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Auf der Spur der Wüstenlöwen

Auf der Spur der Wüstenlöwen

Meine Seelensafari im Kaokoveld

„ Dieses Mal muss ich unbedingt Löwen sehen!!“ Unter diesem Motto steht meine inzwischen dritte Namibiareise.

Schon als das Flugzeug der Air Namibia bei Minusgraden in Frankfurt startet bin ich voller Vorfreude darauf mir bei diesem Aufenthalt endlich meinen lang gehegten Wunsch zu erfüllen und neben der atemberaubenden Landschaft und der einzigartigen afrikanischen Ruhe und Gelassenheit, welche sich bei mir ebenfalls einstellt sobald ich in Windhoek aus dem Flugzeug steige, diesmal in Namibia auch endlich Löwen in freier Wildbahn zu erleben.

„Diese Freude war mir bei meinen letzten Aufenthalten im Süden und der Mitte des Landes trotz zahlreichen Aufenthalten im Etosha Nationalpark und anderen Wildbeobachtungsspots leider nicht vergönnt, daher setze ich alle meine Hoffnung nun auf den Norden Namibias“, erzähle ich Nadine bei unserem gemeinsamen Frühstück in Windhoek, welches wir bei heißen 25 Grad in der Morgensonne genießen, bevor wir ein paar Unterkünfte, sowie das Office unseres Partners Tracks & Trails in Windhoek besichtigen.

Auch abends bei meinem langersehnten Oryxsteak und dem obligatorischen Gin & Tonic im ausgezeichneten Stellenboschrestaurant in der Hauptstadt schweifen meine Gedanken immer wieder zu den „Musketeers“, den fünf im Kaokoveld lebenden Wüstenlöwen ab, über die ich noch vor meiner Abreise eine tolle Dokumentation gesehen habe.

„Hast du die Wüstenlöwen schon einmal live gesehen?“ frage ich am nächsten Tag auch als erstes Castro, meinen Guide und Fahrer, der mich zu meiner ersten Station ins landschaftlich einzigartig schöne Erongogebirge mit seinen schroffen Felsformationen bringt.

Hier kann ich am Nachmittag bei einem Game Drive nicht nur die traumhafte Landschaft mit den zahlreichen Antilopenarten und Vögeln auf mich wirken lassen, sondern mich zum ersten Mal seit meiner Landung in Windhoek auch so richtig entspannen. Spätestens nach einem traumhaften Sonnenuntergang und einem leckeren Abendessen fühle ich mich wieder einmal vollkommen angekommen in Namibia.

Traurig darüber, dass mein Ausflug in die traumhafte Ruhe und Abgeschiedenheit des Erongogebirges nur von so kurzer Dauer war, sitze ich am nächsten Tag im Auto auf dem Weg nach Swakopmund. 

Doch als ich in der Mittagssonne einen kleinen Spaziergang durch die Straßen der charmanten Kolonialstadt mache, Souvenirläden durchstöbere und mir ein Eis am Strand gönne, kommt meine Entspannung schnell zurück und gleichzeitig steigt die Vorfreude auf die bevorstehenden Tage in der kargen Landschaft der Skelettküste und den Tierreichtum in der ursprünglichen Palmwagkonzession, sowie natürlich auf den heißersehnten Campingaufenthalt im Kaokoveld fast ins Unermessliche.

Spätestens als ich mit Wiebke und Claudia von Tracks & Trails beim Sundowner in der hauseigenen Brewery des neu eröffneten Strand Hotels den geplanten Ablauf für die folgenden Tage bespreche, bin ich Feuer und Flamme von dem Gedanken auf das bevorstehende Abenteuer im Kaokoveld und kann es kaum erwarten endlich die Wüstenlöwen suchen zu können.

Das wie immer vorzügliche Essen am Abend im The Tug-Restaurant, meinem absoluten Lieblingsrestaurant in Swakopmund, wird zu einem Erlebnis der besonderen Art. Denn auf Grund eines Elektrizitätsproblems findet dieses bei romantischem Kerzenschein statt. Das hat aber keinerlei Einfluss auf den hervorragenden und stets freundlichen Service oder die Qualität des Essens. Ganz im Gegenteil! Das perfekt eingespielte Team des Restaurants macht selbst unter diesen erschwerten Gegebenheiten den Abend zu einer der schönsten Erinnerungen meiner Reise, an dessen Ende ich glücklich und zufrieden einschlafe.

Am nächsten Morgen warte ich ausgeruht und frisch gestärkt nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet im Farmhouse Delhi vor dem Hotel auf Paul, meinen Guide für die nächsten Tage.

Als er mit dem voll beladenen Allradfahrzeug mit Anhänger vorfährt, indem sich die Campingausrüstung sowie unsere Verpflegung und Ersatzbenzinkanister befinden, freue ich mich riesig: Endlich kann unser Abenteuer und vor allem die Suche nach den Wüstenlöwen beginnen!

Entlang der unwahrscheinlich schönen und kargschroffenen Atlantikküste starten wir unsere Fahrt in Richtung Norden, vorbei an den niedlichen Pelzrobben der Robbenkolonie von Cape Cross und an verwaisten Schiffswracks durch die grauschwarze Steinwüste der Skelettküste.  Stundenlang genieße ich schweigend die überwältigende Ruhe der dahinziehenden Landschaft. Schließlich erreichen wir unser Tagesziel Terrace Bay ein kleines Resort im nördlichsten befahrbaren Teil der Skelettküste, hier lassen wir uns den rauen Wind bei einem Spaziergang entlang der Bucht um die Ohren wehen und den Tag bei einem gemütlichen Essen im charakteristischen Restaurant des Terrace Bay Resorts ausklingen.

Am nächsten Morgen brechen wir früh in Richtung Landesinnere auf, allerdings nicht ohne uns vorher online anzuschauen, wo sich die fünf Wüstenlöwen derzeit aufhalten. Da die Löwen mit einem Peilsender versehen sind lassen sich Ihre täglichen Bewegungen auf der eigens zu diesem Zweck eingerichteten Website nachvollziehen. 

Nach ein paar Stunden Fahrt durch die ständig wechselnde steinige Wüstenlandschaft, die von Trockenflussbetten und kargen Ebenen durchzogen ist erreichen wir unser Tagesziel das Etendeka Mountain Camp. Dieses rustikale und umweltfreundliche Camp liegt im Etendeka Konzessionsgebiet am Fuße des Grootbergs und bietet mit seinem abwechslungsreichen Landschaftsbild einen optimalen Lebensraum für zahlreiche Wildtiere.

Bereits bei unserer Anfahrt zum Camp, die nur mit einem Allradfahrzeug auf den sehr steinigen und unwegsamen Strecken überhaupt  möglich ist, begegnen uns einige Giraffen, Zebras und Antilopen. Bei der späteren Wildbeobachtungsfahrt sehen wir außer einem traumhaften Sonnenuntergang auch noch Elefanten. 

Diese spannenden Erlebnisse werden beim anschließenden gemeinsamen Abendessen am großen Gemeinschaftstisch in den schillerndsten Farben ausgeschmückt.

Am nächsten Tag ist es dann endlich soweit und Paul und ich fahren über das Grootberg Plateau, wo wir die überwältigende Aussicht ins Tal genießen, bis zur Palmwag Lodge, unserem Startpunkt für unser Campingabenteuer im Kaokoveld.

Von Palmwag aus, arbeiten wir uns durch unwegsame Sand- und Schotterpisten bis nach Khowarib vor. Unterwegs begegnen uns zahlreiche Zebras, Giraffen und Antilopen, die langersehnten Wüstenlöwen lassen allerdings noch immer auf sich warten.

Nachdem wir in Khowarib im kleinen Shop des Dorfes noch die nötigsten Dinge wie Streichhölzer, Mülltüten und Geschirrhandtücher eingekauft haben treffen wir Barra unseren Campingassistenten, der uns die kommenden Tage begleitet. 

Er ist nicht nur unser persönlicher Kompass, da er diese Gegend wie seine Westentasche kennt, weil er hier geboren und inmitten der unberührten traumhaften Landschaft des Kaokovelds aufgewachsen ist, sondern darüber hinaus auch ein ausgezeichneter Spurenleser. Er macht mir große Hoffnungen, die Wüstenlöwen schnellstmöglich zu finden, da er von einem Freund am Tag zuvor gehört hat, dass die Löwen nur wenige Kilometer weiter im Trockenflussbett gesichtet worden sind.

Vollkommen begeistert von der Aussicht nun doch schneller als gedacht mein persönliches Highlight der Reise zu erleben, dränge ich zum Aufbruch. Während der anschließenden Fahrt starre ich gebannt hinter jeden Busch und reiße bei der kleinsten Bewegung eines Astes, der im Wind schwingt den Kopf herum, da ich hinter jeder Kurve die Löwen hoffe zu entdecken.

Allerdings bleibt mir diese Freude zunächst noch verwehrt. Wir sehen zwar zahlreiche Antilopen, Giraffen und sogar ein paar Schakale aber die Löwen lassen immer noch auf sich warten. 

Gerade als wir uns entscheiden unsere Fahrt durch das Trockenflussbett zu beenden und uns einen Platz zu suchen, wo wir unser Camp errichten können, ruft Barra plötzlich laut „Stopp!!“.

Erschrocken schauen Paul und ich auf, weil wir nicht wissen was passiert ist. Es ist unglaublich! Barra hat tatsächlich frische Löwenspuren im Sand direkt neben unserem Fahrzeug entdeckt. Nun hat es uns alle gepackt und aufgeregt folgen wir ganz langsam und behutsam den Spuren im Sand, um die Löwen nicht aufzuschrecken. Die Augen haben wir starr geradeaus gerichtet, um die Löwen ja nicht zu verpassen. Wir fahren noch um zwei weitere Kurven und da endlich sehen wir Sie- in aller Seelenruhe liegen Sie am Rande des Trockenflussbettes unter einem schattenspendenden Baum – drei der fünf Musketiere!

Ungläubig starre ich diese faszinierenden Tiere an und kann mein Glück kaum fassen. Niemals hätte ich damit gerechnet die scheuen Tiere bereits nach so kurzer Zeit zu finden. Offensichtlich ist das Glück aber auf meiner Seite und so habe ich nach nur einem halben Tag im Kaokoveld mein persönliches Ziel der Reise erreicht und endlich Löwen in freier Wildbahn gesehen.

Ich freue mich wie ein kleines Kind, dass meine ersten Löwen, die ich live und in Farbe zu Gesicht bekomme, nicht einfach irgendwelche Löwen sind, sondern ich in den Genuss komme die seltenen und berühmten Wüstenlöwen im Kaokoveld zu erspähen. Begeistert und vollkommen überwältigt schieße ich ein Foto nach dem anderen, bis es schon langsam anfängt zu dämmern und Paul und Barra zum Aufbruch drängen.

Schweren Herzens verlassen wir die drei Löwen und suchen uns ein wunderschönes Fleckchen in einem Seitenarm des Hoanibflussbettes, wo wir unser Camp für die kommenden zwei Tage beziehen. Während ich mich bei einer Buschdusche erfrische, bauen Barra und Paul bereits unsere Zelte auf und beginnen damit ein Lagerfeuer anzuzünden und unser unglaublich leckeres Abendessen vorzubereiten.

Ich sitze immer noch vollkommen ergriffen von den surrealen Erlebnissen des Tages am Lagerfeuer und versuche mein Glück, dass ich die Löwen so schnell gefunden habe zu verarbeiten, während es langsam dunkel wird und sich der schönste und klarste Sternenhimmel, den ich je gesehen habe, über uns eröffnet und sogar den Blick auf die Milchstraße ermöglicht.

Bis tief in die Nacht hinein sitzen wir gemeinsam am Lagerfeuer, reden und lauschen den faszinierenden Geräuschen der Wildnis. Ein einmaliger Moment der vollkommenen Ruhe, Entspannung und Zufriedenheit, an den ich mich noch lange zurückerinnern werde. Beflügelt durch das tolle Gefühl absolut eins mit der Natur zu sein, schlafe ich in dieser Nacht in meinem Zelt inmitten der traumhaften Landschaft des Kaokovelds so gut und entspannt wie nie zuvor.

Als wir am nächsten Morgen ausgeruht und frischen Mutes zu unserer Ganztagestierbeobachtungsfahrt in Richtung Trockenflussbett aufbrechen, treffen wir nur zwei Kilometer von unserem Camp entfernt erneut auf unsere Freunde, die Wüstenlöwen, welche zufrieden im Sand liegen und sich von Ihrem ausgiebigen Mahl erholen. 

Im Laufe der folgenden Tage während meiner Reise ist es mir zwar vergönnt auch zahlreiche Wüstenelefanten, Giraffen, Zebras, Antilopen, Strauße sowie bei meiner anschließenden Fahrt durch den Etosha auch einige Nashörner, Hyänen und im ebenfalls wunderschönen Caprivistreifen darüber hinaus auch Flusspferde, Büffel und Krokodile zu sehen, doch kein Erlebnis ist mir von dieser Reise so nachhaltig im Gedächtnis geblieben wie diese unglaubliche Sichtung meiner ersten Löwen in freier Wildbahn - die Wüstenlöwen im meiner Meinung nach schönsten Flecken Namibias dem traumhaften und ursprünglichen Kaokoveld

Selbstverständlich waren auch die restlichen dreizehn Tage meiner Reise einfach nur atemberaubend und beeindruckend. So hatte ich beispielsweise weiterhin das Glück auch gemeinsam mit meinem dritten Guide Lazarus während der Reise so eindrucksvolle Landschaften wie die Epupa Fälle an der nördlichen Grenze Namibias zu Angola, den noch recht unerschlossenen Westen des Etosha Nationalparks und die privaten Wildschutzgebiete Ongava und Onguma sowie den abwechslungs-,  wasser- und tierreichen Caprivistreifen, die grüne Lunge Namibias, mit seinen zahlreichen Flüssen, Stromschnellen und diversen landschaftlich sehr vielfältigen Nationalparks kennenlernen zu dürfen.

Darüber hinaus erlebte ich die Weltuntergangsstimmung während des Naturschauspiels eines heftigen Gewitters mit Hagel, Sturm und sintflutartigen Regenfällen in der Namushasha Lodge und wundervolle Bootstouren bei Tag und bei Nacht wobei ich nicht nur Flusspferde aus nächster Nähe sehen konnte, sondern sogar in den Genuss kam ein Babykrokodil in der Hand halten zu dürfen.

Auch meine Übernachtungen in so außergewöhnlich luxuriösen Unterkünften wie beispielsweise der Okahirongo Elephant Lodge oder in der 120 m² großen Villa der Mushara Lodge mit eigenem Planschpool und zahlreichen weiteren Vorzügen wie einer freistehenden Badewanne im Zebrastil und natürlich der zauberhafte Aufenthalt am Ende meiner Reise in der Nambwa Lodge, deren große Zeltsuiten auf erhöhten Plattformen in die Bäume am Ufer des Kwando mit toller Sicht auf den Fluss, die Flutebenen und die Tiere gebaut wurden und die in der Mashi Conservancy im Bwabwata Nationalpark liegt , werde ich so schnell nicht vergessen. Insbesondere an den Buschbrunch mit Champagner auf einer kleinen Insel inmitten des Naturschutzgebietes sowie an die außerordentliche Gastfreundschaft in Nambwa werde ich mich noch lange gerne zurückerinnern.

Nichts desto trotz gilt mein letzter Gedanke als ich am Tag meiner Abreise von Katima Mulilo mit dem Kleinflugzeug zunächst nach Windhoek zurückfliege um dann von dort aus weiter ins bitterkalte Deutschland zurückzukehren meinem absoluten Highlight der Reise: den außergewöhnlichen Wüstenlöwen im beeindruckenden Kaokoveld, dem für mich eindeutig schönsten Ort der Welt, an dem man alles um sich herum vergessen und vollkommen eins mit der Natur werden kann!

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