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Meine sechste Reise nach Botswana

Meine sechste Reise nach Botswana

Eine mobile Lodgesafari und Selbstfahrerreise kombiniert

Traditionell beginnen Reiseberichte mit den Erwartungen und der einhergehenden Spannung was man in dem zu bereisenden Land wohl entdecken wird. Da dies jedoch nicht meine erste Reise nach Botswana wird, sondern meine sechste, wusste ich schon was ich zu erwarten habe. Dachte ich...

Auf den vorherigen Reisen war ich meist als Selbstfahrer in den verschiedensten Ecken dieses außergewöhnlichen Landes und ich war bereits von all seiner Vielfalt überrascht worden. Dieses Mal sollte es nun eine mobile Lodge-Safari mit einer anschließenden Selbstfahrertour in die Central Kalahari werden.

 

Schon bei der Anreise durften wir eine neue Erfahrung machen und auf unserem Weg nach Kasane über die Makgadikgadi Pans fliegen. Bisher starteten die meisten meiner Reisen in Johannesburg und ich hatte daher mehr damit zu tun das Auto aus dem Schlamm der Makgadikgadi Pans zu bergen, als diese in ihrer ganzen Pracht von oben zu genießen. So konnte es also von mir aus weiter gehen... ich lehne mich zurück und lasse dieses Mal die anderen arbeiten.

Als wir schließlich in Kasane landen und bereits von unserem Guide für den kommenden Tag abgeholt werden, fühle ich mich, als hätte man mich aus dem Dschungel der Großstadt direkt in den Busch gebeamt. Unsere erste Nacht verbringen wir in einem mobilen Camp direkt im Chobe Nationalpark. Das Chobe Under Canvas ist eine von lediglich zwei Unterkünften, die innerhalb der Parkgrenzen liegen. Da dies, wie bereits geschrieben, ein mobiles Camp ist, zieht es alle 5 Tage an einen anderen Ort.

Am Camp angekommen werden wir direkt von der ganzen Mannschaft winkend und lachend begrüßt. Die Herzlichkeit der Menschen in Botswana kennt keine Unterschiede, ob man alleine und mit Dachzelt unterwegs ist, oder in luxuriösen Safarizelten. Alles ist authentisch und ich fühle mich sofort wohl. Wie kann man einen solchen Tag am besten abschließen? Natürlich mit einem schönen Game Drive und einem tollen Sonnenuntergang. Die Sonnenuntergänge am Chobe Fluss sind generell atemberaubend - solange man Zeit hat ihn zu bewundern, während wir ein Rudel Löwen mit Jungen beobachten. So etwas nenne ich einen perfekten Start in den Urlaub.

Nach einem komatösen Schlaf durch die kurze Vornacht im Flugzeug geht es um 5:30 Uhr aus den Federn und direkt auf den Jeep. Wir haben Glück und finden die Löwenbabys wieder und zwar direkt am Straßenrand. Da wir den Vorteil haben, dass wir uns im Park befinden und alle anderen Besucher etwas mehr Zeit benötigen, bis sie vom Gate zu den Löwen kommen (oder die Möglichkeit haben diese zu suchen) genießen wir die Kleinen ganz für uns alleine. Nach einem gediegenen Frühstück geht es für uns weiter in die Chobe Game Lodge, wo wir die anderen beiden Reiseteilnehmer und unseren Guide Garreth für die nächsten 7 Tage treffen.

Die Chobe Game Lodge ist die zweite Unterkunft, die innerhalb des Parks liegt. Direkt am Chobe Fluss bietet diese die Möglichkeit abends einen der berühmten Sunset Cruises zu machen und die Tiere beim Trinken vom Wasser aus zu beobachten. Die auf Nachhaltigkeit getrimmte Chobe Game Lodge stellt momentan nicht nur ihre Fahrzeuge, sondern auch die Boote auf Elektromotoren um. Somit ist die ohnehin ruhige Atmosphäre noch weniger gestört und der zweite Sundowner unserer Reise ist somit genau nach unserem Geschmack.

Unsere nächste Etappe, die wir an diesem Tag erreichen werden ist Savuti. Dies bedeutet, dass wir an der gesamten Riverfront des Chobe Flusses entlang fahren und immer wieder spektakuläre Szenerien des Flusses und kleinere Herden Zebras sehen. Nachdem wir den Fluss verlassen, fahren wir ein kurzes Stück durch die Zivilisation auf einer Teerstraße, bevor diese sich erst zu einer Schotter- dann in eine Tiefsand-Piste verwandelt. Hinter Kavimba schlagen wir dann eine auch mir unbekannte Route ein, die jedoch ausschließlich mit einem speziellen Permit befahren werden darf. Auf dieser Route ist wohl seit ca. 5 Jahren kein Fahrzeug mehr unterwegs gewesen, aber unser Guide Garrith navigiert, ohne auch nur einmal auf das GPS Gerät zu schauen.

Als ich denke, wir haben uns jetzt wirklich verfahren (von Piste war hier nichts zu sehen), halten wir auf einem kleinen Hügel an und bekommen den besten Bush-Lunch serviert mit den tollsten Köstlichkeiten, die man sich vorstellen kann. Ok. Wir waren also nicht verloren. Später am Tag kommen wir wohlbehalten in der Savuti Region an. Dort verweilen wir an einem sehr geschäftigen Wasserloch und versuchen die Interaktion der halbstarken Elefanten mit der trinkenden Büffelherde zu deuten, als einer der Halbstarken übermütig auf uns zu rennt. Ein kurzes und energisches BUH! unseres Guides weist den halbstarken in seine Schranken und er macht die Kehre (seinen Kumpels erzählt er sicher wie tapfer er uns in die Schranken gewiesen hat...).

Nach einem schönen Abend mit tollem Essen und einem Ausblick auf die Elefanten am örtlichen Wasserloch in der Savuti Safari Lodge, geht es am kommenden Tag auf Wildbeobachtung. Savuti ist mir bereits als Wildhundgebiet bekannt, trotzdem ist es jedes Mal eine große Freude ein solches Rudel zu treffen und zu verfolgen. An dieser Stelle muss ich unserem Guide Respekt zollen, da wir unglaubliche Tierbeobachtungen hatten. Die Highlights mögen kurz erwähnt werden: Leopard auf einem Baum mit Zebra (nein, es hatte sich nicht dort verirrt, sondern der Leopard hat ihm hoch geholfen), Löwen mit Babys, Elefantenherden, Zebraherden und eine Sonnenuntergangskulisse vom Feinsten mit Gnus und einer knallroten Sonne. 

Da wir leider immer nur zwei Nächte an einer Station haben, verlassen wir schweren Herzens unser überdimensional riesiges Zimmer und eine Lodge, die wir richtig ins Herz geschlossen haben. Also geht es von der Savuti Safari Lodge Richtung Camp Moremi. Unser Weg führt uns durch das Savuti Marsh bis zur Khwai Region und über den gleichnamigen Fluss. Die Brücke ist etwas uneben mit Baumstämmen bestückt und handelt uns entsprechend einen ersten (und einzigen) Plattfuß ein. Dieser ist schnell gewechselt und es geht weiter immer näher an das Okavango Delta. Das Camp liegt direkt am Wasser und von einer Aussichtsplattform hat man einen wunderbaren Blick über das gesamte Gebiet. Nicht nur in Bezug auf Tiere hat Moremi einiges zu bieten, sondern auch landschaftlich wissen die vielen kleinen Inseln, die je nach Wasserstand umflutet sind zu beeindrucken. 

Unseren "Gamedrive Tag" verbringen wir damit von Insel zu Insel zu fahren und müssen dabei teilweise Wasserdurchquerungen von ca. einem halben Meter Tiefe in Kauf nehmen. Der Nervenkitzel lohnt sich jedoch, da jede Insel sehr verschieden zu der vorigen ist. Zwar hatten wir keine außergewöhnlichen Tierbeobachtungen wenn es um die Tierarten geht, jedoch macht die Kulisse hier den Ton und einen einsamen Elefantenbullen durch einen Wald mit abgestorbenen Bäumen zu sehen, ist auch ein ganz besonderes Erlebnis.

Am nächsten Tag geht es also tiefer in das Okavango Delta... ins gleichnamige Camp Okavango - unter Kennern einfach Camp O genannt. Per Motorboot werden wir 3 Stunden über diverse Kanäle und Papyrus-Labyrinthe chauffiert. Da ich nach 2 Minuten ohnehin die Orientierung verloren habe, ist dies ein perfekter Moment einfach das Schilf und die Landschaft an mir vorbei rauschen zu lassen und meinen bisherigen Erlebnissen auf dieser Tour nachzuhängen. Als wir gegen Mittag am Camp ankommen wird zunächst der Pool eingeweiht und anschließend per Mokoro in den Sonnenuntergang gestochert. 

Camp O ist gleichbedeutend mit Walkingsafari. Also starten wir früh und setzen per Boot auf eine benachbarte Insel über. Nach lediglich 50 Metern kommt uns eine Jungesellengruppe von 8 Kudu-Antilopen entgegengelaufen, die erst kurz vor uns abdrehen und panisch das Weite suchen. Der Grund warum die Kudus so erschrocken waren, könnte die Herde Elefanten gewesen sein, die wie aus dem Nichts vor uns stand und uns mindestens so wie die Kudus erschreckt hat. Wir weichen den uns entgegenkommenden Elefanten aus und unser Guide bemerkt, dass auch die Elefanten etwas aufgeregt sind. Der Grund dafür liegt 400 Meter entfernt auf einem Termitenhügel. Das Prachtexemplar vom König der Tiere hat uns bereits fokussiert und lässt uns nicht mehr aus den Augen - umgekehrt übrigens auch nicht. Nach einigen weiterführenden Einweisungen unserer beiden Guides nähern wir uns der Katze bis auf eine Entfernung von 120 Metern und beobachten, wie der ach so tapfere Löwe langsam sich in das höhere Gras verzieht, da er wohl auch etwas Respekt vor uns zu haben scheint. Um das Glück nicht zu sehr herauszufordern, lassen wir den Löwen wieder alleine und versuchen erst mal mit den Unmengen an Adrenalin klar zu kommen. Unsere Siesta nutzen wir bei weiteren gesprächstherapeutischen Maßnahmen das Erlebte zu verarbeiten. Am Abend beschließen wir daher einen Bootstrip zu machen, der in Anbetracht der Vielzahl an Nilpferden nicht weniger spannend ist.

Irgendwann heißt es immer Abschied nehmen und der erste Teil der Reise endet mit der Verabschiedung der restlichen Reisegruppe, des Guides und dem geliebten Okavango Delta. Wir genießen den Flug im Sportflugzeug nach Maun und müssen uns erst einmal an den Trubel der Stadt gewöhnen, da wir über eine Woche nicht in der Zivilisation waren.

Teil Zwei unseres Abenteuers beginnt direkt nach der Landung in Maun mit der Fahrzeugübergabe und damit auch mit der Übernahme unseres Zuhauses für einige der nächsten Nächte. Unser mit Dachzelt ausgestatteter Toyota Hilux macht einen soliden Eindruck und nach einer kurzen Testfahrt durch Tiefsand fühle ich mich richtig heimisch. Unsere Unterkunft für diese Nacht ist die Maun Lodge. Eine einfache Unterkunft ohne Schnickschnack aber mit schönem Restaurant. Genau die richtige Einstimmung für die nächsten Tage.

Zunächst stehen jedoch noch zwei Nächte in festen Unterkünften auf dem Programm und wir starten nach unserem Großeinkauf für die nächste Woche Richtung Boteti River an die Grenze des Makgadikgadi Nationalpark. Da wir etwas Zeit haben, biegen wir schon früher von der Hauptstraße ab und überqueren den Boteti Fluss. Die Schotterpiste führt uns durch kleine Dörfer bis zum Meno A Kwena. Dieses sehr authentische und geschmackvoll eingerichtete Camp beeindruckt durch Details, einen wunderschönen Pool und einer Aussicht über den Boteti, an dessen Ufer sich riesige Zebraherden versammeln. Also hatten wir uns auf einen ruhigen Nachmittag eingestellt... Doch wenn du denkst es geht nicht mehr - kommt irgendwo ein Buschmann her.

Eine große Besonderheit vom Meno A Kwena sind die Buschleute, die hier lern- und wanderwillige Touristen durch den Busch führen und somit für einen kulturellen Austausch der besonderen Art sorgen. 99 % der Touristen sprechen wahrscheinlich nicht die Klicksprache der Buschleute und diese wiederum kein Wort Englisch. Es ist zwar ein Übersetzer dabei, dieser hat jedoch ein sehr gutes Gespür dafür die beiden Kulturen aufeinanderprallen zu lassen, ein Verständnis aufzubauen und die Interaktion mit Händen und Füßen zu fördern. Abgesehen davon, dass man viel über die Lebensweise, Pflanzen und Techniken der Buschleute lernt, ist dieser kulturelle Austausch ein unbezahlbares Erlebnis, dass ich nie wieder missen möchte. Wir haben Freunde gefunden, die wir nicht verstehen und andersherum. 

Bevor man in die Kalahari fährt bietet es sich an in Rakops einen kurzen Stopp einzulegen und alle Vorräte noch einmal bis oben hin aufzustocken. Also gehen wir tanken und besorgen uns beim örtlichen Metzger Fleischwaren für die kommenden Tage. Auf Anhieb fällt auf, dass die Bewohner recht wohlhabend sind, was sich durch neue Häuser und Autos auszeichnet. Irgendjemand muss ja die zahllosen Rinder besitzen, die uns im Minutentakt die Straße kreuzen. Frisch betankt und voller Vorfreude geht es also der kleinen Abbiegung Richtung Central Kalahari Game Reserve entlang auf eine relativ gut erhaltene Sandpiste, die uns immer weiter in den Busch führt, wobei wir immer seltener auf Weidevieh treffen.

Kurze Abschnitte sind immer wieder etwas tiefsandiger, aber auf der gesamten Strecke gibt es keine riskanten Passagen. Durch die späten und relativ guten Regenfälle ist die Piste teilweise verfahren und hat tiefe "Ausgrabungen", und entsprechende Schlaglöcher hinterlassen, die man aber besser bei gemäßigter Geschwindigkeit erkennt und entsprechend besser reagieren kann. Nach ca. 70 km und 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir das Gate und tragen uns entsprechend der Formalitäten in das Besucherbuch ein und zeigen unsere perfekt von der Mietwagenfirma vorbereiteten Dokumente vor. Da wir die erste Nacht im Kalahari Plains Camp verbringen, welches eher weniger von Selbstfahrern frequentiert wird, fahren wir eine ziemliche Weile am Zaun entlang um uns dann der Lodge in einkreisenden Bewegungen zu nähern.

Spätestens kurz vor der Lodge wird uns bewusst, dass diese nicht unbedingt von Selbstfahrern überrannt wird. Das undurchsichtige Pistengewirr führt uns zunächst ins Angestellten-Dorf. Die Angestellten geben uns mit Handzeichen zu verstehen, dass wir in die andere Richtung fahren müssten. Ok - umdrehen... rangieren und in die andere Richtung... Hmmmm hier sieht es auch nicht unbedingt nach Lodge aus und die Mechaniker, die die Fahrzeuge warten geben uns wieder zu verstehen, dass wir offensichtlich falsch sind. Ok - umdrehen... rangieren und in die andere Richtung... EH! da lag ein kleiner Pfeiler mit einem noch kleineren Pfeil drauf! Ok - Rückwärtsgang... schauen und abbiegen.

WIR SIND DA!!! Die Lacher waren zumindest auf unserer Seite und unsere "Back of the House"-Tour am nächsten Tag war wohl dem Eindruck unserer übermäßigen Neugierde geschuldet. Da wir die einzigen Gäste an diesem Abend sind, haben wir die völlige Aufmerksamkeit für uns und genießen einen wunderbaren Gamedrive am Abend und merken sofort, dass die Kalahari ein ganz besonderer Ort ist, den wir sofort in unsere Herzen schließen.

Nach der bereits erwähnten „Back of the House“-Tour starten wir also wirklich auf uns alleine gestellt in das berühmte Deception Valley. Die vorherigen Bedenken, dass wir den Weg nicht finden könnten (Es gibt in der Region um das Kalahari Plains Camp keine GPS-Daten. Ich habe jedoch einen Track aufgezeichnet und stelle diesen gerne zur Verfügung) stellte sich als überflüssig heraus. Wir stoßen an der berühmten Deception Pan auf die Hauptroute und fahren nach einer Pan-Runde Richtung Norden zu unserer Campsite für diese Nacht. Ich hatte vorher bereits gehört, dass Kori 3 der schönste Platz in der Region sein soll und ich kann dies nur bestätigen. Nach einem Sundowner mit Löffelhunden gibt es ein zwar im Vergleich zu den letzten Tagen einfaches Abendmahl, jedoch endlich wieder Selbst-gekochtes vom Campfeuer. Bei Pap und Potjie genießen wir den letzten roten Streifen am Horizont und bereiten uns auf eine frostige Nacht vor. Bereits um 19:30 Uhr ziehen wir uns ins Zelt zurück und wären wir in Deutschland, hätten wir wahrscheinlich nicht einmal mehr die Tagesschau gesehen, bevor wir eingeschlafen waren.

Nach frostigen 10 Stunden Schlaf pellen wir uns aus den Decken und Schlafsäcken, um mit einem gepackten Frühstück aus heißem Wasser in der Thermoskanne, Jungle Oats und Instant Kaffeepulver auf den Weg zu machen. Lustigerweise sitzt morgens immer noch jeder Handgriff und so sind das Zelt und das gesamte Camp nach nur 30 Minuten abgebaut und verstaut. Nach nur 5 Minuten Fahrt sehen wir eine Frau leicht panisch winken und fahren neugierig links ran. Der Dame ist über Nacht die Batterie gestorben und wir geben Starthilfe. Nach diesem kurzen Stopp geht es wieder Richtung Süden, wo unser heutiges Ziel Piper Pans liegt. Unterwegs gibt es eine Straßensperre der anderen Art... Zwei halbstarke Löwen liegen mitten auf der Straße und schlafen. Hmmm, jetzt möchte man den Herrn König der Tiere nicht unnötig wecken... wir haben Zeit und beschließen unser Frühstück einzunehmen.

Also sitzen wir da in unserem Auto, die Löwen vor uns für eine Stunde und trinken Kaffee. Da die Katzen keinerlei Anstalten machen sich zu bewegen, fahren wir in einem Bogen um sie herum. Dies veranlasste die Beiden kurzzeitig auf zu schauen, um dann wieder ohne jegliches weiteres Interesse den schweren Kopf auf den Pranken niederzulegen und wieder ins Reich der nicht flüchtenden Springbockherden abzudriften. Immer noch erfreut über unsere Sichtung folgen weitere Herden Oryx, Löffelhunde, die bekannten Schakale und ein Pärchen Geparden. WOW die Kalahari ist ja voll mit Tieren... warum sind wir ganz alleine hier?? Ich habe kurz darüber nachgedacht, bevor ich diese Zeilen verfasst habe, ob ich die Kalahari so darstellen sollte, wie ich sie erlebt habe, oder lieber wie einen trostlosen Platz, der nichts zu bieten hat. Bei zweiter Variante könnte ich auf Nummer sicher gehen, dass ich auch in den kommenden Jahren diese Löwen sehr lange Zeit für mich alleine habe... Echte Begeisterung ist nur sehr schwer zu unterdrücken.

In den kommenden zwei Tagen treffen wir häufiger auf ein Pärchen Geparden, die jedoch relativ scheu sind und nach einer gewissen Zeit immer sich eher dafür entscheiden, tendenziell von Autos sich fern zu halten. So sind die Begegnungen immer relativ kurz, dafür sehr außergewöhnlich.

Wir verlassen die Piper Pans und fahren nach Nord-West zur Tau Pan. Die ersten 40 km fahren wir auf der Piste zurück, die wir 2 Tage vorher schon befahren haben. Den Zustand der Piste möchte ich wie folgt beschreiben: Sie sind ein Mann und möchten sich ein neues Spielzeug kaufen (Auto, Boot, Fahrrad oder was auch immer für Männer "wichtig" ist, jedoch trotzdem von der Frau genehmigt werden muss) warten Sie bis zu dieser Piste und bedingt durch die Wellen und Schlaglöcher wird Ihnen Ihre Frau für die nächsten ca. 60 Minuten voller Enthusiasmus alles zustimmend abnicken, was Sie möchten... Sie brauchen nicht mal fragen, sie wird trotzdem nicken.

Sobald Sie diese 40 km hinter sich gebracht haben, und die Abbiegung zur Pokoje und San Pan einschlagen, wird die Piste wieder gut und die Szenerie wechselt ständig. Es sind weniger Tiere unterwegs, dafür weiß die Landschaft zu beeindrucken. Wir genießen die Fahrt zur Tau Pan und werden dort von einer großen Herde Springböcken empfangen. Auch die Tau Pan Camp Lodge wird eher selten von Selbstfahrern angesteuert, was die mangelnde Beschilderung einmal mehr beweist. Unsere „wir kreisen das Ziel zuerst ein“ Taktik funktioniert und selbstverständlich haben alle Angestellten unsere Irrfahrt von weitem bereits genossen und zeigen uns mit einladenden Gesten den Weg… Die Lodge bietet einen wunderbaren Ausblick über die gesamte Pan und (so sagt man uns) ein ansässiges Löwenrudel, welches gerne mal am Wasserloch vor der Lodge vorbei schaut. 

Der relativ kurze Gamedrive einmal um die Pan lässt erahnen, dass wir in einer wildreicheren Region sind – wahrscheinlich dank dem Wasserloch. Zum Sundowner machen die Springböcke ihrem Namen alle Ehren und führen ein kleines Busch-Ballett vor. 

Da die anderen Gäste am nächsten Tag einen Ganztagesausflug in das Deception Valley machen, haben wir die Lodge zum Frühstück für uns alleine und ausgiebig Zeit und mit dem Personal anzufreunden. An diesem Tag fahren wir weiter an die Sunday Pan und umrunden nebenbei die Leopard Pan. Unseren Sundowner genießen wir heute mit einer Herde Giraffen am Wasserloch und stellen uns emotional auf unsere letzte Campingnacht dieser Reise ein. 

Geweckt werden wir von einem aufgeregten Schakal, der wohl ein großes Mitteilungsbedürfnis zu haben scheint. So einen tierischen Wecker nach einer Nacht bei -2 Grad im Zelt weiß man meist auch erst zu schätzen, wenn man das Camp abgebaut hat und endlich die Heizung des 4x4 anschalten kann, um die Fingerkuppen zu wärmen.

Wir verlassen das Central Kalahari Game Reserve und fahren zurück an den Boteti Fluss. Die Fahrt ist eher unspektakulär und wir hängen den schönen Erinnerungen der Kalahari hinterher. Das Laroo La Tau ist unser letzter Stopp und bietet schöne und komfortable Bungalows direkt am Fluss mit Blick auf riesige Zebraherden und trinkende Elefanten.

Beim Abendessen gab es eine Überraschung der besonderen Art, als plötzlich die komplette Belegschaft (teilweise verkleidet) zur abendlichen gesanglichen Einstimmung kam. Prinzipiell ist Gesang und Tanz in den Lodges nichts ungewöhnliches, jedoch wurden dieses Mal auch die Gäste mit eingebunden. Der improvisierte Moderator kündigte das Ereignis der besonderen Art mit seinem Mikrofon aus einem Stock mit Wollknäul am oberen Ende an: Eine Hochzeit sollte stattfinden und mir wird relativ schnell klar, dass es dabei um uns geht.

Nach einer 30-minütigen Hochzeitszeremonie anlässlich unseres ersten Hochzeitstages wurden wir zu einem ganz besonders geschmückten Tisch gebracht und genossen ein romantisches Candle-Light Dinner. Ich werde nicht weiter in die Details gehen, es sei jedoch gesagt, es wurde ein berauschendes Fest, das keiner der Gäste und Angestellten so schnell vergessen wird – am wenigsten wir selbst.

Nach diesem Abend fällt es uns noch einmal schwerer die letzte Etappe nach Maun anzutreten, um von dort den Flieger nach Johannesburg zu nehmen, von wo aus wir weiter nach Frankfurt fliegen mussten. 

Zusammengefasst war es eine spannende und aufregende Reise, die einmal mehr gezeigt hat, dass Botswana (egal wie oft man dieses Land besucht) niemals langweilig werden könnte und immer neues (auch an bereits bekannten Orten) zu bieten hat.

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