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Eine trockene Regenzeit in Namibia

Eine trockene Regenzeit in Namibia

Es ist 4 Uhr morgens und ich kann nur an unsere Reise denken. Ich sollte weiterschlafen, aber meine Gedanken drehen sich nur um Namibia. In 6 Stunden geht es los: 3 Wochen Selbstfahrerreise durch die berühmtesten Gebiete Namibias. Dies ist meine erste Reise nach Afrika und ich kann es kaum erwarten. Seit einem Jahr arbeite ich nun bei der Abendsonne Afrika und der "Afrika-Virus" hat mich auch infiziert. Meine Kollegen schwärmen täglich von Afrika und jetzt bin auch ich endlich an der Reihe, diesen faszinierenden Kontinent zu entdecken.

Um 11 Uhr geht unser ICE nach Frankfurt, wo er pünktlich um 13 Uhr ankommt. Für die Zugtickets mussten wir nichts zahlen, da wir unsere Flüge bei Qatar Airways inklusive Rail & Fly gebucht haben (die Tickets beinhalten automatisch den Zugtransfer am Abflugs- und Ankunftstag).

Von Frankfurt aus fliegen wir über Doha nach Windhoek. Eine lange Reise, aber die Mitarbeiter von Qatar Airways versuchen, den Flug so angenehm wie möglich zu gestalten.

Tag 1: Die Kalahari erwartet uns

Nach unserem langen (17 Stunden), aber entspannten Flug kommen wir pünktlich um 11 Uhr am Flughafen in Windhoek an. Die Übernahme des Mietwagens erfolgt problemlos: wir bekommen alle wichtigen Infos und Tipps, die wir in den nächsten Wochen benötigen werden. Der freundliche Mitarbeiter von Britz lächelt mich an: Mein ungarischer Reisepass ist für ihn Neuland. Nachdem ihm bewusst wird, dass Ungarn 10 Millionen Einwohner hat, ist er sehr erstaunt und stellt fest: „Ungarn ist aber ein sehr großes Land!“. Namibia hat nur 2 Millionen Einwohner, natürlich hat er andere Vorstellungen von meinem Herkunftsland. Wir bekommen den Schlüssel und dann fängt es endlich an!

Unser Start ist nicht wirklich entspannt, da in Namibia Linksverkehr herrscht. Schnell gewöhnt man sich aber an diesen Umstand. Unser erstes Ziel ist das Kuzikus Wildlife Reserve, eine familiengeführte Farm in der Kalahari. Die Schotterpisten sind gut befahrbar und ich muss zugeben, es macht unheimlich viel Spaß mit unserem 4x4 Geländewagen durch die Wüste zu fahren.

Wir werden vom Sohn des Gründers freundlich empfangen und bekommen sofort leckeren Kuchen, Kaffee oder Tee nach Wahl, kaltes Bier und Wasser, die wir mit Blick auf das Wasserloch genießen können. In Gedanken bin ich schon auf Safari und stelle mir vor, was wir morgen alles erleben werden. Keine 2 Minuten später spaziert ein Nashorn gemütlich zum Wasserloch. Unglaublich!

Nach dem leckeren Abendessen setzen wir uns mit den Besitzern, Berend und Fritz ans Lagerfeuer und sie erzählen über den Alltag in Kuzikus. Man merkt sofort, dass sie mit ganzem Herzen hinter den Tieren und der Natur stehen. Ich würde ihnen gerne noch stundenlang zuhören, aber wir müssen ins Bett, denn morgen geht es früh los!

Tag 2: Kuzikus Wildlife Reserve

Es ist 5.30 und unser Wecker klingelt. Wir ziehen feste Schuhe und bequeme Kleidung an, da wir um 6 auf Rhino Tracking gehen! Unser Guide John ist selbst Buschmann und kennt alles Wissenswerte über die Kalahari. Er bringt uns bei, wie man die Spuren der verschiedensten Tiere lesen kann. John ist ein witziger Typ, was das Tracking noch unterhaltsamer macht. Nach kurzer Zeit entdecken wir die Spuren von 3 Nashörnern. Wir gehen immer weiter, aber die Nashörner sind nicht zu finden.

Auf der Rückfahrt bin ich ein bisschen enttäuscht, aber keine Zeit für Traurigkeit, unser Guide findet weitere Spuren! Ca. 2 Minuten später entdeckt Max ein Nashorn in der Weite. Unser Guide bestätigt ihn, wir haben sie gefunden. Ich muss allerdings erst 2 Minuten lang hoffnungslos mit meinen Augen nach den Tieren suchen. Wir steigen aus und nähern uns den Nashörnern zu Fuß. Unser Guide achtet ständig auf die Windrichtung: Nashörner können bis zu 100 Meter sehen, aber sie riechen und hören besonders gut, also müssen wir aufpassen. Der Busch neben dem Nashorn bewegt sich. Es ist nicht alleine! Ein weiteres Nashorn und ein junges Nashorn kommen aus den Büschen! Drei Spitzmaulnashörner auf unserer ersten Aktivität in Afrika! Wir sind mehr als zufrieden.

Nach dem Tracking wartet auf der Farm das Frühstück. Rührei, warme Brötchen, frisches Obst... was braucht man mehr? Natürlich Nutella! Und ja, das gibt es hier zum Glück auch. Die heißesten Stunden verbringen wir am Pool und in der Bibliothek, wo man alles Mögliche über das Leben in der Kalahari erfahren kann. Besonders gut gefallen mir die Fotobücher über die Geschichte der Unterkunft. Es ist immer toll zu erfahren, was „hinter den Kulissen" passiert.

Am späten Nachmittag fahren wir wieder raus, diesmal mit Berend. Wir genießen die atemberaubende Landschaft und versuchen uns alles zu merken, was Berend uns erzählt. Da das Gebiet eine sehr trockene Regenzeit erlebt, muss das „Kuzikus-Team“ den Tieren helfen, diese schwere Zeit zu überstehen. Heute sind wir bei dieser wichtigen Aufgabe dabei: Wir bringen frisches Stroh für die Elenantilopen und während sie gemütlich ihr Abendessen genießen, stoßen wir mit Berend mit einem Gintonic auf unsere Reise an.

Vielen Dank, Kuzikus! Es war einfach der perfekte Start für unsere erste Afrika-Reise!

Tag 3: Die luxuriöse Kalahari Game Lodge

Wir haben heute über 450 km vor uns. Wir fahren abwechselnd durch die Kalahari und halten zuerst in Leonardville. Während wir tanken lächeln uns die Einheimischen freundlich an. Bei der Tankstelle gibt es auch einen kleinen Shop, wo wir nur die nötigsten Dinge kaufen: Wasser und Süßigkeiten!  

Nach ca. 6 Stunden kommen wir in der Kalahari Game Lodge an. Die Unterkunft bietet ein wahres Afrika-Erlebnis mit Luxus: die Ausstattung und der Service sind perfekt und das Essen ist einfach hervorragend!

Der Tag ist so schnell vorbei! Man denkt, dass es langweilig und anstrengend ist, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, aber das Gegenteil ist der Fall! Landschaften, Menschen und Tiere faszinieren uns jeden Augenblick. Wir verbringen nur eine Nacht in der Kalahari Game Lodge, aber nach unserem kurzen Abstecher nach Südafrika kommen wir wieder zu dieser tollen Unterkunft.

Tag 4-5: Tierbeobachtung im Kgalagadi Transfrontier Park

Unsere Reise geht weiter! Wir fahren heute in den Kgalagadi Nationalpark und verbringen zwei Nächte im Twee Rivieren Camp. Der Park liegt in Südafrika und Botswana, wir bleiben aber nur im südafrikanischen Teil.

Alleine der Weg zum Camp ist abenteuerlich. Kurz nach der Einfahrt entdecken wir die ersten Tiere: Giraffen, Kuhantilope, Springböcke und Gnus. Der Kgalagadi bietet aber viel mehr. Auf der Hinterseite der Karte, die man kostenlos beim Eintritt bekommt, befindet sich ein kleines Spiel. Nach der Sichtung einiger Arten bekommt man je nach Seltenheit Punkte. Löwen bedeuten 30, Erdhörnchen nur 5 Punkte. Während unserem Aufenthalt versuchen wir natürlich so viele Punkte zu sammeln, wie möglich.

Kurzer Tipp für den Aufenthalt im Kgalagadi: Im Park ist eine maximale Geschwindigkeit von 50 km/h und man muss sich wirklich daran halten. In diesem Verkehrssystem haben Tiere immer Vorfahrt! Springböcke und Kudus sind leicht zu entdecken, wenn sie unsere Straßen benutzen, aber die kleineren Bewohner des Parks sind manchmal fast unsichtbar, wenn man mit höherer Geschwindigkeit unterwegs ist. Und was soll man machen, wenn ein Tier sich auf der Straße befindet? Vorsichtig bremsen und anhalten. Falls andere Autos sich nähern Warnblinker anmachen oder kurz mit der Hand ein Zeichen geben, dass wir nicht alleine sind. Es fühlt sich auch super an, wenn man mit ein bisschen Aufmerksamkeit selbst die Tiere „retten“ kann.

Tag 6: Die Suche nach dem König der Löwen

Wir verbringen insgesamt 2 Tage im Kgalagadi und entdecken fast alle Tiere, die im Spiel auf der Karte vorkommen: verschiedene Vogelarten, Schakale, Gnus, Schildkröten, Giraffen, Oryxe, Kuhantilopen und vieles mehr. Unser Glück verlässt uns aber, wenn es um Raubkatzen geht. Am zweiten Morgen fahren wir Richtung Mata Mata los, um nach Namibia zurückzukehren. Ich hoffe aber, dass wir es in den letzten Stunden doch noch schaffen, ein „kleines Kätzchen" im Park zu sichten.

Auf dem Weg zum Ausgang finden wir ein Auto, welches am Rand der Straße steht. Beim Überholen des Autos sehen wir, dass die Leute etwas mit einem Fernglas beobachten. Die Frau lächelt uns an und zeigt in die Ferne. Wir halten also ebenfalls an und untersuchen schnell das gleiche Gebiet, wir finden aber nichts. Max meint, dass wir weiterfahren sollen. Ich habe aber ein komisches Gefühl, also schaue ich noch einmal durch das Fernglas und was ich diesmal finde, glaube ich fast selbst nicht. Unter einem fernen Baum liegt etwas Verdächtiges... Max schaut auch nach und wir stellen fest: Der „König der Löwen“ macht unter dem Baum gerade gemütlich eine kurze Siesta. Wir können nicht aufhören zu grinsen.

Wir verbringen einige Zeit mit der Beobachtung des Löwen und fahren weiter. Die Aus- und Einreise geht wieder relativ schnell, wir verlassen ohne Probleme Südafrika und setzen unsere Namibia-Reise fort. Heute Abend schlafen wir wieder in der Kalahari Game Lodge und wir freuen uns sehr auf das „Wiedersehen“. Leckeres Abendessen und ein spektakulärer Sonnenuntergang warten auf uns an diesem einzigartigen Ort.

Tag 7: Mit Mountainbikes durch die Kalahari

Es kann einfach nicht besser werden. Der Sonnenaufgang genießen wir von unserem Bett aus und wir wollen einfach nicht weiterfahren. Das Licht, die Ruhe, die Springböcke... die ganze Szenerie ist einfach so unbeschreiblich. Man fühlt eine innere Ruhe, welche man in deutschen Städte nicht erleben kann.

Wir fahren heute zu unserem letzten Ziel in der Kalahari: zu der Kalahari Red Dunes Lodge. Wir werden mit feuchten Handtüchern, selbstgemachtem Eistee und freundlichen Lächeln erwartet. Unser Chalet ist einfach spektakulär. Im Wohnzimmer gibt es ein riesiges Fenster mit Blick auf das Wasserloch: „This is the television“, witzelt der Rezeptionist.

Nach dem Kaffee und Kuchen lernen wir auch den Manager, Harry kennen. Er erzählt uns, wie sie ständig daran arbeiten, die Chalets zu renovieren und den Gästen einen besseren Service zu bieten (geht es noch besser?). Er empfiehlt uns, eine Mountainbiketour zu unternehmen und wir nehmen die Herausforderung an! Wir düsen durch die Kalahari auf unseren speziellen Fahrrädern. Ich kann das jedem nur weiterempfehlen! Es ist ein einmaliges Erlebnis und man kommt sehr nah an die Tiere. Die Mountainbikes und eine Karte der Route werden jedem Gast kostenlos zur Verfügung gestellt.

Am Abend kommt das nächste Highlight unserer Reise. Wir dürfen Timon, das Erdmännchen kennenlernen. Harry hat ihn in einer nahegelegenen Stadt am Hals angekettet gesehen und ihn gegen einen kleinen Obolus vom Besitzer frei gekauft. Seitdem lebt er frei bei Harry, ist zahm und zutraulich. Timon lässt alle Leser des Abendsonne Afrika Blogs grüßen!

Tag 8: Die spektakulären Tsarisberge

Nach dem erlebnisreichen Tag in der Kalahari Red Dunes Lodge fahren wir in Richtung Sossusvlei weiter. Der Weg führt uns durch die spektakulären Tsarisberge. Der Ausblick ist wirklich wunderschön und wir genießen die Fahrt zur Elegant Desert Lodge. Kurz vor dem Ziel lassen sich die ersten roten Dünen blicken. Wir schießen ein paar Fotos und fahren weiter. Die Mitarbeiter der Elegant Desert Lodge wissen ganz genau, was wir brauchen: kalte Getränke, feuchte Handtücher und ein kühles Zimmer mit Blick auf die Berge.

Nach einem kurzen Mittagschläfchen erkunden wir die besonders gut ausgestattete Unterkunft: Swimmingpool, Restaurant, spannende Aktivitäten und kostenloses WLAN. Hier kommt jeder auf seine Kosten. Kurz vor dem Abendessen setzen wir uns auf die Terrasse und schicken ein paar Bilder an unsere Familien. Während wir die neidischen Antworten lesen, sagt Max zu mir: „Schau mal, da kommen zwei Hunde! Ah ne, warte... da ist doch ein...“ Ich dreh mich um und traue meinen Augen nicht. Ein kleines Warzenschweinbaby läuft neben dem Hund durch das Restaurant. Gestern haben wir Timon kennengelernt. Ist das vielleicht sein bester Freund, Pumba, der uns gerade besucht? Piggy (wie wir später mitbekommen) ist ein bisschen schüchtern und versteckt sich unter einem Tisch. Wir wollen sie nicht erschrecken und beobachten sie nur aus der Ferne. Na ja, in Afrika ist der Begriff „Haustier“ ein bisschen ausgedehnter als bei uns.

Tag 9: Die Namib - Die älteste Wüste der Welt

Es ist 5.00 Uhr und wir laden bereits das Auto ein. Wir wollen heute die riesigen Dühnen des Namib Naukluft Parks erkunden. Der Park macht kurz nach dem Sonnenaufgang auf und wir möchten so früh wie möglich reinfahren. Es lohnt sich auf jeden Fall, früh da zu sein, denn vor der Eröffnung bildet sich schon eine ganz lange Schlange vor dem Eingang. Wir fahren auf der geteerten Straße bis zum Sossusvlei-Parkplatz, danach nehmen wir aber den Shuttledienst des Parks. Unser 4x4 Allradfahrzeug hätte keine Probleme mit dem Sand, wir haben aber keine Erfahrung und wollen es nicht riskieren. Das ist auch die weise Entscheidung, denn auf dem Weg zum Sossusvlei stecken immer wieder die besten Geländeautos fest, eines direkt vor unserem Fahrzeug.

Unser Guide benachrichtigt sofort die anderen Fahrer: „Deep sand, deep sand, deep sand.“ Das ist wohl das Zeichen für Leute, die stehengeblieben sind und von dem nächsten Shuttle mitgenommen werden. Unser Guide springt sofort aus unserem Auto und versucht, mit dem tiefsteckenden Auto weiterzufahren. Wir haben bereits während der Fahrt gemerkt, dass er sehr viel Erfahrung hat, er kann aber trotzdem nicht das Auto rausholen. Die Besitzer des Autos sollen es schieben. Es geht aber immer noch nicht und unser Guide ruft nach Hilfe. Max und ich springen raus und fangen an, das Auto zu schieben. Nach einigen Sekunden jubilieren die restlichen Passagieren des Schuttles: Wir haben es geschafft! Der Guide fährt das Auto zum Rande des Wegs und wir fahren weiter.

Der Besuch im Sossusvlei und Deadvlei ist schwer zu beschreiben. Die Dühnen sind unglaublich groß, wir schaffen es auf dem "Big Daddy" nur bis zur Hälfte und es ist uns in dem Moment auch egal. Es ist nur halb 9, aber die Sonne verbrennt uns. Wir sind nicht die einzigen, die den Kampf aufgeben und sich auf den Weg zum Deadvlei machen. Trotz der „Niederlage“ bin ich froh, dass wir die berühmten Dühnen selbst erkundet haben. Es ist ein Erlebnis, welches man nie vergessen wird. Bis 6 Uhr abends können wir den Tag nur in unserem klimatisierten Zimmer in der Elegant Desert Lodge ertragen. Am Abend unternehmen wir einen Sundowner mit unserem Guide, Paulus. Er fährt mit uns auf die Berge, wo wir bis jetzt unseren spektakulärsten Sonnenuntergang erleben. Schauen Sie sich das Bild an. Mehr muss ich wohl dazu nicht sagen :)

Tag 10-11: Die Hohenstein Lodge im Erongogebirge

Nach dem gestrigen Tag sind wir immer noch erschöpft und wir haben heute eine sehr lange Strecke vor uns. Die klassische Namibia-Route würde uns jetzt nach Swakopmund führen, wir verzichten aber auf die Küste und fahren direkt zum höchsten Punkt der Erongo-Region, dem Hohenstein.

Nach 2 Nutella-Brötchen, 2 Pancakes, einem Orangensaft und Kaffee fühle ich mich bereit für den Tag. Die Fahrt ist lang und die Straßen sind sehr holprig und kurvig. Zum ersten Mal auf dieser Reise muss ich wegen der Autofahrt mit meinem Magen kämpfen (vielleicht war es ein Nutella-Brötchen zu viel). Und wir fahren und fahren, der Weg scheint unendlich zu sein. Ich bin aber sehr dankbar, da Max, mein braver „Fahrer“, die Strecke problemlos meistert.

Ich war sowieso sehr gespannt auf die Hohenstein Lodge, aber nach der anstrengenden Fahrt freue ich mich noch mehr, dass wir endlich da sind. Der Blick von unserem Zimmer ist perfekt. Wir lernen auch Ralf, den Leiter der Lodge kennen und er gibt uns ein paar gute Tipps für unseren Aufenthalt in der Hohenstein Lodge. Während wir unser leckeres Abendessen genießen, geht die Sonne unter und malt die Felsen des 2.319 Meter hohen Berges rot an. Einfach wunderschön.

Mit großen Plänen für den nächsten Tag fallen wir ins Bett und schlafen durchgehend bis zum Sonnenaufgang.

Den nächsten Tag starten wir direkt mit einer Wandertour auf dem Farmgelände und entdecken die Flora und Fauna des Erongogebirges. Die Bewegung tut uns gut und wir fühlen uns für die „Small Miners“-Tour bereit. Der Ausflug ist aber härter, als erwartet... Na ja, wir wollten dieses Jahr sowieso mehr Sport machen, also passt das doch.

Nach einer 50 minütigen Wanderung kommen wir bei den fleißigen Bergbauern an. Die bieten uns die verschiedensten Aquamarine an und wir nehmen das Angebot gerne an. Für 100 NAD kaufen wir 3 verschiedene kleine Steine und kommen mit Arnold, einem der Verkäufer, im Gespräch. Er erzählt uns, wie schwer diese Art von Arbeit ist und nachdem ich erzähle, wo ich arbeite, bittet er mich um einen Gefallen. Ich soll ihn fotografieren und unseren Kunden sagen, dass sie bitte die Hohenstein Lodge besuchen und bei ihm einige Steine kaufen sollen. Gutes Marketing . Also liebe Abendsonne Afrika - Kunden, fühlen Sie sich eingeladen!

Tag 12-13: Ozondjou Trails Camp - Auf der Suche nach Wüstenelefanten

Heute ist unser 12. Tag und als nächstes steht das Ozondjou Trails Camp auf unserem Reiseplan. Das Camp liegt neben dem Ugab-Fluss und bietet mit seiner einzigartigen Lage und freundlichem Personal ein unvergessliches Erlebnis. Wir fahren also Richtung Norden und erkunden das Damaraland! Nach Ankunft schlägt uns die Hitze ins Gesicht. Mein Körper kann diese Temperaturen heute irgendwie nicht ertragen. Ich verbringe die nächsten Stunden mit einem nassen Handtuch auf dem Kopf. Es sieht natürlich blöd aus, es hilft aber! :)

Im Camp lernen wir Martin, einen Guide kennen. Mit ihm fahren wir am späten Nachmittag (ohne Handtuch) rund um die Gegend. Martin erzählt uns alles Mögliche über Menschen, Tieren und Natur. Er spricht perfekt deutsch und begeistert uns mit seinen witzigen Geschichten. Er zeigt uns einen neuen, möglichen „Sundowner-Platz“ in der Nähe des Camps, wo wir es uns gemütlich machen und den Ausblick mit einem kalten Bier genießen. „Ich sage das jetzt nicht, weil du von Abendsonne Afrika kommst, aber eure Kunden mag ich besonders gerne!“, lächelt Martin. „Ich weiß, ich mag sie auch!“, antworte ich lachend. Martin redet leidenschaftlich über Afrika und seinen Job. 

Die Sonne geht langsam unter und der Ausblick ist unbeschreiblich schön. Die Abendsonne in Afrika ist wirklich etwas Besonderes. Wenn man es erlebt, versteht man sofort, warum meine Chefs sich für diesen Firmenname entschieden haben. „Heimat meine Sterne!“, wie es Martin gerne sagt. Den Abend lassen wir mit dem besonders leckeren Abendessen ausklingen, welches der Koch Andreas uns gezaubert hat.

Unseren zweiten Tag im Ozondjou Trails Camp verbringen wir auf den Spuren der Wüstenelefanten. Neben dem Camp liegt die Organisation EHRA, die diese fantastischen Tieren forschen und uns heute auf einen Ausflug mitnehmen. Es gibt 3 Herde in der Nähe, hoffentlich werden wir wenigstens eine von diesen heute vor unserer Kamera haben.

Wir fahren im trockenen Flussbett und entdecken immer wieder Elefantenspuren, wir finden aber keine Tiere. Nach einer längeren Zeit kommt uns ein Auto entgegen und der Fahrer spricht kurz mit unserem Guide: „Have you seen the lions?“ The was??? Löwen??? „There are some lions here, because of the dry rainy season.”, erklärt Michael. Alles klar. Wir beobachten unsere Gegend noch gründlicher. Wir sind schon am Fuß des Brandbergs, als wir eine kleine Oase entdecken. Die Straßen sind teilweise unter Wasser, aber unser Fahrer fährt bewusst weiter und zeigt uns immer wieder frische Spuren! Einige Minuten später sehen wir tatsächlich die Wüstenelefanten. Eins, zwei, drei, vier... Ich mache eine kurze Zählung. „...fünf, sechs.“, zeigt Max in die Richtung der großen Büschen. Die Elefanten kümmern sich nicht um uns, sie genießen das Wasser und wir gucken einfach zu. Faszinierende Tiere!

Auf dem Rückweg finden wir zwei weitere Elefanten, die direkt im Flussbett neben dem Camp an den Bäumen naschen. Was für ein Tag!

Tag 14: Taleni Etosha Village

Seit 2 Wochen sind wir unterwegs und jetzt kommt das absolute Highlight Namibias, der Etosha Nationalpark. Ohne den wäre es auch kein richtiger Namibia-Urlaub, das ist einfach ein Muss, wenn man hier ist.

Wir fahren also Richtung Etosha, wir verbringen aber die Nacht noch vor der Grenze des Parks, damit wir morgen früh direkt zum Sonnenaufgang reinfahren können. Wir wollen uns auch ein bisschen ausruhen, wir haben bereits so viel erlebt und gemacht, wir brauchen eine Atempause und dafür ist unsere Unterkunft, die Taleni Etosha Village, perfekt!

Nachdem wir unser Zimmer beziehen, gehen wir direkt zum Restaurant, um Kaffee und Kuchen zu holen, die wir neben dem Swimmingpool genießen. Das kostenlose und schnelle WLAN führt uns für ein paar Stündchen in unser Leben in Deutschland zurück. 

Tag 15: Safari im Etosha Nationalpark - Elefantenscheinangriff

Das Frühstück ist genauso grandios, wie das gestrige Abendessen, also können wir genug Energie für die ganztägige Wildbeobachtungsfahrt im Etosha Nationalpark tanken. Wir sind innerhalb von Minuten bereits im Park drin und suchen uns die ersten Wasserlöcher auf der Karte aus, die wir besuchen möchten. 

Ungefähr 15 Minuten nach der Einreise entdeckt Max (wer denn sonst?:)) etwas weit entfernt im Busch. Ich fahre rückwärts und sehe nur, wie das Tier nach einer Sekunde im Busch wieder verschwindet. Eine Schabrackenhyäne!!! Eines der seltensten Tieren im Park, wir sehen es direkt nach der Einfahrt und es ist sofort auch gleich weg und wir können keine Bilder machen! Ich bin gleichzeitig euphorisch und enttäuscht! Das kann doch nicht wahr sein!

Wir fahren weiter und besuchen etliche Wasserlöcher, wo wir Gnus, Steinböckchen, Springböcke und verschiedene Vögel beobachten können. Der Tag geht damit auch schnell vorbei und wir müssen vor Sonnenuntergang im Camp sein, also fahren wir zur unseren Unterkunft, zum Halali Camp. Ich kann es nicht vorausahnen, dass ich in einigen Minuten hinter dem Steuer zittern werde.

Nach einer langen Kurve stehen plötzlich zwei Autos quer auf der Straße und ich bremse komplett ab. „Sie müssen was entdeckt haben!“, sagt Max aufgeregt. Wir schauen nach rechts und unser Atem bleibt stehen. Ein riesiger Elefantenbulle steht direkt neben der Straße. Ich fahre sehr langsam rückwärts, damit er ruhig die Straße überqueren kann. Er geht auch los. Langsam und elegant, wie man das von den Elefanten kennt. Er schaut uns an und dann passiert etwas Unerwartetes. Er rennt in unsere Richtung los! Ich schalte innerhalb von Millisekunden wieder in den Rückwärtsgang und gebe Gas! Er folgt uns! Ich schaue nach hinten und hoffe, dass da kein Auto kommen wird! Der Elefant trötet und rennt hinter uns her! Ich drücke auf das Gaspedal, so stark wie ich kann und halte das Lenkrad so fest, dass es zwischen meinen Händen fast zerbricht!

Plötzlich hält der Elefant und läuft ruhig weiter, als ob nichts passiert wäre. Wir sitzen im Auto und sagen kein Wort. Die Scheinangriffe der Elefanten waren uns ein bekanntes Phänomen, aber wir haben nie gedacht, dass wir es miterleben würden! Wir warten bis er weit genug entfernt ist und fahren dann weiter. Max muss ein paar Bilder von ihm machen, ich zittere zu stark.

Im Camp laufen wir noch zum Wasserloch, wo wir noch ein Nashorn beobachten können. Meine Gedanken sind aber immer noch bei dem Elefantenbulle. Ist uns das wirklich passiert?

Tag 16: Entspannung pur in der Mushara Lodge

Nach dem erlebnisreichen Tag stehen wir heute wieder früh auf und gehen zu Fuß direkt zum Wasserloch des Camps, wo sich im Moment keine Tiere befinden. Wir fahren also los, um die östlichen Routen des Etosha Nationalparks zu entdecken. Wir sehen wieder etliche Tiere, aber Raubkatzen bekommen wir nicht vor unsere Linse. Bei unserem letzten Stopp beobachten wir ein trinkendes Giraffenpaar. Es bringt mich immer zum Lächeln, wie diese faszinierenden Tiere trinken. Das Foto, was dabei rauskommt, wird mein Lieblingsbild von dieser Reise, das weiß ich schon jetzt.

Am Nachmittag verlassen wir den Park und fahren zur Mushara Lodge. Im Souvenirshop der Lodge kaufen wir noch ein paar handgemachte Kleinigkeiten für unsere Familien. Sowohl das Hauptgebäude, als auch unser Zimmer ist gemütlich und luxuriös zugleich, also entscheiden wir uns für einen ruhigen Nachmittag und wir genießen den Rest des Tages am Pool.

Tag 17: Zu Besuch bei meinen Lieblingskatzen

Heute ist es endlich soweit, unser nächster Halt ist der Cheetah Conservation Fund. Wie es der Name schon verrät, dreht sich der heutige Tag nur um die schnellsten Landtiere der Welt. Wir bekommen einen kleinen Einblick in dieses faszinierende Projekt und wir sind erstaunt, wieviel Arbeit hinter dem Schutz der Geparden steckt. CCF besitzt insgesamt über 30 Geparden, welche in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Tiere, die ihre Mutter zu früh verloren haben oder nicht gesund sind, werden nicht frei gelassen, weil sie in der Wildnis nicht überleben würden. Diese Tiere leben in der Nähe der CCF-Zentrale und diese dürfen wir beobachten. Geparden sind wirklich faszinierende Tiere und man hat auch sehr viel Respekt vor ihnen, aber ich muss ständig an unsere Katze in Deutschland denken: Eigentlich sind Geparden auch nur süße Katzen, nur schwerer und kräftiger. (Streicheln würde ich sie aber trotzdem nicht :))

Die zweite Gruppe der Geparden werden in Zukunft wieder freigelassen. Sie leben weit weg vom Cheetah Conservation Fund und von der Cheetah Eco Lodge, damit sie möglichst wenig menschlichen Kontakt haben.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

Tag 18: Windhoek

Nach dem ausgiebigen Frühstück packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg in die Hauptstadt Windhoek. Nach 18 Tagen fahren wir heute wieder auf asphaltierten Straßen. Bis jetzt haben wir mit dem Linksverkehr kein Problem gehabt, nun kommt jedoch die Herausforderung: Auf den meisten Straßen Namibias gibt es kaum Verkehr, aber Windhoek ist natürlich etwas anderes. Ich übernehme die letzte Strecke und fahre bis zu unserer Unterkunft. Mein Freund, Max bekommt eine Aufgabe von mir: Jedes Mal, wenn ich abbiegen muss, muss er mich erinnern: LINKSVERKEHR. Die Aufregung war aber überflüssig, wir kommen ohne Probleme in unserer Unterkunft an und ich muss sagen, ich bin sehr stolz auf mich.

Wir werden im Windhoek Garden Guesthouse freundlich empfangen und können unser Auto im geschlossenen Hof, direkt vor unserem Zimmer parken. Nach den asphaltierten Straßen erwartet uns im Zimmer die zweite Überraschung: ein Fernseher. Mit gemischten Gefühlen verbringen wir unseren letzten Tag: Einerseits freut man sich natürlich über die europa-ähnlichen Bedingungen, andererseits vermissen wir bereits die unendlichen Landschaften und Schotterpisten.

Tag 19 -20: Goodbye Namibia – wir kommen wieder!

Unsere allerletzte Fahrt in Namibia führt uns zum Hosea Kutako Flughafen, wo wir schließlich unseren Mietwagen abgeben müssen. Nach 3921 km verabschieden wir uns von unserem treuen 4x4 Nissan Navara Double Cab, der uns kein einziges Mal im Stich gelassen hat. 

Nach drei wunderschönen Wochen in Namibia freuen wir uns auf unser Zuhause, auch wenn uns nur 3°C in Frankfurt erwarten. Während des Fluges sitze ich grinsend im Flugzeug: In drei Wochen ist so viel passiert, wir haben viel entdeckt und erlebt und gleichzeitig konnten wir die Seele baumeln lassen.

Meine erste Reise nach Afrika ist einfach perfekt geworden und jetzt stehe ich vor der schwierigen Entscheidung: in welches faszinierende Land geht meine nächste Afrika-Reise?

Entdecken Sie Namibia!

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