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Das warme Herz Afrikas

Das warme Herz Afrikas

Malawi - So vielfältig und farbenprächtig wie sein Kontinent

Die Maschine verliert rasch an Höhe, die Spannung steigt und die Augen suchen den Horizont nach einer Landebahn ab. Doch Moment – hier ist gar keine Landebahn. Weit und breit nichts als scheinbar endlose Weite und eine Landschaft, die in ihrer Schönheit an die schottischen Highlands erinnert und jeden im Flugzeug zum Staunen bringt.

Doch halt! Wir verlieren weiter an Höhe und da wird mir bewusst, dass wir auf keiner asphaltierten Landebahn nach europäischen Maßstäben landen sondern auf einer Graspiste aufsetzen werden. Der kurze Moment der Anspannung weicht nach wenigen Sekunden einem Hochgefühl, das alle Insassen gleichzeitig erfasst. Die Landung ist unglaublich weich, das Flugzeug rollt langsam aus und wir sind da, im hohen Norden Malawis!
 
Wir waren auf alles vorbereitet in Afrika, nur nicht auf solch eine Landschaft, die seltsam surreal wirkt und doch oder gerade deswegen so magisch anziehend ist. Wir sind auf dem Nyika Plateau, einer Hügellandschaft, die sich bis auf 2.600 m Höhe erhebt. Doch mit 214 verschiedenen Orchideenarten ist dies ist nicht nur ein faszinierender Platz für Naturliebhaber, die sich an endlosen Weiten, schroffen Hügeln und wunderschönen, teilweise nur hier vorkommenden Pflanzen, erfreuen können.

Nein, diese Landschaft ist die einzige Berglandschaft (2.100 – 2.500 m hoch) des südlichen und südlich-zentralen Afrikas, die Tiere wie Leoparden, Hyänen und Warzenschweine beheimatet. Auch die seltenen Pferdeantilopen, sowie Zebras, Rappenantilopen und große Herden von Elandantilopen kann man hier beobachten. Mit dem Pferd kann man sich den Tieren während eines geführten Ausritts bis auf wenige Meter nähern, ein faszinierendes Erlebnis!

Wir haben unser Flugzeug verlassen und machen nun eine Wildbeobachtungsfahrt, die uns die wahre Schönheit der Landschaft vermittelt. Während unser Spotter die Umgebung nach Tieren absucht, hat mich die unwirtliche Landschaft endgültig in ihren Bann gezogen. Der aufziehende Nebel verstärkt dieses Gefühl noch, sorgt er doch dafür, dass ich mich vollkommen fern fühle von dem Rest der Welt.

Für einen kurzen Moment nimmt mich die Landschaft vollkommen ein, da stoppen wir plötzlich. Unser Spotter hat etwas ausgemacht. Doch was? Nach wenigen Sekunden herrscht Klarheit: Ein Leopard!
 
Ist das möglich? Ich hatte nicht mitbekommen, dass wir nur für einen kurzen Moment eine Nebelbank durchfuhren und der Nebel keineswegs überall war. Und dann sehe ich ihn auch: einen stattlichen, ausgewachsenen Leoparden auf seinem nächtlichen Streifzug. Er ist etwa 30 Meter von unserem Fahrzeug entfernt und lässt sich nicht im Geringsten von unserer Anwesenheit beeindrucken.

Im Gegenteil: er scheint sich für uns in Pose legen zu wollen. Seinen geschmeidigen Gang unterbricht er immer wieder, setzt sich hin und beobachtet uns. Es vergehen mehrere Minuten, in denen man die in der Luft liegende Spannung mit Händen greifen kann. Doch was passiert jetzt? Ich traue meinen Augen nicht.

Er kommt auf uns zu. Näher. Immer näher. Bis er stoppt. Zwischen ihm und uns liegen etwa 10 Meter, als er uns all seine Zähne zeigt. Was für ein Anblick! Ich werde ihn nie vergessen.
Der Tag neigt sich dem Ende, als wir wieder zurück kehren in die Chelinda-Lodge.

Hier bereiten uns die Mitarbeiter einen herzlichen Empfang vor,  haben bereits die Kamine in unseren Zimmern entflammt und ein hervorragendes Abendessen gezaubert. Wohlig müdeschlafe ich beim Prasseln des Kaminfeuers ein und träume von aufregenden Begegnungen mit wilden Tieren…

Vom Nyika-Plateau führt mich meine Reise weiter gen Süden. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Vom Hochland, mit seinem zum Teil unwirtlichen Klima, zum fast karibisch wirkenden Malawisee, genauer gesagt nach Likoma Island.

Auf dieser malerischen Insel begrüßt mich strahlender Sonnenschein und das türkisblaue Wasser des riesigen Sees lädt zum Schnorcheln und Tauchen ein. Schon der Weg vom Airstrip zur Lodge, der Kaya Mawa Lodge, bringt mich zum Staunen. Auf unserem Weg zur Lodge kommen wir durch die Siedlungen der Einheimischen, die uns Freude strahlend empfangen.

Ich habe das Gefühl, mitten drin zu sein im „warmen Herz Afrikas“. Die Freude der Kinder am Wegesrand ist ansteckend, und als sie unserem Buggy hinterherlaufen weiß ich wieder, warum es mich immer wieder nach Afrika zieht. Auch die Erwachsenen winken und lachen und ihre Lebensfreude wirkt wie Balsam auf die gestresste europäische Seele!

In der Lodge angekommen, bin ich überwältigt von ihrer Lage. Sie umschließt einen atemberaubenden Strand und schafft so eine eigene kleine Bucht, die fürs Schnorcheln wie geschaffen ist. So dauert es auch nicht lange und ich erforsche die vielen kleinen, bunten Fische, die Cichliden (Malawi-Buntbarsche), die ihrerseits das Gleiche mit mir zu machen scheinen, so nah kommen sie. 

Nach so viel Aktivität habe ich mir ein bisschen Erholung verdient und so entspanne ich auf meinem eigenen kleinen Steg und mache es den anderen Gästen nach, die gerade vom Tauchen oder Kajaken kommen und jetzt die Seele baumeln lassen an diesem traumhaften Ort.

Als ich am nächsten Tag mit dem Fahrrad die Umgebung der Insel erkunde, fällt mir die Freundlichkeit und Lebensfreude der Einheimischen noch mehr auf, als am Tag zuvor. Kinder laufen mir lachend hinterher, Erwachsene verwickeln mich in fröhliche Gespräche und ich bin froh, dass ich die Chance genutzt habe, die Insel mit dem Fahrrad zu erkunden. Es ist der beste Weg, Malawi und seine Menschen mit allen Sinnen zu genießen!

Likoma Island bietet noch etwas ganz besonderes, die St. Peter`s Kathedrale. Eine der größten Kirchen des südlichen und zentralen Afrikas, fertig gestellt im Jahr 1905, ist jeden Sonntag Schauplatz eines imposanten und unvergesslichen Schauspiels: mehr als 1000 Gläubige versammeln sich dann hier zum Gottesdienst (wobei die Kirche mehr Fassungsvermögen hat, als die Insel Einwohner). Dieses Schauspiel sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!

Doch dann ist es Zeit für den Abschied von Kaya Mawa und Likoma Island. Ich bin ein bisschen traurig als mein Flugzeug von der Startbahn abhebt. Ein letztes Mal drehen wir eine Kurve über der Insel und machen uns dann auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, der Pumulani Lodge in Monkey Bay am Südende des Malawisees.
 

Nach der Landung auf der Staubpiste werde ich nicht nur von einem Mitarbeiter der Lodge begrüßt, sondern es stehen auch unzählige Einheimische neben der Landebahn und verfolgen gespannt unser Eintreffen. Viele bezeichnen die Pumulani Lodge als die schönste Unterkunft ganz Malawis. Und tatsächlich: Die Mitarbeiter empfangen mich mit einem Lachen und einer herzerfrischenden Offenheit, wie ich sie bisher nur ganz selten erlebt habe.

Die Lage der Lodge ist mit ihrem Blick über den See genauso atemberaubend wie die überaus geräumigen und luxuriösen Villen, in denen man nächtigt. Diese bieten allen Komfort und fügen sich kaum sichtbar in den Berghang ein, so dass nichts die faszinierende Natur stört.

Vom eigenen Strand der Lodge aus kann man die unterschiedlichsten Wassersportaktivitäten unternehmen wie Kajaken oder Wasserski fahren. Und am Abend wartet ein ganz spezielles Highlight. Wer möchte, kann den Sonnenuntergang an Bord einer Dhow, eines alten arabischen Segelschiffs, erleben.

Dieses Erlebnis lasse ich mir nicht entgehen. Als wir hinaus segeln, kommen wir an örtlichen Fischern vorbei, die in ihren Einbäumen auf den See hinaus fahren und darauf hoffen, einen guten Fang zu machen. Am nächsten Tag geht es für mich schon wieder weiter. Und auf das was jetzt kommt, freue ich mich ganz besonders.

Das außergewöhnliches Highlight heißt: „Mufasa“, dem einzigen Katamaran und bewohnbarem Segelboot auf dem gesamten Malawisee. Von Cape MacLear aus stechen wir in See mit dem Ziel Mumbo Island, einer ganz besonderen Insel.

Wir treffen auf majestätische Weißkopfseeadler, die stolz auf „ihrem“ Felsen sitzen und nach Beute Ausschau halten. Immer, wenn wir auf gleicher Höhe mit den Adlern sind, schwingen sie sich jedes Mal empor in den azurblauen Himmel und breiten dabei ihre riesigen Flügel aus.

Ein wahrhaft imposantes Schauspiel! Ich liege auf dem Deck der „Mufasa“ und sauge mit allen Sinnen alles um mich herum auf: Das unmöglich zu beschreibende Gefühl des Segelns, die Stille des Sees und das Rauschen des Wassers, als unser Rumpf fast schwerelos hindurchgleitet. Als ich meine Augen öffne, bin ich überwältigt von dem soblauen Himmel.

Dann kommt unser Ziel in Sicht. Langsam aber beständig, Welle für Welle nähern wir uns ihm. Schon die ganze Reise freue ich mich auf diesen Moment. Und dann ist er da, die mit Pflanzen bewachsenen Felsen nähern sich, wir gleiten sanft auf den Sand und dann ist es soweit, ich stehe auf einer ganz besonderen Insel.

Mumbo Island ist anders als alles, was ich zuvor gesehen hatte. Während ich mit den Füßen langsam in den weichen Sand einsinke und das kristallklare Wasser meine Beine umspült, suche ich nach einem Wort für diesen Ort. Eiland? Paradies?

Beides. Und noch so viel mehr... Ich fühle mich sofort wohl, eine unbeschreibliche Ruhe erfasst mich, während mein Blick zwischen der herrlichen Bucht, den Felsen und der überwältigenden Natur hin und her wandert. Liegt es an der Abgeschiedenheit oder der prachtvollen Umgebung, dass ich mich sofort geborgen fühle? Kein Handy und kein Motorengeräusch durchbrechen die Stille. Als ich nach einer Wanderung durch die atemberaubende Natur in meiner Hängematte über der Bucht liege, ist die Welt für einen Moment perfekt. Unter mir das türkisblaue Wasser, über mir der unvorstellbar klare Himmel: Perfekt.

Dann könnte der Kontrast nicht größer sein. Von der einsamen Insel Mumbo führt mich meine Reise in den Liwonde Nationalpark. Da die Hauptzufahrtsstraße noch nicht passierbar war, fuhren wir durch ein anderes Gate in den Park. Der Weg führte durch kleine Dörfer abseits der Hauptstraße und gab mir so einen fantastischen Einblick in das alltägliche Leben der malawischen Bevölkerung.

Ich kam an spielenden Kindern vorbei, sowie an Männern, die ihre Fahrräder mit gesammeltem Feuerholz beladen hatten. Kurz vor dem Shire-Fluss ging es dann für unser Fahrzeug nicht mehr weiter, so dass uns ein kleines Boot über den Fluss zur Mvuu Lodge brachte. Bereits die kurze Überfahrt gab mir einen kleinen Einblick in das, was mich hier im Busch erwarten sollte.

Das Boot musste immer wieder einer der zahlreichen Flusspferdfamilien ausweichen, die den Fluss bewohnen. Der Liwonde Nationalpark beherbergt nicht nur zahlreiche Elefanten und Flusspferde, sondern auch einen speziellen Bereich zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner. Mit 600 verschiedenen Vogelarten kommen auch Ornithologen auf ihre Kosten.

Die Mvuu Lodge selbst liegt direkt am Fluss und einer kleinen Lagune, so dass bereits hier die Wildebeobachtungsmöglichkeiten hervorragend sind. Kein Zaun ist zwischen uns und dem Busch, ein aufregendes Erlebnis! Als wir am späten Nachmittag zu unserer Safari aufbrechen, fahren wir zunächst mit einem kleinen Boot den Fluss hinauf. Vom Boot aus nimmt man den Busch ganz anders auf.

Wir kommen ganz nah heran an Flusspferde und Wasservögel und als besonderes Highlight können wir direkt am Flussufer eine Elefantenfamilie beobachten. Während die Sonne langsam untergeht und ihre letzten Strahlen sich auf der Wasseroberfläche reflektieren, nehmen wir einen Drink und ein paar Snacks zu uns, um uns für die kommenden Stunden aufregender Tierbeobachtungen zu stärken.

Nach Einbruch der Dunkelheit wechseln wir von dem Boot in einen der typischen Safari-Geländewagen. Unser Guide und sein Spotter machen sich im Lichtschein des Suchscheinwerfers auf die Suche nach Löwen, Elefanten und anderen Tieren des Busches. Als wir einer Biegung des Flusses folgen, stoppen wir plötzlich. Hatte unser Spotter etwas entdeckt?

Tatsächlich: im Kegel seines Scheinwerfers verlässt eine ganze Gruppe von Flusspferden das Wasser, um hier an Land nach Nahrung zu suchen. Diese eindrucksvollen Tiere sind unglaublich leise, ohne unseren Spotter hätten wir sie wohl nicht entdeckt. Sie durchstreifen die Uferböschung und ziehen weiter landeinwärts. Wir folgen ihnen noch für ein paar Minuten bevor unser Guide schließlich entscheidet, sie auf ihrer weiteren Nahrungssuche nicht mehr zu stören.

Wir fahren noch eine Zeit lang weiter durch den Busch und entdecken viele interessante Tiere. Das Wissen unseres Guides über sie scheint unendlich zu sein und so lauschen wir gespannt seinen Erklärungen, während wir die Tiere im Lichtschein beobachten.

Und dann sind wir alle überrascht! Zuerst erspähen wir nur den Schein eines Lagerfeuers. Als wir dann aber einen wunderschön gedeckten Tisch entdecken wird uns klar, was uns erwartet: Die Mitarbeiter der Lodge haben mitten im wilden Busch für uns ein Buschdinner vorbereitet. Was für eine Idee! Wir sind überwältigt von der Szenerie und dem Engagement des Lodgepersonals.

Während die Geräusche des Busches um uns herum allgegenwärtig sind, genießen wir das erstklassige Essen und erfreuen uns an den abenteuerlichen Geschichten, die uns unsere Guides erzählen. Immer wieder werden sie von Geräuschen aus dem Busch unterbrochen, denen wir aufgeregt und gebannt lauschen. Aber wir fühlen uns absolut sicher, ein Angestellter des Nationalparks passt auf uns und die Tiere auf.

Am nächsten Tag geht es für mich weiter gen Süden zum Mulanje-Massiv mit seinen exzellenten Wandermöglichkeiten. Die Fahrt über die gut ausgebaute Straße offenbart die landschaftliche Schönheit und den besonderen Reiz Malawis. Links und rechts erstrecken sich atemberaubende Hügelketten, bis wir schließlich umgeben sind von riesigen Teeplantagen.

Auf der linken Seite erspähe ich das Mulanje-Massiv mit seinem höchsten Punkt, dem 3.002m hohen Sapitwa Gipfel. Dann biegen wir nach rechts ab und erreichen nach wenigen Minuten unsere Unterkunft, das Huntingdon House.

Ich fühle mich sofort in eine andere Zeit versetzt. Das Anwesen inmitten der idyllischen Teeplantagen ist im Kolonialstil erbaut und besticht durch seine 5 Zimmer, die alle in einem unterschiedlichen Stil gehalten sind. Es strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, die sich sofort auf mich überträgt.

Nachdem ich jeden Winkel dieses faszinierenden Hauses erkundet habe, mache ich einen Spaziergang durch die rund um das Huntingdon House liegenden Teeplantagen. Ich komme sofort ins Gespräch mit den Arbeitern in den Feldern, die mir gerne von ihrer Arbeit erzählen und mich herzlich willkommen heißen. Am Ende des Tages spüre ich: Dies ist ein Ort, an dem man vollkommen entspannen und neue Kraft tanken kann.

Leider endet hier auch meine Entdeckungsreise durch das faszinierende Malawi. Ich habe viel gesehen: Atemberaubende Landschaften und unglaublich freundliche Menschen, faszinierende Tiere und das Leben der Menschen abseits der Hauptstraßen. Eines wurde mir während meiner Reise klar: Malawi ist so kontrastreich wie kaum ein anderes afrikanisches Land.

Vom rauen Hochland im Norden über den riesigen Malawisee mit karibischem Flair und den wilden Liwonde Nationalpark zum Mulanje-Massiv im Süden.  Malawi hat für jeden etwas zu bieten. Egal ob ambitioniertes Wandern, Wassersport und Erholen oder klassische Safari, hier kommt jeder auf seine Kosten.

Malawi und seine Menschen haben mich in ihren Bann gezogen. Ich werde wiederkommen in dieses so vielfältige und farbenfrohe Land. Ganz sicher - und so schnell wie möglich! 

Ihr Sebastian Jandt

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