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Die Perle des östlichen Afrikas

Die Perle des östlichen Afrikas

Sicherlich immer noch ein Geheimtipp!

Seit 4 Jahren war ich nicht mehr hier…

Jahrelang habe ich Gruppen nach Uganda und Ruanda geführt und nun komme ich zurück. Es hat sich bestimmt nicht so viel geändert, denn – was ändert sich schon in Afrika schnell?

Weit gefehlt. Inzwischen gibt es Flüge innerhalb Ugandas, so dass man eine Fly In Safari machen kann. Und es haben einige neue Lodges und Camps eröffnet – auch, in vorher unzugängliche Gegenden. Deswegen bin ich hier! Und natürlich, um zurück zu kehren zu meinem Kindheitstraum: Der wundersamen Begegnung mit Gorillas und Schimpansen.

Bwindi Nationalpark

Nach den ersten zwei Nächten bei Freunden in Jinja und in einem netten Gästehaus in Entebbe mit Wiedersehen unserer Guides fliegen wir am nächsten Morgen nach Kisoro. Über bewirtschaftetes Farmland und über Berge, die zum Greifen nahe scheinen, geht es in nur knapp einer Stunde zum Airstrip Kisoro. Von hier fahren wir ca. 2 Stunden bis Nkuringo Village zur herrlich gelegenen und super schönen „The Clouds Lodge“. Der Manager Christian begrüßt uns mit einem starken Akzent, also frage ich, woher er kommt. Dachte ich mir doch: aus Österreich.

Wir bekommen eine Einweisung, was uns am nächsten Tag erwartet und welche Aktivitäten alle zur Auswahl stehen: vom Village-Walk über Gorilla Tracking, Besuch bei den Batwa-Pygmäen bis hin zur Vogelbeobachtung ist alles möglich.

Unser Butler zeigt uns unser Wohlfühl-Chalet mit großem Wohnzimmer, Schlafzimmer und offenem Kamin, der beide Zimmer verbindet. Das Essen hier ist echt lecker. Selbst für mich, als Vegetarier, gibt es zwei Mahlzeiten zur Auswahl. Ich bin begeistert.

Die Lodge macht ihren Namen alle Ehre, denn The Clouds Lodge liegt auf einem Berggrat. Hier oben, in fast 2.500m Höhe, entsteht oft Nebel und die Clouds Lodge liegt meist darüber – mit herrlichem Blick über die Virungaberge. Was gibt es Schöneres, als die Landschaft bei einer schönen Tasse Kaffee und Tee zu genießen?

Am Nachmittag unternehmen wir einen Village-Walk. Schön, wieder hier zu sein und die freundlichen, lächelnden Menschen und neugierigen Kinder um sich zu haben. Ja, das habe ich vermisst. Am späten Nachmittag kommt der Gesangsverein „The Singing Gorillas“ zu Besuch und wir erleben eine echt afrikanische Darbietung diverser Gesänge und Tänze von Groß und Klein. Der Kleinste von ihnen – ca. 2 Jahre alt und ein angehender großer Tänzer – fordert mich zum Tanz und natürlich fühle ich mich geehrt und tanze mit – sehr zur Belustigung aller anderen Zuschauer. 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum Ranger Office der Nkuringo Gruppe. Ich erfahre, dass es ab nächstem Jahr sogar eine zweite Gruppe geben wird und auch Rushaga eine weitere habituierte Gorrila Gruppe bekommen wird, was die Zahl der zu besuchenden Gorilla Gruppen hier auf insgesamt 7 (zwei Nkuringo Gruppen und 5 Rushaga Gruppen) aufstocken wird (es gibt noch 3 weitere Gorilla Gruppen, die von Buhoma aus und 2 die von Ruhija aus besucht werden können). Es sind also seit meinem letzten Besuch einige Gorilla Gruppen habituiert – an Menschen gewöhnt – worden. Eine Habituation von Gorillas dauert mind. 2 Jahre, in denen Gorillaforscher jeweils den ganzen Tag mit den Gorillas verbringen, die Verhaltensweise studieren und sie damit an die Anwesenheit der Menschen gewöhnen. 

Die Nkuringo Gruppe – die nicht einfach zu erreichen ist – besteht derzeit aus 19 Mitglieder, darunter 2 Silberrücken sowie ein ca. 4 Monate altes Baby. Hier – anders als in Buhoma oder bei den Gorilla Gruppen von Ruanda – gehen wir zuerst steil bergab. Das bereitet bereits einer indischen Teilnehmerin, die völlig unfit ist, einige Schwierigkeiten und so wird sie von 2 Porter (Träger, die man sich für 15,-USD am Ranger Posten mieten kann, was ich absolut für empfehlenswert halte, denn dadurch werden sinnvolle Jobs kreiert), mehr herunter gezogen, als dass sie selbst läuft. Alle anderen haben damit keine Schwierigkeiten. Unten angekommen haben wir Glück und die Gorillas halten sich tatsächlich im Tal auf. Während mancher Monate ist dies nicht so und man muss dann erst wieder bergauf gehen, um sie zu erreichen (und wohlgemerkt, man muss ja schließlich das Ganze auch wieder zurückgehen).  

Wir lassen kurz vor Erreichen (die voraus gegangen Tracker haben die Gorillas natürlich bereits gefunden) lassen wir unsere Rucksäcke bei unseren Trägern, holen unsere Kameras heraus und machen uns bereit für das Highlight der Reise:  1 Stunde dürfen wir mit den sanftmütigen Riesen verbringen. Obwohl ich bereits etliche Gorilla Gruppen besucht habe, bin ich immer noch sehr erfreut über die Begegnung. Und wer das einmal erlebt hat, der vergisst das zeitlebens nicht mehr. Zu tief berührt einen dieses unbeschreibliche Aufeinandertreffen. 

Zuerst sehen wir eine Gorilladame auf einen Baum, die ihr Junges (ca. 1 Jahr alt) liebevoll im Arm hält und dabei genüsslich auf ein paar Blättern kaut. Dann kommt einer der Silberrücken direkt auf einen der Teilnehmer zu und  biegt ca. 3m vor ihm in den Busch ab. Wir beobachten abwechselnd alle Mitglieder der Gorilla Gruppe und sind total fasziniert, sowohl von den Silberrücken, die sich gegenseitig etwas aus dem Weg gehen, als auch von dem jungen Baby, welches noch sehr unbeholfen im Schutz seiner Mutter herumtollt. Die Jugendlichen Gorillas beobachten uns mindestens genauso fasziniert, wie wir sie und machen Faxen, um – wie es scheint - unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch dann heißt es für die Gorilla Gruppe Aufbruch, fast so, als wüssten sie genau, dass die Stunde vorbei ist. Sie springen über einen kleinen Bach, einer der Jungtiere klettert auf Mamas Rücken, um sich tragen zu lassen, und sie verschwinden….

Die Stunde ging viel zu schnell vorbei. Wir alle sind begeistert und beeindruckt und schweigen eine Weile. Jeder noch damit beschäftigt, seine Eindrücke zu verarbeiten. 

Und dann kommt der Rückweg. Die indische Dame, die sich den Weg nicht zutraut, fragt die Rangerin nach dem „Rescue – Service“, einem Service, der einen den Weg auch wieder zurück trägt. Mit ca. 350,-USD (zahlbar vor Ort) nicht ganz günstig und eigentlich dafür gedacht, um verletzte Personen  zurück zu transportieren oder um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, dieses einmalige Erlebnis ebenfalls zu genießen. Oder aber manchmal auch, um Menschen, die eben nicht mehr können, zu helfen.

„Oh“, denke ich, „das ist prima. Denn nun erfahre ich endlich mal, wie genau das funktioniert“. 

Ich hatte noch nie Teilnehmer in meinen Gruppen, die hierauf angewiesen gewesen wären. Denn bisher sind alle meine Teilnehmer hervorragend zu den Gorillas und auch wieder zurück gekommen. Dafür kann man sich ja im Vorfeld bei uns über den Schwierigkeitsgrad der zu besuchenden Gorilla Gruppen erkundigen. Die Nkuringo Gruppe ist mit Sicherheit eine der Schwierigsten. 

Wir anderen gehen also voraus. Nach kurzer Zeit schon treffen wir auf einen Weg, der nicht anders ist, als bei uns in den Alpen. Wenig später sehen wir die Trage und 8 Männer an uns vorbei rennen. Als ob sie Marathonläufer im Wettbewerb sind, holen sie uns auch nach etwa der Hälfte der Strecke mit der Bahre und der darin liegenden Inderin ein. Kaum zu glauben, wie fit die Männer sein müssen, die nicht im Entferntesten wie unsere Bodybuilder aussehen. Einer von ihnen läuft sogar barfuß und die anderen in Gummistiefel. Sie wechseln sich beim Tragen ab und erreichen auch sehr schnell den Rangerposten, an dem wir vor ca. 5 Stunden gestartet sind. Wir folgen nur wenig später und erhalten unsere Urkunde, die beweist, dass wir am Gorilla Tracking teilgenommen haben. 

Am Spätnachmittag gönnen wir uns eine Massage in der Lodge. Die Mädels dort sind echt gut. In der Zwischenzeit werden unsere Kleider gewaschen und unsere Schuhe geputzt. So saubere Schuhe hatte ich nur frisch dem Erwerb. Nach dem Abendessen fallen alle müde ins Bett. Ich lausche noch etwas dem Prasseln des Kaminfeuers und spüre die wohlige Wärme, denn hier in knapp 2.100m Höhe ist es abends doch schon recht frisch, bevor ich mich ins Land der Träume verabschiede.

Schimpansen - Kibale Forest

Um 6 Uhr werden wir mit einer guten Tasse Tee geweckt, bevor wir den Weg zum Airstrip antreten. Wir haben uns entschlossen, unser Frühstück unterwegs einzunehmen und freuen uns über die Leckereien, die uns eingepackt wurden. 

Um 9h bringt uns der Flieger zu unserer nächsten Station: Kabale. Die Stadt liegt nur unweit vom Kibale Forest entfernt, in dem wir unser Schimpansentracking unternehmen. Wir fahren an dem Rwenzori Gebirge vorbei, welches mit über 5.000 Höhenmetern eine beeindruckende Kulisse bietet. Einige unserer Reisegruppe wollen dieses beim nächsten Besuch besteigen, doch mir wird es vorenthalten bleiben, denn ich werde ab ca. 3.000m höhenkrank. 

Wir erreichen unsere nächste Station: die sehr gemütliche Ndali Lodge, in der ich bereits früher gerne übernachtet habe. Man fühlt sich hier gleich, als ob man zu jemand Nachhause kommt. Kein Wunder, denn Aubrey, der Eigentümer, hat es liebevoll eingerichtet. Aubrey erzählt wie immer seine lustigen Geschichten und hatte offensichtlich einen schwierigen Tag hinter sich, denn er hat am Vorabend mit fast 50 Freunden seinen Geburtstag gefeiert. Nach dem Mittagessen geht es auf in den Kibale Forest, um unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, zu besuchen. 

Der Regenwald hier ist ganz anders, als beim Gorilla Tracking, denn hier ist alles flach.  Wir sehen Stummel- und Rotschwanzaffen, beides Lieblingsspeisen der Schimpansen, denn unsere Verwandten sind alles andere als reine Vegetarier – im Gegensatz zu den Gorillas. Der Kibale Forest ist Heimat von 13 verschiedenen Affenarten und beherbergt damit eine der meisten Primatenarten weltweit. 

Von weitem schon hören wir die Schimpansen rufen; ein durchdringender Schrei, der unverwechselbar ist, und wir folgen mit unserem Ranger fast im Dauerlauf einer Gruppe Schimpansen. Dann scheinen sie sich zu beruhigen und wir haben Zeit, Fotos von herumtollenden, fressenden und sich gegenseitig ärgernden bzw. lausenden Affen zu machen. Ein tolles Erlebnis und ein weiterer Höhepunkt jeder Uganda Reise. 

Ich freue mich auf die Schaukel in Aubreys wunderbarem Garten – mit direktem Blick auf den schönen Kratersee, der selbst von der Frühstücksterrasse aus zu sehen ist. Eine malerische Kulisse, die ich jedes Mal wieder von neuem genieße. Ich unternehme noch eine kurze Wanderung (als ob ich noch nicht genug gelaufen bin) um den Kratersee und beobachte dabei große Schmetterlinge, wie z.B. den Schwalbenschwanz, den wir bei uns nur noch sehr selten vorfinden, und einige Vögel. Es gibt auch diverse Wanderwege zu den mehr als 30 verschiedenen Kraterseen, zu einem Wasserfall und zu der benachbarten Kaffee- und Vanillefarm. Doch dieses Mal habe ich dafür keine Zeit, denn wir sind hier nur 1 Nacht.

Am nächsten Morgen fahren wir durch Fort Portal zur Kyaninga Lodge, um uns diese anzuschauen. Die auf Stelzen gebaute Lodge besteht aus mehreren komfortablen Blockhütten und bietet ebenfalls einen Blick auf den Kratersee und die weite Landschaft und ist wesentlich neuer und vielleicht auch ein bisschen moderner als die Ndali Lodge, aber dennoch bevorzuge ich das gemütliche Zuhause von Aubrey und seine lustigen Geschichten.

Semliki Wildschutzgebiet

Dann fahren wir weiter in ca. 2 Stunden zum Semliki Wildschutzgebiet und zur Semliki Safari Lodge. Schon die Fahrt, die das Escarpment hinunter bis in den Park führt, ist ein Erlebnis für sich. Im Park angekommen erwartet uns eine weitläufige Savanne. Die aus 8 komfortablen Zelte bestehende Semliki Safari Lodge ist die einzige Lodge innerhalb des Parks. Unseren Sundowner nehmen wir in malerischer Kulisse unter Palmen zu uns.

Am nächsten Tag geht es zur Bootsfahrt ans Südufer des riesigen Lake Albert. Die Berge des Kongos bilden eine großartige Kulisse zum See. Vorbei an Fischerdörfern und vielen kleinen Fischerbooten erreichen wir eine von Wasserhyazinthen bedeckte See Ebene und sehen einen Schuhschnabelstorch. Schon lange warte ich darauf, nahe an einen der wohl ursprünglichsten Vögel heran zu kommen. Wir nähern uns ganz langsam, stellen den Motor ab und werden das letzte Stück -nur noch ca. 8 m(!!) vom Storch entfernt – vorsichtig heran gestakt.

Noch nie hatte ich bei meinen Besuchen einen Schuhschnabelstorch aus solch nächster Nähe fotografieren können. Mit seinem übergroßen, wie einem Schuh wirkenden Schnabel, sieht er fast aus, als ob er jeden Moment nach vorne überfallen würde. Jede Menge Fotomotive bietet der hübsche Kerl, den es nur noch an gaaanz wenigen Plätzen in Uganda und Zambia gibt. Er fängt sogar einen Fisch, während wir ihn beobachten. Das Ganze geht in Sekundenschnelle, so dass ich kaum dazu komme, Bilder davon zu machen. 

Die Chance, hier im Semliki den seltenen Schuhschnabelstorch zu sehen, liegt bei guten 80%, sagt unser Guide. Und tatsächlich sehen wir auch noch den nächsten, als wir auf der Rückfahrt sind. 

Dann schauen wir uns auch noch die Brutkolonie der bunten Weißstirnspinte an, die an den steilen Uferhängen ihre Nester ins Erdreich graben. 

Ganz fasziniert von der Bootsfahrt und davon, einen der seltensten Vögel der Welt so nah gesehen zu haben, geht es zurück zum Camp. 

Am Abend kommt einer der Schimpansenforscher zu uns ins Camp und erzählt uns Spannendes über seine Arbeit. Wir stellen viele Fragen und er gibt bereitwillig Auskunft. Und so wartet am nächsten Tag ein weiteres Highlight auf uns: Wir begleiten die Schimpansenforscher bei ihrer alltäglichen Arbeit. Wir holen zwei der Forscher am frühen Morgen mit Einbruch der Dämmerung ab und bahnen uns mit dem Fahrzeug einen Weg durch das hohe Gras. Als Weg ist das eigentlich nicht zu erkennen und ich merke, dass selbst unser Guide unter Anweisung eines der Ranger Schwierigkeiten hat, den Weg auch nur annähernd zu identifizieren. Wir müssen dahin, wo die Forscher die Schimpansen am Abend verlassen haben, um sie in dem dichten Regenwald wiederzufinden. 

Schließlich erreichen wir einen „Eingang“ zum Regenwald und stellen das Fahrzeug ab. Der Regenwald erwacht gerade zum Leben, denn viele Vögel zwitschern zum Start in den neuen Tag. Auf einen gut ausgebauten Regenwaldweg – der Weg ist hier in Planquadrate unterteilt, deren Nummerierung an kleinen Blechtafeln an den Bäumen angebracht ist – gehen wir in die Richtung, in der die Forscher die Schimpansen verlassen haben. 

„Die Planquadrate sind wichtig, weil man sich ansonsten im Wald leicht verlaufen kann“, sagt Benjamin, der junge Forscher. Das glaube ich ihm gerne, denn hier sieht alles ziemlich gleich aus. 

„Wir haben Glück, dass die Schimpansen gestern relativ nahe waren, denn manchmal muss man schon große Strecken zurücklegen, insbesondere, wenn sie in den Hügeln hier sind.“ Benjamin freut sich darüber sehr.

Aber auch ansonsten hat der Regenwald eine eigenwillige Faszination. Ganz anders als im Kibale Forest sind hier Vegetation, Bäche, Vögel…. Eine eigene kleine Welt, in der man sich gut vorstellen kann, wie es war, als es noch wesentlich größere Regenwälder gab. Ein naher Vogelruf und Benjamin zeigt ganz aufgeregt auf einen blau-schillernden Vogel: Ein Riesenturako – selten zu sehen, aber sehr, sehr schön, hüpft durch das Geäst eines Baumes.

Etwas später kommen wir an einen Bachlauf. Darauf hat uns niemand vorbereitet. Wir schauen uns an und fragen uns, wie wir trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen sollen. Die Forscher und Ranger tragen Gummistiefel. Nun weiß ich auch, wieso. Ich hatte mich schon gefragt, wie sie es wohl den ganzen Tag in Gummistiefel aushalten. Aber ich denke, es ist besser, als mit nassen Trekkingschuhen herumzulaufen. Flinke Hände bauen mit großen Steinen und alten Baumstämmen schnell eine Möglichkeit, trockenen Fußes über den Bach zu kommen und Hände helfen uns dabei.

Etwas später, es ist inzwischen ca. 6.30h und es wird nun recht schnell hell, hören wir die durchdringenden Rufe der Schimpansen. Wir lauschen gespannt, aus welcher Richtung es kommt. Jetzt heißt es schnell sein. Benjamin und Zacchary unterhalten sich und gehen getrennte Wege. Wir bleiben mit Charles, unserem Guide, zurück. Sie wollen uns holen, wenn sie sie gefunden haben. Zacchary kommt bald zurück und winkt uns schon weitem, dass wir ihm folgen sollen. Also laufen wir ihm schnell entgegen, und weiter geht die Ralley durch den Wald. Wir hören nichts mehr. Zacchary bleibt stehen und lauscht. Wir alles sind ruhig. Dann macht Zacchary die Rufe der Schimpansen nach. Lauschen. Nichts.

Noch einmal versucht es Zacchary. Antwort kommt von Benjamin, der ebenfalls den Ruf nachmacht. Ein paar Rufe (zumindest schimpansenähnlich klingend) zwischen den beiden und Zacchary meint, dass sie auf der anderen Seite des Baches in der Nähe von Benjamin sind. Also wird wieder ein Provisorium gebaut und nix wie rüber über den Bach.

So geht es bestimmt noch eine gute Stunde. Ich freue mich darüber, denn ich genieße die besondere Waldatmosphäre. Inzwischen ist es sehr sonnig, aber hier im schattigen Wald noch sehr angenehm.

Dann endlich finden wir sie. Die Savannen-Schimpansen. Ich finde, sie sehen ähnlich aus, wie ihre Waldkollegen. Wir bekommen eine Einweisung in die Namen, die ich mir leider überhaupt nicht merken kann und wer von ihnen welche Rolle spielt. Schimpansen sind Politiker oder Strategen. Es gibt intelligente und welche, die man vorschickt, die aber weniger geistig fit sind. Fast so, wie bei uns Menschen also. Der Anführer hat seine Macht durch einen listigen Hinterhalt bekommen, hat dabei aber die Schmutzarbeit (das Verbeißen des bisherigen Gruppenführers) nicht selbst übernommen, sondern es einem starken anderen Schimpansen überlassen. Die Verhaltensweisen der Schimpansen sind die, unserer eigenen Rasse, halt doch sehr ähnlich.

Wir verbringen noch gut 1 Stunde mit ihnen, bevor sie lautstark zum Aufbruch rufen. Keine 5 Minuten später ist der Platz leer und alle Affen sind auf und davon. Benjamin und Zacchary folgen ihnen.

Wir aber gehen zurück und genießen unseren Nachmittag in der Lodge und fahren nur zum Sundowner an einen schönen Platz. Ein gelungener und empfehlenswerter Aufenthalt im Semliki, einem interessanten, aber fast vergessenen Park mit Schuhschnabelstörchen, Schimpansen, Regenwäldern, Bergkulissen und dem riesigen Lake Albert.

Murchison Falls Nationalpark

Früh aufstehen lohnt sich, denn wir wollen heute mit dem Flugzeug von Semliki nach Entebbe und von Entebbe zum Murchison Falls Nationalpark. Per Fahrzeug – ich kann mich erinnern – dauert das ganze ca. 7-9 Stunden und bietet wenig Interessantes unterwegs. Mit dem Flieger erreichen wir in einer Stunde Entebbe, haben dort ca. 2 Stunden mit langen Wegen, Security Check, langen Wegen, noch einen Security Check und Warten zu tun und fliegen dann in einer weiteren Stunde nach Bugungu, dem Airstrip am Murchsion Nationalpark.

Wir checken in der neuen Baker´s Lodge, im Süden des Parks ein. Sie gilt als eine der besten Unterkünfte im Park. Und tatsächlich: die nur 8 Chalets umfassende Lodge ist liebevoll eingerichtet und liegt direkt am Nil. Das Essen ist sehr gut und der Service von Owen und Nasamiri sind sehr professionell und überaus freundlich. Oft bringen sie uns zum Lachen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass sie auf der Südseite des Parks liegen und wir jedes Mal zur Tierbeobachtung mit der Fähre übersetzen müssen, um in den tierreichen Norden zu gelangen.

Wir unternehmen eine Nachmittagspirschfahrt und meine Begleiter sind allesamt begeistert von der spektakulären, einmaligen Landschaft. Ich hatte auch fast vergessen, wie schön es hier ist. Selbst für Winston Churchill, der ja ein bekennender Afrikaliebhaber war, war der Murchison Falls Nationalpark sein absoluter Lieblingspark. Kein Wunder, denn hier sieht die Gegend einmalig anders aus. Sanfte Hügel, Borassa Palmen, Akazien und darin jede Menge Rothschild-Giraffen, Uganda-Kob Antilopen (die nur hier vorkommen), Jacksons Kuhantilopen, Oribis und viele mehr….

Im Abendlicht wirkt die Szene gleich doppelt schön. Wir sind fast alleine auf einem Hügel mit wunderbarer Aussicht. 

Am anderen Morgen setzen wir mit der ersten Fähre (eigentlich sollte ich sagen, mit der zweiten, denn es haben noch viele andere die Idee gehabt und es passen nur ca. 8-10 Fahrzeuge auf die Fähre) um 7 Uhr über, um noch tiefer in den Park vorzubringen. Ziel ist das Nildelta, in dem es von Tieren nur so wimmelt. Hier, am nördlichen Ufer des Lake Alberts, fließt der Viktoria Nil in den See und verlässt ihn später wieder als der „Albert Nil“. Der Nil wird noch einige Male seinen Namen ändern, bevor er 6.852 km später in das Mittelmeer fließt. Der Nil ist nicht nur der längste Fluss Afrikas sondern auch der längste Fluss der Welt. Es ist auch einer der wenigen Flüsse, die nordwärts fließen.

Am Nachmittag holt uns unser privates Boot von der Lodge ab und wir fahren bis zu den spektakulären Murchsion Fällen. Unterwegs halten wir öfters, um viele Vögel, Büffel, Elefanten, Krokodile, Nilpferde uvm zu beobachten. Nachdem wir unzählige Fotos von den Fällen gemacht haben, setzt uns der Bootssteuermann am Ufer, unweit der Fälle, ab und wir wandern zu den sogenannten „Top of the Falls“. Immer wieder entschädigen einmalige Ausblicke auf die Fälle für den doch sehr anstrengenden Aufstieg. Die Tsetsefliegen machen das Ganze auch nicht gerade besser. 

Am oberen Ende der Fälle (ca. 30-45 Minuten Gehzeit, je nach Kondition und Pausen zum Fotografieren) erwartet einen der spektakuläre Höhepunkt, an dem sich der Nil mit ohrenbetäubendem Getöse durch eine ca. 7m breite Engstelle zwängt. 

Unser Guide Charles erwartet uns hier bereits mit kühlem Wasser und einer Obstplatte. Wir sind uns einig: ein kaltes Bier wäre uns jetzt lieber gewesen….

Kidepo Valley

Ein ca. 1,5 stündiger Flug bringt uns zum Kidepo Valley Nationalpark in die äußerst nordöstliche Ecke Ugandas. Schon beim Überflug sehen wir riesige Büffelherden in einer grandiosen Savannenlandschaft. Dachte man schon, dass der Murchison Falls Nationalpark der wohl schönste Park Ugandas ist, übertrifft der Kidepo Valley Nationalpark noch einmal alles. Hier hat man das Gefühl, in weite, und vor allem unberührte Savannenlandschaft zu kommen: Out of Africa Feeling pur. Vergleichbar mit den Weiten der Masai Mara und der Serengeti – nur eben, dass man den Park für sich alleine hat. So muss Afrika vor 100 Jahren ausgesehen haben….

Die Apoka Safari Lodge liegt in einer traumhaften Kulisse, die man nie wieder vergisst. Soviel steht für uns fest: Hierher muss man wieder kommen, wenn man Afrika GENIESSEN will! 

Büffel, Wasserböcke, Warzenschweine, Steppenzebras, Schakale und die seltenen Patas Affen sind auf dem ganzen Grundstück allgegenwertig und begegnen uns oftmals auf unserem Weg ins eigenen Chalet. Manchmal kann es einem mulmig werden, wenn man so nah an Büffel vorbei geht, die einen mustern, aber sich nicht von der Stelle rühren. Zu sehr sind sie an die Menschen hier gewöhnt und wissen, dass ihnen von denen keine Gefahr droht. 

Als ich wieder einmal auf dem Weg von unserem sehr weit unten liegenden Chalet in Richtung Swimmingpool gehe, steht eine Warzenschweinfamilie auf meinem Weg. Eine Sau, ein Keiler und 7 Junge. Die Mutter schaut mich angriffslustig an. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich ziehe es auf jeden Fall vor, einen weiten Bogen um sie zu machen. Mike lacht, als ich ihm von der Begegnung erzähle. „Du hättest einfach nur weiter gehen müssen.“, sagt er. 

Ein paar Tage später lache ich. Ich gehe zum Chalet und stelle fest, Mike hat den Schlüssel. Weil ich den weiten Weg nicht wieder zurückgehen will, warte ich auf ihn. Keine 5 Minuten später kommt er. Ich schaue ihn an, wie er schon von weitem auf den Weg konzentriert ist (es sind alles große Steine, bei denen man sehr aufmerksam sein muss, um nicht zu stolpern) und die gleiche Warzenschweinfamilie ca. 10m vor mir den Weg blockiert. Mike geht unbehelligt. Ich glaube, er hat sie nicht bemerkt. 3m, bevor er die Familie erreicht, grunzt die Sau und Mike schaut das erste Mal hoch. „Hast Du mich erschreckt“, spricht er der Sau entgegen. Die schaut ihn unbehelligt und offensichtlich missmutig an. „Komm ja nicht auf die Idee, mich anzugreifen.“ Er überlegt kurz und macht ebenfalls einen weiten Bogen um die Familie. 

„Hahaha, musst einfach weiterlaufen!“ sage ich ihm entgegen. So kann es kommen…

Die Chalets sind sehr geräumig mit großem Wohn-/Schlafzimmer, großem Badezimmer mit Dusche und Blick nach draußen, Außensteinbadewanne und nicht zuletzt einer herrlichen Terrasse mit Blick über die afrikanische Weite! 

Stundenlang kann man hier sitzen und einfach nur schauen. Oder auch nur „sein“.

Der sympathische spanische Manager Oskar liebt die Gegend und seinen Beruf. Das merkt man ihm voll an. Selbst vom Hauptdeck aus hat man grandiose Aussicht auf die Savanne und die umliegenden Berge. Ein kleines Wasserloch für die Tiere ist wie ein Magnet und man hat hier täglich einen neuen Tierfilm. Alle Tiere kommen hier zum Trinken und können sehr nah beobachtet werden. Der große Felsenswimmingpool (ebenfalls mit Aussichtsterrasse – versteht sich) lädt nicht nur uns zum Abkühlen und Entspannen ein, sondern ist auch für trinkende Tiere willkommen. Wasserböcke beäugen uns manches Mal gewissenhaft, bevor sie – während wir uns ganz still verhalten – zum Trinken kommen. Die seltenen Husarenaffen kommen ebenfalls hierher.

Die Wildbeobachtungsfahrten sind sehr ergiebig. Wir beobachten riesige Büffelherden bis zu 3.000 pro Herde (insgesamt gibt es hier über 11.000 Büffel) Riedböcke, Giraffen, Zebras, Oribis. Wir hören Löwen brüllen und finden diese auch. Spartakus und sein jüngerer Bruder haben einen Büffel gerissen und überlassen nichts davon den Geiern, die geduldig warten. Hyänen und Schakale hören wir nachts ebenfalls. Es gibt hier wohl insgesamt 3 Rudel in dem ca. 1.400km² großen Park, eines davon mit 27 Rudelmitglieder und angeführt von Stallone. Leider finden wir dieses Rudel nicht. 

Dafür haben wir 3 Tage später wieder das Vergnügen mit Spartakus, der mit seinem Bruder wieder nachts einen jungen Büffel gerissen haben müssen, von dem jetzt nur noch der Kopf übrig ist. Die zwei scheinen einen gesunden Appetit zu haben.

Wir unternehmen während unseren Aufenthalts hier 2 wunderschöne Wanderungen durch tierdichtes Gebiet. Die Tiere haben kaum Scheu vor Menschen und lassen uns schon sehr nahe an sich heran. Das bin ich bisher noch auf keiner Wanderung gewöhnt. Die malerische Kulisse mit den phantastischen Bergpanoramen (die Berge reichen bis auf ca. 2.900 m Höhe) tun ihr übriges, uns einen spektakulären Aufenthalt zu bieten.

Auch durch eine große Herde Büffel führt unser Weg. Ich gehe gemütlich hinter dem Guide her, doch als ich einen Vogel – eine Gabelracke – über mir bemerke, schaue ich in die Luft und achte nicht auf den Weg. Gerade ruft unser Guide noch, dass ich schnell kommen solle (der Guide und Sangeeta stehen auf einem Termitenhügel). Also gehe ich schnell aus sie zu und….schwupps… fehlt mir der Boden unter den Füßen. Bis zur Hüfte stecke ich fest. Wo bin ich und was ist passiert? Mein Guide kommt herbei geeilt und ich muss unwillkürlich über seinen besorgten Gesichtsausdruck lachen…. Ich bin doch tatsächlich in ein Warzenschweinloch gefallen. 

„Hahahaha, warum habt Ihr keine Bilder gemacht?“, frage ich, als ich mich aus dem Loch befreit habe. Aber die zwei haben sich viel zu viel Sorgen gemacht, als ich „plötzlich wie vom Erdboden verschwunden bin…“

Hier im Kidepo Valley bieten sich auch noch weitere interessante Ausflüge und bis zu 20 weitere Wanderungen an, die allesamt interessant und spannend sind. 

Ein Ausflug hiervon führt zu der Karamajong Tribe. Hier haben Sie einen kleinen Einblick bei den Dorfbewohnern, deren Riten und Lebensweisen.

Ein besonderes Ereignis allerdings ist ein Tagesausflug zum Volk der Ik. Dieser kleine Volksstamm von nur einigen tausend Menschen wurde vor Jahren aus dem Kidepo Valley Nationalpark in die Berge vertrieben. Dort leben sie isoliert von der Außenwelt. Seit einigen Jahren ist es möglich, diesen Volksstamm zu besuchen und deren interessanten Lebensweisen und traditionellen, von Mythen geprägten Rituale kennenzulernen. Allerdings ist hierzu eine nicht ganz einfache Ganztages-Bergwanderung erforderlich. 

Für mich hat das Kidepo Valley eines der letzten unberührten Weiten. Es erinnert stark an die unendlichen Ebenen der Serengeti – allerdings sind Sie hier ganz alleine mit sich, der Natur und den Tieren. Besuchen Sie das Kidepo Valley – eine Einzigartige Natur!

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