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Flugsafari in Namibia

Flugsafari in Namibia

Den Norden Namibias entdecken

Die Air Namibia Maschine landet pünktlich frühmorgens auf dem kleinen internationalen Flughafen von Namibia, der ca. eine halbe Stunde Autofahrt östlich der Hauptstadt errichtet werden musste, da Windhoek und seine unmittelbare Umgebung von zahlreichen Hügelketten geprägt ist.

Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke hoch und muss unwillkürlich lächeln. Wie schön wieder hier zu sein, aber es ist ja Spätherbst und die frühe Morgenluft ist kühl. In diesem Juni gab es schon einige ungewöhnlich frühe Kälteeinbrüche. Nach den üblichen Einreiseformalitäten begrüßt mich gutgelaunt Barnabas - mein Fahrer. 

Wir fahren in Richtung Stadtmitte und ich habe noch etwas Zeit, um ein wenig mit Barnabas zu plaudern und weiter in Vorfreude zu schwelgen, denn in den ersten fünf Tagen erwarten mich gleich zwei Traumziele, die ich per Flugsafari erleben werde: das erst vor einem Jahr renovierte Damaraland Camp und das Camp Serra Cafema an der angolanischen Küste, vielleicht das exklusivste in ganz Namibia. 

Es bleibt noch Zeit, bevor ich am kleinen Eros-Flughafen zum Weiterflug erwartet werde, so dass sich ein Besuch im charmanten neuen Café-Restaurant „Fresh `n Wild“ an der Liliencron Street lohnt. Der Espresso ist hochwillkommen nach der kurzen Nacht im Flugzeug und schmeckt umso besser in der Vermutung, dass dies der letzte für die nächsten zwei Wochen sein wird. 
 

Endlich am nationalen Flughafen eingetroffen, erwartet mich lächelnd eine junge Dame mit riesiger Sonnenbrille, Olga, meine Pilotin für den Flug zum Damaraland Camp. Zunächst bin ich der einzige Gast und erfahre, dass wir weitere Gäste in Swakopmund an der Küste abholen. Das bedeutet, dass wir erst einmal 250km westlich bis zur Küste fliegen und dann noch einmal die gleiche Entfernung nach Norden ins Damaraland. Die kleine Cessna 210 mit nur sechs Sitzen einschließlich Piloten ist der bewährte Klassiker unter den Buschflugzeugen im südlichen Afrika.

Routiniert absolviert Olga die letzten Checks und zeigt mir auf der Karte unsere Route, nachdem ich auf dem Copilotensitz Platz genommen habe. Es kann losgehen und rasch heben wir ab, die Häuser Windhoeks werden kleiner und verschwinden. Ich hatte vergessen, wie laut doch so eine kleine Propellermaschine ist. Beim nächsten Mal muss ich an Ohrstöpsel denken.

Nach einer Weile jedoch nimmt man den Geräuschpegel nur noch unterbewusst wahr und ist ganz mit der Beobachtung der namibischen Landschaft beschäftigt. Bald schon brauchen wir lediglich dem Swakop-Fluss zu folgen, um unser Ziel zu erreichen.

Nachdem wir das französische Paar aufgenommen haben, folgt die spannende Strecke nach Norden. Die Luft ist ungewöhnlich klar und ermöglicht eine herrliche Sicht auf die markanten landschaftlichen Merkmale der Region. Wir passieren Spitzkoppe und Erongogebirge zur Rechten und dann fliegen wir zwischen dem höchsten Bergmassiv Namibias, dem Brandberg (2.573m), und dem Messum Krater hindurch, der verfallenen Caldera eines uralten Vulkans. 

Nach wiederum etwa einer Stunde ist der Panorama-Flug vorbei und an der Landepiste lächelt uns bereits Elaine entgegen, die für die nächsten drei Tage unser charmanter Guide sein wird. Unser Gepäck wird auf das Safarifahrzeug verladen und wir treten die 20-minütige Fahrt zum Camp an, durch die typische hügelige Landschaft des Damaralandes. Das Camp entpuppt sich als kleines Juwel, das gekonnt in die Landschaft eingepasst wurde.

Erst im Mai 2008 nach grundlegender Renovierung neu eröffnet, präsentieren sich die 10 Einheiten rund um das Haupthaus in einer gelungenen Mischung aus Zeltstil und festem Chalet, die nach ökologischen Kriterien erbaut wurden und gleichzeitig den Komfort von Geräumigkeit und stimmiger, geschmackvolle Ausstattung nicht vermissen lassen. Besucher sollten hier mindestens zwei Nächte verbringen um die Landschaft wirklich genießen zu können, die sich in Begleitung der Guides rund um das Camp auf speziellen kleinen Wanderrouten entdecken lässt. 

Während unseres Aufenthaltes stand das Gras noch sehr hoch und wirkte, wie ein samtiges ockerfarbenes Getreidekleid, das sich über die hügelige Landschaft gelegt hat, nur akzentuiert durch die allgegenwärtigen, grünen Büsche der Euphorbia Damarana, die das Damaraland so prägt. In der dunklen Abendsonne wirkt diese Hügellandschaft wie ein magisches Fantasieland.

Auf unserer kleinen Wanderung sehen wir verschiedentlich eine Gruppe weiblicher Kudu-Antilopen. Auch ein Schakal trippelt durch die kniehohen Gräser und schließlich erspähen wir noch ein Kudu-Bock, leicht erkennbar an seinen eindrucksvollen, gewundenen Hörnern.

Das Abendessen entpuppt sich als eine kleine Überraschung. Wir werden vom Hauptgebäude fortgelockt und gehen um einen kleinen Hügel, in dessen Rücken der Weg plötzlich durch kleine Fackeln illuminiert ist, die uns zu einer Boma geleiten, einer von Palisaden umsäumten Feuerstelle. Hier sind stimmungsvoll die Tische für das Dinner aufgebaut und ein lachendes Begrüßungskomitee aus Campangestellten vom Koch bis zur Managerin stimmt ein paar herzliche namibische Lieder an. Ein gelungener Auftakt zu einem nicht minder angenehmen Dinner im Schein der Kerzen und Fackeln. 
 

Der folgende Tag steht im Zeichen des vielleicht größten Schatzes des Damaralandes. Wir werden uns auf die Suche nach den seltenen Wüstenelefanten begeben, die hier ohne offizielles Schutzgebiet in einem Ökosystem überleben, dass den Tieren durch seine Wasserknappheit ein erhebliches Maß an Anpassung abverlangt. 

Früh brechen wir auf, bereits um 07.00 Uhr brummt der kräftige Motor des Safarifahrzeugs und die Insassen kauern trotz der Jacken fröstelnd in ihren Sitzen, denn der Morgen ist kühl und der Fahrtwind zerrt die Wärme aus den Körpern, die kurz zuvor noch durch heißen Tee und Kaffee gewonnen worden war. In den Gesichtern zeichnet sich Spannung ab. Werden wir Sie finden, die scheuen Dickhäuter? Elaine ist zuversichtlich. Am letzten Morgen waren sie relativ nah am Camp, so dass wir schon nach kurzer Zeit auf die Herde stoßen sollten. 

Die Tiere halten sich zumeist in oder an trockenen Flussläufen auf, von denen so viele das Land durchziehen. Nur zur Regenzeit tatsächlich Wasser führend, sind Sie während der restlichen Monate wie ausgetrocknet.

Jedoch fällt gleich auf, dass sie dicht von Vegetation gesäumt sind. Ein Indiz dafür, dass die Feuchtigkeit unterhalb der Oberfläche hier weitaus länger vorhanden ist und so den Wurzeln der Bäume ausreichend Wasser liefert. Der Reichtum von Büschen und Bäumen bietet so für die Elefanten eine gute Nahrungsquelle und auch ein scheinbar trockenes Flussbett verheißt überlebenswichtiges Wasser.

Die Elefanten haben einen außerordentlichen Geruchssinn dafür und es ist nicht ungewöhnlich, dass sie zielsicher an der richtigen Stelle des Flussbetts nach Wasser graben -mit den vereinten Kräften von Stoßzähnen und Füßen. Es existieren noch keine exakten Untersuchungen, jedoch ist es offensichtlich, dass die Wüstenelefanten mit weitaus weniger Wasser auskommen als ihre Verwandten in den Nationalparks und feuchteren Gebieten.

Während diese bis zu 180 Liter Wasser am Tag konsumieren können, gelingt es den Wüstenelefanten auch zwei bis drei Tage gänzlich ohne Wasser auszukommen. Die Gruppen sind klein und sie wandern Dutzende Kilometer täglich, um das kostbare Nass zu finden. Die harschen Umweltbedingungen erlauben den Kühen viel seltener Junge zu haben, und die Kleinen sind länger auf Muttermilch angewiesen. Auch generell kleinere Körper mit vergleichsweise längeren Beinen und größeren Füßen scheinen der Adaption an das Wüstenklima geschuldet.

Wir fahren inzwischen seit geraumer Zeit innerhalb des Flussbettes auf der Suche nach den Tieren, doch trotz der Zuversicht unseres Guides scheinen die Tiere unauffindbar. Wir versuchen Spuren zu finden. Zunächst sehen wir nur ältere Hinterlassenschaften, welche die Anwesenheit von Elefanten bezeugen. Auch frischer Kot wird schließlich entdeckt und scheinbar kürzlich abgerissene Zweige.

Die Anspannung steigt. Werden wir denn nun bald auf sie treffen? Angestrengt späht ein jeder hinauf zu den Ufern, ob nicht doch ein grauer Schatten zu sehen ist, eine Silhouette nur hinter einem Busch? Die Tiere bewegen sich offenkundig nicht nur in den Flussbetten. Wenn sie sich davon entfernen und ein wenig abseits nach Nahrung suchen, kann man leicht an ihnen vorbeifahren. Die hohen Ufer nehmen die Sicht auf alles jenseits des Flussbettes. 

Der Sand zeigt bei genauerem Hinsehen viele Spuren, viele jener typischen runden Fußabdrücke der Elefanten. Doch wie frisch sind sie? Elaine erklärt, dass die Sohlen jeden Tieres von feinen Linien und Rillen durchzogen sind ähnlich wie beim Menschen. Wenn diese Linien im feinen Sand noch zu erkennen sind, noch nicht vom Wind glatt geweht, dann sind die Spuren sehr frisch. Wir sehen diese filigranen Muster und die Aufregung steigt. Jede neue Biegung des Flusses verspricht das ersehnte Aufeinandertreffen. 

Dann endlich ist es soweit. Nachdem unsere anfängliche Zuversicht auf eine harte Probe gestellt worden war, entdecken wir fast zugleich den markanten Umriss eines Elefanten etwa 100 Meter entfernt auf einer Landzunge, um die sich der Fluss biegt. Vorsichtig manövriert Elaine das schwere Fahrzeug das Ufer hinauf, um den Tieren näher zu kommen. Wir erkennen, dass es eine kleine Gruppe von etwa 10 Tieren ist, die sich um einen Akazienbaum versammelt hat, der ihnen Schatten spendet in der Mittagshitze. Die Samenkapseln des Baumes sind außerdem ein beliebtes Nahrungsmittel bei den Tieren.

In einer Distanz von etwa vierzig Metern hält Elaine das Fahrzeug an und stellt en Motor ab. Offenbar die richtige Entfernung, denn die Tiere bleiben völlig ruhig. Schnell wird deutlich, dass auch Jungtiere bei der Gruppe sind, zwei von ihnen nicht älter als vielleicht zwei Jahre, so wie Halbwüchsige von etwa 10 Jahren. Und dennoch werden wir nicht als Bedrohung wahrgenommen, ihre Komfortzone scheint durch uns nicht beeinträchtigt. In aller Ruhe beobachten wir fasziniert die Tiere, die gemächlich die Akazienschoten vertilgen und sich mehr und mehr verteilen, hier und da ein schmackhaftes Büschel Gras abreißen und dann und wann aus unserem Blickfeld hinter einen Busch verschwinden.

Ein jüngeres Tier wird offenbar gerade entwöhnt, denn die Mutter stößt es weg und es protestiert lautstark. Außerdem ist ein junger Bulle anwesend. Wir erkennen, dass er über eine Drüse zwischen Auge und Ohr ein Sekret absondert. Dieser Umstand weist darauf hin, dass er sich in einer Phase hormoneller Störung befindet, die als Musth bezeichnet wird.

In diesem Zustand sind Elefantenbullen in der Regel ausgesprochen aggressiv und in erhöhter sexueller Erregung. Die genauen Umstände des Phänomens sind noch nicht erforscht, zu gefährlich ist es, sich einem solchen Tier zu nähern. Dieser junge Bulle ist zu unserer Erleichterung jedoch ganz ruhig und scheint auch die Gruppe nicht in Unruhe zu versetzen.

Nachdem die Gruppe ein wenig abgewandert ist, drehen wir und fahren zurück in das Flussbett, um sie besser betrachten zu können. Als wir in das Flussbett fahren sehen wir eine weitere Gruppe, die zum Trinken kommt. Was für ein Glück! 

Wir stehen nun inmitten des Flussbettes, das noch einige kräftige Rinnsale der just vergangenen Regenzeit enthält, die in diesem Jahr besonders üppig ausgefallen ist. Auch die Neuankömmlinge scheinen uns nicht weiter als störend zu empfinden. Sie kommen immer weiter auf uns zu.

Auch hier sind Jungtiere in der Gruppe. Eines schätzt Elaine auf nur etwa ein Jahr und bemerkt, dass die Tiere dieses Mal erstaunlich zutraulich sind. Das Kleine ist einfach ganz wundervoll zu beobachten, wie es noch etwas unbeholfen, und immer ganz dicht bei seiner Mutter zwischen den riesigen Beinen der Verwandten umherläuft.

Auch der zweckmäßige Gebrauch des Rüssels will gelernt sein. Noch wirkt der Umgang mit dem Organ herrlich tollpatschig und verspielt. Inzwischen hat sich eines der älteren Jungtiere immer weiter auf uns zu bewegt. Sollten wir beunruhigt sein? 

Elaine unternimmt keine Anstalten den Schlüssel herumzudrehen. Gebannt blicken wir auf das Tier, das inzwischen bis auf zwei Meter an den Jeep herangekommen ist und seelenruhig ein Grasbüschel abreißt, frisst und dann weiterläuft, um von dem kleinen Wasserlauf zu trinken, der sich noch im Flussbett befindet. Und nicht nur das, es nimmt ein ausgiebiges Schlammbad und bietet uns eine richtige Show. Als wüsste das Tier, dass in wenigen Wochen der Fluss schon wieder gänzlich ausgetrocknet sein könnte, suhlt es sich genüsslich im Matsch. 

Als wir nach insgesamt einer Stunde wieder zurück zum Camp fahren, sind wir noch immer gefangen von dieser Begegnung und schätzen uns wahrlich glücklich, dass sie uns so freundlich in ihrem Reich geduldet haben - die Wüstenelefanten des Huab-Flusses.

Wir wünschen ihnen, dass auch hier die Erfolgsgeschichte ihrer Rückkehr zu alter Populationsstärke weitergeht, denn durch die Jagd während des 20. Jahrhunderts waren sie vom Aussterben bedroht. Dass der aktuelle Nachwuchs einen putzmunteren Eindruck macht und allen Anlass zur Hoffnung gibt, davon konnten wir uns hier überzeugen.

Serra Cafema“, welch geheimnisvoller Klang. Tatsächlich entpuppt sich das vielleicht schönste und abgelegendste Camp Namibias als eine verwunschene Oase im äußersten Nordwesten des Landes, die nur die wenigsten Namibia-Touristen je zu Gesicht bekommen. Voller Spannung endlich dieses Schmuckstück unter den exklusivsten Camps Namibias kennen zu lernen, klettere ich in das Sportflugzeug. 

Lange muss ich mich gedulden. Es dauert über eineinhalb Stunden, um vom Damaraland bis fast an die angolanische Grenze zu fliegen. Die Propeller dröhnen in den Ohren. Für einen Moment beneide ich den Piloten für seine Kopfhörer, dann lasse ich Sinne und Blick schon wieder abschweifen und über die unfassbare, rotbraune Weite des zerklüfteten Kaokoveldes gleiten. 

Wie soll hier jemals etwas anderes folgen als menschenleere Felslandschaft? Doch es geschieht. 

Die Maschine senkt sich langsam und schwenkt in ein flaches, weites Tal ein, das Hartmannstal. „Hier werden wir landen“, erklärt der Pilot, denn nur hier, weitab des Camps, wurde ein geeigneter Platz für eine schmale Landebahn gefunden. Zumeist findet sich hier nur rotbrauner Wüstengrund, doch wir haben Glück, es hat tatsächlich in diesem Jahr auch in dieser Region geregnet und die Wüstengräser verwandeln das Tal in eine Prärie aus Pastelltönen in Grün und Ocker.

Fern am Horizont rückt eine Unregelmäßigkeit in den Blick. Es ist das Safarifahrzeug, das am Airstrip auf uns wartet, wie sich nach wenigen Augenblicken immer deutlicher abzeichnet. Nachdem wir aus dem Kleinflugzeug geklettert sind kommt uns Gerhardus, der freundliche Guide des Camps entgegen und rasch sind Gepäck und Gäste in das Fahrzeug verladen.

Es folgt eine einstündige Fahrt, die uns schnell erkennen lässt, dass es sich hier um einen besonderen Ort handelt. 

Die späte Nachmittagssonne taucht die sanfte Graslandschaft des Tals in ein warmes Licht und auf einmal zeichnet sich eine kleine Straußenfamilie in der Ferne ab. Nach und nach stellen wir fest, dass auch hier im entlegenen Kaokoveld die typischsten Vertreter der namibischen Tierwelt zu finden sind: Strauße, Springböcke und Oryxantilopen. 

Schwer vorstellbar, dass dieser Ort den Tieren ausreichend Nahrung und Wasser bieten kann. Doch der Kunene, der Grenzfluss zu Angola, auf den hier noch nichts hindeutet, ist nicht fern. Dass es tatsächlich ein prekärer Lebensraum für die Tiere ist, lässt sich an den Oryxknochen ablesen, die auf eine Periode regenloser Jahre verweisen. 

Plötzlich taucht das Fahrzeug in einen Pass zwischen zwei Hügelketten ein. Der einsetzende Schatten lässt uns frösteln. Jetzt prägen auch orange Sanddünen zwischen den Felsen das Bild. Es geht bergab, hinunter zum Fluss, von dem noch immer nichts zu sehen ist.
 
Dann endlich öffnet sich der Blick und wir sehen eine wundervolle Oase. Grüne Palmen und ein dicht bewachsenes Ufer verdecken zunächst noch den Fluss und bilden einen schönen Kontrast zum Kupfer der Dünen und dem Dunkel der Felsen.

Das Luxuscamp besteht aus 8 großzügigen Chalets und dem Hauptgebäude, die entlang des Flusses versteckt in die üppige Ufervegetation gebaut worden sind. So genannte „walkways“ aus Holz, die auf Stelzen errichtet sind, stellen die Verbindungswege zwischen den Chalets und dem Hauptgebäude dar. Große Suiten aus warmen Naturmaterialien sind es, die dennoch allen Luxus bieten, den man sich hier am „Ende der Welt“ nur schwer vorstellen kann.

Farben und Formen sind der Landschaft und der Kultur der hier lebenden Himba-Nomaden geschmackvoll nachempfunden. Die gesamte Flussfront der Chalets ist in ihrer Gänze verglast und führt so magnetisch auf das großzügige, private Terrassendeck zu. Außendusche, Hängematte und Lapa bieten vielfältige Möglichkeiten, den Zauber von Serra Cafema auf angenehmste Art zu genießen. 
 

Nach einem frühen Weckruf um 6.00 Uhr und einem vielseitigen Frühstück heißt es am nächsten Tag, die Umgebung zu entdecken. Mein Guide Clement eröffnet mir den Tagesablauf. Zunächst steht Quadbike-Fahren auf dem Programm, eine Aktivität, die man sich nicht entgehen lassen sollte, denn mit den robusten Geländefahrzeugen lässt sich die dünengeprägte Umgebung und die sandigen Wege ganz praktisch und dabei noch mit viel Spaß erschließen.

Selbstverständlich erfolgen eine gewissenhafte Einweisung und ausreichend viele Proberunden bis es auf Tour geht. Gar nicht so einfach ist die Abstimmung zwischen Kupplung am rechten Fuß, Gashebel am rechten Daumen und Steuerung, doch langsam komme ich dahinter… Und natürlich bleibt man auch einmal im Sand stecken, mal wieder zu wenig Gas bei einem Anstieg, und so muss man den freundlichen Spott des Guides einstecken, wenn sich die Hinterräder im Sand eingegraben haben. Das gehört dazu. 

Als erstes nähern wir uns einem Himba-Gehöft. Ein Besuch der hier lebenden Halbnomaden ist zweifellos ein besonderes Erlebnis. Die respektvolle Annäherung der Guides in der Sprache der Himba und die langjährige Nachbarschaft sorgen dafür, dass die Begegnungen in freundlicher Atmosphäre gelingen. Zunächst einmal fragt Clement um Erlaubnis des Familienoberhauptes, ob ein Besuch willkommen ist. In der Regel wird dies gern gewährt. Heute ist bereits Besuch da. Mehrere Verwandte aus Angola sind zugegen. Deswegen halten wir unseren Besuch eher kurz, um nicht zu stören.

Nach der Begrüßung des Großvaters und Gehöftoberhauptes mit dem traditionellen Gruß „Wapenduka“, stellen wir uns auch den Frauen der Familie und den anderen Gästen vor. Die jungen Männer der Familie sind mit dem Vieh in abgelegene Gebiete gezogen auf der Suche nach Weiden. Clement erklärt mir die Zusammensetzung des Gehöftes, die Funktionen der Gebäude, des Viehkraals und die Aufgaben der Familienmitglieder. Eine der Frauen arbeitet im Camp und hat dadurch einen besonderen Status. 

In keiner Weise macht dies auf mich den Eindruck eines touristischen Show-Dorfes. Clement erläutert, dass die Begegnungen durch die jeweilige Offenheit beider Seiten bestimmt sind. Eine freundliche respektvolle Annäherung der Gäste, ein Lachen und die richtige Körpersprache überbrücken Kommunikationsbarrieren. Und beide Seiten sind natürlich neugierig. Es wird auch eine Erlaubnis zum Fotografieren gegeben. Die Himba kennen diese Eigenart der Besucher inzwischen gut und mitunter kostet es eher den Gast Überwindung, die Kamera zu betätigen. 

Da ich an anderer Stelle schon ein Himbagehöft besucht habe und der Besuch aus Angola heute im Mittelpunkt steht, verabschieden wir uns nach einem kurzen Rundgang und brechen wieder mit den abseits geparkten Quadbikes auf.
 

Nun geht es weiter auf der Sandpiste in ein Gebiet, das von herrlichen Dünen geprägt ist. Sobald wir hinein gefahren sind, sieht das Auge nichts als sanft geschwungene Dünenkämme und –täler. Hier zeigen sich die Qualitäten des Fahrzeugs. Clement stellt mir zur Wahl, ob wir einen schönen Aussichtspunkt ansteuern und dann langsam wieder heimfahren sollen oder uns erst einmal richtig austoben sollen mit den Quadbikes.

Da ich mich inzwischen gut mit meinem Gefährt angefreundet habe, möchte ich mir diesen Spaß nicht entgehen lassen. Immer etwa 15m hinter Clement herfahrend geht es in flottem Tempo durch die wunderbare Wüstenlandschaft. Besonderen Nervenkitzel löst es aus, vom Kamm einer hohen Düne senkrecht hinunter ins Tal zu fahren, denn dabei neigt sich der Vorderteil des Quads tief nach vorn und es kostet zunächst etwas Überwindung hinunter zu gleiten.

Die Bremse ist dabei der beste Freund und dann heißt es Gas geben, kurz bevor man am Dünental angelangt ist, um nicht stecken zu bleiben. Nach kurzer Zeit habe ich den Bogen einigermaßen heraus und es macht einfach irrsinnigen Spaß durch die Dünen zu fahren und bei den Kurven leicht zu bremsen, so dass die Hinterachse ein wenig nach außen driftet. 

Viel zu früh müssen wir wieder aufbrechen, um rechtzeitig für den Lunch am Camp zu sein. Dennoch ist unterwegs immer Zeit anzuhalten, wenn es etwas Interessantes zu sehen gibt, eine kleine Echse, ein Vogelnest oder ein Oryxskelett. 

Nachmittags dann steht eine Bootsfahrt auf dem Programm. Zu sechst sitzen wir im Boot, das von Clement gesteuert wird. Offensichtlich ist es gar nicht so leicht je nach Jahreszeit die richtig Fahrrinne zu finden, doch davon bekommen wir Gäste wenig mit. Man kann herrlich abschalten und einfach das Plätschern des Wassers und die Landschaft vom Fluss aus genießen.

Zumeist aber gilt es wachsam in das Uferdickicht zu spähen, ob nicht ein Krokodil zu sehen ist. Dann bewegt sich etwas am Ufer, eine Echse…zu klein für ein Krokodil, doch der Waran erreicht ebenfalls eine stattliche Größe und besitzt mächtige Klauen. Gern plündert er die Nester seiner großen Verwandten, wenn er die Chance dazu erhält.

Zwischendurch sehen wir immer wieder verschiedenste Vögel, an denen dieses Gebiet so reich ist, etwa einen Maskenbülbül oder einen Schlangenhalsvogel. An vorderster Front die Fischreiher, die sich bei Störungen gemächlich in die Luft erheben und an einen ruhigeren Platz fliegen. Dann endlich entdecken wir das erste Krokodil, das leicht verdeckt ist von der Ufervegetation. Regungslos verharrt es dort und nur das weit geöffnete Auge verrät lauernde Wachsamkeit. Später sehen wir ein weiteres der mächtigen Reptilien, das es sich auf einer Sandbank im Fluss bequem gemacht hat. 

Bald schon können wir an einer romantischen Uferstelle anlanden und uns ein wenig die Beine vertreten. Selbstverständlich geht dies nur auf namibischer Seite, denn auch wenn weit und breit niemand zu sehen ist, verstehen die Guides keinen Spaß bei illegalem Eintritt ins Nachbarland Angola. Wie aus dem Nichts zaubern sie die Utensilien für den obligatorischen Sundowner aus dem Boot.

Weingläser klirren und die Eiswürfel in den Gin&Tonic Gläsern. Einfach einmalig hier am Ende der Welt zu stehen und zum Abendlicht dieser traumhaften Flussszenerie ein Glas Rotwein zu genießen!

Der nächste Morgen bringt schon den Abschiedstag.

Doch es bleibt noch Zeit für eine kleine Wanderung mit dem Guide entlang des Kunene. Auf einer Anhöhe über dem Fluss präsentiert sich Serra Cafema noch einmal von seiner schönsten Seite.

Die üppig grüne Vegetation der Ufer verdeckt fast vollständig die Reetdächer der Chalets und rahmt das blaue Band des Flusses ein, das nur vom Weiß der kleinen Stromschnellen an manchen Stellen unterbrochen wird. Ein attraktiver Kontrast zum feinen Beige des Sandes und den dunklen Felsenbergen, die sich aneinandergedrängt landeinwärts am Horizont verlieren.

Auf der anderen Seite des Ufers ist winzig klein die Silhouette eines Mannes auszumachen. Er taucht wie aus dem Nichts auf und wandert durch eine öde Ebene gelassen auf das Ufer zu. Ein Himba, er läuft ohne Eile, im Einklang mit seiner Umgebung. Dies ist das Bild von Serra Cafema, das ich mitnehme als ich schweren Herzens in den Jeep steige, der mich zum Airstrip bringt… 

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