Zum Inhalt der Seite springen
Erfahrungen aus Malawi - dem warmen Herzen Afrikas

Erfahrungen aus Malawi - dem warmen Herzen Afrikas

Nach einem angenehmen Flug landen wir am frühen Vormittag in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Bereits in der Ankunftshalle werden wir von einem freundlichen Guide begrüßt, der uns durch die Einreiseformalitäten hilft, unser Gepäck in Empfang nimmt und uns zum Auto begleitet. Auf der ganzen Reise musste ich mich nie wieder um mein Gepäck kümmern oder gar selbst tragen, schon alleine dies empfand ich als großen Luxus.

Wir waren in Malawi! „Das warme Herz Afrikas“ wird Malawi auch genannt. Nicht nur wegen des subtropischen Klimas, sondern vor allem wegen der Freundlichkeit seiner Bewohner. “Yes”, kommentierte das unser Fahrer: “It’s a country with no pointing fingers!"

 

Tag 1: Ankunft in Pumulani

Mit unserem freundlichen Fahrer und in einem SUV der neuesten Serie gleiten wir auf guter Straße von Lilongwe zu unseren ersten Lodge am Malawi See. Es ist eine dreistündige, landschaftlich reizvolle Fahrt, vorbei an Ochsenkarren, Ziegen, Kühen, vorbei an einem Bambusunterstand in dem Frauen in bunten Röcken Ware feilbieten. Wir passieren aus roter Erde gebaute Lehmhütten und blühende Jacaranda-Bäume, es tauchen die ersten Palmen und Baobab Bäume auf.

Ja, wir wussten, dass die einzelnen exquisit dekorierten Suiten zwischen 125 und 175 m² groß sind und dennoch waren wir überwältigt über die großzügige Atmosphäre der Räume, in denen ich mich fast verlaufen habe. Kein noch so gutes Bild kann die beeindruckende Innenarchitektur unserer Villa in der Pumulani Lodge vermitteln.

Schon bereits die Empfangshalle ist 5 Meter hoch,  unter der Decke schwebt ein Schwarm bunter Deko-Fische – außergewöhnlich!

Nach der netten, persönlichen Begrüßung treten wir auf die Terrasse hoch über dem Malawisee und sind überrascht von dem atemberaubenden Blick weit über den See. Die Treppen zu den einzelnen Villen sind zahlreich aber der Blick von hier oben entschädigt, er ist schlichtweg grandios.

Es ist herrlich, noch etwas erhitzt von der Reise, in das angenehm temperierten Wasser des oberen Infinity Pools einzutauchen, den Blick über den Malawisee im Abendlicht gleiten zu lassen und danach den Sundowner unter freiem Himmel auf der schicken,  bequemen Sitzgruppe zu genießen. Obwohl die einzelnen Tische mit Schilfmatten abgetrennt sind, hat sich das Personal für das Abendessen die Mühe gemacht, den 4 weiteren Gästen eine zusätzliche Privatatmosphäre zu schaffen und die Tische auf dem oberen Bereich großzügig und malerisch verteilt, ein Tisch am oberen Pool, einer neben dem Lagerfeuer und alle mit dem Blick auf den Malawisee und den Nationalpark, der das Privatgelände der Lodge umgibt. Die Atmosphäre ist zauberhaft.

Für mich gibt es die Delikatesse des Malawisees: Chambo, Malawis bekanntester und köstlichster Speisefisch, dazu ein perfekt gekühlter Sauvignon Blanc und als Abschluss süße, schaumige Zabaione mit Vanille aromatisiert, das Essen ist Weltklasse. “zikomo chifukwa cha chakudya chabwino” – “Danke für das gute Essen” auf Chichewa, der Nationalsprache Malawis. Während unserer letzten Drinks unter dem funkelnden Sternenhimmel Afrikas entdecken wir unweit unserer Sitzgruppe eine große Eule, die nach Beute Ausschau hält. Die erste und unverhoffte Tierbegegnung. Ein perfekter Abschluss unseres ersten Tages.

„Das Leben ist wie ein Buch, und wer nicht reist, liest nur ein wenig davon!“ - Aurelius Augustinus
 

Tag 2: Pumulani Lodge

Unsere Villa liegt nahe am Strand und nach einer erholsamen Nacht spaziere ich durch wunderschönes, parkähnliches Gelände hinunter zum menschenleeren, frisch gefegten Sandstrand. Unterwegs beobachte ich eine Schar Affen, die in einem mächtigen Baobab herumklettern – eine friedliche, bezaubernde Atmosphäre.

Bereits um 8 Uhr ist die Temperatur perfekt und wir können in T-Shirt und kurzer Hose das köstliche Frühstück, den frisch gekochten Kaffee und dazu (nicht müde werdend, das ist immer wieder zu erwähnen!) den grandiosen Blick über den Malawisee genießen.

Für den heutigen Tag stehen uns zahlreiche Aktivitäten zur Verfügung (u.a. mit dem Schnellboot zum Schnorcheln, Kajakfahren, Vogelbeobachtungen, Wandern). Wir entscheiden uns, zu Fuß das nahegelegene Dorf Kasankha zu besuchen und mit dem Kajak zurück zu fahren. Wir werden von Loyce, ein Mitglied der lokalen Gemeinschaft und Gründerin eines Waisenhauses, und unserem Guide Ganizani geführt und in Kasankha von einer fröhlichen Schar Kinder begrüßt.

Vor einem Haus sitzt ein Schneider an einer alten Nähmaschine. Ganizani fragt, ob wir ein Foto von ihm machen dürfen. Wir machen ein Polaroid Sofortbild und als sich das Bild langsam entwickelt, gibt es ein großes „Ohhh“. Viele Dorfbewohner strömen herbei, möchten es sehen und dann auch fotografiert werden, stellen sich begeistert in Pose, sind stolz und fühlen sich geehrt, auf das Bild zu kommen und amüsieren sich köstlich, wenn sie ihr Bild dann auch sehen können. Es herrscht eine ausgelassene, fröhliche Stimmung.

Die Treiber eines Ochsenkarrens stellen sich stolz neben ihren Wagen, ein junger Mann möchte unbedingt mit seiner Katze fotografiert werden. Es genügt ihnen, ihr Foto auf dem Display der Kamera zu betrachten.

Zwei Frauen bieten auf einer Plane auf dem Erdboden Tomaten zum Verkauf an, hübsch und sorgfältig zu kleinen, gleichmäßigen Stapeln sortiert. Mit Ganizanis Hilfe kaufen wir welche und besuchen danach einen Gemischtwarenhändler, der scheinbar alles hat.

Wir sehen die Armut der Menschen im Dorf und dennoch sind sie fröhlich, selbstbewusst und neugierig. Für mich ist der Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung einer der größten Höhepunkte dieser Reise

Loyce führt uns zur Schule und dem im Bau befindlichen Waisenhaus. Sie erklärt uns die laufenden Projekte und wie diese von der Pumulani Lodge,  Abendsonne Afrika und Spenden der Gäste der Lodge unterstützt werden.

Mit dem Kajak geht es gemütlich paddelnd über den See (aber nur ein kleines Stückchen) zurück zur Lodge.

Direkt am einsamen, idyllischen Strand, im Schatten eines mächtigen Baumes (im Dunst auf der anderen Seite sind die Gebirgszüge Mosambiks zu erkennen) wird uns ein leichtes Mittagessen serviert: köstlich frischer Salat, leicht angebratener Butternut-Kürbis mit frischer Paprika, Makadamia Nüssen, Schafskäse und Oliven, ausgesprochen lecker!

Danach sind es nur ein paar Schritte zu den bequemen Liegen direkt am Strand, ein paar Schritte weiter liegt ein wunderschöner, einladender Pool.

Pumulani bietet vier verschiedene Möglichkeiten, Wasser zu genießen. Es gibt zwei Pools (der obere mit einem grandiosen Bick), der Malawisee lädt zum Baden ein (das Wasser des Sees ist angenehm und gesundheitlich hier unbedenklich) und dann gibt es noch die Badewanne... (in unserem Chalet ist sie imposant, auf Löwenfüßen auf einem Podest stehend).

Ich bevorzuge den glasklaren Malawisee, hier zu Schwimmen ist großartig. Badeurlaub vom Feinsten und das Mitten in Afrika. Nur das Plätschern der Wellen und das Trillern, Pfeifen und Zwitschern der Vögel ist zu hören, andere Geräusche gibt es nicht. Der Alltag rückt in weite Ferne, der Blick gleitet über den silbrig schimmernden See, wie wunderschön es ist, jetzt hier auf diesem  herrlichen Fleckchen Erde, in diesem Paradies zu sein.

Der krönende Abschluss dieses unvergesslichen Tages ist der Sundowner auf der Dhow Dhingi. Wir fahren an der Küste entlang, Frauen waschen am Strand ihre Wäsche, ihre bunte Kleidung leuchtet im warmen Licht der Abendsonne, Kinder spielen am Ufer und dicht daneben entdecken wir die ersten Nilpferde. Sie scheinen keine Notiz voneinander zu nehmen und auch von uns nicht, wir fahren ganz nahe an den dicken Kolossen vorbei.

So nahe am Äquator sinkt die Sonne sehr rasch und zaubert jetzt ein überirdisches Farbenspiel voller Rot-, Orange- und Lilatöne über den ganzen Himmel und diese spiegeln sich funkelnd  im See. Nur die Abendsonne in Afrika lässt den Himmel so glühen und lodern.

„Lebe, reise, erlebe Abenteuer, preise und bereue nichts.” - Jack Kerouac
 

Tag 3: Auf nach Mumbo Island

Leider müssen wir heute Pumulani verlassen und nach einem köstlichen Frühstück mit außergewöhnlich exquisiten Käsesorten auf der grandiosen Terrasse wartet unser Fahrer bereits auf uns. Herzlich werden wir von den beiden Managerinnen verabschiedet und es geht vorbei an Maisfeldern, die mit Blumen durchwachsen sind, vorbei an Grasland, verstreut ragen mächtige Baobab Bäume empor. Vor Cape McClear ändert sich die Landschaft, die bewaldeten Hügelketten sind durchsetzt von großen, abgeschliffenen Felsbrocken.

Die Fahrt dauert nicht lange und wir erreichen die Bootsanlegestelle zu Mumbo Island. Die kurze Wartezeit bis das Boot ablegt können wir angenehm in der bequemen, überdachten und offenen Sitzgruppe des Office von Kayak Africa verbringen und das Strandleben beobachten. Es sind vor allem Frauen, die hier ihre Wäsche waschen.

Ich schätze es sehr, dass auch hier wieder darauf geachtet wird, es den Gästen so angenehm wie möglich zu machen. So wird diese kurze Wartezeit zu Minuten des Genießens. Und um unser Gepäck müssen wir uns auch nicht kümmern (wie auf der ganzen Reise), es wird vom Auto zum Office, vom Office zum Boot und vom Boot zur Unterkunft gebracht.

Uns bleibt nicht viel Zeit, das Strandleben zu beobachten, das Boot ist startklar und die Überfahrt nach Mumbo Island im Lake Malawi Nationalpark dauert nur 45 Minuten. Leider, denn der Fahrtwind ist angenehm, die Wellenhöhe gering und es ist ein besonderes Gefühl, das unser nächstes Ziel mitten im Malawisee, Mitten in Afrika liegt.

Ich habe mir vor der Reise viele Bilder von Mumbo Island angeschaut und fand sie wunderschön, aber jetzt bin ich wirklich hier und sie ist großartiger als auf jedem Foto. Die meisten Hütten liegen malerisch auf einem, mit hohen Urwaldbäumen bewachsenen, Felsvorsprung und haben einen herrlichen Blick über den See. Von manchen können die bunten Fische im glasklaren Wasser direkt von der Terrasse aus beobachtet werden.

Unser Familytent liegt, einen kurzen Dschungelweg vom Strand entfernt, mitten im Busch. Zwei Safarizelte unter Strohdächern, dazwischen eine gemütliche Lounge, ein kurzer Steg führt zu unserer Eimerdusche, so  können wir beim Duschen den Urwald betrachten. Es ist ein Robinson Crusoe Gefühl auf sehr hohem Niveau, Strom gibt es nicht und die Baumrinden-Toilette funktioniert gut.

Das Allerschönste, Beeindruckendste  ist  das Schnorcheln im UNESCO-Weltnaturerbe, dem Malawisee, ein gigantisches Aquarium mit 875 Arten von Cichliden (Buntbarsche). Schnorcheln im warmen Süßwasser (beim versehentlichen Verschlucken gibt es da nicht diesen ekligen Salzwassergeschmack im Mund) inmitten von Schwärmen bunter Fische, ist ein unvergessliches Erlebnis. Wir können in der geschützten Bucht hunderte von Buntbarschen beobachten: blau-schwarz gestreifte, leuchtend hellblaue, silberne mit einer Reihe von schwarzen Punkten, orangefarbene mit blauem Flossenrand und, und, und... Wo auf der ganzen Welt kann man unbedenklich in Süßwasser schnorcheln und sich, unweit vom Strand entfernt, wie in einem Aquarium fühlen?

Sehr angenehm, sich danach auf  einer der Liegen am Strand im Schatten von Bäumen auszuruhen.

Abends werden wir mit solarbetriebenen Laternen versorgt und nach dem Abendessen auf dem Weg zu unserem Zelt, ist es außerhalb dieser Lichtkegel stockdunkel. Das Gefühl, ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein, erfüllt mich mit großem Wohlbehagen.

“Wenn du denkst, Abenteuer seien gefährlich, versuche es mit Routine. Diese ist tödlich.” - Paulo Coelho
 

Tag 4: Noch ein Tag Inselparadies Mumbo

Wir haben auch das große Glück, noch einen Tag auf der paradiesischen Insel bleiben zu dürfen. Über 20 Baumarten, über 30 Vogelarten  und keine gefährlichen Säugetiere - Mumbo Island bietet sich auch zum Wandern und Erkunden an. Für mich sehr beruhigend: ich habe einen Plan der Insel bekommen mit allen Wanderwegen und außerdem ist die Insel nur 1 km² groß. Die Gefahr, dass ich mich verlaufe, ist also gering.

Der Weg führt schattig unter „False Mfuti“, „Pod Mahogany“, „Horn-pod Tree“ und Baobabs zum  „Rock Fig View“. Dort öffnet sich der Wald und ich habe einen wunderbaren Blick auf den Malawisee. Ganz allein durch den Urwald zu wandern ist sehr  beeindruckend und ein unvergessliches, kleines Abenteuer. Ich bleibe immer wieder stehen, lausche den Urwaldgeräuschen, beobachte Vögel und versuche Schmetterlinge zu fotografieren.

Ein Schreiseeadler kreist über den Baumwipfeln, riesige "Large-leaved Rock Figs" umklammern mit ihren Wurzeln große Felsbrocken, seltsame Pilze wachsen auf dem Urwaldboden. Ab und zu huschen bunt schillernde Eidechsen über den Weg.

Den Nachmittag verbringen wir entspannt am herrlichen Strand und beenden den Tag am  Lagerfeuer. Romantischer geht es nicht.

“Desto weiter ich reise, desto näher komme ich an mich heran.” - Andrew McCarthy
 

Tag 5: Mvuu Lodge

Leider müssen wir heute die Insel verlassen, doch das nächste Highlight wartet schon auf uns. Wir werden ganz herzlich von Nora und ihrem sehr freundlichen, hilfsbereiten Team am Bootssteg verabschiedet.

In Cape McClear wartet unser super netter Fahrer, Abasi, schon auf uns und bringt uns vorbei an Baumwollfeldern, unterbrochen von mächtigen Baobabs, in den Liwonde Nationalpark. Die letzten 16 km geht es auf einer holprigen, unbefestigten Straße weiter. Das gibt uns die Gelegenheit, das Treiben am Straßenrand genauer zu beobachten. Wir kommen an bunten Märkten vorbei, dort liegen auch große Haufen von Secondhandkleidung, gespendet aus Europa, und kleine Säckchen mit Kohlestückchen. Schon allein die interessanten „Straßenrandbeobachtungen“ würden Seiten füllen.

Dabei erklärt uns Abasi viele interessante Details über das Leben in Malawi. Wir sprechen über Politik und Religion, über die Zukunft des Landes und wie Touristen helfen können. Manchmal hören wir Musik, die Abasi mitgebracht hat und er übersetzt uns den Text. Ich möchte diese Fahrzeiten mit Abasi nicht missen. Danke, Abasi!
 

Am Shire River verlassen wir das Auto und überqueren den Fluss per Boot, die Mvuu Lodge liegt  direkt am anderen Ufer, dort werden wir vom Manager begrüßt.

In unserem komfortablen Chalet liegt auf dem Bett ein hübsch geschnitztes Holzmedaillon mit einem Flusspferd (Hippo) und unserem Namen, eine nette Begrüßung und ein schönes Andenken zum Mitnehmen.

Abends, direkt im Lichtkegel der Lodge, grast ein Wasserbock. Ich kann sogar hören, wie er das Gras ausrupft, nicht weit daneben, ein Hippo. Am Geländer sitzend, beobachte ich die Tiere in völliger Ruhe und Muße. Die Nacht ist warm und erfüllt mit dem Zirpen von hunderten von Grillen und dem seltsamen glocken-, wecker-, klingeltonartigen Froschquaken. Die Fahrt hierher hat sich schon für diese eine Stunde gelohnt. Es ist unbeschreiblich, diese Tiere lange und bequem, so in Frieden und ohne Störung beobachten zu können.

"Wenn die großen Tiere verschwinden, wird der Mensch mit Sicherheit an der Einsamkeit seines Geistes sterben.“ - Chief Noah Seattle
 

Tag 6: Der tierreiche Liwonde Nationalpark

Es ist noch dunkel, wir werden mit einem Kaffee geweckt und dürfen einen Morning Drive unternehmen. Es ist eine wunderbare Erfahrung, die Morgendämmerung im Dschungel zu erleben. Ich entdecke das erste Zebra, mein Lieblingstier. Es gelingt mir, ein schönes Foto von Sattelstörchen zu machen, sie sehen sehr lustig aus mit ihrem schwarz-weißen Gefieder und den schwarz-rot-gelben Schnäbeln. Auch sind wir einer Herde Impalas so nahe, dass mir ein tolles Portraitfoto gelingt. Wir begegnen einer Familie Warzenschweine, eines kniet auf den Vorderbeinen um zu Grasen. Ein Kuduweibchen blickt in unsere Richtung und ich kann den charakteristischen, weißen Streifen unterhalb der Augen erkennen.

Nach dem Frühstück beginnt unsere erste Fluss-Safari und das ist eine perfekte Art Tiere zu beobachten. Ruhig und leise tuckert das Boot den Fluss entlang, ein Vogelpärchen untersucht während der Fahrt das Dach unseres Bootes immer wieder nach einer Nistmöglichkeit. Schreiadler sitzen  auf den Baumwipfeln am Ufer und halten Ausschau nach Beute. Irgendwo wird es ein Opfer gegeben haben, Geier kreisen am Himmel.

Wir fahren durch eine einzigartige Landschaft auf dem, sich träge schlängelnden, von Palmen gesäumten Shire River. Weite Grasflächen und darauf, wie hingetupft, Termitenhügel; auf einem thront ein Pavian, der nach Gefahren Ausschau hält. Zwei alte Büffel, Impalas, Wasserböcke grasen gemeinsam.

An den seichten Stellen im Wasser sehe ich überall die Ohrenspitzen, Augen und Nasen der Nilpferde, es müssen hunderte sein. Wir gleiten ganz in ihrer Nähe vorbei, jetzt kämpfen zwei miteinander und ich kann ihre imposanten Eckzähne sehen. Wir entdecken am Ufer ein Krokodil, das beim Näherkommen ins Wasser gleitet.

Eine Herde Elefanten, vielleicht 25 Exemplare, trinken und grasen am Ufer, darunter zahlreiche Elefantenbabys. Wir bleiben lange ganz in ihrer Nähe und beobachten sie. Sie strahlen eine majestätische Gelassenheit aus.

Freiwillig sind wir heute Morgen um 5 Uhr aufgestanden, eigentlich wäre es Zeit für einen Mittagsschlaf, doch ich möchte keine Minute hier auf der Terrasse der Lodge verpassen. Direkt unterhalb der Lodge in der Lagune schmatzen die Flusspferde, sie pflügen regelrecht fressend durch die Lagune. Eines legt sich ins flache Wasser und suhlt sich genüsslich, dann steigen zwei schwerfällig auf ihren kurzen Beinen ans Ufer, sie sind mir jetzt ganz nahe, ihre dicken Leiber glänzen. Ein altes Warzenschwein mit großen Hauern gesellt sich dazu. Der Himmel ist bedeckt, so grasen die Hippos jetzt schon an Land und ich habe Zeit, sie aus nächster Nähe zu betrachten. Kaum vorstellbar, dass diese Kolosse auch rennen können.

Es ist für mich ein unbezahlbares Erlebnis, ganz relaxed und entspannt und so ganz nah, diesen Tieren zuzuschauen. Auch direkt an unserem eigenen Chalet sind Tierbeobachtungen möglich. Unter unserer Terrasse gleitet ein kleines Krokodil vorbei, später entdecken wir noch einen Waran direkt unterhalb unserer Terrasse und nicht weit entfernt sonnt sich ein imposantes Krokodil mit offenem Maul während zwei ägyptische Gänse an ihm vorüberwatscheln. Die Chalets der Mvuu Lodge liegen wirklich einzigartig mitten im Tierparadies.

Abends unternehmen wir eine Nachtpirschfahrt mit unseren erfahrenen und kenntnisreichen Guides D.K und Justin. Anders als tagsüber sind die Gerüche jetzt stärker bemerkbar. Es riecht nach Büffel,  Elefant, und Jasmin. Es ist spannend, im Schein einer Lampe durch die afrikanische Nacht zu fahren, nicht zu wissen, was auf einen zukommt.

Dank unserer tollen Guides entdecken wir dann auch Tiere, die man sehr selten zu Gesicht bekommt. Wir entdecken ein Chamäleon in einem Busch, kurz danach raschelt es neben dem Weg und wir können die Ursache erkennen: ein Stachelschwein. Das Highlight dieser Fahrt ist die Sichtung einer Zibetkatze und wir können diese große Schleichkatze gut beobachten.
 

Tag 7: Kuthengo Camp

Wieder geht es um halb sechs los zu einer Bootssafari, unsere erfahrenen Guides Justin und D.K. begleiten uns. Es dämmert bereits, wir fahren mit dem Boot diesmal stromaufwärts, um den Sonnenaufgang zu erleben, aber die Sonne versteckt sich hinter einer dicken Wolkenschicht. Dennoch schimmert der Fluss bald silbrig und die Flusslandschaft ist in mattes Graugrün getaucht – wunderschön. Es „wimmelt“ wieder vor Flusspferden.

Justin erklärt uns die zahlreichen verschiedenen Vogelstimmen. „Der Ruf des Trompeten Hornbills ist leicht zu erkennen, er schreit wie ein „im Busch verlassenes Baby“ meint Justin. Seine tief metallisch-blaue Brust und Flügelfedern sowie sein langes Horn auf dem Schnabel machen ihn unverkennbar.

Liwonde weist ein reiches Vogelleben auf und bietet das wohl beste ganzjährige Birding-Erlebnis im südlichen Afrika. Auch wir sehen zahlreiche Vogelarten und unser Guide kann sie alle benennen: Schreiseeadler, Gelber Webervogel, Kormoran, Eisvogel, Hammerkop, Malahite Kingfisher, European Bee Eater und noch viele weitere.

Um den Giant Kingfisher nicht im Gegenlicht fotografieren zu müssen, wendet unser aufmerksamer Guide sein Boot nochmals, und uns gelingen schöne Aufnahmen. Auch entdecken wir den Verursacher des schrillen Gequakes: Es ist ein kleiner hübscher Frosch.

Eine Elefantenherde kommt zum Ufer. Aus nächster Nähe beobachten wir einen Elefantenbullen. Er reißt Seegras aus, schwenkt es mit seinem Rüssel im Wasser hin und her um den anhaftenden Sand zu entfernen, und stopft es sich dann genüsslich ins Maul. Ein anderer reißt einen halben Busch um, um an die Blätter zu kommen.

Später lassen wir uns ohne Motor flussabwärts treiben, kein menschlicher Laut, ganz allein auf dem Shire umgeben von paradiesischer Landschaft, es ist traumhaft.

Unerwartet hält Justin dann am Ufer an, dort ist ein Tisch für uns gedeckt und es gibt Frühstück mitten im Busch, am weiß eingedeckten Tisch mit vollausgestatteter, mobiler Küche.

Schade, dass wir danach die Mvuu Logde verlassen müssen. Es waren ereignisreiche, wundervolle Tage.

Wir fahren nicht weit, ein Boot bringt uns den Fluss hinauf zum gerade eröffneten Kuthengo Camp. Die Manager Natascha, Patrick und Charles begrüßen uns in der offenen Lounge. Der Eistee, den sie uns servieren ist eine willkommene Erfrischung. Der edel gestaltete Sitzbereich mit Sesseln, Sofas und Bar, ist völlig offen gestaltet und wir können weit über die Flussebene blicken.

Von unserem luxuriösen Zeltchalet, das zum Fluss hin auch vollständig offen ist, haben wir einen großartigen Blick über den Shire River. In der Ferne im Dunst erhebt sich das Zomba Plateau. Kein weiteres Gebäude ist zu sehen, als wäre man ganz allein hier in Afrika. Hier bin ich der Natur ganz nahe. Und doch verfügen wir hier in dem Chalet über größtmöglichen Komfort.

Das Besondere an Kuthengo ist diese Offenheit und Weite der ganzen Anlage. Sie vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Unmittelbarkeit. Es gibt keinen Zaun, keine Barriere, jederzeit können wilde Tiere das Camp durchqueren. Zugleich ist die Ausstattung exquisit und erlesen. Mitten in der Wildnis Afrikas zu sein, ist ein unbeschreibliches Gefühl, dabei noch so luxuriös zu wohnen, etwas ganz Außergewöhnliches.

Unter einem Baum, ganz frei stehend im Grasland, ist der Tisch für das Mittagessen bereits gedeckt. Kuthengo liegt ebenfalls im wildreichen Liwonde Nationalpark und wir könnten auch von hier Bootsexkursionen und Games Drives unternehmen. Wir entscheiden uns für eine sehr interessante Walking Safari in Begleitung von einem Guide und einem bewaffneten Ranger. Später erwartet uns ein Sundowner am Fluss.

Es ist ein romantischer Abend, die afrikanische Dunkelheit umgibt uns, kleine Solarlichter erhellen unseren Tisch, ein paar hängen am Baum neben uns. Wir hören die Nilpferde, die nicht weit von uns grasen, und es wird uns ein köstliches Abendessen serviert.

Zur Sicherheit begleitet Patrick uns zu unserem Chalet, denn um uns herum herrscht absolute Dunkelheit.

Tag 8: Zomba Forest Lodge

Unser Chalet in Kuthengo ist großzügig, hat fast überall riesige Moskito-Fenster, die mir einen 180° Blick gewähren. Es bietet sogar vom Bett aus einen Blick auf die Uferlandschaft. Vogelschwärme ziehen den Shire entlang, die aufgehende Sonne taucht das Grasland und den Fluss in goldgrünes Licht. Märchenhaft, verzaubernd. Ich möchte gar nicht aufhören mit Zähneputzen oder Duschen, überall kann ich den Blick auf den Shire genießen. Jetzt gerade zieht eine Herde Wasserböcke am Flussufer entlang.

Die Nilpferde haben sich ins Wasser zurückgezogen, ihr Grunzen und Schnauben ist aber noch zu hören. Der erste Kaffee wird uns ans Chalet gebracht, wir können ihn ganz privat auf unserer Terrasse mit diesem unglaublichen Blick über diese paradiesische Landschaft genießen.

Wir müssen leider weiter und freuen uns sehr, wieder mit Abasi fahren zu dürfen. Auf der Rückfahrt besuchen wir noch die Nanthomba Schule. Luftig gebaute Klassenräume liegen auf dem Schulgelände. Eine Schulklasse wird im Schatten eines Baumes unterrichtet, die Kinder sitzen auf dem Boden. Der Schulleiter führt uns in eine Schulklasse und wir erzählen den Schülern ein bisschen von unserem Leben in Deutschland. Die Mvuu Lodge unterstützt diese Schule, erklärt uns der Schulleiter später, und dass jede weitere Hilfe sehr willkommen ist. So übergeben wir die Packung Stifte, die wir aus Deutschland mitgebracht haben und notieren uns die Kontonummer für eine spätere Spende.

Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir unser nächstes Ziel, die Zomba Forest Lodge. Tom und Petal, die Eigentümer der Lodge, sind von einer ganz besonderen Herzlichkeit und wir fühlen uns sofort wohl.

Am meisten hat mich der Garten begeistert, den ein Landschaftsarchitekt nicht hätte schöner gestalten können (und das Essen, darüber berichte ich später...). Einzelne Gartenbereiche sind durch Farne und blühende Sträucher abgegrenzt, meterhohe Weihnachtssterne wachsen neben dem Haus. An den Garten schließt sich ein urwaldähnlicher Wald an, den man auf sauberen, gefegten Wegen erkunden kann.

Libellenmobile aus Glasperlen drehen sich zart funkelnd im Wind, auf der Wiese vor der Lodge laden mehrere bequem und schön gestaltete Sitzgruppen zum Relaxen ein. Tritt man in den nächsten Gartenbereich überraschen eine Bank und ein Essplatz, der für uns liebevoll gedeckt wurde, hier dürfen wir ein leckeres Lunch genießen.

Die Lodge liegt ganz in der Nähe des Zomba Plateaus mit reichlichen Möglichkeiten zum Wandern, doch wir folgen Petals Einladung, zusammen mit ihrem Hund Saxon einen Spaziergang in die Umgebung zu machen. Es ist eine schöne, kleine Wanderung mit fantastischem Blick in die Ebene und hinüber zum Mulanje Massiv. Petal erklärt uns viel, erläutert z.B. die Aufforstungsbemühungen und Saxon ist ein sehr freundlicher Hund. Ich finde es sehr interessant, auch mal einen Einblick in das Leben von Menschen zu bekommen, die in Malawi wohnen.

Das Abendessen ist etwas ganz Besonderes, Pilze aus dem Wald, Hähnchen in Fenchel, Rhabarber in Vanilleschaum, ein wirklich außergewöhnliches, tolles Essen. Hatten wir bisher auf unserer Reise bei den Mahlzeiten fast immer eine absolute Privatsphäre, so wird in der Forest Lodge das Abendessen gemeinsam mit den anderen Gästen am großen Tisch in der gemütlichen Wohnstube eingenommen und so genießen wir dieses köstliche Essen in netter, unterhaltsamer Gesellschaft von drei Krankenschwestern und Ärztinnen aus Blantyre.

Seit die Sonne untergegangen ist, ist es kühl geworden und wir kuscheln uns wohlig unter unsere Federbetten.

 “Home away from Home...” - Slogan der Zomba Forest Lodge
 

Tag 9: Shopping in Malawi

Auf dem Weg zur Kara O'Mula Countr Lodge am Mulanje Massiv halten wir in Zomba an, um den Markt zu besuchen.

Abasi bleibt so lange im Wagen. Etwas unsicher, da wir nur zu zweit sind und nicht so recht wissend, was uns erwartet, betreten wir die Markthalle. Eine sehr angenehme Atmosphäre umfängt uns, niemand quatscht uns an, wir werden gelassen ignoriert. Das Gemüse ist liebevoll aufgeschichtet: drei Paprika im Dreieck, darauf eine quer und darauf noch eine senkrecht. Es sieht lustig aus und zeigt gleichzeitig, wie kostbar die Ware ist. Ähnlich kunstvoll werden auch andere Waren angeboten, ob es nun Schuhe sind oder Kartoffeln.

Wir wollen nicht unhöflich sein und ungefragt Menschen fotografieren, so knipse ich schnell und unauffällig den Gemüsestand. Doch der Inhaber hat mich beobachtet und wünscht sich ein Foto von ihm und unbedingt muss sein Firmenschild mit drauf. Als er das Foto auf dem Display sieht, lächelt er, nickt und ist zufrieden.

Ich möchte mir einen Chitenji kaufen, ein Stück Stoff, das um die Hüfte gewickelt und in Malawi traditionell als Rock getragen wird. So betreten wir den "Tawina Fashion Shop", eine kleine Bude mit einer Verkäuferin. Ich zeige auf ihren Rock, um damit zu verdeutlichen, dass ich  auch so einen möchte. Sie versteht mich falsch, lächelt und zieht ihren Rock aus, um ihn mir zu geben. Es ist diese Freundlichkeit, die uns beide verblüfft, sprachlos macht und uns wieder bestätigt: Malawi ist das warme Herz Afrikas. Ich gebe ihr zu verstehen, dass ich nicht ihren eigenen, sondern nur so einen ähnlichen möchte. Nach ein paar Anproben entscheide ich mich für ein sehr farbenfrohes Stück. Abasi lacht und klatscht, als er mich in der neuen Tracht zurück zum Auto kommen sieht.

Die Straße von Zomba nach Mulanje ist zum großen Teil noch ungeteert und wir kommen nur langsam voran. Dabei begegnen wir kaum einem Auto. Viele Menschen sind zu Fuß unterwegs oder mit dem Fahrrad. Diese sind oft schwer bepackt auf dem Weg zum nächsten Markt. Oft sind die Waren abenteuerlich auf dem Gepäckträger gestapelt, bis zu zwölf Körbe auf einmal. Immer wieder kommen wir an Straßenmärkten vorbei. Auf Tischen, oft aber nur auf dem Boden, werden Tomaten, Süßkartoffeln und die Früchte der Baobabbäume angeboten, alles auch hier wieder in sorgsam aufgebauten Pyramiden präsentiert.

Ein sehr angenehmer Aspekt dieser Reise sind die kurzen Fahrzeiten zwischen den Unterkünften, oft sind wir bereits mittags oder am frühen Nachmittag am Ziel, so auch heute. Bereits um 14 Uhr sitzen wir auf der Terrasse der Kara O'Mula Lodge in der Sonne, dahinter erhebt sich das beeindruckende Mulanje Massiv, auf der anderen Seite über der Ebene sind noch die Umrisse des Zomba Plateaus zu erkennen.

Ja, das Mulanjemassiv lockt, entdeckt zu werden. Es sind nicht meine Beine, die streiken, es ist mein Geist, etwas erschöpft von den vielen Eindrücken der letzten Tage. Und so bleiben wir auf der Terrasse und können am Abend den schönen Sonnenuntergang bewundern. 

Malawi: Das warme Herz Afrikas
 

Tag 10: Huntingdon House

Nach der Fahrt zum Huntingdon House müssen wir uns leider von unserem Fahrer Abasi verabschieden. Wie wichtig doch für eine angenehme Reise ein sympathischer und freundlicher    Fahrer sein kann! Ich habe mich bei Abasi immer sicher gefühlt, wir hatten viele interessante Gespräche und er war absolut zuverlässig.

Im Huntingdon House begrüßt uns Tracy, die Managerin mit einem köstlichen, kühlen Tee und danach gibt es ein Lunch auf der Terrasse des Anwesens.

Das ganze Haus strahlt eine edle Noblesse aus, bis ins kleinste Detail ist es stilvoll und luxuriös ausgestattet. Selbst der Toilettenbereich ist edel gestaltet, auf einem dunklen Holztisch steht eine Vase mit frischen Rosen, daneben hängen blütenweiße, weiche Handtücher.

Die gesamte Anlage stammt aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, heute ist das ehemalige "Familienhaus" ein kleines Hotel mit 5 Zimmern und auch unseres besitzt den eleganten Charme einer längst vergangenen Zeit. In meinem wunderschönen Himmelbett fühle ich mich wie eine englische Prinzessin.

Eine hübsche kleine Wanderung durch die Teeplantage führt uns zur Teefabrik. Im Präsentationsraum sind liebevoll zahlreiche Teesorten in Schälchen aufgereiht, mit Namen beschriftet und auch schon aufgebrüht, wir dürfen alle probieren.

Zurück in Huntingdon klettern wir in einen Landrover und es geht durch die Teeplantagen hoch auf ein Plateau. Der Himmel färbt sich rot, der Blick schweift weit über die Teeplantagen hinunter bis zum Shire River, es ist ein magischer Platz. Tracy serviert uns schwarzen Tee mit einem Schuss Malawi Gin, es erscheinen die ersten Sterne und wir rumpeln langsam durch die Dunkelheit zurück.

Dort wartet bereits ein romantisch gedeckter, mit Blüten geschmückter Tisch auf uns. Kerzen in stilvollen Kandelabern verbreiten ein warmes Licht. Der Wein schmeckt frisch, kühl und köstlich. Die Türen, drapiert mit Damastvorhängen, stehen offen, Naturgeräusche erfüllen den Raum. Die schweren Holzstühle sind mit goldglänzendem Satin bezogen, den Fußboden ziert ein hübscher, mit floralem Muster geknüpfter Teppich. Das Essen ist hervorragend! Alles in Huntingdon ist stimmig, ja perfekt. Auch das Personal ist super freundlich und bemüht sich ganz rührend um uns. Glücklich und zufrieden ziehe ich mich in mein wunderschönes Prinzesinnengemach zurück.

„Ich bin nicht mehr dieselbe, seit ich den Mond auf der anderen Seite der Welt habe scheinen sehen.“ - Mary Anne Radmacher
 

Tag 11: Mkumuladzi

Unser neuer Fahrer verspätet sich (das erste und einzige Mal auf dieser Reise). Das ist ein Glücksfall für mich, so habe ich noch Zeit, den wunderschönen Garten zu erkunden, eine ungewöhnlich englisch-afrikanische Gartengestaltung. Außerhalb des Gartens liegen ringsherum die sattgrünen Teeplantagen im sanft hügeligen Gelände, ein wunderschönes Landschaftsbild.

Am kleinen Teich schwirren blaue und rote Libellen, glänzende Frösche ruhen auf den Wasserpflanzen, zahlreiche Schmetterlinge flattern durch den Garten. Die große Rasenfläche vor dem zauberhaften Anwesen ist makellos und ich kann zwischen geschmackvollen Sitzgruppen wählen, die einladend im Halbschatten stehen. In den hohen Bäumen tobt eine Schar Affen.

Ein langer Laubengang gesäumt von alten Bäumen führt zu einer verwunschenen, moosbewachsenen Steintreppe, gesäumt von blühenden Büschen, weiter durch Hortensienbeete und schließlich durch blühende, duftende Rosenbeete. Immer wieder eröffnen sich bei meinem Spaziergang neue Sichtachsen auf das Gebäude und auf den Innenhof mit uraltem Olivenbaum.

Jetzt ist doch unser Fahrer eingetroffen und ich muss dieses wundervolle Gartenparadies verlassen.

Es geht in die Mkulumadzi Lodge, die mitten im Majete Wildlife Reserve liegt, einem  Tierschutzgebiet, dass die Möglichkeit bietet, alle Big Five zu sehen.
  
Schon die Ankunft ist spannend, die elegante Lodge ist nur über eine (mäßig wackelnde)   Fußgänger-Hängebrücke zu erreichen. Die Manager Steegan und Jason begrüßen uns herzlich in der Hauptlounge. Alles in diesem Raum besteht aus Naturmaterialien, was einen ganz besonderen Flair erzeugt: alle Möbel, Kerzenständer, Spiegelumrandung, sogar der Handtuchhalter. Noch beeindruckender ist die grandiose Sicht auf den wilden, jungen, noch ungezähmten Shire River, dessen Ufer von Leadwood Bäumen, Baobabs, Marulas und wilden Mangos gesäumt wird.

Wir dürfen in einem der beiden Familienchalets wohnen, es ist wunderschön, luxuriös und luftig gestaltet, jeder von uns hat sein eigenes Bad und ein großzügiges Schlafzimmer. In der Mitte eine große Lounge mit privatem Viewing Deck, leicht erhöht können wir weit den Fluss entlang schauen, der in Kaskaden über Felsen rauscht. Von hier erspähen wir Krokodile, Wasserböcke, Elefanten, ein Hippo steigt gerade aus dem Fluss und läuft über einen Hügel zur nächsten Bucht. Grandios.

Das Badezimmer besitzt eine Glasfront zur Flussseite, so dass ich auch von der Badewanne aus den wilden Shire River, die Tierwelt und die einzigartige Landschaft betrachten kann.

Nach dem köstlichen Lunch wird uns ein Abenddrive angeboten. Unsere netten Guides Gift und Mali erzählen uns viel Interessantes über die Tier- und Pflanzenwelt hier.  Nicht weit von der Lodge entdeckt Mali einen Elefantenbullen, wir möchten anhalten und fotografieren, doch er kommt bedrohlich näher und als Mali langsam weiterfährt, verfolgt er uns ein ganzes Stück. Mir ist ein bisschen mulmig zu Mute, von so einem riesigen Tier verfolgt zu werden... Mali versichert uns, dass wir am Wasserloch wahrscheinlich noch weitere sehen werden und er behält Recht. Eine Elefantenherde  mit zwei Jungtieren, eines davon erst wenige Wochen alt, verweilen am Wasserloch und trinken.

Unser Sundowner wird uns auf dem Beobachtungsposten über dem Wasserloch serviert, wie immer super lecker: Malawi Gin mit Tonic. Schade, dass die Herde bald wieder davon trabt. 

Inzwischen ist es dunkel geworden und auf der Rückfahrt im Strahl der Taschenlampe entdecken wir eine Eule, „its a  grey spottet owl“ erklärt uns Mali. Kurze Zeit später entdeckt er den Schwanz einer Raubkatze. „Perhaps a lion“ flüstert Mali bevor sie wieder im Busch verschwindet. Doch wir haben Glück und sehen sie neben dem Fahrweg entlang laufen, jetzt können wir das Tier betrachten und im Licht des Scheinwerfers auch fotografieren. Es ist ein Leopard, mehrmals kreuzt er vor uns den Fahrweg, läuft parallel und Gift kann ihn mit dem Licht verfolgen, bemüht, ihn aber auch nicht zu blenden. Wie elegant er sich bewegt! Ab und zu hält er inne, um zu schnuppern. Er scheint sich nicht im Geringsten von uns gestört zu fühlen, bevor er dann doch im dichten Busch verschwindet. Was für ein Erlebnis!

Das abendliche 3-Gänge-Menü war ein großer Genuss und jetzt sitze ich mit einem Glas Wein auf unserer privaten Terrasse und lausche der afrikanischen Nacht. Es war ein unvergesslicher Tag und wir schlafen beim sanften Rauschen des Shire Rivers in unseren großzügigen Betten wunderbar, aber nicht sehr lange, denn morgen ganz früh dürfen wir eine Morning Safari machen.

„Zikomo“ – „Danke“ auf Chichewa
 

Tag 12: Der letzte Tag im Paradies

Noch vor dem Morning Drive wird uns frischer Obstsalat, Müsli, Muffins und Kaffee angeboten. Es ist herrlich und ein großes Geschenk, noch einen ganzen Tag im Majete Wildlife Reserve und in dieser Traumlodge zu verbringen.

Dunst steigt über dem Shire auf. Nach kurzer Fahrt entdecken wir drei Klippschliefer (Dassies), die neugierig über einen Felsen lugen; sie sehen niedlich aus. Obwohl es noch so früh ist, hat sich eine Herde Elenantilopen bereits am Wegrand in den Schatten verzogen, eine Trappe mit ihrem gescheckten Gefieder verschmilz optisch fast mit der Umgebung. Unser Guide macht uns auf Adler und andere Greifvögel aufmerksam, die auf den Wipfeln der Bäume sitzen.

Zwei Rappenantilopen spähen zu uns herüber als wir vorbei fahren. Es gelingt mir, ein tolles Portrait von einem Wasserbüffel zu machen, bevor er davon trabt. Wir passieren eine Herde Wasserböcke und erreichen unser Ziel, ein Wasserloch.

Von einem Hochstand daneben haben wir gute Sicht. Bisher haben sich ein paar Paviane und ein großer, schöner Wasserbock eingefunden, eine Familie Warzenschweine gesellt sich dazu, die Kleinen stellen sich mitten ins Wasser, der Keiler suhlt sich genüsslich im Schlamm, manche trinken wie sie fressen, mit eingeknickten Vorderbeinen. Es macht Freude, ihnen zuzuschauen.

Da taucht eine Antilope auf, die ich vorher noch nie gesehen habe, die Lichtenstein-Antilope. Sie hat ein goldbraunes Fell und ihre Hörner schließen sich fast zu einem Kreis. Es gelingt mir, sehr schöne Fotos von ihr zu machen. Es herrscht jetzt reges Treiben am Wasserloch, ein Buschbock kommt näher, gefolgt von einer Rappenantilope, sie hat ein glänzendes schwarz-braunes Haarkleid, das am Bauch scharf weiß abgegrenzt ist und trägt lange nach hinten gebogene Hörner, ein elegantes Tier.

Ein Elenantilopen Paar nähert sich vorsichtig dem Wasserloch, jetzt kann ich sie lange und viel besser beobachten als vorhin im Jeep, es sind imposante Tiere.

Langsam wird es heiß und die meisten Tiere verlassen das Wasserloch, um die Mittagshitze im Schatten des Busches zu verbringen. Dennoch kreuzen Impalas und Warzenschweine unseren Rückweg, Wasserböcke springen kurz vor unserem Jeep über die Straße und ich kann am Straßenrand einen männlichen Kudu entdecken. Er trägt ein mächtiges Schraubengehörn.

Jetzt liege ich am wunderschönen, blitzblanken, glitzernden Pool, der so groß ist, dass ich richtig darin schwimmen kann und beobachte vom Beckenrand die Warzenschweine am Ufer des Shire beim Trinken und Fressen. Für mich Superluxus pur, so ein idyllischer Ort!

Bei unseren Abenddrive begegnen wir mehreren Elefanten am Shire River und dann auch direkt neben uns im Busch, Elenantilopen und Impalas. Wir halten am Shire, große Felsbrocken liegen hier im Wasser, dann bewegt sich einer; doch kein Fels, sondern ein Nilpferd. Im warmen Abendlicht, sehr fotogen, treffen wir auf eine Gruppe Nyalas, gut an ihrer Rücken und Bauchmähne zu erkennen.

Am anderen Ufer tritt ein einzelner Elefant ans Wasser, um zu trinken. In der beginnenden Dämmerung rennt direkt vor unserem Auto eine Herde Wasserbüffel über den Weg, die Erde vibriert unter ihren Hufen.

Auf einem Hügel mit weitem Blick über die  traumhafte Wildnis des Majete Reservats bewundern wir den Sonnenuntergang. Schon etwas wehmütig, dieses Naturparadies verlassen zu müssen, es ist unser letzter Abend, morgen müssen wir nach Deutschland zurückkehren.

Es war für mich eine atemberaubende, einzigartige, luxuriöse und unvergessliche Traumreise, ein herzliches Zikomo (Danke) an alle, die dazu beigetragen haben!

Uta & Sebastian Eddeling

Über den Autor

Kommentar verfassen