Perle der Wildnis im südlichen Afrika

Perle der Wildnis im südlichen Afrika

Unterwegs im South Luangwa Nationalpark in Sambia!!

Bereits auf dem Weg vom Mfuwe Airport in den South Luangwa Nationalpark komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Nur wenige Minuten nach meiner Landung passieren wir ursprüngliche Dörfer, in denen lachende Kinder miteinander spielen und bunt gekleidete Frauen die Ernte des Tages auf ihrem Kopf nach Hause tragen.

Aus den Hütten am Straßenrand beobachten mich die Bewohner interessiert und freundlich, während wir uns unseren Weg durch die mit Leben gefüllten Straßen bahnen. Ich bin vollkommen überrascht von der Nähe zur Bevölkerung und weiß nicht, wo ich zuerst hinsehen soll. Alles ist so bunt, ursprünglich und voller Leben. Schon jetzt hat mich Sambia in seinen Bann gezogen!

Nach einer guten dreiviertel Stunde Fahrt durch das ländliche Sambia erreichen wir den South Luangwa Nationalpark. Neben den hier lebenden 230 verschiedenen Säugetieren und rund 400 Vogelarten zeichnet sich der Park durch eine Besonderheit aus: Durch seine isolierte Lage unterscheiden sich die hier lebenden Tiere zum Teil stark von ihren Artgenossen in anderen Teilen Afrikas. Einige Tierarten wie die Thornicroft-Giraffe kommen sogar nur hier vor. Das macht den South Luangwa auch für erfahrene Safarireisende zu einer ganz speziellen Destination, die durch ihre landschaftliche Vielfalt und ihren Tierreichtum in einer Reihe steht mit den ganz großen Nationalparks Afrikas.

Bereits kurz nach unserer Einfahrt in den Park bin ich mittendrin im afrikanischen Busch. Kein anderes Fahrzeug kreuzt unseren Weg, während wir immer tiefer vordringen in die Wildnis. Äste schlagen links und rechts gegen unser Fahrzeug, so eng ist der Weg zum Camp. Allmählich legt sich die Nacht über den Park. Meine Sinne schärfen sich. Ich höre unzählige Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Jetzt am frühen Abend erwacht der Busch wieder zum Leben, nachdem die Tiere der großen Hitze während des Tages aus dem Weg gegangen sind.

Immer tiefer geht es in den Busch, der an manchen Stellen so dicht ist, dass wir kaum durchkommen. Es ist als ob er uns fragen würde: Kommt nur tiefer herein, aber seid Ihr vorbereitet auf das, was euch hier erwartet?

Wir bahnen uns gerade unseren Weg durch das dichte Gestrüpp, das in diesem Teil des Parks die „Straße“ fast vollständig überwachsen hat, als der Wagen plötzlich stoppt. Um uns herum nur Wildnis und Dunkelheit. Und ein Geräusch, das mir einen Schauer über den Rücken jagt!
Ganz in unserer Nähe hören wir es, das Geräusch, dass jeder erfahrene Safarireisende nur zu gut kennt: das Rufen von Hyänen. Mein Guide vermutet, dass Sie ganz nah sind. Durch die dichte Vegetation können wir Sie nicht sehen, was die Situation umso unwirklicher erscheinen lässt. Minuten lang sitzen wir vollkommen starr in unserem offenen Fahrzeug und versuchen angestrengt, im Schein unseres Spotlights etwas zu entdecken. Dann plötzlich sehen wir mehrere Augenpaare, die im Schein unseres Lichts aufblitzen. Und tatsächlich: etwa 50 Meter entfernt frisst eine Gruppe von Hyänen ein totes Impala. Unglaublich, ich bin gerade erst wenige Stunden in Sambia und werde schon Zeuge eines so eindrucksvollen wie grausamen Naturschauspiels.

Etwas später fahren wir weiter durch die Dunkelheit, über uns nur der sternenklare Himmel wie es ihn nur in Afrika gibt. Wir scheinen mitten durch ihn hindurch zu fahren, so hell sind die unzähligen Sterne. Eine ganze Zeit lang genieße ich den Moment: Alleine zu sein in einem der abgelegensten Nationalparks Afrikas, über mir der atemberaubende Himmel und um mich herum der Busch mit all seinen Geheimnissen und fantastischen Tieren.
Dann erreiche ich meine erste Station der Reise, das Chindeni Buschcamp. Als ich aus dem Fahrzeug steige, empfängt mich die komplette Crew des Camps mit einem ansteckenden Lachen, das mir sofort das Gefühl gibt, an einem ganz besonderen Ort zu sein. Was für ein Moment. Nach einem sagenhaft guten Abendessen im Schein der Buschlampen falle ich erschöpft und überwältigt in mein Bett. Kurz vor dem Einschlafen höre ich das typische Schnaufen eines Flusspferdes. Obwohl es ganz in der Nähe meines Zeltes zu sein scheint, fühle ich mich völlig sicher und bin froh, hier zu sein, wieder zurück im afrikanischen Busch.

Am nächsten Morgen sehe ich dann mein Domizil zum ersten Mal bei Tageslicht und bin überwältigt von seiner Lage direkt an einer Lagune. Das Camp ist eingebettet in den Busch und bietet einen traumhaften Blick über den Flussarm mit seinen Flusspferden und die dahinter liegende Ebene. So kann man bereits vom Aussichtsdeck aus faszinierende Tierbeobachtungen machen. Ich unternehme Buschwanderungen und Wildbeobachtungsfahrten, bei denen uns unser Guide all die Geheimnisse des Busches preisgibt. Es ist erstaunlich, wie viel man vor allem bei den Buschwanderungen über die Zusammenhänge dieses einmaligen Ökosystems lernt.

Dann geht es für mich weiter in das Kapamba Buschcamp. Es liegt im gleichen Gebiet wie das Chindeni Camp, zeichnet sich aber durch seine besondere Lage aus. Als wir über die engen Schotterwege fahren, fallen mir sofort die Wechsel in der Vegetation auf. Zwar ist auch das Chindeni Camp von Busch umgeben, hier im Kapamba treffen jedoch drei vollkommen verschiedene Habitate aufeinander. Dies sorgt für eine atemberaubende Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, die  ich dann bei einer abendlichen Wildbeobachtungsfahrt kennenlerne. Während wir durch die prächtige Vegetation fahren, stoppt mein Guide plötzlich. Aber warum? Ich kann keinen Grund für einen Stopp erkennen, so intensiv ich die Umgebung auch absuchte. Der Guide bittet mich auszusteigen und auf den Boden zu schauen. Und plötzlich sehe auch ich, was mein Guide bereits aus dem Fahrzeug wahrgenommen hat: viele verschiedene Tierspuren! Ich selbst kann sie zunächst nicht zuordnen, doch mein Guide sprüht nur so vor Freude und erklärt mir die einzelnen Spuren! Es sind Giraffen-, Elefanten- und sogar Büffelspuren. Anhand des Aussehens der Spuren kann er genau sagen, wie groß und wie alt die dazugehörigen Tiere sind und wohin sie liefen. Unglaublich!

Etwas später fährt mein Guide das Safarifahrzeug an das Ufer des Kapamba Flusses, einem Nebenarm des großen Luangwa Flusses. Und ich bin bei der Ankunft etwas überrascht: zum ersten Mal seit einigen Tagen sehe ich hier doch noch andere Menschen An einem schönen Platz am Ufer brennt nicht nur ein Lagerfeuer, es ist auch eine wunderschöne Tafel mit Köstlichkeiten aufgebaut. Zu welchem Camp diese Gruppe wohl gehört?  Und dann musste ich lachen: Es ist nicht etwa eine andere Gruppe, sondern die Crew meines eigenen Camps, die mich mit einem „Sundowner“ an diesem atemberaubenden Platz überrascht!

Am nächsten Tag geht es für mich dann weiter in einen anderen Teil des Parks, genauer gesagt zum Nkwali Camp in der Nähe des Haupteingangs des Parks. Der Bereich hier unterscheidet sich sehr stark von dem der Buschcamps. Die Landschaft ist hier offener und weitläufiger, so dass man Tiere schon in größerer Entfernung ausmachen kann. Dass man sich darauf aber nicht verlassen sollte, lerne ich schon an meinem ersten Abend auf Wildbeobachtungsfahrt des Camps.

Wir haben einen traumhaften Platz direkt am Ufer des Luangwa Flusses gefunden, um den Sonnenuntergang zu genießen. Als wir das Fahrzeug verlassen, stärken wir uns mit ein paar Keksen und erkunden ein bisschen unsere Umgebung. Auf Weisung unseres Guides bleiben wir dabei aber in der Nähe des Fahrzeugs. Und dann passiert es: unser Spotter entdeckt eine Löwin! Etwa 40 Meter von uns entfernt kommt sie hinter einem Busch hervor und geht langsam in unsere Richtung. Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Ganz langsam bewegen wir uns zurück zum Fahrzeug. Unser Guide sorgt dafür, dass wir ohne Hast und trotzdem zielstrebig zurück auf den Wagen klettern, während der Spotter die Löwin im Auge behält.

Gerade als wir alle wieder im Wagen sitzen, wird uns die Ernsthaftigkeit der Situation bewusst: Ein Löwe nach dem anderen kommt aus den Büschen hervor. Es sind nun drei Löwinnen und ein Männchen, die auf uns zukommen. Sie beobachten uns, scheinen aber kein großes Interesse an uns zu haben. In einer Entfernung von etwa 10 Metern bewegen sie sich an unserem Wagen vorbei. Niemand von uns gibt einen Laut von sich, alle sind fasziniert von der Situation. Als die Gruppe an uns vorbei ist, wird uns unser Glück bewusst. Nicht nur das Glück, eine Gruppe von Löwen aus nächster Nähe beobachtet zu haben. Sondern auch das Glück, in einer solchen Situation von einem äußerst professionellen Team aus Guide und Spotter begleitet zu werden.

Wir drehen unser Fahrzeug und folgen der Gruppe in einigem Abstand. Es macht allen Anschein, als wenn die vier Löwen auf einem Beutezug sind. Ganz langsam und fast vollkommen geräuschlos nähern sie sich einer Gruppe Impalas. Da beschließen wir, die Gruppe in Ruhe zu lassen und umzudrehen. Wir möchten nicht in den Beutezug eingreifen und ihn möglicherweise stören. Wir haben genug erlebt für den Abend. Auf unserem Rückweg zum Camp unterhalten wir uns angeregt über die unwirkliche Situation und können unser Glück noch immer nicht fassen.

In den kommenden Tagen besuche ich noch zahlreiche weitere Camps. Auf Buschwanderungen und Wildbeobachtungsfahrten erlebe ich unter anderem Giraffen aus nächster Nähe und Löwen, die ein Puku frisch getötet haben und beim Fressen von Hyänen gestört werden. Doch im South Luangwa Nationalpark erlebe ich nicht nur unvergessliche Wildbeobachtungen und faszinierende Landschaften. Auch das Engagement der Guides, ihrer Spotter und der gesamten Campcrews haben meinen Besuch in diesem Park zu etwas ganz besonderem gemacht.

Auf meinem Rückweg zum Mfuwe Airport scheint sich der Park von mir verabschieden zu wollen. Unmittelbar vor uns auf der Straße steht ein junger Leopard. Wie die Löwen einige Tage zuvor lässt auch er sich nicht von uns stören und läuft einige Meter neben unserem Fahrzeug her, bevor er im Busch verschwindet. Was für ein Abschied von diesem atemberaubenden Nationalpark!


Ihr Sebastian Jandt

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

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South Luangwa Nationalpark, Sambia

South Luangwa Nationalpark, Sambia

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