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Auf Augenhöhe mit den letzten Berggorillas

Auf Augenhöhe mit den letzten Berggorillas

Teil 1 des Uganda/Ruanda Reiseberichts

Die letzten Minuten unseres Aufstiegs zu den Gorillas geht es Querfeldein. Mitten im Regenwald des Bwindi Nationalparks schlägt unser Ranger mit der Machete eine Wegschneise, um an den momentanen Aufenthaltsort der Berggorillas zu gelangen. Mein Herz pocht schneller, nicht nur von der Anstrengung…

Aufgeregte Spannung macht sich breit - wir kommen den Berggorillas immer näher und näher. Plötzlich bricht ein schwarzer Schatten aus dem Dickicht hervor. Neugierig blickt uns die Gorilladame mit ihren aufmerksamen schwarzen Augen an. Beim ersten Blick auf dieses beeindruckende Geschöpf stockt uns der Atem.

Es ist einfach überwältigend…

Die Gorilladame jedoch fühlt sich nicht weiter gestört – Blätter und Blüten fressend und vor sich hin kauend blickt sie neugierig in unsere Richtung. Inmitten von Riesenfarnen und blühenden Büschen kommen weitere Tiere der Gorillagruppe hinzu. Angst haben sie nicht, sie kennen die Menschen – denn Besucher werden nur zu habituierten (an Menschen gewöhnte) Gorillagruppen geführt. Acht dieser Gruppen gibt es im Bwindi Nationalpark. Insgesamt schätzt man, dass es 28 Gruppen im Bwindi gibt, also die meisten der Gorilla-Gruppen wild lebend. 

Wir hatten unsagbares Glück, gleich auf 2 der Gorilla-Gruppen auf einmal zu treffen, denn sie hatten sich wohl verabredet. Beide Gruppen waren vereint und so hatten wir insgesamt ca. 25 Tiere mit 2 Silberrücken sowie einem frisch geborenem Gorillababy vor uns.

Die Gorilla-Mutter hält ihr frisch geborenes liebevoll im Arm und schaut es – wie es scheint – glücklich und zufrieden an. Während Michael diese Szene auf Film festhalten will, kommt ein Silberrücken aus dem Dickicht und scheint ungemein etwas dagegen zu haben, dass wir ihm unwissentlich zu nahe gekommen sind. Er schnaubt ziemlich laut und aggressiv, macht 2 m vor Michael halt und bewirft ihn mit Erde.

Wie zuvor vom Ranger beigebracht bekommen, senkt Michael sofort seinen Kopf, um dem Chef der Gruppe ja nicht in die Augen zu schauen. Und ich muss schmunzeln, als ich sehe, dass alle Gorillamitglieder in unmittelbarer Umgebung genau das Gleiche tun.

Als sei es eine Entschädigung nach dem Schreck, kommt 10 Minuten später ein Schwarzrücken aus dem Wald und läuft von hinten auf Michael zu. Ich rufe ihm noch zu: „Dreh Dich um, hinter Dir kommt jemand“, da setzt sich der Schwarzrücken direkt neben ihn. Schulter an Schulter sitzen sie da und es wirkt wie ein Ausdruck der Verbundenheit.

Ja, die Berggorillas sind schon eigenartige, sanftmütige Geschöpfe.
 

Die Tiere sind vom Aussterben bedroht und es sind die letzten ihrer Art, die in den Ausläufern der Ur- und Regenwälder in den Vulkanbergen des Virunga-Massivs zwischen Uganda, Ruanda und dem Kongo leben. Nach den jüngsten Zählungen gibt es nur noch 720 Berggorillas, davon ca. 340 im Bwindi Nationalpark in Uganda, der, wie der Virunga Nationalpark von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde. 

Im Übergangsgebiet von der Steppe zum Bergland liegt der nur schwer zugängliche Bwindi-Nationalpark. Er ragt durch die einzigartige Artenvielfalt seiner Flora und Fauna heraus. Über 100 Arten von Farngewächsen sind hier heimisch, und etwa 160 Baumarten bilden den Bergwald des Nationalparks. Von den bisher nachgewiesenen rund 300 Vogelarten nehmen die Waldvögel etwa zwei Drittel ein.

Dazu gibt es hier in etwa 200 Schmetterlingsarten, von denen 8 endemisch (nur hier vorkommend) sind. Auch ca. 120 Säugetierarten leben in dem Nationalpark. Seit der letzten Eiszeit konnte sich die Pflanzenwelt ungestört entfalten. Die Wälder des Bwindi-Nationalparks gehören daher zu dem ältesten und ursprünglichsten Afrika.

Weltberühmt wurden die Berggorillas durch den Film „Gorillas im Nebel“, der Verfilmung des außergewöhnlichen Lebens der Forscherin Dian Fossey. Sie hatte seinerzeit das Leben der Berggorillas in Ruanda erforscht und auf das Schicksal der stark bedrohten Geschöpfe aufmerksam gemacht.

Seit 1979 ist auch der Virunga NP Weltnaturerbe und umfasst eine der Regionen mit der größten Artenvielfalt Afrikas. Seit 1994 steht er auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.

Fasziniert blicken wir in die Richtung der sanften Riesen. Es erscheint uns wie eine fremde Welt. Hier in der „Perle Afrikas“, wie Winston Churchill einst Uganda bezeichnete, mitten im Bwindi Regenwald, fernab jeglicher Zivilisation, haben wir beinahe das Gefühl, in einem Traum zu stecken - so atemberaubend ist dieser Moment. 

Schon vor dem Aufstieg zum momentanen Fress- und Aufenthaltsplatz der Berggorillas, den Ranger schon frühmorgens ausfindig gemacht hatten, bekommen die Besucher einen Steckbrief mit den Namen und Gesichtern der einzelnen Mitglieder der Gorillagruppe, die von ihnen besucht wird. Schon hier erkennt man, dass jeder Berggorilla ein Unikat ist. Insgesamt dürfen pro Gruppe nur acht Besucher zu den Gorillas, maximal 64 Besucher am Tag.

Der Aufstieg beginnt auf einem ausgetretenen Pfad. Etwa ein bis vier Stunden wird durch Gelände marschiert, wie bei uns auf etwas steileren Waldwegen, bevor es die letzten Meter mitten durch den Wald geht. Doch die Strapazen des Aufstiegs sind schnell vergessen, sobald man die Gorillas aus nächster Nähe erblickt. Ob mächtiger Silberrücken, Weibchen oder Jungtiere – sie alle haben einen Blick, der tief ins Herz dringt.

Eine Stunde dürfen die Touristen bei den Gorillas verbringen, um den Tieren nicht zu langen Stesszeiten auszusetzen und diese nicht mit unseren „Zivilisationskrankheiten“ anzustecken. Insbesondere Erkältungskrankheiten sind oftmals für den Tod von Berggorillas verantwortlich. Daher sollte auch niemand, der an einer Grippe leidet, zu den Berggorillas gehen – den Berggorillas zuliebe!
So hatte es übrigens auch einen Besucher mit Grippe ins Bett des Gorilla Forest Camps gebracht, als dieser sich sehr wunderte, was durch sein Fenster schaute: Eine Gruppe der Berggorillas im Bwindi kam doch tatsächlich bis in das Camp und stattete dem „Daheimgebliebenen“ einen Besuch ab. 

Das war ungefähr vor 1 Jahr. Inzwischen gab es noch einige Besuche der Berggorillas im Camp und manchmal scheint es, als wollten diese Wesen auch etwas über uns erfahren.
 

Nun, ich war schon sehr oft bei den Berggorillas, sowohl auf der Ruanda- als auch auf der Uganda-Seite, aber dennoch erfüllt sich mein Herz jedes Mal von neuem mit Freude. Es gibt kaum etwas Faszinierendes, als den alles durchdringenden Blick eines Berggorillas, der tief in Deine Seele zu schauen scheint. Es sieht so aus, als ob sie genau wüssten, dass sie die letzten ihrer Art sind. Und an uns liegt es, den Fortbestand dieser einmaligen Geschöpfe zu sichern!

Als wir uns wieder auf den Rückweg machen, sind alle Teilnehmer des Gorillatrackings schweigsam und in sich gekehrt. Das Gefühl diesen beeindruckenden, riesigen und doch so sanften Geschöpfen so nah gekommen zu sein, ist atemberaubend und einfach unbeschreiblich.Nun, ich war schon sehr oft bei den Berggorillas, sowohl auf der Ruanda- als auch auf der Uganda-Seite, aber dennoch erfüllt sich mein Herz jedes Mal von neuem mit Freude. Es gibt kaum etwas Faszinierendes, als den alles durchdringenden Blick eines Berggorillas, der tief in Deine Seele zu schauen scheint. Es sieht so aus, als ob sie genau wüssten, dass sie die letzten ihrer Art sind. Und an uns liegt es, den Fortbestand dieser einmaligen Geschöpfe zu sichern!

Als wir uns wieder auf den Rückweg machen, sind alle Teilnehmer des Gorillatrackings schweigsam und in sich gekehrt. Das Gefühl diesen beeindruckenden, riesigen und doch so sanften Geschöpfen so nah gekommen zu sein, ist atemberaubend und einfach unbeschreiblich.

Teil 2 des Uganda/Ruanda-Reiseberichts

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