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Nach Namibia? Aber sicher!

Nach Namibia? Aber sicher!

Ein Beitrag von Helge Bendl

Reporter Helge Bendl ist seit einigen Wochen wieder in Namibia unterwegs. Corona schränkt das Reisen dort kaum ein. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Geschafft! „Welcome to Namibia“, sagt die Beamtin der Immigration, als sie den Einreisestempel in den Pass drückt. Nach dem Abholen des Gepäcks geht es zum Tisch der Gesundheitsbehörde. Dort zeigt man zum letzten Mal den negativen Covid-19-Test vor und gibt ein Formular mit persönlichen Daten ab. Nur ein paar Schritte noch, dann steht man im Freien unter rauschenden Palmen. Windhoek empfängt seine Besucher an diesem Morgen mit blauem Himmel und strahlender Sommersonne – welch ein Kontrast zum feuchtkalten deutschen Winterwetter!

Der Flug nach Namibia verläuft unkompliziert. Am Flugsteig in Frankfurt wird der Corona-Test das erste Mal kontrolliert: Ein gutes Gefühl, dass alle im Flieger negativ getestet worden sind. Platz ist aber genug – im Airbus sind bei weitem nicht alle Plätze besetzt. Was nicht heißt, dass man die im Alltag schon lange praktizierten Regeln nun über Bord wirft: Selten waren Flugpassagiere so diszipliniert wie heute. Alle, wirklich alle halten sich an die Maskenpflicht. Auch beim Aussteigen gibt es keinen Tumult. Erst wenn die eigene Reihe aufgerufen wird, sucht man sein Handgepäck zusammen und verlässt das Flugzeug. Auch am Windhoeker Flughafen ist die Warteschlange besser organisiert als früher. 

Das war es dann aber auch mit den Menschenansammlungen: Von allen Ländern der Welt ist nur die Mongolei dünner besiedelt als Namibia. Das freut nicht nur alle Fans einsamer Landschaften, sondern ist in Zeiten einer Pandemie ein echter Bonus. So ist das Land längst kein Risikogebiet mehr, die Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist aufgehoben. Abgesehen vom negativen Corona-Test bei der Einreise gibt es keinerlei spezielle Beschränkungen mehr für Besucher. Denn Namibias Fallzahlen sind niedrig: Mitte November gibt es im Mittel nur etwa 50 Neuinfektionen am Tag im ganzen Land. Die Hygienevorschriften werden meist recht gut befolgt. Beim Einkauf im den Supermärkten von Windhoek wird bei jedem Kunden Fieber gemessen, Mundschutz ist dort ebenso Pflicht. 

Die Akteure im Tourismus haben sich an die neue Situation angepasst. Penibel desinfizieren die Autovermieter nicht nur ihre Fahrzeuge vor der Übernahme, sondern oft auch noch jedes Gepäckstück, das die Mitarbeiter den Kunden ins Fahrzeug hieven. Die Unterkünfte ziehen auch mit – vor allem jene, die extra vom Gesundheitsministerium zertifiziert worden sind. Dazu zählen zum Beispiel die Camps der Mushara Collection am Etosha-Nationalpark. „Bei uns wird jeden Tag Fieber gemessen – bei den Gästen, dem Personal, sogar bei den Lieferanten“, erzählt Inhaber Marc Pampe. Überall stehen Spender mit Desinfektionsmitteln bereit. Statt sich selbst am Frühstücksbuffet zu bedienen, wird das Essen den Gästen nun serviert. Das Putzteam desinfiziert alle drei Stunden häufig benutzte Oberflächen wie Türklingen. Der Aufwand lohnt sich: „Alle fühlen sich sicher, aber es gibt keine Einschränkungen. Inzwischen haben wir jeden Tag wieder internationale Gäste, die in ihrem Urlaub Abgeschiedenheit und Ruhe genießen.“ 

Wer dann mit einem Guide von Mushara im offenen Geländewagen den Etosha-Nationalpark erkundet, muss zwar keine Maske tragen. „Social Distancing“ geht aber auch bei Touren im Game Viewer: Maximal sechs Gäste kommen aufs Auto, der Mittelsitz bleibt frei. Auch sonst ist viel Platz: Weil nur ein Bruchteil der üblichen Gäste das Schutzgebiet erkundet, ist Etosha gerade fast menschenleer.

Im Caprivi-Zipfel, der in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt hat, ist im Moment ebenfalls wenig los. Botswana öffnet aber am 1. Dezember seine Landgrenze, dann ist auch die Weiterreise zu den Viktoriafällen wieder möglich. „Wir sind jetzt schon bereit und setzen alle Gesundheitsvorschriften um“, meint Simone Micheletti von der Wild Waters Group, die vier Lodges und Camps am Nkasa-Rupara-Nationalpark und am Chobe River betreibt. Niemand der rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde in den vergangenen Monaten entlassen, um jetzt wieder durchstarten zu können. Das ist auch dringend nötig: In den Conservancies der Region hängen viele Menschen vom Tourismus ab.

Die Tierwelt kümmert sich derweil nicht darum, was die Menschen bewegt. Vor der Terrasse der Serondela Lodge tummeln sich am Chobe River die Elefanten, bei der Nkasa Lupala Lodge wurden erstmals seit langer Zeit wieder Wildhunde gesichtet. Für Simone Micheletti gibt es keinen besseren Moment für einen Besuch als jetzt: „Hier im Caprivi ist noch einsamer als anderswo im Land. Und man jetzt hat das Gefühl, Namibia so kennen zu lernen, wie es vor 20 Jahren einmal war – als einen Ort, den nur wenige Eingeweihte kennen.“ 

Rendezvous mit der Einsamkeit: Ein ausführlicher Reisebericht von Helge Bendl mit Reportagen über drei ganz unterschiedliche Wandertouren in Namibia finden Sie im SÜD-AFRIKA Magazin 3-2020.

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