Raindrops are falling on my head - das hätte der Soundtrack für unsere erste Nacht in der Kulala Desert Lodge sein können.
Bei starkem Wind, wolkenbehangenem Himmel und einsetzendem Regen kamen wir in der Lodge an und wurden gleich freundlich mit einem Cocktail begrüßt. „Regen. – hier? Ist das denn normal?“ Eigentlich hätte ich gedacht, dass es hier unten so dicht bei den weltbekannten Düen des Sossusvlei nicht regnet. Angula, unser Guide erklärte uns auf unserer „Sundownerfahrt“ (von Sonne war heute leider gar nichts mehr zu sehen), dass es sehr ungewöhnlich ist, dass es hier regnet und er dieses Wetter auf eine Schlechtwetterfront in Südafrika zurückführe. Wir ließen uns von diesem Wetter jedoch nicht die Stimmung trüben und genossen die Fahrt in vollen Zügen. Unser Guide zeigte uns unterwegs eine Menge interessanter Dinge. Besonders blieb mit das Nest der Siedlerweber im Gedächtnis. Schon auf unserer bisherigen Reise, haben wir schon in Bäumen und auf Telefonmasten Nester dieser Vögel gesehen und fragten uns immer, was das denn sein soll. Das Hineinfotografieren, so erklärte uns Angula, sei sehr gefährlich, denn häufig halten sich Kapkobras und andere Schlangen in der Nähe der Nester im Baum auf und sprühen bei Gefahr Gift. Die Vögel selbst sind sehr sozial und leben in Gruppen von bis zu 300 Tieren. Sobald weitere Küken schlüpfen wird das Nest erweitert, so dass dieses immer größer (bis zu 4 m Durchmesser! – was für Baukünstler) wird. Und wie so oft: der letzte ist schuld, wenn es dann runterfällt. Das kommt leider auch hin und wieder vor.
Etwas durchgefroren kamen wir nach ca. zwei Stunden wieder in der Lodge an und genehmigten uns gleich eine warme Dusche. Dabei fiel uns auf, dass ein großer Blecheimer in der Dusche steht. Etwas verwundert, ob diesen wohl die Putzfrau vergessen hat, stellten wir ihn beiseite. Später erfuhren wir, dass der Eimer dazu dient, das kalte Wasser aufzusammeln, das zuerst aus dem Hahn kommt, bevor das heiße Wasser fließt. Das Wasser im Eimer verwenden die Zimmermädchen anschließend, um das Zimmer zu putzen. Eine sehr umweltfreundliche Idee, zumal in Namibia jeder Tropfen Wasser zählt – vor allem in der Wüste.
Nach dem Abendessen gingen wir zeitig ins Bett, denn schließlich mussten wir am nächsten Morgen früh raus für unsere Fahrt ins Sossusvlei. Angula wollte uns um 05:00 Uhr wecken! Na dann, Gute Nacht!
Am nächsten Tag …der frühe Vogel fängt den Wurm
Mit einem fröhlichen „Good Morning“ wurden wir um Punkt 05:00 Uhr von Angula aus unserem Träumen gerissen. Nach einem letzten Umdrehen und einer kurzen Katzenwäsche überprüften wir noch einmal, ob wir alles nötige für unsere Exkursion beisammen hatten. Wie war das noch einmal? Was hat Angula gemeint, sollten wir alles mitnehmen? Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnencreme, Fotoapparat, feste Schuhe und gute Laune. Wasserflaschen nimmt er in seiner Kühlbox mit.
So, dann hätten wir alle 7 Sachen beisammen. Wir machten uns auf den Weg in Haupthaus, wo wir mit einem ersten kleinen Frühstück empfangen wurden. Eine Tasse Kaffee und eine bisschen Obstsalat und los geht es. Noch etwas verschlafen kletterten wir dann in den Jeep, um pünktlich um 06:00 Uhr in Richtung Dünen aufzubrechen. Langsam aber sicher wich die Müdigkeit der Vorfreude auf den bevorstehenden Sonnenaufgang. Dank der rasanten Fahrkünste und des privaten Eingangs, die die Kulala Konzession zum Sossusvlei Gebiet hat, kamen wir gerade noch pünktlich bei Düne 1 an, als die Sonne langsam hinter den Bergen hervorlugte. Schnell wurden die Fotoapparate gezückt, um dieses Naturschauspiel für immer festzuhalten. Wie bestellt, setzte sich noch ein Oryx gekonnt vor der Düne in Szene und rundete diesen einmaligen Augenblick ab. Wir setzten unsere Fahrt fort und fuhren wenig später an der berümten „Dune 45“ vorbei, die mit vielen Bussen schon stark frequentiert war.
Wir machten auf dem Parkplatz Rast, bevor wir die letzen 5 km Tiefsandstrecke bis zum Sossusvlei in Angriff nahmen. Unser Guide und auch ein Schild, wiesen uns darauf hin, daß diese letzen 5km nur mit Allrad befahren werden dürfen.
Für alle, die nicht selbst mit dem Allrad fahren oder mit einem Guide ins Vlei fahren, stehen Allradshuttles zur Verfügung.
Im Sossusvlei angekommen sind wir rundherum von roten Sanddünen umgeben, die bis zu 300 Meter hoch sind und zu den höchsten Dünen der Welt zählen. Das Farbspiel ist spektakulär und wir sind sehr beeindruckt von dieser atemberaubenden Sandwelt. Wir verließen in der Nähe der bekannte Düne „Big Daddy“ das Auto und wanderten tiefer in die Dünenwelt hinein.
Nachdem wir eine weitere kleine Düne überwunden hatten, wurden wir mit einem spektakulären Blick auf das "Dead Vlei" belohnt. 600 – 900 Jahre alte, vertrocknete Kameldornbäume, die wie verbrannt wirken, ragten aus einer weißen Fläche auf und standen im schönen Kontrast mit den hohen roten Sanddünen, die dieses Schauspiel gekonnt einrahmten. Auf eigene Faust erkundeten wir dann mit Foto und Wasserfalsche ausgerüstet diese unwirtliche Landschaft und schossen viele beeindruckende Bilder.
Anschließend wanderten wir zurück zum Jeep und fuhren eine kurze Strecke zur imposanten Düne „Big Mama“, die wir „Big Daddy“ ebenfalls eine enorme Höhe hatte.
Jetzt hieß es alle Kräfte mobilisieren für den Aufstieg auf „Big Mama“. Im Gänsemarsch liefen wir auf dem Kamm immer weiter nach oben. Hierbei lautete die Devise: „Immer schön in die Fußstapfen des Vordermann treten und bloß nicht nach links und rechts schauen, weil man so leicht ins Straucheln gerät.
Der fantastische Ausblick den wir schließlich genossen, entschädigte uns für den doch etwas anstrengenden Aufstieg. Dünen, Landschaft, Weite, so weit das Auge reicht. Noch nie habe ich so etwas Schönes gesehen. Das Beste was man hier tun kann, ist sich für ein paar Minuten einfach nur hinzusetzen und die atemberaubende Aussicht genießen.
Doch dann mussten wir schon wieder an den Abstieg denken und wer jetzt gedacht hat, dass wir den gleichen Weg wieder zurückgehen, der hat weit gefehlt. Angula sagte uns, dass wir einfach die Düne seitlich herunter rennen.
Wir waren hier über 200m über dem Boden. Doch wie es immer so ist, war der erste Schritt der schwierigste. Doch als man sich überwunden hatte, den ersten Schritt zu machen, war es ganz einfach. In Schlangenlinien rannten wir mehr oder weiniger schnell die Dünen herunter. Unten angekommen strahlten wir alle um die Wette und waren uns einig. Nachdem sich unsere Euphorie etwas gelegt hatte, wanderten wir gemütlich zum Jeep zurück und Angula fuhr mit uns zu einem schattigen Plätzchen, wo wir unseren Lunch entgegennahmen. Dann mussten wir leider wieder an den Aufbruch denken, packten gemeinsam alles zusammen und verabschiedeten uns mit einem wehmütigen Blick vom imposanten Naturschauspiel Sossusvlei. Gegen 12 Uhr waren wir wieder zurück im Camp.
Hier verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft, dem Kulala Wilderness Camp, das in einem anderen Teil der Kulala Konzession liegt. Hier wurden wir schon sehnsüchtig erwartet und die Freude über uns „two girls travelling alone“ war groß. Wir wurden zu unserem Chalet begleitet und genossen dann auf unserer Terrasse den fantastischen Weitblick. Um 18:00 Uhr machten wir uns mit unserem neuen Guide Jimmy auf Sundownerfahrt. Dieses Mal bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem, wolkenlosem Himmel. Jimmy hat für unsere Sundwoner ein ganz besonderesn Fleckchen ausgesucht. Hoch auf einem Berg, mit atemberaubendem Blick über eine weite Ebene der Kulala Konzession, nahmen wir unseren Sundowner zu uns und beobachteten, wie die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand und die Landschaft in ein traumhaftes Licht tauchte. Auf dem Gelände gab es auch mehrere Fairy Circles (die sog. Hexenringe), Hier handelte es sich um vegetationslose, meist runde Flächen mit einen Durchmesser von 5-8 Metern, die von dicht stehendem Gras umrandet wurden. Jimmy erklärte uns, dass es unterschiedliche Thesen gäbe, wie diese Flächen entstehen, aber wirklich wissen würde es niemand.
Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zurück in der Lodge. Nach dem Essen fielen wir nach einem aufregenden und erlebnisreichen Tag müde ins Bett.

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia

Kulala Konzession, Namibia
