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Das wilde und unberührte Sambia

Das wilde und unberührte Sambia

South Luangwa: Der spannendste Nationalpark im südlichen Afrika

Die erste positive Überraschung meiner 3-wöchigen Reise durch das wilde und unberührte Sambia erwartet mich sofort nach meiner Ankunft am Flughafen Lusaka.

Bereits am Rande des Rollfelds werde ich von zwei fröhlich lächelnden Angestellten von Robin Pope Safaris herzlich begrüßt. Es dauert keine 5 Minuten, bis ich Dank ihrer Unterstützung mein Visum im Pass habe, an der Zollkontrolle vorbei bin und wir mit meiner Reisetasche auf dem Weg zum Anschlussflug in Richtung South Luangwa sind.

Ich muss mich um nichts kümmern und genieße einfach die Vorfreude auf einen der spannendsten Nationalparks im südlichen Afrika!

South Luangwa Nationalpark

Nsefu-Sektor

Am Mfuwe Flughafen, kurz außerhalb des Parks, erwartet mich mein freundlicher Guide und auf geht es zum abgelegenen Nsefu-Sektor im Norden des Parks. Schon auf der Fahrt zum Nsefu Camp bereiten mir Giraffen, Elefanten, Impala- und Puku-Antilopen einen herzlichen Empfang.

Im Nsefu Camp werde ich mit einem leckeren und herrlich erfrischendem Saftcocktail und einem atemberaubenden Blick auf den mächtigen Luangwa Fluss begrüßt. Obwohl gerade keine Essenzeit ist, stehen einige Leckerein zur Stärkung bereit – ich hätte ja schließlich eine lange Anreise hinter mir und bestimmt Hunger. Frisch gestärkt reiße ich mich von dem tollen Blick los und wir brechen zur ersten Pirschfahrt auf.

Schon am ersten Tag hält der South Luangwa etwas ganz besonderes für mich bereit: auf einer großen, offenen Grasebene entdecken wir einige Löwinnen, die in vollkommener Ruhe vor sich hin dösen. Als wir uns dem Rudel nähern, stürzen sich drei Löwenjunge ins Dickicht – sie haben noch nie in ihrem Leben ein Fahrzeug gesehen. Wir bleiben in einiger Entfernung stehen und unsere Geduld wird belohnt, als nach einiger Zeit ein Löwenbaby den ersten Vorstoß wagt, einige Schritte aus dem Busch hervor kommt und uns neugierig aus seinen großen blauen Augen anstarrt.

Es ist auf der Hut, wagt sich aber langsam vor. Kurz darauf folgen seine Geschwister und nachdem sie begriffen haben, dass von uns keine Gefahr ausgeht, machen sie was Kinder einfach am liebsten tun: sie spielen, tollen umher, balgen sich vergnügt auf der Wiese und versuchen erfolglos ihre dösende Mutter zum Mitmachen zu animieren. Die Zeit vergeht wie im Fluge und es ist wunderschön, inmitten dieser Wildnis - abseits jeder Wege und ohne Anzeichen von Zivilisation - diese faszinierenden Tiere zu beobachten. Die Szenerie wird gekrönt von Antilopen, die in der Ferne grasen, einem Krokodil, das sich am Ufer eines kleinen Seitenarms des Luangwa-Flusses sonnt und Flusspferden, die träge im Wasser liegen und um die Wette grunzen.

Nach diesem tollen Erlebnis sucht der Guide einen Platz, von dem aus wir den perfekten Sonnenuntergang bei einem kühlen Drink genießen können. Zurück im Camp lasse ich mir ein hervorragendes Essen schmecken und lege mich danach erschöpft aber glücklich über diesen ersten, aufregenden Tag in mein bequemes Bett. Die Hippos unterhalten sich noch lange, während mir schnell die Augen zufallen.

Am nächsten Morgen steht etwas Besonderes auf dem Programm: Ich unternehme unter der Führung von der erfahrenen Rangerin Debbie Tittle und dem Scout Brandon eine Walking-Safari durch den Nsefu-Sektor. Den Busch zu Fuß zu erleben ist ganz anders als aus dem Fahrzeug heraus. Alles ist intensiver und man hat das Gefühl, die Wildnis jetzt erst richtig zu fühlen, zu riechen und zu hören.

Debbie Tittle, die laut dem Magazin Vanity Fair zu den drei besten Safari-Guides im gesamten südlichen Afrika gehört, bringt mir den Busch so nah wie nie zuvor. Wir lesen die Spuren der verschiedensten Tiere, nähern uns behutsam Antilopen und Giraffen und ich lerne viel über das komplexe Verhalten von Elefanten und Büffeln, denen wir auf unserem Weg begegnen. Ich koste von der Frucht des Tamarinden-Baumes und rieche den süßlichen Geruch der männlichen Giraffen, bevor wir sie überhaupt zu Gesicht bekommen. Wir pausieren an einem malerischen Teich, in dem Nilpferde sich durch die Wasserpflanzen fressen und Störche nach Fischen schnappen. Stellen wir in Bewegung für die meisten Tiere eine Bedrohung dar, so entspannen sie sich, wenn wir uns ruhig auf den Boden setzen. So können wir in aller Ruhe die elegant vorbeiziehenden Giraffen, Warzenschweine auf der Suche nach nahrhaften Gräsern und Wurzeln und junge Antilopenmännchen bei ihren Rangkämpfen beobachten. Ich habe ein bisschen das Gefühl ein Teil dieser Wildnis zu werden und möchte den Augenblick gar nicht zu Ende gehen lassen.

Gegen Mittag erreichen wir unser Nachtlager. Debbies Helfer haben ein Zelt aufgebaut, mit bequemen Matratzen, einem Nachttischchen und einer Gepäckablage ausgestattet und auch eine Buschdusche und eine -toilette vorbereitet. Natürlich erwartet mich auch ein grandioses Mittagessen mitten im Busch unter einem schattigen Baum und in Sichtweite des Luangwa-Flusses. Während des Essens schaue ich einer großen Flusspferdfamilie zu, die sich am Ufer des Flusses in der Nachmittags-Sonne ausruht. Am aktivsten sind noch die Kleinen, die unter den wachsamen Augen und nie zu weit entfernt von ihrer Mutter die Umgebung erkunden. Nimmt man sich die Zeit, die Tiere einmal in Ruhe zu beobachten, offenbaren sich die unterschiedlichen Charaktere und das eindrucksvolle Sozialverhalten. Eine Einsicht in die Tierwelt, die man auf Safaris im Fahrzeug kaum bekommt.

Am Nachmittag machen wir uns noch einmal auf den Weg und stoßen auf frische Leoparden-Spuren im Sand. Kurz darauf hören wir das laute Gezeter der Paviane, die sich über einen Eindringling beschweren. Aufgeregt folgen wir der Spur und den Rufen, doch die Leoparden-Dame, die laut Debbie besonders scheu ist, ist uns immer einen Schritt voraus. In der Ferne kann Debbie lediglich einen kurzen Blick auf das Tier erhaschen – es war dennoch ein Abenteuer. Wir genießen die warmen Farben des Sonnenuntergangs am Luangwa Fluss, scheuchen aus Versehen noch ein kleines Krokodil auf, das wir natürlich in Augenschein nehmen, und machen uns auf den Weg zurück zum Camp.

Zurück an unserer Zeltstätte sitzen wir gemütlich am Feuer, erzählen uns Geschichten über Afrika, lauschen den Geräuschen der Natur und genießen ein wundervolles Abendessen an einem schön gedeckten Tisch. Es erscheint fast ein wenig bizarr in dieser Abgeschiedenheit. Es ist eine sternenklare Nacht und hinter uns steigt der volle Mond auf. Wir lernen das Sternbild des Skorpions kennen und sehen zum ersten Mal das Kreuz des Südens. Nach einer heißen Dusche, die gleichfalls von den guten Geistern des Camps vorbereitet wurde, schlafe ich selig im Herzen des Busches ein.

Nach einem einfachen aber leckeren und stärkenden Frühstück am Feuer machen wir uns wieder auf den Weg. Auch heute lernen wir eine Menge über die kleinen und großen Tiere der Savanne wie auch über die reichhaltige Fauna. Wir stoßen auf eine Gruppe von Meerkatzen (Vervet Monkeys). Sie sind ganz aufgeregt ob unserer Anwesenheit, entspannen sich aber, als wir innehalten. Diese Geschöpfe stehen dem Menschen so nah, dass die kleinen Affen sich tatsächlich auf Debbies Kuckuck-Spiel einlassen, das unsereins mit kleinen Kindern spielt.

Zur Mittagszeit erreichen wir das Schwestercamp von Nsefu: Tena Tena. Es ist ein unheimlich idyllisches, ruhiges Zelt-Camp in einer wunderbaren Lage an einem Seitenarm des Luangwa Flusses. Ein ausgewählt gutes Mittagessen setzt einen würdigen Schlusspunkt unter die zweitägige Wandertour, die rundum eine außergewöhnliche Erfahrung war.

In der Mittagszeit, in der eigentlich Siesta (also Ausruhen) angesagt ist, hält es mich nicht in meinem komfortablen Zelt und ich mache einen Spaziergang durch das Camp. In der Lounge treffe ich auf den äußerst netten Manager Sam, mit dem ich etwas plaudere. Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung zwischen den weiter hinten liegenden Zelten. Eine kleinere Antilope wagt sich doch tatsächlich mitten ins Camp. Sam klärt mich auf: es ist „Bushy“, ein halbzahmer Buschbock, der des Öfteren zum Grasen kommt. Mit vorsichtigen Schritten nähere ich mich und beobachte Bushy aus der Nähe.

Nach einer netten Unterhaltung setze ich mich in einen kleinen Hide, ein Versteck am Ufer des Flusses, und schaue aus nächster Nähe einem Hippo im Wasser zu. Ich versuche den Moment zu fotografieren, in dem er sein Maul aufreißt und die mächtigen Zähne zu erblicken sind. Aber irgendwie scheint er etwas dagegen zu haben, denn sobald ich die Kamera hebe lugt er mit seinen kurz über dem Wasser liegenden Augen einfach nur träge in meine Richtung.

Mfuwe-Sektor

Am nächsten Morgen setzen wir mit einem kleinen Boot über den Fluss. Immer in Blickweite der Hippos und wohl wissend ob der vielen Krokodile – allein das ist ein Abenteuer. Auf der anderen Seite erwartet mich nicht nur ein weiteres freundliches Team von Robin Pope Safaris, sondern auch ein Leopard, den der Guide gerade erblickt hat, als wir mit dem Boot am Ufer anlegen. Rasch steige ich in das Fahrzeug und wir folgen dem schönen Tier, bis er kurz darauf im Dickicht verschwindet.

Auf der Fahrt nach Süden in den zentralen Bereich des Parks passieren wir die alten Bekannten, Pukus und Impalas, und ich entdecke erstmals auch Wasserböcke und Zebras. In einem kleinen Tal duftet es intensiv nach unzähligen Jasmin-Büschen.

Nach einer aufregenden Transfer-Fahrt erreichen wir die Kafunta River Lodge. Sie ist an einer weiten, grünen Grasebene gelegen. Von der Terrasse meines kleinen Holzchalets aus kann ich den Tieren beim Trinken und Grasen zuschauen. Ein kleines Baumhörnchen flitzt über die Veranda und verschwindet im nächsten Baum.

Auch die Wildbeobachtungsfahrt am Nachmittag ist ein Erlebnis, das ich sicherlich nie vergessen werde. Nachdem wir zunächst mit einer handbetriebenen Fähre über den Fluss gesetzt sind und einer Giraffenfamilie beim Fressen zugeschaut haben, machen wir schon bald ein Löwenrudel aus. Das junge Männchen zeigt uns seine beachtlichen Zähne, muss aber seine Mähne noch ein bisschen wachsen lassen, bis es mit den ganz Großen mithalten kann.

Als sich eines der Weibchen erhebt und sich ein wenig von den anderen Löwen absondert wird es spannend: leise ruft sie – ein dünnes Fiepen ist die Antwort. Ein kleines, wenige Wochen altes Löwenjunges kommt aus dem Busch getapst und schmiegt sich an seine Mutter. Nach einer gründlichen Körperwäsche mit der Zunge legt sich die Löwin auf die Seite und lässt ihr Junges trinken. Einige weitere Löwinnen tauchen aus dem Busch auf und begrüßen beinahe zärtlich die Mutter mit ihrem Jungen. Es ist eine schöne Szene, die ich mit großen Augen in mich aufnehme.

Zum Sundowner gibt es einen Drink an einem der vielen Tümpel, die voller zwitschernder Vögel sind. Im letzten Licht des Tages ist er in sanfte Grün- und Violetttöne getaucht. Auf dem Weg zurück zur Lodge kreuzt in der Dunkelheit eine Hyäne unseren Weg – ich finde sie gar nicht so hässlich wie sie ihrem Ruf nach sein soll.

Am nächsten Morgen frühstücke ich auf der großen Terrasse in der warmen Morgensonne. In der Ferne zieht eine Herde Elefanten vorbei. Libellen tanzen über den vielen kleinen Pfützen, die noch auf der Grasebene stehen.

Dann geht es weiter zur nächsten Station: dem Puku Ridge Camp. Mein neues Heim ist wieder ein Zeltchalet. Wobei das mit Zelt eigentlich gar nichts mehr zu tun hat. Das Zimmer ist riesig, luxuriös. Ein edles Bad mit Innen- und Außendusche und sogar einer Badewanne, ein wunderbar großes und bequemes Bett, eine schick möblierte Leseecke und eine eigene Terrasse mit Blick auf die angrenzende, große Grasebene.

Auf diese blickt man auch vom Hauptbereich der Lodge aus, wo uns Merle, die Managerin, einen Überblick über das Camp und die Abläufe geben will. „Geben will“ deshalb, weil wir vor lauter Tieren auf der Ebene kaum zum Sprechen kommen. Elefanten, Zebras, Paviane, Pukus, Impalas, Warzenschweine und eine kleine, scheue Familie Zebramangusten ziehen uns in ihren Bann. Hier beginnt die Safari direkt im Camp!

Als Aktivitäten steht neben Pirschfahrten auch eine Wanderung zu Fuß auf dem Programm. Der morgendliche Busch-Spaziergang führt uns zu Elefanten und einer großen Büffelherde, die wir über einen kleinen Flusslauf hinweg beobachten können. Die Tiere starren uns teils neugierig, teils misstrauisch an. Es ist ein Schauspiel, der großen Familie zuzuschauen, den alten und jungen Tieren. Und natürlich den Madenhackern (Oxpecker), kleinen Vögeln, die die Parasiten aus dem Fell der Büffel picken.

Den Nachmittag verbringe ich auf der Terrasse des Hauptgebäudes. In den hängenden Schaukelstühlen lässt es sich wunderbar entspannen und ich genieße einfach die Ruhe und die Gegenwart all der faszinierenden Geschöpfe, die sich wieder einmal auf der Ebene versammelt haben.

Am Abend dann eine schöne Überraschung: nichtsahnend steige ich mit einigen anderen Gästen auf den Safari-Wagen und unser Guide Alix fährt uns auf eine kleine Anhöhe in der nähe des Camp. Plötzlich tauchen vor uns in einem Halbkreis stehende Stühle und ein kleiner Tisch mit Getränken und einigen Snacks auf. Das ganze wird romantisch von Windlichtern beleuchtet. Wir schauen in die lachenden Gesichter des Puku Ridge Personals.

Erfreut über dieses besondere Arrangement erleben wir gemeinsam einen atemberaubenden Sonnenuntergang in allen Schattierungen von Gelb, Orange und Rot. Wir genießen ein Glas Wein und schauen hinab in die Ebene mit ihrer unendlichen Weite, abertausenden von Büschen und Bäumen. Alles ist in das warme Licht getaucht, das so typisch für Afrika ist.

Ein absolutes Kontrastprogramm erwartet mich im nächsten Camp: Kuyenda. Von weitem kaum erkennbar, liegen nur 4 kleine Hütten mitten im Busch. Die kleinen Rondavels sind aus Bambus erbaut, Stroh gedeckt und nur mit ein wenig Draht zusammengehalten. So einfach die Unterkunft auch ist, es ist alles Nötige vorhanden und ich finde diesen rustikalen Stil einfach wunderbar. Hier fühlt man sich der Wildnis richtig nah.

Eine leichte Brise weht durch die große, fast offene Front der Hütte. Das Duschwasser wird von fleißigen Helfern erhitzt und auf eine Plattform mit kleinem Wasserspeicher hinauf geschleppt. So lässt sich auch mitten im Busch angenehm duschen. Von meinem Bett blicke ich direkt auf eine dichte Gras- und Buschlandschaft. Die Atmosphäre im Camp ist sehr familiär – der herzlichen Lodge-Managerin Babette sei dank.

Auf der Pirschfahrt am Nachmittag habe ich ein denkwürdiges Erlebnis mit einem Elefanten. Wir fahren einen Weg zwischen dichten Bäumen und Büschen hindurch, als plötzlich direkt vor uns ein junger Elefantenbulle auftaucht. Wie Teenager eben so sind, will er uns imponieren und kommt mit flatternden Ohren und trompetend auf uns zugestürmt, nur um dann abrupt zu stoppen und den Rückwärtsgang einzulegen. Obwohl unsere Herzen schneller schlagen hat sich unser Guide davon natürlich nicht einschüchtern lassen. Der Halbstarke wagt noch einen kurzen Vorstoß, zieht sich dann aber endgültig zurück und verschwindet so schnell im Dickicht, wie er aufgetaucht ist.

Bei unserer Rückkehr wartet ein wunderschön gedeckter Tisch voller Kerzen und kunstvoll gefalteter Servietten auf uns. Nachdem wir alle auch mit dem hervorragenden Dessert fertig sind begleitet mich Phil, der Guide im Kuyenda, zu meiner Hütte. Er hält vor allem nach Büffeln Ausschau, die wohl oft in die Nähe des Camps zum Grasen kommen. Sicher gelangen wir zu meinem Heim und erschöpft aber glücklich ob des spannenden Tages falle ich ins Bett.

Ein Knistern und Rascheln weckt mich auf. Ich hebe den Kopf und versuche draußen etwas zu erkennen. Es ist dunkel, aber der Mond legt ein leichtes Licht auf die Erde. Trotzdem lässt sich nichts ausmachen, was die Geräusche verursachen könnte. Ich habe keine Ahnung wie spät es ist. Es knackt wieder.

Mein Puls beschleunigt sich. Möglichst leise stehe ich auf und gehe die wenigen Schritte bis zum Rand meiner Hütte, blicke durch das Drahtgeflecht, dass das Fenster darstellt, nach draußen. Die Geräusche kommen von rechts, merke ich. Klingen nah, sehr nah. Ich stehe mucksmäuschenstill da und bewege mich nicht. Ich sehe ihn erst nur aus den Augenwinkeln. Gemächlich fressend stapft er weiter, bis er direkt vor mir steht. Ein Büffel, männlich, und riesig. Stände ich nicht in meiner Hütte, könnte ich einen Schritt nach vorne machen und ihn anfassen. Der Bulle kommt mir unheimlich groß und massiv vor, ganz anders als wenn man die Tiere aus einem Jeep heraus beobachtet.

Ich habe kaum Angst, genieße eigentlich mehr diesen eindrucksvollen Moment. Das Tier nimmt keine Notiz von mir, frisst gemütlich das Gras vor der Hütte, bis es aus meinem Gesichtsfeld verschwindet. Ich bleibe noch einen Augenblick stehen, bis ich wieder zurück ins Bett gehe. Es dauert noch einen Moment bis ich wieder einschlafe. Am nächsten Morgen bin ich froh, dass Phil mich abholen kommt für den Weg zum Hauptbereich, und Ausschau hält – nach den Büffeln.

Geweckt werde ich an diesem Morgen allerdings nicht von Phil, sondern von den ersten Sonnenstrahlen, die mir direkt ins Gesicht scheinen. Direkt vom Bett aus kann ich einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten, der langsam den Busch und meine Hütte erhellt. Im Camp zeigt Phil mir neben den Spuren der Büffel auch ganz frische Hyänen-Abdrücke. Er und einige andere Gäste haben in der Nacht auch ihr Heulen gehört. Nach dem Frühstück machen sich alle bereit für die Pirschfahrt. Plötzlich fangen Paviane ganz nah am Camp an zu schreien, geben „Alarm Calls“.

Irgendetwas hat sie aufgeschreckt. Phil mahnt uns zur Eile und schnell sitzen wir alle im Landrover. Die Affen sind nur wenige Meter vom Camp entfernt, aber der Busch ist hier noch sehr dicht und es ist schwierig etwas zu erkennen. Im Dickicht gibt es eine kleine Wasserstelle und Phil meint, dass die Affen dort wohl einen Löwen oder ein Leoparden gesehen haben.

Am Nachmittag unternehmen wir einen interessanten Bushwalk, der in einem gemütlichen Sundowner mitten in der Wildnis ausklingt. Am Abend hält Babette eine besondere Überraschung für uns bereit. Es gibt typisch sambisches Essen: Nshima, in Wasser gekochtes Maismehl. Wir essen ausschließlich mit der rechten Hand, formen aus dem Brei eine Kugel, und tauchen sie in Spinat, Kohl oder den köstlichen Hühncheneintopf.

Nach einem ausführlichen Frühstück machen wir uns am nächsten Morgen frisch gestärkt auf zu einer langen Tour – heute besuche ich weitere Lodges der Bush Camp Company. Das erste Schauspiel des Tages erwartet mich, als ich zum ersten Mal den Kapamba Fluss zu sehen bekomme. Einen Zufluss des Luangwa. Eine ganze Herde Puku Antilopen springt behände durch das seichte Wasser. Es scheint, als könnten sie über das Wasser gehen, das von weitem sehr viel tiefer aussieht, als es in Wirklichkeit ist. Der Kapamba ist zu flach für Flusspferde und Krokodile und bietet daher keine Gefahren für Antilopen. Keine Gefahr für Antilopen, keine Gefahr für mich, denke ich mir, und wate in das knietiefe Wasser, was in der Hitze des Mittags sehr erfrischend ist.

Das Ziel für diesen Tag ist das Chindeni Bush Camp. In der komfortablen und modern eingerichteten Lodge kann ich mich in einer Hängematte auf der eigenen Terrasse ausruhen, während ich den fantastischen Blick auf den Luangwa Fluss und die in der Ferne liegenden Berge, die Chindeni Hills, genieße. Es ist so friedlich, den Elefanten zuzusehen, die in der Ferne vorbeiziehen.

Die abendliche Ausfahrt bietet Adrenalin pur: während der Guide sich auf das Fahren konzentriert, sucht ein sogenannter Spotter auf dem Beifahrersitz mit einem Scheinwerfer nach in der Dunkelheit blitzenden Augen. Wo wir nur graue Schatten sehen, hält er den Schein der Lampe plötzlich auf einen Punkt fixiert. Der Guide stoppt das Fahrzeug.

Erst bei ganz genauem Hinsehen erkennen wir die Konturen und nur langsam bildet sich das ganze Bild. Ein Leopard liegt im Busch auf der Lauer. Wahnsinn, wie er den gesehen hat. Nicht weit entfernt grasen zwei Pukus, auf die es der lautlose Jäger wohl abgesehen hat. In unserer Anwesenheit scheint er jedoch in seinem Vorhaben gehemmt und nachdem wir den wunderschönen Anblick dieses eleganten Tieres einige Momente genossen haben, entscheidet der Guide, ihm Ruhe für seine Jagd zu lassen.

Am nächsten Morgen begeben wir uns wieder einmal zu Fuß auf den Weg durch den Busch. Walking-Safaris sind ein Schwerpunkt der Bush Camp Company. Mit den hervorragenden Guides wird es nie langweilig, die Natur hat so viel Interessantes zu bieten. Natürlich ist es immer wieder ein Highlight, wenn man ohne den Schutz eines Fahrzeugs auf große Tiere trifft. Wir beobachten zwei mächtige Elefanten, die nur durch ein kleines, ausgetrocknetes Flussbett von uns entfernt zwischen den Bäumen stehen. Der Guide lässt sie keinen Moment aus den Augen, immer bereit uns zum Weitergehen aufzufordern, sollten die Elefanten in unserer Gegenwart zu unruhig werden.

Luamfa-Sektor

Mein Weg führt mich weiter nach Süden, in einen lange Zeit kaum erschlossenen Bereich des Parks. Von Chindeni aus steht zunächst wieder eine Flussüberquerung an. Ein einheimischer Fischer rudert mich mit seinem kleinen Boot auf die andere Seite, wo mich bereits Laxon, der Guide, und der Scout Raphael vom Kalamu Lagoon Camp erwarten. Der Weg ist holprig, aber abwechslungsreich. Wir fahren durch dichte Wälder, lichtere Baum- und Graslandschaften und durchqueren einige kleine Dörfer, wo uns die Einheimischen freundlich zuwinken.

In der Lodge angekommen begrüßen mich nicht nur die Lodge-Manager sondern auch die Flusspferde in der großen Lagune, die sich direkt vor dem Camp erstreckt. Es ist sehr komfortabel und lässt kaum Wünsche offen. Ich schlafe gut, werde jedoch in der Nacht durch lautes Heulen von Hyänen geweckt. Auch das tiefe Keuchen eines Leoparden meine ich auszumachen.

Am nächsten Morgen noch eine andere Überraschung, Felix der Kellner zeigt mir frische Löwenspuren, die mitten durch das Camp führen. Also auch hier sollte ich nachts den Schutz meines Zeltchalets wohl besser nicht aufgeben.

Gegen Ende des Frühstücks sind es wieder einmal die Tiere, die uns zum schnellen Aufbruch animieren. Diesmal geben Impalas schrille Alarm Calls von sich. Wir springen ins Fahrzeug und suchen die nahe Umgebung ab. Wir fahren auf den nahegelegenen Airstrip zu und sehen gerade noch einen Leoparden, wie er an der Einmündung vorbei jagt.

Obwohl wir nur einige Sekunden später am Rollfeld angekommen sind, lässt er sich nicht mehr ausfindig machen. Ich genieße auf der weiteren Fahrt die vielseitige Landschaft dieser sehr unberührten Region. Auf den offenen Ebenen grasen überall zahlreiche Antilopen, junge männliche Impalas und Pukus machen in spielerischen Kämpfen die Rangordnung unter sich aus und sogar die hier recht seltenen, großen Kuduantilopen bekommen wir zu Gesicht.

Nach Einbruch der Dunkelheit halten wir wieder einmal nach den nachtaktiven Tieren Ausschau. Im dichten Geäst eines Baumes entdeckt der Spotter zwei Buschbabies, die uns mit ihren großen Augen anschauen. Langsam klettern sie tiefer in den Baum und verschwinden aus unserem Blickfeld. Ein wunderbares Abendessen mit grunzenden Hippos beschließt den schönen Tag.

Am nächsten Morgen bringt mich ein kleines Sportflugzeug vom Kalamu Lagoon Camp nach Mfuwe. Voller wunderschöner Eindrücke verlasse ich den South Luangwa Nationalpark, der so viele spannende Überraschungen für mich bereit gehalten hat.

Kafue Nationalpark

Lufupa-Region

Von Mfuwe fliege ich zurück nach Lusaka. Von hier aus startet meine Kleingruppenreise in den riesigen Kafue Nationalpark. Ich treffe auf die restlichen Teilnehmer und ein Sportflugzeug bringt uns in einem wunderschönen Flug mitten in den Park.

Am Airstrip angekommen begrüßt und unser Guide Brent, der uns die kommenden 8 Tage in die Wildnis des Kafues führen wird. Es sind es nur wenige Fahrminuten bis zum schönen Camp, das direkt am Kafue Fluss liegt. Anders als der flache Luangwa mit seinen großen Sandbänken und zahlreichen Nebenarmen zieht der Kafue Fluss eine klare, geschlängelte Linie durch die Landschaft. Die Uferregionen sind größtenteils bewaldet, mit einigen lichten Stellen wo Tiere an das Wasser zum Trinken kommen. Der Fluss ist tiefblau und glitzert in der Nachmittagssonne.

Auf einer ersten kurzen Wildbeobachtungsfahrt am späten Nachmittag lernen wir die Umgebung kennen. Die größte Überraschung erwartet uns ganz am Anfang, als wir alle in das Fahrzeug steigen.

Auf einer kleinen Grasfläche direkt neben dem Camp fressen zwei Warzenschweine und lassen sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören. Es sieht einfach lustig aus, wenn sie zum Fressen auf die Knie gehen um besser an das Gras und die Wurzeln zu kommen.

Unsere Ausfahrt am nächsten Morgen wird um einiges spektakulärer. Von einem anderen Guide hat Brent gehört, dass in der Nähe Wildhunde gesichtet worden sind. Allerdings hat man sie nur ganz kurz gesehen und danach nicht wieder auffinden können. Wir sind optimistisch und suchen die Gegend ab. Nachdem unsere Hoffnung fast schon geschwunden ist, entdecken wir die Tiere plötzlich durch das hohe Gras laufen. Es sind 3 Stück und sie lassen sich im Schatten eines Baumes nieder um zu dösen. Es sind außergewöhnliche Geschöpfe – immer aufmerksam, immer bereit für die nächste Mahlzeit für das ganze Rudel zu sorgen.

Wildhunde sind sehr soziale Tiere: Haben die erfolgreichen und effizienten Jäger ein Tier erbeutet, so dürfen sich erst die Kleinen und Schwachen bedienen. Das Alpha-Tier wartet geduldig bis zuletzt. Immer wieder spitzen sie die Ohren und richten sie dorthin aus, wo sie ein Geräusch gehört haben. Doch offensichtlich weckt nichts ihr Interesse genug, um weiter zu ziehen. Nach etlicher Zeit lassen wir sie hinter uns, dankbar, dass wir das Glück hatten, etwas Zeit mit diesen äußerst seltenen Tieren zu verbringen.

Auf unserer Fahrt, die uns immer wieder an den Fluss führt, sehen wir auch unsere alten Bekannten, die Hippos, wieder. Sie baden im Fluss. Farbenfrohe Eisvögel schweben wie Helikopter auf der Stelle in der Luft und schießen dann plötzlich hinab in das tiefblaue Wasser um einen Fisch zu ergattern.

Am Nachmittag können wir den Kafue Fluss endlich näher erkunden – per Boot. Brent, unser Guide, steuert das Schiff bis in den Lufupa Fluss, der unweit des Camps in den Kafue mündet. Wir sehen unzählige Vögel – Hammerköpfe, Fisch-Adler, Eisvogel, um nur einige wenige zu nennen. Wir überraschen eine Flussschildkröte und einige Krokodile und beobachten die allgegenwärtigen, dennoch immer wieder faszinierenden Flusspferde aus nächster Nähe.

All diese Eindrücke können wir abends gemütlich am Feuer Revue passieren lassen. Wir schauen in den funkelnden Sternenhimmel. Hier auf der Südhalbkugel scheinen viel mehr Sterne zu sein. Die Milchstraße ist ganz klar zu sehen. Auch das Kreuz des Südens und die bizarre Formation des Skorpions lässt sich deutlich erkennen.

Musanza-Region

Nach zwei Nächten geht es weiter nach Norden zum Musanza Tented Camp. Auf dem Weg ändert sich die Vegetation: Zunächst fahren wir durch eine dichte Baum- und Buschlandschaft. Doch dahinter eröffnen sich weite, offenere Ebenen mit golden schimmerndem, mannshohem Gras. Es wogt sachte im Wind und wirkt dabei weich wie Watte. Überall tanzen kleine bunte Schmetterlinge.

Musanza ist ein echtes Busch-Camp mit einfachen Meru-Zelten, die mit Eimerdusche und Spültoilette ausgestattet sind. Es gibt keinen Strom. Umso erstaunlicher ist es, welch fantastisches Essen der Koch Daniel für uns zaubert. Seine Schoko-Küchlein zergehen uns beim abendlichen Dessert förmlich auf der Zunge. Stolz zeigt er uns am nächsten Tag auf Nachfrage sein einfaches Reich – er kocht in einem Holzofen im Freien. Wir sind begeistert.

Am Morgen setzen wir mit einem kleinen Boot über den Fluss. Wir gehen zu Fuß durch ein Gebiet, das für Fahrzeuge überhaupt nicht zugänglich ist. Hier gibt es keinen einzigen Weg – 100% unberührte Wildnis. Die wenigen Pfade, auf denen wir gehen, sind ausschließlich die der Elefanten und Nilpferde.

Am Abend ein ganz anderes Programm: Wir nehmen ein frühes Abendessen ein und machen uns auf zu einer langen Nachtfahrt. Die Löwen, denen wir auf der Spur sind, sehen wir zwar nicht, dafür aber unzählige Ginsterkatzen, deren Augen im Schein der Lampe leuchten. Und just vor unserem Camp machen wir zwei Hyänen aus. Wir folgen ihnen ein Stück weit, als sie sich in ihrem seltsam wiegenden Laufschritt wieder von unserem Camp entfernen.

Der Busch-Spaziergang am nächsten Tag endet im Schatten eines gewaltigen Baobab-Baumes. Man spürt förmlich die Kraft, die dieser gewaltige Baum seit unzähligen Jahren gesammelt hat, mit der er Wind, Regen und Trockenheit widersteht. Später, wieder im Fahrzeug und eigentlich auf dem Weg zurück ins Camp, entdecken wir auf einer Grasebene etliche Geier. Wir nähern uns vorsichtig, zu Fuß, und finden die Überreste eines frisch gerissenen Pukus. Laut Brent war vermutlich ein Leopard oder Gepard der Täter, da noch Fell und Knochenrest übrig sind. Löwen hätten den Geiern nichts davon übrig gelassen.

Busanga Auen

Nach einer erholsamen Siesta steht der Weg in die feuchteren Gefilde des Parks, die Busanga Auen, an. Die Fahrt wird mir wohl immer im Gedächtnis bleiben: Wieder einmal sind es Geier, die uns den Weg weisen. Sie sitzen zu Dutzenden in den Bäumen, starren alle in eine Richtung und warten offenbar auf ein reichhaltiges Mahl. Langsam pirschen wir uns mit dem Fahrzeug durch das dichte, hohe Gras. Plötzlich entdeckt einer aus unserer Gruppe etwas zwischen den dichten Halmen: „Cats!“ - ertönt der Ruf. Drei Geparden!

Wir haben sie offenbar beim Fressen gestört. Zwei Erwachsene und ein Jungtier springen behände durch das Gras und wir haben Mühe, ihnen noch ein wenig zu folgen. Noch einige Male können wir einen Blick auf sie erhaschen, bevor sie endgültig verschwinden. Diese eleganten Tiere so nah zu sehen war ein unheimlich eindrucksvolles Erlebnis und ich kann das nächste Mal kaum abwarten.

Kurz darauf noch eine Überraschung: Wir können in der Ferne Pferdeantilopen erkennen – sie sind früh in dieser Region für die Jahreszeit. Die ersten haben sich aus den höheren Lagen vorgewagt, in denen sie die Regenzeit verbracht haben. Jetzt wo es trockener wird, ziehen sie in Richtung der Auen, wo es noch lange ausreichend Wasser und frisches Gras geben wird.

So ändert sich auch die Landschaft, während wir weiter gen Norden fahren. Es wird immer grüner und feuchter, das Gras wird niedriger und plötzlich ist Endstation. Der Rest des Weges bis zu unserem Camp ist einfach noch zu feucht, um ihn mit dem Fahrzeug zu bewältigen.

Ein kleines Stück laufen wir zu Fuß, bevor wir in Einbaum-Kanus, sogenannte Mekoros, umsteigen. Von kräftigen Helfern werden die Boote mit Stöcken durch die kleinen Kanäle in den Feuchtwiesen voran getrieben. Dann noch einige Minuten per Fahrzeug – und wir sind im Shumba Camp angekommen. Es ist schon spät und so verbringen wir einen ruhigen Abend im Camp, mit, wieder einmal, fantastischem Essen und einem Drink am knisternden Lagerfeuer.

Erst am nächsten Morgen kann ich Shumba gebührend bewundern. Es ist absolut abgeschieden und äußerst luxuriös. Komplett auf Stelzen gebaut bietet sich rundum ein atemberaubender Blick auf die Busanga Ebenen. Einige Tage vorher sind Löwen direkt vor dem Camp vorbeigezogen. Jetzt liegt noch dichter Nebel über der Landschaft, doch die Sonne steigt und lässt die Siluetten der unzähligen Antilopen immer klarer werden. Fast gespenstisch wirken die roten Moor-Antilopen, die sich im seichten Wasser am wohlsten fühlen und tiefere Wasserläufe mit kraftvollen Sprüngen überwinden. Ein bezaubernder Anblick, den ich gar nicht lange genug genießen kann.

Nach dem Frühstück geht es aufs Wasser. Auch der Sonnenaufgang ist mystisch: eine glutrote Scheibe, die sich aus dem Nebel erhebt. Wir fahren mit einem Motorboot durch die größeren, schilfumrandeten Wasserkanäle in dieser Auenlandschaft, beobachten Flusspferde, rote Moorantilopen, Fischadler, Hammerköpfe, Mohrklaffschnäbel, Sattelstörche und unzählige weitere Vögel.

Nach einer Stunde wählen wir den Umstieg auf das Fahrzeug. Die Kanäle trocknen zu dieser Zeit des Jahres sehr schnell aus und viele führen schon nicht mehr genug Wasser für unser Boot. Wir begegnen einer Herde Pferdeantilopen. Die Morgensonne lässt ihr Fell in intensiven rot-braunen Farbtönen schimmern, zu der ihr schwarz-weißes Gesicht einen schönen Kontrast bildet. Vor dem Hintergrund des goldenen Grases ein wunderschöner Anblick, den wir inmitten dieser Einsamkeit ganz in Ruhe genießen.

Am Nachmittag steigen wir noch einmal ins Boot. Während wir über die Mittagszeit den Komfort des Camps genießen konnten, haben fleißige Helfer das Boot zu tieferen Wasserkanälen gebracht, wo wir ein größeres Arial erkunden können. Wir treffen auf unsere alten Bekannten: Die Nilpferde. Zum Teil werden die Kanäle so eng, dass wir sie aus nächster Nähe in Augenschein nehmen können – und sie uns. Eines ist leider nicht sonderlich begeistert über unsere Anwesenheit und rauscht schnaubend auf uns zu.

Unser Guide reagiert wie immer besonnen und bringt uns außer Reichweite des verärgerten Hippos. Ein paar Kurven weiter stellt er den Motor aus und wir gleiten lautlos auf hunderte Mohrklaffschnäbel zu, die am Ufer beisammen stehen. Nach und nach steigen immer mehr dieser schönen, schwarz-metallisch glänzenden Störche in den Himmel auf. Schließlich hebt sich ein Großteil der Vögel in die Höhe und schwebt mit sanften Schwingen gen Horizont. Ein Bild so schön, das man es kaum glauben kann. Keine Kamera kann Momente wie diese so festhalten, wie sie uns in Erinnerung bleiben.

Zum Sundowner haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Der Sonnenuntergang ist ein Spiegelbild des Sonnenaufgangs: Eine rote Scheibe versinkt hinter dem Horizont. Auch wenn wir die zahlreichen Löwen, die durch die Busanga Auen ziehen, nicht gesehen haben, verlasse ich die Region mit einmaligen Impressionen. Auf dem Weg zurück nach Lufupa zieht die Gegend wie im Schnelldurchlauf an uns vorbei und die zahlreichen, wunderbaren Momente passieren noch einmal mein inneres Auge.

Die Reise endet am folgenden Tag mit einem Flug zurück nach Lusaka. Nachdem ich mich von unserem hervorragenden Guide Brent verabschiedet habe, steige ich in den Buschflieger. Wir heben ab und steigen auf in die Luft wie die Störche am vorigen Abend. Der Pilot folgt mit seiner kleinen Maschine dem Flusslauf des Lufupa Flusses. Das Silber glänzende Wasser schlängelt sich durch die schier unendliche Buschlandschaft, eine große Herde Impalas springt davon und ein Elefant tut sich an den Blättern eines Baumes gütlich. Es sind die letzten Augenblicke inmitten der Wildnis – der Abschied fällt mir sehr schwer. Wir gewinnen schließlich an Höhe und lassen den Busch hinter uns.

Ihr Sebastian Eddeling

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