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Das erste Mal im Oman

Das erste Mal im Oman

Das Land der Wüsten und palmenreichen Oasen

Hört man „Oman“, denkt man unweigerlich an ein orientalisches Reiseland umrankt von Mythen über Sindbad den Seefahrer, die Königin von Saba oder auch die heiligen drei Könige. 

Sobald man sich ein wenig mit dem Oman als Reiseland beschäftigt, stellt man schnell fest, dass es sich um eine ausgesprochen reizvolle und vielfältige Urlaubsdestination auf der arabischen Halbinsel handeln muss. 

Um es vorweg zu nehmen, dieser Eindruck aus der Ferne wird sich vielfach bestätigen. Die ursprünglich noch vagen Vorstellungen von weiter Wüste, schroffen Gebirgen, Oasen, alten Lehmschlössern und wilden Weihrauchküsten, formen sich während des Aufenthalts zu konkreten Eindrücken über ein Land das dem Reisenden zwischen alten Legenden und moderner Infrastruktur eine reiche Fülle von Erlebnissen zu bieten hat.

Nach nur ca. 6 Stunden Flugzeit landet man bereits aus Deutschland kommend an dem recht überschaubaren Flughafen von Muscat, der unumstrittenen Hauptstadt des Landes. Oman Air bietet eine Direktverbindung an, doch es lohnt sich zuweilen auch Emirates Airline via Dubai oder Etihad via Abu Dhabi auf preisgünstige Angebote zu prüfen.

Obwohl das Land auch hervorragend in kleiner Gruppe oder mit Privatguide bereisbar ist, entscheiden wir uns für die Variante selbst zu fahren, die sich dann anbietet, wenn man ein Höchstmaß an Individualität bevorzugt, gern selbst am Steuer sitzt und in Kauf nimmt, manche Informationen, die ein Guide vermitteln würde, womöglich zu verpassen. Ähnlich wie in Südafrika oder Namibia ist es problemlos möglich am Flughafen nach kurzer Einwesung ein Fahrzeug zu übernehmen und das Land zu erkunden. Hier herrscht Rechtsverkehr, so dass keinerlei Umgewöhnung gefragt ist. Die Straßen sind bis auf manche Wüstenpiste oder Wadi-Route bestens geteert. Man gelangt schnell und sicher von A nach B und alle Straßenschilder sind Arabisch wie Englisch beschriftet.

Darüber hinaus ist das Fahrzeug mit einem Navigationssystem ausgestattet und wir haben von unserer Partneragentur ein ansehnliches deutsches Roadbook mit auf den Weg bekommen, das neben den Beschreibungen unseres individuellen Programms und den enthaltenen Sehenswürdigkeiten auch alle GPS-Koordinaten enthält, die wir benötigen, um unseren Weg durch das Land zu finden. 

Nasir, der freundliche Beauftragte unseres Partners vor Ort, der uns lächelnd am Flughafen begrüßt, überreicht es uns. Anschließend führt er uns zum Fahrzeug. Zuvor allerdings möchten wir noch ein wenig Geld eintauschen. Wir bevorzugen dafür die ATMs gegenüber den Wechselstuben. Am Flughafen finden sich auch durchaus verschiedene Geldautomaten. Zunächst allerdings scheinen unsere Karten zu streiken. Wir sind irritiert. Es stellt sich heraus, dass die Automaten offenbar ein gewisses Bargeldbezug-Limit vorzugeben. Mit 200 Omani Rial (RO) aber, die sich problemlos abheben lassen, fühlen wir uns dann bestens gewappnet. Auch im Landesinneren gibt es schließlich noch viele Geldautomaten. Der RO ist an den US-Dollar gekoppelt, daher lohnt sich die Reise umso mehr, je schwächer der Dollar gegenüber dem Euro steht. Derzeit im November 2014 beträgt der Kurs für 1 RO etwa 2,3 EUR. Der RO ist unterteilt in 1000 Baisa.

Wir checken den Wagen ausführlich und lassen uns in die Besonderheiten des Fahrzeugs einweisen, insbesondere auch den 4x4 Modus, den wir in der Wüste und im Gebirge gern probieren möchten. Auch das Navi erweist sich als unkompliziert und wir geben als Favourites schon einmal die ersten GPS Punkte unseres Roadbooks ein. Der erste leitet uns vom Flughafen durch die Hauptstadt nach Osten. Wie immer ist die erste Fahrt in einer fremden Hauptstadt mit fremdem Fahrzeug ein wenig angespannt, doch das Navi leitet uns sicher. Dann kommen wir auf die Idee noch einen Supermarkt zu besuchen, um uns ein wenig mit Wasser und den anderen üblichen Kleinigkeiten für die Fahrt einzudecken. Wir scheinen am Stadtausgang auch verschiedene Geschäfte zu passieren, allerdings liegen diese alle an kleinen Parallelstraßen zum Highway und wir erkennen kaum wo denn die Zufahrten sind. Wir geben uns irgendwann einen Ruck und biegen spontan ab, um einen Supermarkt zu erreichen, aber die Straße führt anderswo hin. Nach einigem Suchen schließlich sehen wir hinter einem Kreisel das verheißungsvolle Schild „Hypermarket“ und parken erleichtert davor ein. 

Jedoch, es ist uns nicht vergönnt, den Markt zu betreten. Kaum steigen wir aus dem gekühlten Wageninneren in die Hitze des Mittags, winkt mich vom Nachbarparkplatz eine junge Frau heran. Sie könne ihr Fahrzeug nicht starten. Auf dem Rücksitz sitzen eine Großmutter und ein Kleinkind. Wir können behilflich sein und werden prompt zum Mittagessen eingeladen. Im Haus von Rangi und Daniel kommen wir in den Genuss eines leckeren srilankischen Mittagessens. So erleben wir gleich zu Beginn der Reise zwei Merkmale des Oman. Die Menschen sind enorm (gast-)freundlich und es gibt ein buntes Bevölkerungsgemisch. Rangi zum Beispiel kommt aus Sri Lanka und arbeitet als Tanzlehrerin, ihr Mann Daniel kommt aus Deutschland und arbeitet als Ingenieur. 

Wir fahren parallel zur Küste nach Osten mit ziemlicher Verspätung, um unser Tagesziel am Raz al Jinz zu erreichen, dem östlichsten Punkt des Landes. Unterwegs aber bleibt Zeit für eine kurze Pause am Bimmah Sinkhole. Schade, dass wir keine Zeit haben unsere Badehose auszupacken. Das türkisblaue Wasser sieht einladend aus. Hier wie auch in den Wadis im Oman kann man problemlos baden. Man sollte allerdings Rücksicht auf die kulturelle Etikette nehmen und möglichst ein T-Shirt auch beim Baden tragen.

In der Dämmerung erreichen wir schließlich das Eco Resort Ras al Jinz. Es handelt sich um eine gepflegte Anlage in kühlem, nüchternem Baustil, die auch das Visitor Centre für Meeresschildkröten beinhaltet und die zudem mit einem ausgezeichneten Museum zur Geschichte des Region und der Biologie der Meeresschildkröten ausgestattet ist. Der Strand und 45km Küstenlinie um Ras al Jinz sind als Naturreservat ausgewiesen. Ein wenig abseits des Hauptgebäudes wurden zusätzlich 12 Eco-Tent-Zimmer errichtet, die etwas mehr Flair bieten als die Zimmer im Hauptgebäude.

Hauptattraktion hier ist die Beobachtung der Schildkröten am Strand, die dorthin zu Eiablage kommen. Wir entscheiden und für die geführte Wanderung bei Dunkelheit am Abend gegen 21.00 Uhr. Die Besucher werden in kleine Gruppen mit eigenen Guides eingeteilt und vorsichtig zu den Tieren geführt. Natürlich wird darauf geachtet, die Tiere möglichst wenig zu stören. Während der Eiablage, ein Prozess der bei ca. 100 Eiern durchaus 10 Minuten dauert, ist es aber möglich den Vorgang von der Rückseite der Tiere zu beobachten. Fotografiert werden darf nicht, da das Blitzlicht in der Dunkelheit viel zu grell wäre. Jetzt, im November, gibt es bereits viele Nester, aus denen schon der Nachwuchs schlüpft und sich den gefährlichen Weg ins Meer bahnt. Die kleinen „hatchlings“ haben dabei ausgesprochen geringe Überlebenschancen, denn es gibt vor dem Schlüpfen natürliche Nestplünderer, dann auf dem Weg über den Strand zum Meer warten gefräßige Krabben und auch im Meer angelangt stellen Vögel und andere Räuber eine enorme Gefahr dar. Auch wir müssen aufpassen am Strand nicht versehentlich auf die Kleinen zu treten, die sich in der Dunkelheit nach den hellen Schaumkronen der Wellen und dem Licht des Mondes orientieren, das sich auf dem Wasser spiegelt. Unser Guide ist aber sehr aufmerksam.

Insgesamt ist es ein faszinierendes Erlebnis, der Eiablage der großen Meeresschildkröten zu erleben, die sich an Land so langsam und mühevoll zu bewegen scheinen, aber seit Jahrmillionen ungebrochen den Fortbestand ihrer Spezies sichern. Wer dennoch gern Fotos machen möchte, dem sei die Wanderung zur Morgendämmerung empfohlen, die um ca. 4.00 Uhr beginnt.

Unsere nächste Etappe führt uns in die Wahiba Wüste. Unterwegs bieten sich zwei attraktive Zwischenstationen an. Zunächst mach wir Halt in Sur, einer alten Handels- und Hafenstadt. Hier lohnt sich der Halt an der Dhau-Werft, wo noch heute die großen Holzschiffe im arabischen Stil gefertigt werden. Der Besuch ist denkbar unkompliziert. Wir sind überrascht zu sehen, dass wir einfach an der Straße parken und das kleine Werftgelände betreten können. Es gibt keinen Eintrittspreis, keinen Verkaufsstand, man kann einfach in aller Ruhe umhergehen. Derzeit liegen zwei der mächtigen Schiffe in der Werft und sind schon zu einem Gutteil fertiggestellt. Mit Vergnügen ergreifen wir die Gelegenheit über eine Leiter an Deck zu klettern und uns die entstehende Dhau genauer anzuschauen. Aus der Höhe bietet sich zudem ein schöner Blick auf die Lagune der Stadt. Früher wurden die Dhaus allein aus Holz, noch ohne Eisennägel hergestellt. Zu welchen Leistungen die Dhaus vor Hunderten Jahren fähig waren, ergab die Segelfahrt eines mittelalterlichen Nachbaus bis nach Fernost. Wir treffen einen freundlichen Omani, wie alle Männer in eine lange weiße Dischdascha gewandet, der sich als Sohn eines der Auftraggeber entpuppt. Er berichtet, dass die Dhau, die wir besichtigen für Vergnügungsfahrten dienen soll.

Auf dem Weg in die Wüste unterbrechen wir unsere Fahrt, um das bekannte Wadi Bani Khalid zu besuchen. Wadis sind die schmalen Felstäler in den Bergen, die zur Regenzeit Wasser führen, das aber schnell wieder verdunstet. Das Wadi Bani Khalid aber ist dafür bekannt, dass es im Prinzip ständig Wasser führt und dem hitzemüden Besucher mit seinen Fels-Pools eine kühle Erfrischung verspricht. Durch seine idyllische Gestalt ist es tatsächlich ein kleiner Besuchermagnet, aber ich empfehle den Besuch unbedingt. Während das große Felswasserbecken am Eingang des Tales mit den Picknickplätzen und Kiosk ein wenig touristisch ist, lohnt es sich tief hinein zu wandern in das Wadi, wo noch viele kleine Wasserpools warten, die zum Baden einladen. Dort sind dann auch kaum noch Besucher und man kann herrlich wandern, picknicken und baden. Es macht enorm Spaß, in die natürlichen kleinen Wasserbecken zu springen und sich dann auf den Felsen in der Sonne trocknen zu lassen mit einem Imbiss aus Datteln und Fladenbrot. Wer möchte kann ganz bis zum Ende des Wadis laufen und eine Höhle besichtigen, die etwa 30m lang ist. Der Einstieg ist etwas mühevoll, dann aber kann man gebückt laufen. Mir wurde es schnell viel zu heiß darin und es gab auch keine schöne Höhlenkammer, die mich zu längerem Verweilen gereizt hätte.

Da wir den Aufenthalt im Wadi so genossen hatten, sind wir anschließend ein wenig verspätet unterwegs, um das 1000 Nights Camp in der Wahiba Wüste zu erreichen. Zwar ist die Distanz nicht allzu groß und die Straße ist gut, aber die Sonne geht bereits gegen halb sechs Uhr abends unter. Das Camp nun liegt noch ca. 20km hinter der Stadt Biddiyah inmitten der Wüste und es führt nur eine kaum erkennbare Wüstenpiste bis zum Camp. Im Vertrauen auf unser Navi und vielleicht etwas übermütig hatten wir im Vorfeld auf das Angebot verzichtet, einen Guide für die Fahrt zum Camp zu nehmen. Im Wettlauf mit der Dämmerung geben wir auf der zu Beginn noch erkennbaren Piste Gas. Plötzlich erscheint ein aufblendender Jeep im Rückspiegel, der uns überholt und zum Anhalten bewegt. Irritiert blicken wir auf den Omani, der sich nähert. In schlechtem Englisch macht er uns verständlich, dass es sehr gefährlich sei, hier bei Dunkelheit und ohne Ortkenntnisse zu fahren, da die Piste bald gar nicht mehr erkennbar wäre. Er würde uns aber gegen 20RO als Guide mit seinem Wagen vorwegfahren. Na klar! Wir sind sicher, es ist eine Touristenfalle. Über das Diskutieren aber wird es immer dunkler. Eine geschickte Strategie. Schließlich lassen wir uns entnervt breitschlagen. Wenn er uns sicher zum Camp leitet, bekommt er sein Geld.

Nun, im Nachhinein waren wir heilfroh, dass er da war. Tatsächlich verschwindet die Piste größtenteils im Sand und zudem gibt es eine ordentliche kurze Steigung von ca. 30 Metern durch die Dünen, die nur mit Vollgas genommen werden kann. Ohne Ortskenntnis und Erfahrung hätten wir uns vermutlich hier festgefahren. So aber gelingt es mir, die Düne auf Anhieb zu bewältigen und wir erreichen glücklich ohne Verzögerungen das Camp. Der gewiefte Guide bekommt sein Geld, das wir nun gern bereit sind zu zahlen. Es stellt sich heraus, dass wir damit ohnehin den üblichen Tarif bezahlt haben. 

Das Camp umfasst ca. 50 Zelt-Wohneinheiten, die in verschiedene Kategorien unterteilt sind und sich in einem ausladenden, von Dünen umrahmten Tal attraktiv um das Hauptgebäude verteilen, das wie ein kleines Wüstenfort gestaltet ist. Wir haben uns für ein Sheik Tent entschieden, das ein quadratisches Zimmer im beduinenartigen Stil beinhaltet, sowie ein eigenes offenes Badezimmer (das bei Wind recht sandig werden kann), das unmittelbar angeschlossen ist. Eine Klimaanlage ist vorhanden zur Abmilderung der Wüstentemperaturen. Insgesamt eine schöne Anlage, die durch die verstreute Lage der Zelte nicht überfüllt wirkt. (Wer es etwas edler mag, ist im unweit gelegenen Desert Nighs Camp noch besser aufgehoben.) Das attraktive, offen gestaltete Restaurantgebäude wirkt mit den Teppichen und bunten einheimischen Stoffen bezogenen Sitzecken supergemütlich und einladend. Fast alle Besucher ziehen beim Betreten sogar ihre Schuhe aus. Frühstück und Abendessen werden per Buffet an den Gast gebracht und beinhalten alles was das Herz begehrt. Einzig Alkohol bekommt man, wie fast überall im Oman, nicht. Nur sehr wenige Bars und Hotels im Land verfügen über die Ausschanklizenz. Westliche, nicht-muslimische Expatriates müssen vor Ort eine „liquor license“ beantragen, um limitierte Mengen an speziellen Ausgabestellen kaufen zu können.

Das Aktivitätenprogramm im Camp besteht aus kleinen Ausritten mit den drei Kamelen (Voranmeldung empfohlen), Sandboarding, Dune Bashing und dem Besuch bei einer Beduinenfamilie. Wir probieren es zunächst mit Sandboarding, doch nach dem schweißtreibenden Erklimmen der Düne, merken wir, dass die schlittenartigen Plastikboards, sich wohl eher für Kinder eignen oder die Düne nicht steil genug ist. Oder hätten wir das Frühstücks-Omelette etwa ausschlage sollen? Für Wagemutigere gibt es auch ein Snowboard und ein Paar Skier inklusive Skischuhe. Letztere sorgen sicher zumindest für ein gutes Fotomotiv. Danach begeben wir uns auf den Ausflug zum Dune Bashing und einem Besuch bei Beduinen en route. Etwas Bedenken habe ich schon hinsichtlich der ökologischen Verträglichkeit des „Dünenprügelns“, das darin besteht mit dem Allradfahrzeug durch die Dünen zu fahren und dabei eine Art „Achterbahn“-Gefühl zu erzeugen. Es stellt sich heraus, dass Salim, unser cooler Guide mit weißer Dischdascha und Pilotensonnenbrille, seinen mächtigen Landcruiser V8 in einer vergleichsweise behutsamen Art durch die Dünen steuert, nicht aber ohne auch einmal etwas Nervenkitzel aufzubauen. 

Der Besuch beim Beduinenzelt ist eigentlich wenig spektakulär, dafür aber durchaus authentisch. Das Zelt ist kein antikes Schau-Stück für Touristen aus Kamelhaardecken, sondern aus verschiedensten bunten Materialien wohl ostasiatischer Herkunft errichtetes, mehrteiliges Zelt. Kaum 2% der Omani leben noch traditionell als wandernde Nomaden. Salim macht uns deutlich, dass nur die Frauen da sind, und wir daher bitte keine Fotos machen sollen. Wir treten in das Zelt und dürfen auf den ausgelegten Kissen Platz nehmen. Eine junge Frau bewirtet uns ganz nach altem Brauch mit Datteln und arabischem Kaffee, der in den kleinen, henkellosen Tassen gereicht wird. Man sollte tunlichst mit der rechten Hand essen und mit einem leichten Schaukeln der Tasse wird signalisiert, dass man keinen Kaffee mehr möchte, der anderenfalls fleißig nachgeschenkt wird. Eine ältere Frau schaut kurz herein und begibt sich dann ins Nachbarzelt, um von dort mit der jungen Frau und unserem Guide zu sprechen.

Wir bewundern derweil das große TV-Gerät, das fein säuberlich gegen Sand und Staub mit einer Plastikfolie geschützt ist. Natürlich hat auch hier die Moderne Einzug gehalten und das Zelt wird heutzutage nach dem Abbau nicht mehr mit dem Kamel transportiert, sondern mit dem Pick-up Truck. Nach diesem ehrlichen kleinen Einblick ins Nomadenleben verabschieden wir uns und fahren schwungvoll über einige Dünenkämme zurück zum Camp.

Der folgende Teil unserer Reise führt uns in die Bergregion des Hajargebirges, wo uns in den kommenden Tagen eine Vielfalt von Erlebnissen zwischen Kultur und Natur erwartet. Hier schlägt der religiöse und landwirtschaftliche Puls des Landes.

Wir übernachten hoch oben am Jebel Shams im gleichnamigen Resort, zu dem eine steile Piste bis auf 3.000m führt. Am Jebel Shams (Sonnenberg) gibt es den „Grand Canyon von Arabien“ und tatsächlich sind wir beeindruckt als wir an die Kante des Canyons (Wadi Nakhr) treten und den Blick tief hinab in die mächtige Schlucht richten. Hier gibt es einen ganz wundervollen Wanderweg, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Der ausgewiesene Wanderweg W6, auch als „balcony walk“ bekannt, führt an der Innenwand des Canyons entlang bis hin zu einem verlassenen Dorf, das sich in die Felswand schmiegt. Während der relativ leichten, ca. 3-stündigen Wanderung, die beeindruckende Ausblicke bietet, begegnen wir kaum einem anderen Touristen und können das verlassene Felsendorf wie einen Abenteuerspielplatz erkunden. Nur ein paar neugierige Ziegen beobachten uns dabei. 

Ich stelle hier ein weiteres Merkmal des Landes fest. Noch ist die touristische Infrastruktur, abgesehen von den Hotels, nicht übermäßig ausgebaut. Man die Natur fast immer frei entdecken. Es gibt keine Absperrungen, Verkaufsstellen und Eintrittspreise. Alte Lehmdörfer oder die verlassene Altstadt von Al Hamra lassen sich ungehindert auf eigene Faust entdecken ohne Reglementierungen. Empfehlenswert ist z.B. ein Besuch des verlassenen Städtchens Ghul am Fuß des Jebel Shams. Während dies noch einen romantisch-morbiden Charme ausstrahlt, wirken die aufgegebenen und einfallenden Häuser in Al Hamra doch eher verloren und gespenstisch, zumal sich hier inzwischen viel zu viel Müll angesammelt hat. 

Ein weiterer Höhepunkt in dieser Region ist die alte Stadt Nizwa, die schon von vielen Entdeckungsreisenden beschrieben worden ist. Sie war als Sitz des Imams immer das religiöse und kulturelle Zentrum des Landes und ist heute vor allem für das mächtige Fort und den ausladenden Souk bekannt. Es lohnt sich die Reise so zu planen, dass man den Ausflug nach Nizwa am Freitagmorgen macht, um den berühmten Tiermarkt zu erleben. Wenn auch der Souk inzwischen modernisiert ist, macht es dennoch Spaß herumzuschlendern und die unterschiedlichen Abteilungen von Töpferei, Lederwaren, Schmiedewaren, Fischmarkt etc. zu erleben. Besonders angenehm ist es, dass man hier als Tourist in keinerlei Form bedrängt wird und sich alles in Ruhe anschauen kann. Wir stranden schließlich im Dattel-Souk und da kaum etwas los ist, freut sich ein freundlicher Verkäufer uns ausgiebig in die reiche Welt der Datteln einzuführen, nicht ohne an Kostproben zu sparen. So gestärkt sind wir gewappnet das riesige Schloss von Nizwa zu besichtigen. Es ist so groß, dass wir auch hier zum Teil völlig allein unterwegs sind und die Räumlichkeiten ausgiebig erkunden können. Vom Wehrgang des riesigen Festungsturms erschließt sich dem Besucher ein schöner Blick über die gesamte Stadt mit der großen Moschee und den umgebenden Bergen.

Auch die alten und gut renovierten Festungen von Jabrin und Bahla (Weltkulturerbe) in der Umgebung von Nizwa lohnen sich für einen Besuch während des Aufenthaltes dieser Region. Hier an der südlichen Flanke des Hajargebirges findet sich ein weiteres Unesco Weltkulturerbe: Die Landwirtschaft des Gebiets mit Dattelpalmen und Obstbäumen verdankt Ihren Reichtum dem „Falaj“ genannten Bewässerungssystem, das seit Jahrhunderten die Felder über Terrassen und kleine Kanäle mit dem Wasser der Berge und Wadis versorgt. So erhalten die kargen grauen Bergtäler die schönen grünen Farbtupfer. Wir begegnen den Falaj-Kanälen in den Dattelgärten von Al Hamra und insbesondere im kleinen Bergdorf al Misfah. Der beliebte Landesvater, Sultan Qaboos, hat es zu einem seiner Lieblingsplätze auserkoren und es so zu einer kleinen Berühmtheit gemacht. Es ist immer noch ein wundervolles kleines Dorf, das sich für eine Erkundung lohnt. Bewegt man sich unter den Palmen und in den Gärten entlang der kleinen Kanäle, kommt man sich vor wie in einer anderen Zeit. Auf der empfehlenswerten kleinen Wanderung vom Dorf zur Wasserquelle kann man die Falaj ausgiebig bewundern. Die Quelle ist zwischen großen Felsbrocken verborgen, die sie mit ihrem Wasser umgibt. Zu unserem Erstaunen stoßen wir hier auf eine Frauengruppe aus dem Dorf, die diesen idyllischen Platz zum Picknicken und Waschen nutzt. Wir behalten eine respektvolle Distanz, wie es die Landessitte verlangt und können doch ein wenig abseits den Zauber dieses Ortes ausgiebig genießen.

Es gibt im Dorf ein ausgesprochen schönes kleines, traditionelles Gästehaus, das sich für alle lohnt, die ein wenig Einschränkung im Komfort gern für ein authentisches omanisches Wohnerlebnis in Kauf nehmen. Mir hat es hier von allen Unterkünften fast am besten gefallen.

Nachdem wir noch die Terrassenfelder des Jebel Akhdar (Grüner Berg) mit den leuchtenden Granatapfelbäumen erkundet haben und im wilden Wadi Bani Awf endlich einmal die Allrad-Tauglichkeit unseres Wagens testen konnten, führt uns die Reise schließlich zurück an die Küste. 

Und hier wartet der Oman mit einer weiteren attraktiven Facette auf: Strand und Meer. Nach den Abenteuern im Hinterland, gönnen wir uns einige Tage an der schönen Bucht von Jissah. Östlich von Muscat gibt es einige Badehotels, die von großen Luxushotels über Mittelklasse-Resorts bis hin zu einfachen Strandbungalows alle Urlauberwünsche abdecken. Neben anderen Wassersportaktivitäten sei hier besonders das Tauchen empfohlen. Vielleicht nicht ganz so üppig wie das Rote Meer, kann aber doch auch der Persische Golf mit wirklich schönen Tauchplätzen aufwarten. Mir ist es schließlich vergönnt zum ersten Mal beim Tauchen eine Meeresschildkröte zu erleben und ich muss ein wenig schmunzeln, so gut es der Atemregler eben zulässt. Denn mit unserer Beobachtung der Eiablage der Seeschildkröten am ersten Tag der Reise und dem Zusammentreffen mit dieser Schildkröte, die mich kurz vor der Abreise zu verabschieden scheint, schließt sich der Kreis zu einer Reise, an die ich noch lange mit großem Vergnügen zurückdenken werde.

Zusammenfassend habe ich den Oman als ein erstaunlich vielseitiges und unkompliziertes Reiseland kennen gelernt, das dem interessierten Besucher die Tore zu kleinen Abenteuern und arabischer Kultur weit öffnet. Und in meinem Hinterkopf formen sich schon ganz verschwommen neue Reisewünsche hin zur Weihrauchküste von Dhofar im Süden des Landes, mehrtägigem Kameltrekking in der Rhub al Khali Wüste, Tauchen bei Salalah….

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