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Das Ongava Wildschutzgebiet

Das Ongava Wildschutzgebiet

Löwenbesuch im Camp und Sundowner mit einem Nashorn

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, der Puls rast, 90, 100, 120….. Ich spüre förmlich, wie jede Faser meines Körpers bis auf aufs Äußerste gespannt ist. Ganz langsam und vorsichtig schaue ich zu meiner Freundin, die neben mir sitzt uns sehe, dass auch ihr sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen ist. 

Sie fragen sich, was uns so aus der Fassung gebracht hat?

Wir kamen von unserer Wildbeobachtungspirschfahrt aus dem Etosha Nationalpark zurück und saßen ganz entspannt auf der Veranda des Ongava Tented Camp in unseren Liegestühlen am Swimming Pool. Siestazeit.

Auch einige Oryxe und Zebras taten es uns gleich und fanden sich unter den schattenspendenden Bäumen des nahen Wasserlochs ein. Leises Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume im Wind trugen ihr Übriges bei. 

Als meine Gedanken gerade abschweifen wollten, bemerkte ich, dass es am Wasserloch plötzlich lebhaft wurde. Vorsichtig blickten sich die Oryxe um und auch die Zebras hoben alarmiert ihre Köpfe und blickten aufgeregt und verunsichert zu einem nahen Gebüsch. 

Was ging hier vor? Was haben die Tiere bloß gewittert, dass sie so nervös macht? Auch mein Blick wandert in die Richtung, in die die Tiere blicken.

Doch ich kann nichts erkennen, auch wenn ich noch so angestrengt schaue. Die ersten Zebras verlassen schon das Wasserloch und verziehen sich langsam in den nahen Busch. Es dauert nicht lange, bis auch die restliche Zebraherde und die Oryxe den Rückzug vom Wasserloch antreten, den Blick jedoch immer starr zu jenem Gebüsch gerichtet.

Meine Neugier ist geweckt. Angestrengt folge ich dem Blick der Tiere und schaue und schaue und plötzlich…kann das denn wirklich sein? Gebannt blicke ich in das Dickicht und dann sehe ich sie.

Ganz deutlich. Ich habe mich nicht geirrt. Langsam und elegant bahnt sich eine Löwin ihren Weg hinaus aus dem Dickicht. Starr vor Schreck beobachte ich ihre sanften Bewegungen. Den Blick nicht von der Löwin genommen flüstere ich meiner Freundin aufgeregt zu: „Caro, da kommt eine Löwin aus dem Gebüsch“. Diese glaubt mir im ersten Moment nicht und denkt, dass ich Sie nur auf den Arm nehmen möchte. Als ich ihr dann jedoch die Richtung zeige, aus der die Löwin kommt, spüre ich förmlich, wie sie vor Schreck ganz blass wird. 

Wie gebannt beobachten wir die Löwin, die immer weiter aus dem Gebüsch hervortritt. Sie wird doch wohl nicht…doch! Zielsicher geht sie auf das Wasserloch zu und lässt sich nieder. 

Nur mit Müh und Not können wir uns auf unseren Stühlen halten und den, nur zu menschlichen Fluchtreflex unterdrücken. In dieser aufregenden Situation kommen mir auch wieder die Worte meiner Chefin ins Gedächtnis, die sie mir vor meiner Abreise mit auf den Weg gegeben hat: „Whatever you do, don’t run!“ Worte, die leicht hingesagt sind, wenn man sich nicht gerade 20 Meter von einer Löwin entfernt findet. Uns trennte so gut wie nichts von ihr. Kein schützender Zaun, kein Wassergraben. Gar nichts. 

Nur die Holzbegrenzung der Veranda, die uns in diesem Moment jedoch ganz und gar nicht „löwenabhaltend“ erschien. Als dann auch noch ein anderer Gast nervös zu den Guides ruft: There’s a lion in the Camp!“ und diese dann ihre Gewehre holen, erkenne ich erst das volle Ausmaß dieser Situation. 

Ich erwischte mich dann auch dabei, wie ich meine Hände nervös an die Stuhllehne klammere, den Blick nicht von der Löwin genommen. So sehe ich auch, dass diese ihren Blick in die Richtung hebt, aus der sie gekommen ist. Und was erblicke ich da. Eine weitere Löwin tritt aus dem Dickicht und läuft auf das Wasserloch zu. Dicht gefolgt von eins…zwei…drei…vier…hört das denn gar nicht auf? Wohl kaum, denn insgesamt sieben jungendliche Löwenkinder bahnen sich mit tapsigen Schritten ihren Weg zum Wasserloch.

Aufregung, Spannung, Neugier und auch Angst sind nur einige der Emotionen, die mir in diesen Augenblicken durch den Kopf gehen. Wie gebannt blicke ich auf die neun Löwen, die sich entspannt am Wasserloch niedergelassen haben und anfangen, das feuchte Nass gierig zu trinken.

Von Entspannung wollte ich in dieser Situation bei mir zwar nicht sprechen, doch nach einiger Zeit ließ auch bei mir die Anspannung etwas nach und ich erinnerte mich an meine Fotokamera, die neben meinem Stuhl lag. Dieses Schauspiel muss ich einfach festhalten, sonst glaubt mir niemand, dass ich meine Siesta mit neun Löwen verbracht habe. 

Ganz vorsichtig und ohne hastige Bewegungen, nahm ich meine Kamera in die Hand und versuchte, diese einmalige Szenerie in Bildern festzuhalten. 

Nachdem die Löwen ihren Durst gestillt hatten, zogen sie sich wieder zurück in den schützenden Busch. Langsam aber sicher kehrte wieder Ruhe am Wasserloch und auch im Camp ein. Die Zebras und Oryxe wagten sich wieder vor ans Wasserloch und auch wir beide erhoben uns von unseren Stühlen und machten uns für unsere Sundowner -Fahrt abfahrtsbereit. Ausgerüstet mit Fotokamera und Fernglas stiegen wir in das Safarifahrzeug und unser Guide Rio hielt gleich die nächste Überraschung für uns bereit. 

Er fuhr uns zielsicher zu einer Stelle unweit des Camps und hielt an. Jetzt begriff ich auch, weshalb uns die Löwen heute Nachtmittag einen Besuch abgestattet haben.

Hier lagen Sie alle – die einen nebeneinander, die anderen übereinander und wieder andere ganz allein – und vor Ihnen ein wahres Festmahl für Löwen – eine große Elandantilope. Der Guide erzählte uns, dass diese Löwenfamilie am Vorabend unserer Anreise diese Antilope erlegt hatte und seitdem eifrig dabei ist, diese zu verzehren. An den dicken, vollgefressenen Bäuchen war unschwer zu erkennen, dass es den Löwen geschmeckt hat.

Nur schwer konnten wir uns von diesem Anblick wegeisen, doch schließlich fuhren wir weiter durch die 30.000ha große private Ongava Konzession, die 1991 aus vier ertragsarmen Rinderfarmen zusammengeschlossen wurden.

Auf der Suche nach einem schönen Plätzchen für unseren Sundowner erzählte uns Rio, dass zwischen Ongava und dem Etosha Nationalpark keine Zäune gespannt sind, und somit dem Wild ermöglicht wird, dass es frei zwischen den beiden Parks migrieren kann. Besonders spannend fand ich, dass es in Ongava auch Breit- und sogar die seltenen Spitzmaulnashörner geben soll. Ob wir da wohl eines zu Gesicht bekommen werden? 

Doch heute schien wohl unser Glückstag zu sein. Wir sind keine 20 Minuten durch die Konzession gefahren, als wir auf einer freien Fläche ein Breitmaulnashorn beim Grasen sehen. Rio meinte dann auch gleich: „That’s the perfect place for our Sundowner!“. Gesagt  - Getan.

Er hielt im Abstand von gerade einmal 20 Metern vom Nashorn entfernt an, stieg aus und bereitete mit schnellen Handgriffen Getränke und Knabbereien für uns vor. Derweil saßen wir immer noch gespannt das Nashorn beobachtend im Auto, bis…ja, bis Rio zu uns sagte, wir sollten doch auch endlich aussteigen und unsere Sundowner Drinks genießen.

Aussteigen?! Habe ich das gerade richtig verstanden? Der macht doch hoffentlich nur einen Spaß. Wir sollen aussteigen? Raus aus dem sicheren Fahrzeug?! Und das, obwohl das Nashorn keine 20m von uns entfernt ist? Ich frage lieber noch einmal nach. Sicher ist sicher. Doch ich habe mich nicht verhört.

Rio will tatsächlich, dass wir aussteigen. Ganz langsam, quasi in Zeitlupe klettere ich aus dem Fahrzeug, das Nashorn immer im Blick. Mein Weißwein schmeckt sehr gut, doch irgendwie kann ich mich nicht richtig entspannen. Ich fange an zu rechnen. Das Nashorn, ein Männchen, wiegt bestimmt gut zweieinhalb Tonnen. Wenn es gereizt ist, kann es innerhalb von einer Sekunde auf 45km/h beschleunigen. Wir befinden uns in 20m Entfernung.

Man muss kein Einstein sein, um zu erkennen, dass uns bei einem möglichen Angriff kaum Zeit bliebe, um zurück ins Auto zu klettern. Doch im Moment grast es noch friedlich, lässt uns dabei jedoch keine Sekunde aus den Augen. 

Aus der Nähe betrachtet, sieht man schnell: So ein Nashorn ist wirklich beachtlich viel Tier. Knapp zwei Meter hoch, fast vier Meter lang, dicke Haut, mächtiger Buckel, ein mehr als beachtlicher Leibesumfang, zwar nur kleine kurzsichtige Äuglein, dafür jedoch einen stark ausgeprägten Gehör- und Geruchssinn. Wenn der jetzt losrennt, könnte er mich in Grund und Boden trampeln. 

Sie verstehen, warum ich dem traumhaften Sonnenuntergang in diesem Moment keine allzu große Aufmerksamkeit schenken kann. 

Doch letztlich geht alles gut. Nach einer gefühlten Ewigkeit steigen wir wieder in unser Fahrzeug und Rio fährt uns zurück ins Camp. Ich kann ohne Zweifel sagen, dass dieser Sundowner, der mit Abstand, spannendste auf der gesamten Reise war.

Wieder im Camp angekommen, ist es bereits dunkel und wir werden von Rio zu unserem Zelt gebracht. Schnell machen wir noch eine Abholzeit aus, zu der uns Rio wieder zum Essen abholen wird und genehmigen uns anschließend eine kühle Dusche.

Pünktlich um 19:30 Uhr steht Rio wieder vor unsere Tür und begleitet uns bewaffnet, nach unserem Löwenerlebnis von heute Nachmittag, können wir diese Vorsichtsmaßnahme mehr als nachvollziehen, zum Dinner. Bei einem schönen Glas Rotwein, fantastischem Essen und netten Tischgesprächen, wollten wir den Tag entspannt ausklingen lassen.

Doch der afrikanische Busch hielt ein weiteres Highlight für uns bereit. Gerade als wir zu unserem Zelt aufbrechen wollten, raschelte es im Gebüsch am Wasserloch und zwei Nashornmütter bahnten sich zusammen mit ihrem 6- und 12-monatigen Nachwuchs ihren Weg zum Wasserloch. Und als ob das nicht genug wäre, gesellte sich auch noch eines der seltenen Spitzmaulnashörner mit dazu.

Ein traumhafter Anblick. Konnte ein Safaritag denn besser enden als so? Wohl kaum. Er war schlichtweg perfekt. 

Als wir schließlich in unseren Betten lagen, lullte uns das Zirpen der Zikaden langsam in einen tiefen Schlaf. Was für ein Tag!

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