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Impressionen aus einer Mosambikreise

Impressionen aus einer Mosambikreise

einsame Stränden und schattenspendende Palmen

Mein Abenteuer beginnt in Inhambane am Flughafen. Nachdem ich mit der LAM gelandet bin, nehme ich mein Gepäck entgegen, dem ich dabei zusehe, wie es über das Rollfeld in den Hof des sehr beschaulichen Flughafens gebracht wird. Stünde hier nicht das eine oder andere Flugzeug, würde man gar nicht merken, dass man an einem Flughafen ist.

Ein Fahrer wartet bereits auf mich, um mich in meine erste Unterkunft, der Blue Footprints Eco Lodge, zu bringen. Kaum haben wir das Flughafengelände verlassen, eröffnet sich mir eine palmenbewachsene Landschaft, die in unterschiedlichsten Grüntönen leuchtet.

Die Provinz Inhambane ist bekannt für Ihre unzähligen Palmen. Mein Fahrer erklärt mir, dass in dieser Gegend jeder Teil einer Palme verwertet wird, um unter anderem folgende Produkte herzustellen: Palmwein, Kokosöl, Seife, Flechtwaren, Hausdächer etc.

Mein Weg auf der mit Schlaglöchern übersäten Straße führt mich vorbei an einzelnen freistehenden Hütten, scheinbar menschenleeren Landstrichen und einigen Häuschen, die am Straßenrand stehen und Obst, Gemüse, Cashewnüsse, Kokosnüsse, Kokosöl und viele weitere Sachen anbieten. Häufig kommen mir Frauen in farbenfrohen Gewändern entgegen, die scheinbar mühelos schwere Lasten auf Ihrem Kopf transportieren, als hätten diese das Gewicht einer Feder.

Spielende Kinder laufen mit selbstgemachten Spielzeugen umher und winken jedem Auto, das vorbei kommt. Überwältigt von den neuen Eindrücken habe ich jedes Zeitgefühl verloren. An einer kleinen Abzweigung hält der Fahrer an und sagt, Liz würde bereits dort vorne auf mich warten. Ich steige aus und werde gleich herzlich begrüßt. Mit einem Allradfahrzeug, anders wäre diese Strecke gar nicht zu bewältigen, bahnen wir uns unseren Weg durch den Tiefsand Richtung Meer, vorbei an Buschvegetation und Palmen.

Wir scheinen mitten im Nirgendwo zu sein. Vereinzelt sehe ich Ziegen, die an Palmen festgebunden sind. Lisa, eine der beiden Besitzerinnen der Blue Footprints Eco Lodge, erklärt mir, das sei die übliche Art hier Ziegen zu halten. Der Strick, an dem die Tiere festgebunden sind, ist meist nicht länger als 1,5 - 2 Meter. 

Langsam merke ich, dass wir dem Meer näher kommen. Die Luft wird frischer und ich kann es bereits riechen. Meine Vorfreude steigt ins unermessliche, da ich das azurblaue Wasser bereits beim Anflug auf Inhambane sehen und es da bereits kaum noch erwarten konnte meine Füße ins Meer zu halten. Plötzlich hält Liz an. Wir sind da.

Ich kann das Rauschen der Wellen zwar schon hören, aber ich sehe noch nichts … Keine Lodge, kein Strand … Bin ich hier richtig? Wir steigen aus und laufen ein paar Meter hügelaufwärts. Da sehe ich ein Gebäude, das Haupthaus der Blue Footprints Eco Lodge. Diese liegt hoch erhoben auf großen Dünen an einem einsamen Strand. Ich kann es kaum erwarten hinunter zu gehen!

Nachdem ich einen leckeren Mangosaft zur Begrüßung bekommen habe und in mein Chalet gebracht werde, packe ich noch nicht einmal aus, sondern schnappe mir meine Schlappen und steige den Steg hinab, der direkt zum Strand führt. Außer dem Rauschen der Wellen ist nichts zu hören. Keine Menschen weit und breit! Traumhaft!

Ich nehme den Geruch des Meeres in mir auf und spiele wie ein kleines Kind mit den herannahenden Wellen… zieht sich das Wasser zurück, laufe ich nach vorne, nähert es sich wieder dem Strand, weiche ich zurück. Wahrscheinlich denkt sich das Personal der Lodge gerade, das vom Hauptbereich den Strand sehr gut einsehen kann: Immer diese Touristen und schüttelt dabei lächelnd den Kopf ;)

Der Strand hier ist sehr abgelegen. Außer ein paar Einheimischen, die am frühen Morgen vom Strand aus fischen, um mit dem Fang Ihre eigene Familie zu ernähren oder die Fische und andere Meerestiere an Hotels und Restaurants verkaufen, sieht man so gut wie niemanden. Gelegentlich spazieren Reisende hier entlang, die in Barra oder Tofo, den beiden nächstgelegenen Orten übernachten. 

Nach einer sehr erholsamen ersten Nacht in Mosambik, fährt Liz mich zusammen mit 2 anderen Reisenden nach Tofo, wo es eine Tauchschule gibt, bei der sie eine ocean safari für uns gebucht hat. Ich bin ganz aufgeregt, da ich weder tauchen noch richtig professionell schnorcheln kann. Diese Künste werden hier aber auch nicht bis zur Perfektion benötigt, da wir mit einem großen motorbetriebenen Gummiboot auf den Ozean hinausfahren, das ca. 14 Personen Platz bietet.

Bei der Sicherheitsanweisung erfahre ich von unserem dive instructor, dass dieses Gebiet hier vor allem für Walhaie, Mantas und Delfine bekannt ist, die sich das ganze Jahr über vor der Küste aufhalten. Das liegt am Zooplankton, das hier reichlich vorhanden ist. Von Juni bis Oktober werden auch regelmäßig Buckelwale gesehen.
Ich gehöre zwar nicht zu den ängstlichen Zeitgenossen, jedoch habe ich gehörigen Respekt vor so etwas großem und unbändigem wie einem Ozean. Mir wird jedoch versichert, dass es keiner großen Erfahrung bedarf, an einer ocean-safari teilzunehmen. Auch bin ich in der Regel nicht besonders seefest. Daher werde ich mir Liz Tipp zu Herzen nehmen und nicht nach unten sehen.

Obwohl heute das Wetter nicht optimal ist, der Wind ziemlich stark weht und die Wellen ganz schön hoch sind, stechen wir, mit Taucherbrillen und Schwimmflossen bewaffnet, in See. Wir sind zu zwölft und müssen alle kräftig mit anschieben, um das Boot vom Strand ins Wasser zu bekommen. Nachdem die ersten Wellen bewältigt sind, versucht jeder irgendwie in das Boot zu hüpfen. Ich habe davor bereits gehört, dass es keine grazile Art und Weise gibt, in das Boot zu gelangen … das stimmt!

Kaum im Boot gelandet, setze ich meine Füße in die dafür vorgesehenen Schlaufen auf dem Boden, um nicht über Bord zu gehen. Bis wir weiter auf den Ozean hinaus gelangen muss ich mich gut am Boot festhalten, da die Wellen in der Küstennähe ganz schön ruppig sind. Jedoch wird es nach und nach ruhiger. Jetzt kann die Suche beginnen. Guide und Skipper halten die geschulten Augen offen, während wir uns tapfer festhalten. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen … Das absolute Highlight wäre es, zusammen mit Walhaien im Wasser zu sein. Plötzlich hält der Skipper an.

Wir sehen noch nichts ungewöhnliches, warten aber gespannt. Dann zieht unser Guide eine Grimasse und erklärt uns, das unter uns wäre nur ein großer Stein und nicht der ersehnte Walhai. Wir fahren weiter, immer im Zickzackkurs zwischen Festland und Ozean. Es fängt an zu regnen und wird durch den Fahrtwind ziemlich kalt. Walhaie scheinen eher Schönwettertiere zu sein, die sich nur bei Sonne blicken lassen. Nichtsdestotrotz suchen wir tapfer weiter. Plötzlich sehen wir eine Flosse. Und dann noch eine. Für einen der großen Meeressäuger zu klein. Und so schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch wieder verschwunden. Was war das? 20 Meter weiter vorne tauchen Sie plötzlich wieder auf. Delfine!

Der Skipper mach einen Bogen, überholt Sie und hält ca. 100 Meter vor Ihnen an. Unruhe macht sich in unserem kleinen Boot breit. Schnorchel, Taucherbrille und Schwimmflossen in Position gebracht, springen wir ins Wasser, um diese faszinierenden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen. Es geht so schnell. Kaum habe ich mich im Wasser orientiert, sind sie schon an mir vorbei geschwommen. Mit einem noch verbesserungswürdigen Schwung hieven wir uns wieder ins Boot und fahren zurück Richtung Tofo Beach.

Auf dem Weg dort hin sehen wir noch einzelne Gruppen von Delfinen und hüpfen jedes Mal wieder ins Wasser um ihnen nahe zu sein. Mit jedem Versuch klappt das wieder-ins-Boot-steigen besser. Nach zwei Stunden gelangen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. Zwar haben wir keine Walhaie oder Mantas gesehen, jedoch waren die Begegnungen mit den Delfinen einfach beeindruckend. Ein unvergessliches Erlebnis!

Während Tofo an ein Paradies für Aussteiger und Backpacker erinnert, kommt mir das ebenfalls beschauliche Barra, das ein paar Kilometer weiter nördlich liegt, eher wie ein Ort für Familien und Paare vor. Dort verbringe ich auch noch zwei Nächte. Auch dort sind mehrere Tauschulen ansässig, die ocean-safaris sowie Tauchgänge und Schnorcheltouren anbieten.

Von Inhambane fliege ich weiter zur Küstenstadt Vilanculos, die als Tor zum Bazaruto Archipel gilt. Alles scheint hier etwas größer zu sein als in Barra und Tofo: der Flughafen, die Stadt, die Straßen…

Vilanculos ist eine geschäftige Stadt, die vor allem vom Tourismus lebt. Auch hier gibt es lange Sandstrände. Neben Touristen gibt es auch viele Einheimische, die sich im Meer vergnügen. Aufgrund der Lage in einer geschützten Bucht, sind hier die Wellen nicht ganz so kraftvoll wie in Tofo und Umgebung, wo der offene Ozean direkt auf die Küste trifft.

Vielfältige Aktivitäten werden angeboten: Schnorcheln und Tauchen am 2 Mile Reef, Reiten, Quad Bike fahren etc. Ich entscheide mich für eine City Tour, die ca. 2 Stunden dauern wird. Das Casa Rex organisiert einen Guide für mich, der in Vilanculos geboren und aufgewachsen ist. Unser Weg führt uns zunächst zum Markt, der riesig ist. 

Sobald ich die Hallen, die zum Teil überdacht sind und zum Teil nicht, betrete, strömen vielfältige Farben und Gerüche auf mich ein. Neben Obst und Gemüse, werden hier auch Textilien, Nüsse, Fische und vieles mehr verkauft.

Da der Markt größtenteils nur von Einheimischen besucht wird, werde ich neugierig, aber dennoch sehr freundlich beäugt. Wir lassen den Markt hinter uns und laufen durch kleine Gässchen, vorbei an Hütten und einzelnen Verkaufsständen hin zu einem kleinen Stand an dem Holzschnitzereien angeboten werden. Ich kann sehen wie die einzelnen Kunstwerke hergestellt werden. Kaum zu glauben, dass 2 Stunden so schnell vergehen. Ich werde zurück in mein Hotel gebracht.
 

Die nächste Nacht werde ich auf der Halbinsel San Sebastianverbringen. Diese erreiche ich mit dem Boot vom Hafen Vilanculos aus. Nach ca. 45 Minuten durch klares blaues Wasser und an weißen Sandbänken vorbei, kommt die Dugong Beach Lodge in Sicht. Auf dem langen Steg, der ins Meer hineinreicht, steht die Belegschaft der Unterkunft bereits um mich mit freudigen Gesängen und Tänzen willkommen zu heißen. Hier fühle ich mich sofort zu Hause!

Die Gewässer um die San Sebastian Halbinsel sind ein Geheimtipp unter Tauchern. Dieses Gebiet wurde zum Sanctuary erklärt und selbst das Fischen ist hier untersagt, um die Tierwelt zu schützen. Bereits vom Steg aus sehe ich mindestens 30 verschiedene Fischarten in allen nur erdenklichen Farben. Andere Gäste, ein Ehepaar aus Schweden, paddeln gerade im Kajak unter mir vorbei und winken mir freundlich zu. Dadurch, dass diese Unterkunft nur aus 14 Chalets besteht, die alle einen eigenen Zugang zum Strand haben, herrscht hier eine sehr familiäre und entspannte Atmosphäre. Hier könnte ich es länger aushalten als nur eine Nacht!

Am späten Nachmittag, als die Ebbe einzusetzen beginnt unternehme ich einen Spaziergang am Strand. Kein anderer Mensch in Sicht. Da sehe ich plötzlich eine schnelle Bewegung am Boden. Und dann ist es wieder weg. Ich warte … da ist es wieder. Eine Krabbe! Kommt aus ihrem Loch heraus, sieht mich kurz an und krabbelt seitlich Richtung Meer. Dann kommt eine Welle und sie beeilt sich erneut Richtung Strand zu krabbeln. Ich halte Abstand, um das Tier nicht zu verschrecken und weiter diese Szene beobachten zu dürfen. Ich folge der Krabbe mehrere Minuten auf Ihrem Zickzackkurs zwischen Meer und Land und fühle mich etwas albern, als ich dann über mich selbst lache. Zum Glück gibt es hier weit und breit niemanden der mich sehen kann, wie ich diese faszinierenden Tiere, deren Fleisch wohlgemerkt sehr gut schmeckt, verfolge. 

Ich beschließe mir etwas mehr von der Halbinsel anzusehen und werde von dem Guide der Lodge mit dem Allradfahrzeug in den Busch gefahren, der sich hinter den schönen Stränden versteckt. Diese Erfahrung ist zwar nicht mit einer Safari zu vergleichen, da Mosambik nicht sehr reich an Großwild ist, jedoch genieße ich es so richtig wieder im Busch zu sein! Einige kleine Antilopen kreuzen unsern Weg.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde hält mein Guide an und bittet mich auszusteigen. Wir laufen ein paar Meter auf einen Abhang zu und mit bietet sich ein atemberaubender Blick auf das kristallklare Wasser. Wir stehen am „world’s view“. Hier trifft das Wasser der Bucht auf den offenen Ozean. Außer dem Rauschen des Meeres ist nichts zu hören, bis auf das vereinzelte Zwitschern der Vögel. 

Heute mache ich mich auf dem Weg zu einigen der schönsten Strände des Indischen Ozeans. Von Vilanculos fliege ich zum Bazaruto Archipel, zunächst auf die Bazaruto Insel, die die größte der 5 Inseln des Archipels ist. Die großen Dünen, die auf der dem Ozean zugewandten Seite der Insel liegen, sehen gigantisch aus!

Auf dieser Insel gibt es zwei Unterkünfte, die beide an wunderschönen traumhaften weißen Sandstränden liegen, so wie man Sie aus der Raffaelo Werbung kennt. Ich sehe mir zunächst die Lodge an. Sobald ich in meinem Zimmer angekommen bin, ziehe ich gleich meinen Bikini an und gehe ins nur 20 Meter vor meinem Chalet liegende Meer. Herrlich, diese Abkühlung … obwohl das Wasser nicht wirklich kühl ist. Noch ist Flut, aber bald wird die Ebbe einsetzen.

Die Sonne fängt langsam an unter zu gehen. Vereinzelt sehe ich Gäste der Unterkunft am wunderschönen Strand entlang spazieren. Fast hätte ich die Zeit vergessen. Ich hatte für heute Abend eine Massage gebucht. Schnell duschen und los. Im kleinen, aber doch sehr schönen Spa Bereich der Pestana Bazaruto Lodge werde ich bereits erwartet. Bis zu diesem Moment war mir gar nicht bewusst, wie verspannt ich bin. 

Die etwas kleinere Benguerra Insel weist derzeit zwei sehr schöne Unterkünfte auf. Ich übernachte in beiden. Nach dem Frühstück breche ich zusammen mit einem belgischen Pärchen und einem Guide auf, um das Innere der Benguerra Insel zu erkunden. Neben wunderschönen Stränden an denen es unzählige Muscheln in ganz vielen verschiedenen Formen, Farben und Größen gibt, findet man im Inneren der Insel unter anderem auch kleine Siedlungen, einen Supermarkt, eine Kirche sowie eine Schule.

Unser Ziel sind die Süßwasserseen der Insel sowie die große Düne. In den Seen leben Krokodile, deren Vorfahren dorthin gelangt sind, als die Inseln vor tausenden von Jahren noch als Halbinsel mit dem Festland verbunden waren. Der Weg führt uns durch üppige Vegetation. Der Fixpunkt, der uns wie ein Magnet anzieht, ist die große Düne der Insel, vor der einer der Seen liegt. Das Fahrzeug hält an und wir steigen, mit Wasserflaschen bewaffnet, aus und laufen um die Düne herum an den Strand. Schon jetzt lässt sich erahnen, dass es ein sehr warmer Tag werden wird. Ein Blick nach oben zeigt mir, dass es mir gleich noch wärmer wird, wenn ich da nach oben klettern soll. Hilft ja nichts … Schlappen in die Hand nehmen und los. Ganz schön steil so eine Düne.

Am frühen Vormittag ist der Sand auch noch nicht so heiß. Ein wenig mehr Sport in letzter Zeit wäre hilfreich gewesen ;) Aber man muss definitiv kein Leistungssportler sein, um bis auf den Kamm der Düne zu gelangen. Nach ein paar Metern finde ich meinen Rhythmus und stapfe eifrig bis nach oben. Die Mühen haben sich gelohnt! Die Aussicht entschädigt mich: Auf der einen Seite der Ozean, auf der anderen das Inselinnere mit dem See zu meinen Füßen. Ich sehe zu unserem Guide, der die Augen auf den See gerichtet hat und sehr konzentriert ist. Er scheint dort etwas zu sehen. Ich richte meinen Blick in die gleiche Richtung. Da ist nichts, außer Wasser und ein paar Fischen. Oder?

Auf einmal zeigt er mit einem Finger auf einen dunklen, länglichen Fleck, der unten rechts im Wasser zu erkennen ist. Dummerweise haben wir kein Fernglas dabei. Er ist sich sicher, dass das ein Krokodil ist. Wir sollten auf dem Weg zurück zum Auto definitiv darauf achten, dieser Seeseite nicht zu nahe zu kommen.

Der Abstieg gestaltet sich schneller als der Aufstieg. In großen Schritten hüpfen wir die Düne auf der dem Meer abgeneigten Seite wieder hinunter. Das macht so viel Spaß, dass ich tatsächlich überlege, mich auf der anderen Seite der Dünen erneut an den Aufstieg zu machen, um wieder hier herunter zu hüpfen. Aber man soll bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang besteige ich eine einmastige Dhow. Das ist ein Boot mit trapezförmigem Segel, das in den Ländern, die an den Indischen Ozean grenzen, zu finden ist und den ehemaligen arabischen Einfluss bis ins südliche Ostafrika zeigt. Diese Dhow ist etwas größer als die kleinen Boote, die die Fischer hier benutzen, um Ihrem Tagesgeschäft nachzugehen. Über eine kleine Leiter gelange ich an Bord. Und schon geht es los. Durch einen kräftigen Windstoß gepaart mit dem geschickten Manövrieren des Bootsführers kommen wir in Fahrt. Diese verläuft parallel zum Strand der Benguerra Insel. Den Wind im Gesicht schaue ich nach vorne und an diesen wunderschönen Strand, der aus so weißem Sand besteht, dass er mich fast blendet. Langsam färbt sich der Himmel rosa.

Die Sonne wird bald untergehen. Wir fahren weiter fast bis zur Bucht, an der sich die Flamingos aufhalten, die ich vorhin bei meinem Spaziergang entdeckt habe. Langsam ist es an der Zeit umzukehren. Der Skipper weist uns darauf hin, uns zu ducken, da er das Segel wenden muss. Dazu ist einiges an Kraft nötig, aber ich fühle mich in sicheren Händen. Nun segeln wir der Sonne entgegen. Bald ist es so weit und sie berührt das Meer. Sehr romantisch!

Ich darf sogar das Boot steuern, was für mich einem kleinen Kraftakt nahe kommt. Wir gehen direkt vor dem Hauptbereich des Azura Benguerra an Land. Ich bedanke mich beim Skipper für den tollen Ausflug und steuere mein Chalet an, wo bereits ein Cocktail auf mich wartet. Den traumhaften Sonnenuntergang schaue ich mir mit dem Glas in der Hand und einigen Snacks auf meiner privaten Sala am Strand an. Eine sehr schöne Art, einen Tag ausklingen zu lassen!
 

Ich unternehme einen Halbtagesausflug nach Santa Carolina, auch Paradise Island genannt. 4 der 5 Inseln des Bazaruto Archipels bestehen nur aus Sand, die durch Sedimentation des Save Flusses entstanden sind. Die fünfte, Stana Carolina hat einen Steinsockel und liegt zwischen dem Festland und der Bazaruto Insel. Unsere Gruppe besteht aus insgesamt 9 Gästen, der Tauchlehrerin und dem Bootspersonal. Wir fahren durch türkisfarbenes Wasser. Der Skipper kennt diese, sich ständig ändernden, Wasserwege genau.

Wo es gestern noch einen Kanal gab, kann heute eine Sandbank das Vorankommen unterbinden. Bei Ebbe scheint es, man könne von Sandbank zu Sandbank laufen. Sie sehen aus wie klitzekleine Inseln, die inmitten des Indischen Ozeans vergessen worden sind. Kaum zu glauben, in einigen hundert Metern Entfernung sehe ich plötzlich ein kleines Boot, das vor so einer Sandbank liegt. Die Insassen stehen auf der Sandbank und fischen.

Bevor ich einen Fuß auf Paradise Island setzen kann, hält das Boot in der Nähe eines Riffes an, das unweit der kleinen Insel liegt. Mit Taucherbrille und Flossen bewaffnet, gleite ich ins warme Wasser. Unsere Gruppe ist die einzige am Riff, so dass wir ungestört dieses wunderschöne Ökosystem erkunden können. Korallen und Fische in allen Formen und Farben ziehen an mir vorbei. Kleine Schwärme, größere Schwärme und Einzelgänger. Sie scheinen sich durch unsere Präsenz nicht im Geringsten stören zu lassen.

Unter Wasser scheint die Zeit still zu stehen und ich komme mir vor wie in einer anderen Welt. Nachdem wir das Riff gründlich erkundet hatten, setzten wir die Fahrt zu unserem Ziel fort. Nach ein paar Minuten taucht eine Insel mit einer großen Ruine vor uns auf, die auf einem Felsen, hoch über dem Meer thront. Gespenstisch und wunderschön zugleich. Der Skipper hält aber nicht darauf zu, sondern fährt uns an einen Strand, an den wir anlegen können. 

Nicht umsonst wird die kleine Insel Santa Carolina, die nur rund 3 km Land und einen halben Kilometer breit ist, auch Paradise Island genannt. Diese Insel verfügt über traumhafte weiße Sandstrände.

Das sind die schönsten Strände, die ich bislang auf meiner insgesamt dreiwöchigen Reise gesehen habe. Während die Crew Vorbereitungen für unser Mittagessen trifft, können wir die Insel auf eigene Faust erkunden. Wir beginnen unseren Marsch am Strand entlang, bis nach einigen hundert Metern die erste Ruine auftaucht. Wir nehmen den gepflasterten Pfad, der in das Innere der Insel führt und uns eröffnet sich so etwas wie ein eigener kleiner Kosmos. Komm näher, scheint er uns zuzurufen. Ich bin sofort in seinen Bann gezogen.

Was sich mir hier offenbart, sind die Ruinen eines alten Hotels, das Anfang der Sechziger Jahre erbaut wurden und seine Blütezeit längst hinter sich hat. Aber einst ist es eine der erlesensten Unterkünfte im Indischen Ozean gewesen. Nach dem Tod des Besitzers der Siebziger Jahre hat sich keiner mehr des Hotels angenommen. Außerdem sind aufgrund der politischen Situation in Mosambik selbst aber auch in einigen der Herkunftsländer der Touristen, weniger Reisende auf die Insel gekommen. So geriet das Hotel in Vergessenheit und wurde aufgegeben. Die gelegentlich über den Archipel ziehenden Zyklonen haben den Rest erledigt. Seitdem verfällt es langsam. Stück für Stück. Zwar gibt es derzeit Pläne für die Errichtung eines neuen Resorts, jedoch wird es wohl noch Jahre dauern, bis es so weit ist.

Ich laufe weiter hinein in diese kleine „Stadt“. Vorbei am verfallenen Krankenhaus und dem heruntergekommenen Gefängnis. Diesem Ort liegt eine Mystik inne, die mir eine Gänsehaut beschert.

Aristokraten, prominente und die High Society sind hier früher ein und aus gegangen. 250 Personen konnte das in Pastellfarben gestrichene Hotel gleichzeitig beherbergen. Im zweistöckigen Hauptgebäude kann man fast die Klänge des Klaviers hören, das früher hier gestanden hat und die Anwesenden zum Tanzen aufgefordert hat. Die Aussicht auf das Meer verschlägt mir den Atem. Ich möchte mich von hier gar nicht mehr wegbewegen. Es ist aber an der Zeit, zum Strand zurückzukehren, vorbei an der alten Kapelle und der in die Jahre gekommenen Landebahn für Sportflugzeuge.

Wehmütig und in Gedanken verlasse ich diese verwünschte Trauminsel und höre in meinem Kopf einige Takte aus Bob Dylans Lied, dessen Text er hier geschrieben hat: „I like to spend some time in Mozambique, The sunny sky is aqua blue … Magic in a magical land ... And when it's time for leaving Mozambique ... You turn around to take a final peek”

Ihre Karla Sviehosky

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