden haben wir unser Ziel erreicht. Unwirklich liegt das kleine Camp in der Landschaft. Mit nur   acht Chalets bietet das Camp Platz für 16 Gäste und den unbeschreiblichen Luxus der Einsamkeit.

Wir befinden uns in einer sehr ursprünglichen und harschen Umgebung, welche zum Großteil aus abgelagertem Vulkangestein besteht. Das Desert Rhino Camp wird in Zusammenarbeit mit dem „Save the Rhino Trust“ betrieben. Dessen Tätigkeitsbereich die Sensibilisierung und Ausbildung der lokalen Bevölkerung für Tier- und besonders Nashorn-Schutz ist.

Die von Wilderern wegen ihres Horns bedrohten Breit- und Spitzmaulnashörner können in den meisten afrikanischen Ländern nur in Schutzgebieten überleben. Das nördliche Damaraland und das Kaokoveld sind eine der wenigen Regionen, in denen sie noch in freier Wildbahn anzutreffen sind. 

Mal wieder ein Weckruf um 05:30 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück machen wir uns auf zum Nashorntracking. Im Safarifahrzeug vor uns sitzen die ausgebildeten Nashorn-Tracker Martin und Edwin.

Sie suchen und finden die Spuren der Nashörner, verfolgen diese und finden am Ende das Nashorn. So zumindest die Theorie … am Vortag fand die Gruppen das Nashorn nach einer halben Stunde … wir fuhren nun schon seit zwei Stunden umher. Weit und breit kein Nashorn … nur die Fußspuren… ich hoffe, ich habe diesmal mehr Glück als mit den Wüstenelefanten.

Am Himmel steigt die Sonne immer höher, wir durchqueren zahlreiche Flussbetten, welche ungewöhnlich im saftigen Grün erscheinen. Unser Guide Johann erklärt uns, dass die Bäume von den unterirdischen Wasseradern der Riviere zehren. Die grünen Blätter bieten vielen „Vegetariern“ – u.a. auch den Nashörnern - eine gute Ernährung. 

Wir durchqueren ein Flussbett und fahren einen Hügel hinauf, oben angekommen stehen wir in Mitten einer Zebra-Herde, ungefähr 30 Tiere. Von unserem Fahrzeug aufgescheucht trabt die Herde los, eine gewaltige Geräuschkulisse und ein wahnsinniges Motiv. Kurz darauf erspähen wir zwei Tüpfelhyänen. Sie sind gerade auf der Pirsch und haben ihr „Opfer“ wohl gefunden, denn augenblicklich sind sie über den Gipfel verschwunden. 

Wartend genießen wir die wunderschönen Ausblicke, ich beginne langsam zu zweifeln … doch endlich gibt es das langersehnte Zeichen der Tracker. Noch eine kurze Fahrt und dann, mit meiner Kamera bewaffnet, verlasse ich das Fahrzeug.

Weiter geht es zu Fuß! Der Puls steigt. Wir laufen einige Meter und werden darauf hingewiesen, dass „Ben“ der Dominate-Bulle der Nashörner hinter einem Gebüsch ruht. 

Nach ein paar Instruktionen laufen wir im Gänsemarsch auf „den“ Busch zu. Die Vorfreude steigt, das Adrenalin schießt in die Adern. Nur noch einige, vorsichtige Schritte und da steht er, nur wenige Meter von uns entfernt. Völlige Ruhe… ich höre mein Herz pochen, meinen leisen Atem …

Die Stille wird durch ein vorsichtiges Klicken der Kameras unterbrochen. Eine ruckartige Bewegung von Ben… ein bestimmtes „Down“ des Spurenlesers und alle sitzen in der Hocke. Wieder Stille, keine Bewegung, kein Geräusch, nur das Hämmern meins Herzens … Entwarnung! Wir sitzen in der Ebene und genießen unseren Blick auf Ben, welcher genüsslich an dem Gebüsch knabbert.

Nachdem wir uns „satt“ gesehen haben, laufen wir zurück zum Safarifahrzeug. Kurz darauf finde ich mich im Schatten eines Granitfelsens wieder, bequem sitze ich in einem Campingstuhl. Im Handumdrehen, haben unsere Guides hier einen Mittagstisch aufgebaut.  Wir genießen Salate, Lasagne und frischgebackenes Brot sowie ein kühles Getränk. Frisch gestärkt, geht es zurück zum Camp. 

Am Nachmittag gehen wir alle gemeinsam auf Wildbeobachtungsfahrt. In der langsam untergehenden Sonne erleben wir einige Herden von Springböcken und Zebras und eine Giraffen-Familie. Ein „Teenager“ frisst gemeinsam mit seinen Eltern an einem Baum welcher einsam in der Ebene steht. Auch einige Antilopen springen über die Weide.

Nachdem mir der Anblick der Wüstenelefanten verwehrt wurde, ich auf „Ben“ lange warten musste, werde ich heute Abend belohnt. Im vor uns liegenden Flußbett erspähen wir drei wildlebenden Löwinnen mit ihren „Cubs“, welche ihrer Größe zufolge zwischen 6 und 18 Monaten alt sind. Ein unbeschreiblicher Anblick, wie sie im Dickicht herumtollen.  Um die Löwen nicht weiter zu stören, verlassen wir bei untergehender Sonne den Schauplatz.  
 

Nach zwei Tagen verlassen wir das Desert Rhino Camp, mit vielen einzigartigen Erlebnissen im Gepäck, begleitet vom Abschiedsgesang des Teams.

Unser neues Ziel Etosha Nationalpark vor Augen, machen wir uns auf den Weg. Die Schotterstraße führt uns in Richtung Osten, bis an den Fuß des Grootberg Plateaus. Langsam schleichen wir die schmale, kurvenreiche Straße des Grootberg Passes hinauf, ich halte kurz an um den Ausblick zu genießen. Vor uns schlängelt sich die weiße, staubige Schotterpiste hinab durch das Gebirge in die Weite hinein und verschwimmt am Horizont.

Weiter geht es entlang der Pad, ab Kamanjab fahren wir wieder auf der Teerstraße, fast unwirklich sanft und leise erscheint uns die Fahrt. Am Ende des heutigen Tages erwartet uns die private Konzession Ongava.

Am Wasserloch erwartet uns – fast wie bestellt - schon die erste Giraffe. Das Ongava Tented Camp wird innerhalb der privaten Konzession als da Löwencamp bezeichnet, ich gehe davon aus, das es aufgrund der aussichtsreichen Wildbeobachtungsfahrten so genannt wird – doch weit gefehlt.

Beim Abendessen werden wir von den Wildkatzen überrascht, sie kommen an das Wasserloch, welches sich direkt vor der Lodge befindet. Eine Löwin mit ihren Kleinen löschen ihren Durst vor unseren Augen … plötzlich ein Raunen der Löwin … sie werden von einem herannahenden Nashorn unterbrochen und ziehen sich in die Graslandschaft zurück. In der Nacht sind die Löwen zurückgekehrt, denn das Brüllen der Löwen „störte“ unsere Nachtruhe. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir gemeinsam mit unserem Guide in den Etosha Nationalpark. Zunächst besuchen wir das berühmte Wasserloch von Okaukuejo hier tummeln sich schon sehr viele Tiere. Einige Springböcke, Oryx und Kudus sowie Zebras, Streifengnus und Kuhantilopen.

Mitten unter Ihnen zwei Giraffen, welche langsam an das Wasser schleichen. Durch ihre Haltung, welche sie beim Wassertrinken einnehmen müssen, sind sie sehr verletzlich, aus diesem Grund sind sie sehr vorsichtig und trauen sich erst nach längerem Warten und Sondieren der Lange an das Wasserloch. 

Aufgrund unserer Reisezeit – Trockenzeit – finden wir sehr viele Tiere an den Wasserlöchern. Obwohl sich am Wasserloch einige Antilopen und Gnus aufhalten liegt ein Löwe entspannt im Schatten der Bäume … es ist ihm wohl zu heiß zum Jagen! Etwas tiefer im Gebüsch ruhen zwei weitere Löwen in der Mittagssonne.

Und endlich sehe ich auch einen Elefanten, er kommt gerade vom Wasserloch, um sich vor der Sonne und vor Insekten zu schützen bestäubt er sich mit Erde und Sand. Sein Dunkelblau ändert sich somit in ein dunkles Grau. Langsam und grazil stapft er vor unserem Fahrzeug über die Straße, wir sehen im nach, wie er durch die grau, staubige Landschaft zieht.

Am nächsten Tag steht unsere eigene Pirschfahrt quer durch den Nationalpark an. Wir hängen uns zunächst an die Fersen eines Safarifahrzeuges, welches als Ziel ein vielbesuchtes Wasserloch hat.

Erst heute erleben wir die Weiten des staubigen, mit einigen trockenen Sträuchern und Bäumen versehen Nationalparks und das Ausmaß der Salztonpfanne, welche in der Sonne erstrahlt - am Horizont schimmert sie wie ein Meer. In Richtung Osten verändert sich die Landschaft, während der Süden durch seine weite gräulich-beige Weite besticht, ist der Osten etwas grüner und bewachsener, die Landschaft ist durch das Dickicht nur schwer einsehbar. 

Wir fahren in die private Konzession Onguma ein,  entlang der staubigen Straßen und folgen wir den Schildern zum Onguma Tented Camp. Am Nachmittag gönnen wir uns eine Pause und lassen die bisherige, erlebnisreiche Reise Revue passieren.

Die Terrasse vor unseren Chalet bietet uns einen direkten Blick auf das Wasserloch des Camp und wir beschließen etwas zu entspannen und die Tiere von hieraus zu beobachten. Jedoch tut sich, wahrscheinlich aufgrund der Mittagshitze nicht viel und ich beschließe doch einen Blick in meine Reiselektüre zu werfen. Hierbei behalte ich das Wasserloch immer im Blickwinkel

 Als es hinter meinem Rücken raschelt gehe ich davon aus, das unsere Zeltnachbar auf dem Weg zur Lodge sind. Als ich kurz darauf wieder Schritte höre, drehe ich mich um … plötzlich steht eine Giraffe neben meinem Zelt nur einen Atemzug entfernt. Sie frisst schmatzend die Blätter vom Baum. Ich verhalte mich ganz ruhig, um sie nicht zu verschrecken.

Leise rufe ich meine Schwester und bitte sie mir vorsichtig die Kamera zu reichen. Ich versuch diesen einmaligen und unvergesslichen Augenblick einzufangen. 

Unser Weg führt uns heute durch die Städte Tsumbe, Otavi und Otjiwarongo, welche gut bevölkert sind in die Waterbergregion. Auf der Straße welche auf das Plateau des Waterberges zuführt werden wir von einigen Warzenschweinen und Baboons begleitet.

Der freistehende Berg erstreckt sich auf etwa 50km Länge und bildet oben ein Plateau von bis zu 16km Breite. Der Waterberg lädt zu aussichtsreichen Spaziergängen und Wanderung ein, bei denen man die abwechslungsreiche Flora und Fauna kennen lernt. Das Waterberg Camp bietet mehrere ausgeschilderte Wege zwischen 15 und 90 Minuten. 

Eine unserer letzten Stationen ist das Okonijima Camp, westlich des Waterberg Plateaus. Nach dem einchecken, lernen wir die Arbeit und Entstehung der Africat Stiftung – welche auf Okonijma zuhause ist – kennen. Wie alles mit einer kleinen Farm begann und sich zudem entwickelte was es heute ist. Die Aufgaben der Stiftung sind weitreichend, die Sensibilisierung und Ausbildung der lokalen Bevölkerung, der Schutz und die Rehabilitation der Wildkatzen und vieles mehr.

Im Anschluss an unsere Reise durch die Vergangenheit der Stiftung und des Camps begeben wir uns auf die Suche nach Geparden. Nach kurzer Fahrt durch das weite, doch sehr dicht bewachsene Gebiet schlägt das Radar aus. Ein Cheetah befindet sich wohl unweit von uns. Immer schneller und lauter werden die Takte des „Piepsens“. 

Plötzlich halten wir an und der Guide fordert uns auf, das Safarifahrzeug zu verlassen. Die Kamera griffbereit folgen wir ihm im Gänsemarsch durch die Sträucher.

Vor uns liegt „Coco“ … friedlich schlafend wie eine zahme Hauskatze. Am liebsten würde ich hier den Bauch kraulen … dieser Gedanke verlässt mich ganz schnell als sie aufwacht und in unsere Richtung schaut.

Sie steht auf, sondiert die Lage, markiert ihr Revier … als sie merkt, dass für sie keine Gefahr besteht legt sich sie wieder in. Da die Sonne langsam untergeht beschließen wir, unseren Sundowner gemeinsam mit Coco zu genießen.

Kaum wieder im Fahrzeug, sehen wir Coco sprinten, sie versucht ein Kudu zu erlegen, dieses ist jedoch zu groß für einen einzige Geparden, deshalb lässt sie es ziehen. Aus der Ferne hören wird die Kuhantilope japsen, völlig verausgabt von dem plötzlichen Spring ringt es nach Luft.

Auf der Fahrt zurück zum Camp, schlägt das Radar wieder aus. Im  Dickicht vor uns blitzen zwei Augenpaare auf. Lautlos und elegant schleicht sie aus dem Gebüsch, eine Leopardendame, einige Schritte hinter ihr ihr Junges. Der kleine Leopard versucht uns mit seinem zaghaften Gebrüll zu verschrecken. Nach einiger Zeit ziehen sie sich zurück und wir kehren zum Camp zurück. 

Der letzte Weckruf um 05:30, die letzte Wildbeobachtungsfahrt. Die Suche nach den Leoparden beginnt früh am Morgen. Im Morgengrauen und in den späten Abendstunden sind Wildkatzen am aktivsten.

Ich hätte in der prallen Mittagsonne wohl auch keine Lust meinem Essen hinterher zu jagen. Ich genieße die aufgehende Sonne und versuche mit meiner Kamera die faszinierenden Wolkenformationen am Himmel festzuhalten. Ein kleiner Steinbock zieht meine Aufmerksamkeit auf sich … genüsslich knabbert er an einer kleinen, erstaunlich grünen Platze.

Wir entfernen uns immer weiter vom Camp und die Fahrt wird etwas rauen und holpriger… die Landschaft ist etwas harscher. Wir durchkämmen das Gebiet in dem einige Leoparden am Vortag gesichtet wurden. Kurz vor einem Termitenhügel „piepst“ das Gerät wieder und alle wissen eine Wildkatze ist nicht mehr weit. Eine Leopardendame ruht zufrieden – kurz nach Ihrem Frühstück - im Schatten. Geräuschlos betrachten wir sie, das faszinierende Muster ihres Fells sieht uns förmlich in seinen Bann.

Die Ruhe wird nur durch das Klicken des Karmas unterbrochen, davon offenbar gestört erhebt sie sich und läuft grazil und lautlos weg. Sie dreht sich gelegentlich um, um Ihr Revier zu markieren. Obwohl sie sich nur langsam von uns entfernt ist es uns nicht möglich, ihr durch die Buschlandschaft zu folgen. 

Nach einer letzten Nacht außerhalb Windhoeks, heißt es nach drei erlebnisreichen, eindrucksvollen Wochen wieder Abschied nehmen…

Doch wie man mir damals in Südafrika sagte, du musst gehen, um wiederkehren zu können!
 
Ihre Claudia Kowalski

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