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Malawi und Sambia

Malawi und Sambia

Vom warmen Herzen Afrikas in das Tal der Leoparden

Malawi

Das warme Herz Afrikas

Malawi – das warme Herz Afrikas. So der Slogan des Landes. Was soll ich sagen, ich kann diesen Satz nur unterstreichen! Am Flughafen von Blantyre erwartet mich bereits ein Fahrer, um mich zum Majete Wildschutzgebiet im Südwesten Malawis zu bringen. Vor uns liegt eine ca. 2 ½ Fahrt durch eine Hügellandschaft mit Straßen, die sich in Serpentinen um die Gipfel winden. Der im Licht der Sonne glitzernde Shire River, der einzige Abfluss des Malawisees, bahnt sich seinen Weg durch die Täler. Über eine Hängebrücke erreichen wir schließlich die sehr komfortable Mkulumadzi Lodge.

Nach einer erlebnisreichen Bootsfahrt und einem Bushwalk brechen wir am frühen Nachmittag zu einer Wildbeobachtungspirschfahrt auf. Wir sehen Kudus, Nyalas, Impala, Wasserböcke und Zebras. Auf der Suche nach einem schönen Platz, an dem wir den Sundowner einnehmen können, taucht auf einmal, wie aus dem nichts, ein Elefantenbulle vor uns auf der Piste auf. Er schüttelt den Kopf und die Ohren flattern. Er hat feuchte Flecken auf den Schläfen. Ein Zeichen von Stress. Unser Guide Patrick will das Fahrzeug wenden und fährt ein paar Meter rückwärts. Der Elefant lässt uns nicht aus den Augen. Wir warten. Nach ein paar Minuten scheint er für sich entschieden zu haben, dass die Mühe sich nicht lohnt und verschwindet so schnell, wie er aufgetaucht ist.

Meine Reise führt mich weiter Richtung Nordosten über Blantyre und viele kleinere Dörfer vorbei am Zomba Plateau in den Liwonde Nationalpark. Auf dem Weg bin ich immer wieder überwältigt von der Schönheit und dem Abwechslungsreichtum der Landschaft. Ich bin fasziniert, was man alles auf einem Fahrrad transportieren kann. Auf dem ca. 4 ½ Stunden dauernden Transfer sehen ich neben Personen auch Haustüren, Stühle, Schränke, Hühnerkäfige, ein lebendiges Schwein auf einem Holzbrett festgebunden und vieles mehr auf den Gepäckträgern.

Im Liwonde angekommen ist für mich eine Buschwanderung in das Sanctuary vorgesehen. Es beherbergt unter anderem Elefanten, Büffel, diverse Antilopenarten und: Spitzmaulnashörner. Begleitet werde ich von 2 Rangern der Nationalparkbehörde und von Christian, einem Wissenschaftler, der sich auf den Schutz und das Studieren von Nashörnern spezialisiert hat. Unser Ziel ist es, Spitzmaulnashörner aufzuspüren. 80 % dieser Tiere hier im Park wurden mit einem Sender (entweder im Horn oder am Bein) markiert. Durch dichten Busch gehen wir über Stock und Stein, verfolgen Spuren und halten uns an das Ortungsgerät, das die Tiere in einem Umkreis von ca. 1,8 bis 2,2 km aufspüren kann. Auf einmal hören wir etwas weiter vorne im Busch rascheln. Rechtzeitig erkennen wir einen Elefanten und drehen um, um dem Tier nicht zu nahe zu kommen.

Wir ändern unsere Route und schlagen einen Bogen. Am Wassertümpel sehen wir den zweiten. Dieser ist weniger relaxt und schüttelt seinen Kopf. Wir sind wieder gezwungen umzudrehen und uns einen anderen Weg zu der Quelle des Signals zu suchen. Nun wird aber das Signal deutlicher. Wir alle, aber allen voran Christian, der die Tiere bereits seit Jahren kennt, sind bereits sehr gespannt und voller Vorfreude. Wir schaffen es, in einem großen, dichten Gebüsch 3 Nashörner auszumachen: 2 ausgewachsene und 1 Kalb. In ca. 20 m Entfernung vor dem Gebüsch gehen wir in die Hocke. Christian prüft sehr oft die Windrichtung, damit wir uns auch ja richtig positionieren. Nashörner sehen sehr schlecht, können dafür aber umso besser riechen und hören. Zufrieden, diese Tiere gesehen zu haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Auto. 

Der Liwonde Nationalpark hat für mich viele Überraschungen auf Lager. Auf der abendlichen Wildbeobachtungsfahrt sind wir gerade auf dem Weg zurück zum Camp, als uns ganz plötzlich ein Erdferkel von rechts fast vor das Auto springt und im Licht der Scheinwerfer des Wagens vor uns läuft. Das geht alles so schnell, ich habe noch nicht einmal genug Zeit, meinen Fotoapparat zu zücken. Wir sind ganz aus dem Häuschen, denn solche Sichtungen sind wirklich selten. Mein Guide erzählt mir, dass er seit Jahren kein Erdferkel mehr gesehen hat.
 

Sambia

Das Land für Buschwanderungen

Nach einem kurzen Besuch am Malawisee fliege ich nach Sambia, zu meiner nächsten Reisestation. Im South Luangwa Nationalpark werde ich von meinem Guide zum Luangwa Fluss gebracht, welcher die Lebensader dieser Region bildet. Wir nehmen die Ponton Fähre. Nachdem mein Guide Nicholas das Fahrzeug gekonnt auf die Plattform fährt, steigen auch zwei Männer auf, die uns in schweißtreibender Arbeit an Seilen auf die andere Seite ziehen. Sattes, saftiges grün erwartet mich. Der afrikanische Busch in seiner vollen Pracht! 

Von da an folgt eine Fahrt durch Mopanewälder, vorbei an Leberwurst- und Baobabbäumen und über weite offene Savannen ins Camp. Pukus, Elefanten, Impalas, Paviane, Kudus, Giraffen, Zebras und viele verschiedene Vogelarten heißen mich im Tal der Leoparden, wie der South Luangwa auch genannt wird, willkommen.

Auf der folgenden Wildbeobachtungsfahrt kommen wir sogleich an zwei stehenden Fahrzeugen vorbei. Ein Zeichen dafür, dass es etwas Spannendes zu sehen gibt: Ein 14-köpfiges Löwenrudel, das an einem Büffel frisst. Der Geruch nach Aas liegt in der Luft und die Löwen sind bereits so voll, dass sie sich kaum noch bewegen können. Wir lassen die Szene einige Minuten auf uns wirken und setzen unsere Pirschfahrt fort. Nicholas fährt um einen Busch herum und hält an. Vor uns liegt ein an der Flanke verwunderter Wildhund, der schon seit gestern dort liegt. Man sieht ihm an, dass er Schmerzen hat und müde ist. Verletzt und ohne sein Rudel wird er die Nacht wohl nicht überstehen. Jeder in unserem Fahrzeug würde am liebsten aussteigen und helfen, aber wir dürfen nicht in die Natur eingreifen. Das ist der Kreislauf des Lebens!

Nach einem Sundowner am Fluss fahren wir zurück Richtung Camp. Mit Infrarotlampen, um die nachtaktiven Tiere nicht zu stören, leuchtet unser Tracker die Umgebung ab. Wir sehen Zibet- und Ginsterkatzen, Hasen, Eulen und immer mehr Flusspferde, die das saftige Gras der Ebenen fressen. 

Sambia ist DAS Land für Buschwanderungen. An einer offenen Ebene, die außer einigen Bäumen nur eine relativ spärliche Vegetation aufweist, lassen wir das Auto stehen. Begleitet von Nationalpark Rangern mit Gewehren und einem speziell ausgebildeten „Walking Guide“ erkunden wir das Areal nun zu Fuß. Vertrockneter sowie frischer Kot, Tierspuren und einige Pflanzen werden genau unter die Lupe genommen. Anhand der Abdrücke erkennt unser Guide sofort, dass wir auf frische Abdrücke eines Wildhundrudels schauen. Dabei handelt es sich um das gleiche Rudel, zu dem das verletzte Tier gehörte. Wir setzen unseren Marsch fort, bis plötzlich unser Guide eine Hand hebt, was das Zeichen für Anhalten ist.

In ca. 50 Metern Entfernung steht eine große Büffelherde, die bereits auf uns aufmerksam geworden ist. Mindestens 20 Augenpaare starren uns an. Langsam werde ich ein wenig nervös. Keinen Mucks von sich geben und keine schnellen Bewegungen machen. Im Gänsemarsch, immer einer hinter dem anderen, treten wir den Rückzug an. Je weiter wir uns von den Büffeln entfernen, desto ruhiger wird mein Herzschlag wieder. Wir gehen zurück zum Auto. 

Direkt an der Grenze des South Luangwa Nationalparks fahren wir in ein kleines Waldstück. Plötzlich hält unser Guide an. Wir sehen uns um, können aber in dem üppigen Grün nichts erkennen. Da deutet er mit dem Finger auf einen Baum. Ich schaue nach oben, sehe aber nichts. Mein Blick wandert nach unten. Da liegt sie - im Schatten des Baumes. Eine wunderschöne Leopardendame, die durch unsere Anwesenheit nicht im Mindesten gestört zu sein scheint. Sie ist satt und kurz vor dem Einschlafen. Ein paar Überreste einer Antilope liegen neben ihr. Unser Guide erklärt uns, dass sie vor nicht allzu langer Zeit ein Junges bekommen hat, das irgendwo in der Nähe im Busch sein muss. Ich kann mich nicht satt sehen. Darum lege ich die Kamera beiseite und nehme das Bild ganz in mich auf. 

Im nordöstlichen Teil des Parks liegt der Nsefu Sektor, der nächsten Station meiner Reise. Die Landschaft und ihre Auswirkung auf mich sind kaum in Worte zu fassen. Hier komme ich mir vor, wie in einem schönen Märchenwald mit vielen kleinen Lichtungen, Lagunen und dem Luangwa Fluss. Auf dem Weg dorthin halten wir auf der Uferböschung des Luangwa, weil wir auf der anderen Seite des Flusses ein Trompeten hören. Und da kommen sie aus dem Wald heraus gerannt…

Eine Herde von über 20 Elefanten jeden Alters. Irgendetwas in dem Wald scheint sie erschreckt zu haben, denn sie halten auf den Fluss zu, in dem es von Krokodilen und Flusspferden nur so wimmelt. Einer nach dem anderen rennen sie durch den Fluss auf die andere Seite. Das Grunzen der Flusspferde klingt, als würden sie sich über die Dickhäuter lustig machen. Die Kälber können kaum den Kopf über das Wasser halten. Auf unserer Seite des Ufers angekommen, scheint sich die Herde langsam wieder zu beruhigen. Sie zieht ihres Weges und wir den unsrigen.
 

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