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Kurzurlaub auf Madagaskar

Kurzurlaub auf Madagaskar

Paula Müller berichtet

Mit großer Spannung und Vorfreude bestieg ich die Maschine der Air Madagaskar. Ein Lebenstraum erfüllte sich für mich, die sagenumwobene Insel Madagaskar im Indischen Ozean besuchen zu können. Viele spannende Geschichten der Seefahrer und Entdecker berichten davon.

Tag 1-2: Willkommen in Antananarivo

Bereits am Flughafen der Hauptstadt Antananarivo, auch liebevoll von den Bewohnern einfach Tana genannt, bekomme ich ein Gefühl, dass die Zeit hier einen anderen Rhythmus hat. Gemütlich dürfen wir zu Fuß über die Landebahn zum Ankunftsterminal schlendern. Die Passkontrolle verläuft dank unserer nächtlichen Ankunft sehr unproblematisch und zügig – auch das Visum, das wir an einem Schalter erwerben können – ist schnell erledigt. 

Unser Programm sieht vor, 2 Nächte in Tana zu bleiben, um auch die Hauptstadt anschauen zu können. Das Hotel Royal Palissandre & SPA liegt idealerweise im Stadtzentrum. Wir werden auch zu der ungewöhnlichen frühen Stunde sehr herzlich empfangen. Das Haus trägt zu Recht seinen Namen – das edle Holz des Palisander Baumes ist hier großzügig  verarbeitet worden. Es vermittelt einen ganz eigenen Charakter und sorgt in allen Räumen für Gemütlichkeit.   

Auf der Terrasse mit einem besonderen Ausblick auf die Stadt können wir unsere Mahlzeiten oder einfach nur einen Kaffee genießen. Der sehr gepflegte Garten mit den tropischen Pflanzen gibt uns den ersten  Eindruck von der einzigartigen Flora auf dieser Insel.

Die Neugierde lässt uns nicht ruhen. Obwohl wir viele Stunden unterwegs waren, machen wir uns noch am frühen Vormittag auf, den einheimischen Markt zu besuchen, der nur ca. 10 Minuten zu Fuß von unserem Hotel liegt. Meine Überraschung ist groß, dass wir hier als offensichtliche Touristen trotz quirligen Treibens der Markthändler einfach so gut wie unbeachtet bleiben, was ich für mich, da ich diese Märkte liebe und auf vielen orientalischen unterwegs war, als sehr angenehm empfinde. Keineswegs versteht man auch nur annähernd was da gesprochen wird – ist ja auch nicht wichtig, denn die Atmosphäre zählt.  

Unser Programm sieht eine kleine Stadttour am Nachmittag vor. Mit einem Minibus und unserer sehr professionellen Reiseleiterin Vivienne, die uns durch die Tage begleitet, gehen wir auf Tour. Wir bekommen einen Eindruck von der belebten Stadt mit den überfüllten Straßen und einem Verkehr, der auch ohne Ampel funktioniert. Die klassischen Besichtigungspunkte, wie der gut erhaltene Bahnhof aus der Kolonialzeit oder der Palast der Königin auf dem Anatirova Hügel, besuchen wir. Einen entspannten Abschluss des Tages genießen wir beim Sundowner auf der Terrasse des Lokanga Boutique Hotel, das in unmittelbarer Nähe des Palastes liegt.

Tag 3: Der exotische Norden Madagaskars

Unsere Reise geht am nächsten Tag weiter Richtung Norden von Madagaskar nach Antsiranana. Der Inlandflug startet sehr früh und der Service vom Royal Palissandre & SPA lässt es sich nicht nehmen, uns um 4 Uhr in der Früh ein komplettes Frühstück zu servieren! Die vorzügliche Küche des Haues, nach französischer Manier immer ein 3-Gänge Menü, verwöhnte uns die Tage auf das Beste.

Der Flug von der Hauptstadt nach Antsiranana zur Nordspitze von Madagaskar dauert ca. 2 Stunden, und bereits im Flieger kann man sich ein Bild von der landschaftlich abwechslungsreichen Insel machen. Der Provinzflughafen wirkt übersichtlich und beschaulich. Vor dem Gebäude warten alte Renault 4 (kurz R4), die aus der französischen Zeit stammen, auf Gäste.

Die Fahrt in unser zentral gelegenes Le Grand Hotel ist kurz und geschichtlich doch eindrucksvoll. Die Stadt, die man eher als Diego-Suarez kennt, ist nach seinem Entdecker benannt. Diogo Dias, der portugiesischer Seefahrer, sichtete 1500 n. Chr. auf dem Weg nach Indien als erster Europäer die Insel und legte somit den Grundstein für die weitere Entwicklung. Später erlangte sie ihren eigenen Ruhm in der Piratengeschichte des Indischen Ozeans.     

Noch am selben Tag besuchen wir den Amber Mountain Nationalpark. Als die dafür vorgesehenen Fahrzeuge vor uns standen, ging mir das Herz auf! Es waren große komfortable Geländewägen, die versprachen, durch jedes Gelände zu kommen. Die Fahrer begrüßten uns herzlich und wirkten professionell. Ich liebe Touren abseits der normalen Straßen und freute mich riesig auf die kommenden Tage.   

Wie der Name „Amber Mountain Nationalpark“ schon verrät, ist die Landschaft sehr von der Farbe Amber geprägt. Amber bedeutet auch Bernstein und viele kostbare Schmucksteine kommen aus Madagaskar.  Die Fahrt zum Nationalpark führt uns zuerst über eine für uns kurze Distanz (40 km) asphaltierter Hauptstraße. Entfernungen werden hier nicht in Kilometer sondern in Zeit angegeben. Für diese Entfernung brauchen wir gute 2 Stunden und wir sind dankbar für unsere gut gefederten Fahrzeuge. Die Sandpiste im Park selber empfinden wir dafür als eher angenehm.    

Im Nationalpark angekommen begleitet uns ein ortskundiger Ranger und erklärt uns alle Besonderheiten der Fauna und Flora. Aufgrund der speziellen geographischen Entwicklung von Madagaskar sind über 80% der Pflanzen und Tierwelt endemisch und kommen nur auf dieser Insel vor. Diese außerordentliche Vielfalt und Einzigartigkeit zieht viele interessierte Besucher an. Botaniker finden hier über 12.000 verschiedene Pflanzenarten und bei den Tierliebhabern sind besonders die über 90 verschiedenen Lemurenarten, die nur auf Madagaskar vorkommen, beliebt. 

Natürlich durfte die Suche nach den verschiedenen Chamäleons nicht fehlen. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, legten unserer Fahrer und Führer einen Stopp ein, um uns die einzigartigen Tiere zu zeigen. Wir waren fasziniert von der Anpassungsfähigkeit dieser ruhigen und umgänglichen Spezies, die man durchaus auf die Hand nehmen konnte. Unsere fachkundige Reiseleiterin kannte zu jedem Tier und zu jeder Pflanze den lateinischen Namen, da sie öfters mit Spezialisten Touren unternimmt. Wir erblassten vor Neid und kamen uns als völlige Blindgänger vor!

Immer noch von der Vielfalt des Nationalparks beeindruckt, freuten wir uns auf ein gemütliches Mittagessen in der Nature Lodge, die am Rande des etwas verschlafen wirkenden Städtchens Joffreville, liegt. Von der traumhaft gelegenen Terrasse genießen wir die vorzügliche Küche. Das Haus empfiehlt sich für Besucher des Nationalparks, die gerne auch Nacht- und Frühwanderungen unternehmen und die lange Anfahrtszeit von Diego vermeiden möchten.      

Gestärkt machen wir uns auf den Heimweg. Ein interessanter und spannender Tag geht zu  Ende.   

Auf der Rückfahrt erkennen wir bei einem Blick in die seitlich am Straßenrand liegenden Häuser und Dörfer die durchaus sehr bescheidenen Lebensbedingungen der Menschen. Wir können die Landwirte beim Reisanbau beobachten oder wie die Menschen den örtlichen Fluss für jegliche Art der Wasserversorgung nutzen.

Tag 4: Naturspektakel Tsingy Rouge

Der nächste Tag versprach genauso spannend zu werden. Die berühmten Tsingy Rouge warten auf uns. Tsingy bedeutet Felsnadel, Rouge die Farbe Rot und so war ich gespannt, was uns da wohl präsentiert wird. Nach einer holprigen Anfahrt, die wir bereits von tags zuvor kannten, erreichten wir den Eingang zum Naturreservat. Der Allradantrieb der Autos war auf der Sandpiste gefordert. Souverän manövrierten unsere Fahrer die Fahrzeuge durchs Gelände. 

Der Ausblick über dem Tal der Tsingy war grandios! Mit einer unglaublichen Farbenpracht des vor uns liegenden Canyons wurden wir für die schauklige Anfahrt belohnt. Der Abstieg in den Canyon zu den Tsingy ist leicht zu bewältigen. Unten am Flussbett angekommen erschienen uns die Felsnadeln noch größer und imposanter - es boten sich ideale Motive für jeden Fotografen.  

Wir waren alleine im Naturreservat unterwegs, was für uns sehr angenehm war. Die Tsingy Rouge im Norden sind noch nicht so bekannt und als Geheimtipp zu finden. Die beeindruckend schönen Landschaften auf dem Rückweg runden den erlebnisreichen Tag ab.

Zurück in Diego wurde uns als weiteres Highlight das Abendessen im Hotel Allamanda direkt am Meer serviert. Die Terrasse des Restaurants liegt etwas erhöht und bei Kerzenschein und frischer Meeresprise schmeckt das ohnehin vorzügliche Essen der französisch-madagassischen Küche noch besser. Ein absoluter Insider Tipp für einen romantischen Abend!

Tag 5: Türkisblaues Wasser, weisse Sandstrände und feurige Gewürze

Madagaskar ohne an den berühmten weißen Sandstränden gewesen zu sein, geht natürlich nicht! So besuchen wir an unserem letzten Ausflugstag die vorgelagerten Trauminseln des Mer dÈmeraude. Von dem kleinen Hafen von Ramena aus startet unsere Dhow, ein kleines Segelboot, das zwischen den Inseln verkehrt. Nach einer einstündigen, ruhigen Überfahrt, z.T. mit gesetzten Segeln, empfängt uns der Leiter der französisch geführten Kitesurfschule der Babaomby Island Lodge herzlichst. 

Im glasklaren, türkisblauen Wasser des Indischen Ozeans zu schwimmen war der Traum von uns allen! Von dem Spaziergang an den weißen Sandstränden, die man sonst nur von den Bildern kennt, kehrt jeder begeistert zurück.        

Den runden Abschluss des einmalig schönen erholsamen Tages bekamen wir im Restaurant mit Meerblick mit einem üppigen lecker schmeckenden Mittagessen. Wiederum zeigt sich die madagassische Küche von ihrer besten Seite.

Wie uns der Leiter der Kiteschule bereits prophezeite, kommt jeden Tag pünktlichst starker Wind auf, was die Surfer natürlich begrüßen, unsere Rückfahrt allerdings zu einem nassen Erlebnis werden ließ. Wir waren alle dankbar für die bereit gestellten Regenjacken und froh, als der Hafen von Ramena in Sicht war. Trotz der feuchten Kleidung sind wir uns alle einig, dass es ein lohnenswerter, wunderschöner Ausflug ist.

Berühmt ist Madagaskar unter anderem als Insel der Gewürze. Für den Besuch eines einheimischen Marktes planten wir genügend Zeit ein, und unsere freundlichen Fahrer standen uns immer mit Rat und Tat zur Seite. Mein Gepäck für die Rückreise war reichlich gefüllt mit all den Köstlichkeiten wie Chili, Muskat, Nelken, verschiedene Sorten von Pfeffer und natürlich auch Vanille. Wiederum machte es mir riesig Spaß in Ruhe, ohne großes Aufsehen, durch den quirligen Markt mit den farbenfrohen einfach gehaltenen Ständen zu bummeln und die Waren der Händler zu bestaunen.

Tag 6: Madagaskar, ich komme wieder!

Der Abschied am letzten Tag unserer kurzen Reise fällt schwer. Mit einem Inlandflug zurück in der Hauptstadt überbrücken wir die Zeit zum Abflug in die Heimat im gemütlichen Au Bois Vert Hotel. Mitten in einem Pinienwald, und doch in der Nähe des internationalen Flughafens gelegen, bietet es sich ideal für einen Zwischenaufenthalt an. 

Ich kann Madagaskar jedem ans Herz legen, der noch ursprüngliche Landschaften mit authentisch wirkenden Menschen sucht und zeitweise auf Luxus und Komfort verzichten kann. Ich bin von den freundlichen, respektvollen Menschen wirklich beeindruckt und kann Madagaskar, das unerschöpfliche Schätze bietet, als Reiseland wärmstens empfehlen. Es steht auf meiner Reiseliste ganz oben.

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